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epa08249396 (FILE) - Maria Sharapova of Russia poses in front of the Eiffel Tower with her trophy for winning the women's final of the French Open in Paris, France, 08 June 2014 (re-issued 26 February 2020). Five-time grand slam champion Sharapova announced her retirement from professional tennis according to reports 26 February 2020.  EPA/ETIENNE LAURENT *** Local Caption *** 52635368

Maria Scharapowa tritt 32-jährig zurück. Bild: EPA

Maria Scharapowa tritt zurück – sie bleibt als Königin der Inszenierung in Erinnerung

Im Alter von 32 Jahren tritt mit Maria Scharapowa eine der schillerndsten Figuren des Frauentennis zurück. Die Russin war die Nummer 1 der Welt und gewann fünf Grand-Slam-Turniere. Nach ihrer Dopingsperre schaffte sie den Anschluss an die Weltspitze nicht mehr. Eine Würdigung.

simon häring / ch media



Durch das Tennis wurde Maria Scharapowa zu einem der bekanntesten Gesichter des Sports. Und zu einem der reichsten. Was immer die Russin in ihrem Leben und in ihrer Karriere tat schien minutiös und bis ins letzte Detail geplant. So überrascht es auch nicht, dass sie ihren Rücktritt im Lifestyle-Magazin «Vanity Fair», in ihrer eigenen Kolumne verkündete.

«Tennis, ich sage goodbye», stand in grossen Lettern, daneben ein Schwarz-Weiss-Porträt von Scharapowa mit zerzaustem Haar und leicht geöffneten Lippen. Sie habe ihr ganzes Leben dem Sport gegeben, «und Tennis gab mir ein ganzes Leben zurück», schreibt Scharapowa. Ihr Stern ging 2004 in Wimbledon auf, als sie 17-jährig im Final die Nummer 1 der Welt, Serena Williams, besiegte.

Es war der Anfang einer Rivalität, die aus sportlicher Perspektive nie eine war. Scharapowa gewann im gleichen Jahr noch einmal gegen Williams, verlor aber seit 2014 alle 18 Duelle, das letzte 2019 in Startrunde der US Open gleich mit 1:6, 1:6.

Tennis sei ihr Fels gewesen, heisst es in der Kolumne, «die Täler waren tief, aber die Aussicht von der Spitze war unglaublich.» Nach 28 Jahren in dem Sport sei sie nun aber bereit, «neue Gipfel zu besteigen, mich auf einem anderen Terrain als Wettkämpferin zu beweisen.» Es seien vor allem körperliche Beschwerden, die die Russin 28 Jahre nach ihren ersten Versuchen mit Ball und Schläger zu diesem Schritt bewogen hätten.

Immer wieder sei sie mit denselben Situationen konfrontiert worden: «Hast du genug getan? Bist du gut vorbereitet? Du hattest ein paar Tage Auszeit, dein Körper verliert Spannung. Noch ein Stück Pizza? Besser noch eine Trainingseinheit. Das hinterlässt Spuren.» In ihr war die Erkenntnis gereift, dass sie ihre Körper genug geschunden hat. Spätestens im letzten Herbst, als sie nur noch mit Schmerzmitteln habe spielen können.

2004 gewann Scharapowa in Wimbledon

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Video: YouTube/Wimbledon

Seither spielte Scharapowa nur noch zwei Matches, sowohl in Brisbane als auch bei den Australian Open verlor sie in der Startrunde. Zuletzt wurde die Russin nur noch im 373. Rang der Weltrangliste geführt. Die letzten Jahre waren von zahlreichen Verletzungen geprägt. Und vom düstersten Kapitel in ihrem Leben. 2016 war Scharapowa während der Australian Open positiv auf die Substanz Meldonium getestet worden.

Der Wirkstoff kommt in herz- und kreislaufwirksamen Medikamenten zum Einsatz. Scharapowa sagte aus, sie habe wegen Magnesiummangels, Schwindel und einer familiären Vorbelastung für Diabeteserkrankungen während mehr als zehn Jahren Meldonium zu sich genommen. Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass die Substanz ab dem Jahr 2017 auf der Dopingliste stehe. Ihre Sperre wurde von zwei Jahren auf 15 Monate reduziert.

Trotz Dopingsperre immer in den Schlagzeilen

Trotz der Sperre verschwand Scharapowa nie aus den Schlagzeilen. Von allem Anfang an wurde ihre Absenz von ihrem Agenten Max Eisenbud inszeniert. Als im Mai 2016 die French Open gespielt wurden, bewarb die Russin in Paris ihre Süssigkeitenlinie «Sugarpova». Im Monat darauf erschien «The Point», ein Film, der die 15-monatige Absenz dokumentiert. Und im September erschien die Biografie «Unstoppable» (Unaufhaltsam).

Vor dem ersten Spiel der US Open 2017 erzählte sie, die als 7-Jährige aus Sibirien in die Bollettiere-Akademie nach Florida gewechselt war, dass sie dort einst die Kleider ihrer Landsfrau Anna Kournikowa getragen habe. Wieder so eine nette Anekdote. Wieder so eine schöne Inszenierung von der Frau, die den Platz immer auch als Laufsteg der Eitelkeiten verstand.

epa05200013 Russian tennis player Maria Sharapova announces that she has tested positive for a banned substance at a press conference at the LA Downtown Hotel in Los Angeles, California, USA, 07 March  2016. Sharapova said she failed a drug test at the Australian Open in January.  EPA/MIKE NELSON

2016: Scharapowa verkündet ihre Dopingsperre. Bild: EPA/EPA

So spielte sie bei ihrem letzten Auftritt in Betonschüssel von New York in einem vom Designer Riccardo Tisci für sie entworfenen Cocktail-Kleid. Es ist schwarz und mit Spitzeneinlässen verziert. Maria Scharapowa sagte damals: «Hinter allen diesen Swarovski-Perlen steckt ein Mädchen mit sehr viel Mut und Charakterstärke. Und es hat nicht vor, so schnell zu verschwinden.»

Obwohl sie sich auf Hartbelägen am wohlsten fühlte, gewann Scharapowa zwei ihrer fünf Grand-Slam-Titel in Paris. Nebenbei kreierte sie auch das Bonmot, wonach sie sich auf Sand «wie eine Kuh auf Eis» gefühlt habe. Scharapowa gewann 36 Titel, 2012 an den Olympischen Spielen in London Einzel-Silber, 2008 mit Russland den Fed Cup. Während 21 Wochen führte sie die Weltrangliste an, erstmals im August 2005.

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Maria Scharapowa zeigt ihr Haus. Video: YouTube/Architectural Digest

Es sind erstaunliche Zahlen für eine, deren Spiel immer auch belächelt worden war. Nicht nur wegen des lauten Stöhnens, das die meisten ihrer Schläge begleitete, sondern vor allem auch in technischer Hinsicht. Bis zu ihrer ersten Schulteroperation im Jahr 2008 verfügte Scharapowa über einen erstklassigen Aufschlag, ihr Prunkstück war die Rückhand.

Am Netz fühlte sie sich hingegen nie wohl, den Volley spielte sie bis zuletzt immer mit einer Topspin-Bewegung. Zwar verfügte sie über eine erstklassige Rückhand und ein kraftvolles Spiel, doch die Vorhand war so anfällig, dass Scharapowa einmal sogar mit dem Gedanken spielte, sie künftig mit der linken Hand zu spielen.

Vielleicht war aber auch das nur reine Koketterie von der Königin der Inszenierung. Auch das wird künftig fehlen.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • John Henry Eden 27.02.2020 11:33
    Highlight Highlight Definitiv ein Verlust für das Frauentennis.

    До свидания, Мария!
  • Boaty McBoatface 27.02.2020 11:24
    Highlight Highlight Somit kann man die Oropax wieder rausnehmen
  • Clank 26.02.2020 23:54
    Highlight Highlight Sharapowa war irgendwie wie die Beckham vom Frauentennis.
    • MartinZH 27.02.2020 00:10
      Highlight Highlight @Clank: Sorry, Du kannst doch nicht so ein britisches 'Cockney Girl' mit Maria Scharapowa gleichsetzen... 🤔 – Maria ist doch eine ganz andere Liga..! 😉
    • feuseltier 27.02.2020 11:28
      Highlight Highlight Aber bei beiden wehte die blonde mähne😄
    • MartinZH 27.02.2020 12:41
      Highlight Highlight @feuseltier: Häh? 🤔 "Posh Spice", bzw. Victoria Beckham (formerly Adams) mit blonder Mähne? 😂
      Benutzer Bild
  • MartinZH 26.02.2020 22:09
    Highlight Highlight Ich habe Maria Scharapowa, wie auch Anna Kurnikowa, immer gerne beim Tennisspielen zugesehen. 🙄
    • Al Paka 26.02.2020 23:27
      Highlight Highlight 😏
      Und dies natürlich nur, weil sie so gut Tennis gespielt haben? 🙃
    • MartinZH 26.02.2020 23:51
      Highlight Highlight Al Paka: Natürlich hat Martina Navrátilová richtig gut Tennis gespielt..! 👍 Maria Scharapowa und Anna Kurnikowa haben aber definitiv mehr Ballgefühl... 😉😂
    • MartinZH 27.02.2020 00:22
      Highlight Highlight @Al Paka: Martina Navrátilová hat natürlich noch viel besser Tennis gespielt..! 😏
    Weitere Antworten anzeigen
  • Max321 26.02.2020 20:35
    Highlight Highlight Bye Scream Queen!
    • Team Insomnia 27.02.2020 16:45
      Highlight Highlight Happy-Hippo Williams ist aber noch dabei.
  • Gawayn 26.02.2020 20:27
    Highlight Highlight "Ich wußte nicht das dieses Produkt verboten ist, ich habe es nur wegen, (hier x beliebige Krankheit Allergien etc eintragen...)"
    Sorry den Spruch bringen doch alle!
    Die Doping Liste können alle einsehen.
    Für profi Sportler und Trainer ist es Pflicht die zu kennen.

    Diese Entschuldigung dürfte nie und nimmer gelten!
    • slick 26.02.2020 22:09
      Highlight Highlight Meldonium war aber vorher nie auf der Liste. Die neue Liste für 2017 wurde per E-Mail! an die Spielerinnen verschickt. Das kann schonmal übersehen werden! Dann wurde sie bei erster Gelegenheit im Januar gleich positiv getestet. Schon sehr unglücklich gelaufen und 15 Monate waren immernoch sehr hart. Ich werde sie vermissen.
    • Gawayn 27.02.2020 05:54
      Highlight Highlight Es gibt eine Regel:
      "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht"
      Ja alle aktiven Profi Sportler sowie Trainer erhalten die Liste.
      Die hat nicht übersehen zu werden.
      Besagte Liste kann aber auch von allen jeder Zeit eingesehen oder angefordert werden.

      Natürlich sind 15 Monate hart.
      Aber was bringt eine Regel wenn die Ausrede
      "Oups.. wusste ich nicht.."
      Angenommen wird?
    • MeinSenf 27.02.2020 07:42
      Highlight Highlight Nachtreten tut guet, gell?
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