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Der Schweizer Goalie Gerald Rigolet wird am 13. Maerz 1971 von seinen Mitspielern nach dem Spiel gegen die DDR zu seiner tadellosen Leistung beglueckwuenscht. Waehrend des Spiels musste Rigolet seinen verletzten Arm bandagieren lassen und weist auch im Gesicht deutliche Kampfspuren auf. Die Schweiz gewinnt an der Eishockey B-Weltmeisterschaft das Spiel in Bern gegen die DDR mit 3:1. (KEYSTONE/Photopress-Archiv/Str)

Die Mitspieler feiern ihren lädierten Torhüter. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Unvergessen

Gérald Rigolet hext die Schweiz ohne Maske und mit 68 Paraden zum Aufstieg

13. März 1971: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft feiert einen ihrer legendärsten Siege. Dank dem 3:1 gegen die DDR in Bern steigt sie wieder in die A-WM-Gruppe auf. Unbestrittener Held des Abends: Goalie Gérald Rigolet.



Die Schweiz startet ohne Kredit in die B-WM 1971, die in Bern, Genf, Lyss und La Chaux-de-Fonds ausgestragen wird. Ja, laut der «Schweizer Illustrierten» haben sie gar viele Beobachter als Absteigerin auf der Rechnung. Doch es kommt alles ganz anders.

Die Eishockey-Nati schlägt Österreich und Norwegen, holt gegen Polen ein 4:4 und gewinnt danach gegen Jugoslawien und Japan. So hat das vorletzte Spiel gegen die DDR Finalcharakter: Wer gewinnt, steigt auf. Denn in der letzten Partie steht mit Italien Kanonenfutter auf dem Schweizer Spielplan.

«Tutu» schlägt doppelt zu

Der Auftakt gegen die Ostdeutschen gelingt perfekt. Michel «Tutu» Turler, vier Mal Torschützenkönig der Nationalliga A, bringt die Schweiz mit einer Doublette schon nach sieben Minuten mit 2:0 in Führung. Aber so lange wie das Spiel noch dauern wird, so lange ist auch mit Widerstand der DDR zu rechnen.

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Gezeichnet vom Kampf hext Rigolet die Schweiz zum Sieg. bild: schweizerisches nationalmuseum/ASL

Schuss um Schuss fliegt aufs Tor von Gérald Rigolet zu, die Ostdeutschen sind überlegen. Erst in der 57. Minute folgt die kollektive Erleichterung bei den 11'000 Zuschauern in der Berner Allmend-Halle, als Guy Dubois das 3:1 erzielt. Besonders wegen der letzten Minuten geht die Partie in die Hockeygeschichte ein: Rigolet spielt sie nach dem Zusammenprall mit einem gegnerischen Spieler ohne Helm und mit zwei blutenden Kopfwunden zu Ende.

Sagenhafte 68 Schüsse wehrt der Schweizer Goalie an diesem Abend ab. Der Aussenseiter hat tatsächlich ein kleines Wunder geschafft. Die Bundesräte Ernst Brugger und Ludwig von Moos machen sich schnurstracks auf in die Kabine, um den Helden persönlich zu gratulieren. Die «Schweizer Illustrierte» lobt Nationaltrainer Gaston Pelletier: «Mit sanfter Gewalt sorgte er für eine Disziplin, die keinem Beschwerden machte.»

Schweiz – DDR 3:1 (2:0,0:1,1:0)

Eishalle Allmend, Bern. – 11'000 Zuschauer. – Schiedsrichter: Valentin/Janezic (Ö/Jug).
Tore: 4. Turler 1:0. 7. Turler 2:0. 37. Peters 2:1. 57. Dubois 3:1.
Strafen: 4 x 2 Min. gegen die Schweiz, 5 x 2 Min. plus 1 x 10 Min. gegen die DDR.
Schweiz: Rigolet; Furrer, Sgualdo; Aeschlimann, Huguenin; Reinhard, Turler, Keller; Lüthi, Chappot, Pousaz; Dubois, Wittwer, Neininger; Berra.
DDR: Fischer; Slapke, Schur; Schmidt, Thomas; Braun; Breitschuh, Prusa, Nickel; Peters, Patschinski, Noack; Bielas, Meisel, Novy.

Sapporo als legales Doping

Die letzte Partie gegen Italien wird dann zwar nicht zum erwarteten Schaulaufen, aber dank eines dennoch souveränen 5:0-Siegs steigt die Schweiz in die A-WM auf. «Mit Sprechchören ‹Rigolet! Rigolet!› begann diese letzte Partie, mit den gleichen Rufen wurde sie beendet», notiert die NZZ. Der Torhüter wird ins All-Star-Team des Turniers gewählt, gemeinsam mit Stürmer Turler und Verteidiger Marcel Sgualdo stellt die Schweiz die Hälfte der Auswahl.

Die Presse ortet als Grund für den unerwarteten Erfolg die Olympischen Spiele 1972. Noch selten hätten sich nämlich Schweizer Eishockeyspieler derart zerrissen, beobachtet die «Schweizer Illustrierte». Mit dem Turniersieg hat sich die Schweiz für die Spiele in Sapporo qualifiziert, nun muss das nationale olympische Komitee entscheiden, ob sie das Team nach Japan schickt. Hexer Rigolet fordert: «Jetzt müssen die Gelder locker gemacht werden, jetzt müssen wir wie Profis trainieren. Jetzt müssen wir unsere Position halten mit all den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.»

Der Schweizer Goalie Gerald Rigolet lenkt beim Turnier um den Spengler Cup in Davos beim Spiel der Schweiz gegen die Kingston Aces neben das Tor, aufgenommen am 28. Dezember 1967. Die Schweiz, dunkles Dress, verliert das Spiel gegen die kanadischen Kingston Aces mit 0:2. (KEYSTONE/Str)

Rigolet 1967 am Spengler Cup bei der 0:2-Niederlage des Nationalteams gegen die Kingston Aces aus Kanada. Bild: KEYSTONE

Letztlich entscheidet sich der Verband für eine Teilnahme. Aber die Eishockey-Nati kann nichts zu den «Goldenen Tagen von Sapporo» beisteuern, in denen die Schweizer Equipe von Erfolg zu Erfolg eilt. In einem absurden Modus entscheidet zunächst ein einziges Spiel, ob man um die Plätze 1 bis 6 oder 7 bis 11 spielt. Die Schweiz verliert es gegen die USA mit 3:5 und kommt in die B-Gruppe.

Dort ist Deutschland zu stark (0:5) und nach zwei 3:3-Unentschieden gegen Japan und Jugoslawien hofft die Schweiz, wenigstens im letzten Spiel der Olympischen Spiele einen Sieg einzufahren. Vergeblich: Gegen Norwegen verliert sie trotz einer Führung nach zwei Dritteln mit 3:5.

Gerald Rigolet, Goalie HC La Chaux-de-Fonds, wehrt beim Turnier um den Spengler Cup in Davos im Spiel gegen SKA Leningrad einen Schuss zur Seite ab, aufgenommen am 27. Dezember 1971. SKA Leningrad, helles Dress, gewinnt das Spiel gegen den HC La Chaux-de-Fonds mit 7:2. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Ke)

Kurz vor Sapporo später spielt Rigolet mit Maske am Spengler Cup: Gegen SKA Leningrad verliert La Chaux-de-Fonds 2:7. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Karriere-Ausklang in Zug

Für Gérald Rigolet endet damit auch die Laufbahn auf der grossen Bühne. Nach sieben Meistertiteln, zwei mit Villars und fünf mit La Chaux-de-Fonds, wechselt er 31-jährig zum EV Zug. Der ist noch kein gestandener Klub, sondern spielt bloss in der 1. Liga.

In der ersten Saison marschieren die Zentralschweizer durch und gewinnen alle 36 Meisterschaftsspiele, doch in den Aufstiegsspielen scheitern sie überraschend an Arosa. Also heisst es: noch einmal eine Saison in der 1. Liga. Im zweiten Anlauf klappt es mit dem Aufstieg in die Nationalliga B. Und beinahe marschiert der EVZ sogar in die höchste Spielklasse durch. Am Ende fehlt ein Punkt – und die Zuger sind davon überzeugt, dass es daran gelegen hat, dass ihr grosser Rückhalt Rigolet zu Beginn der Aufstiegsrunde verletzt ausgefallen ist.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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