DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nobuhiro Sugawara verwandelt eiskalt – ins eigene Tor.
Nobuhiro Sugawara verwandelt eiskalt – ins eigene Tor.bild: youtube
Unvergessen

Ein Japaner bejubelt das lustigste Eigentor der WM-Geschichte

27. April 2004: Japan und Dänemark sind an der A-WM 2004 in Tschechien Aussenseiter. Sie wissen: Der Abstieg droht. Dann entscheidet Nobuhiro Sugawara die Partie mit einem Eigentor! Und glaubt erst noch kurz, dass er sein Team zum Sieg schoss …
27.04.2022, 00:0127.04.2022, 06:19
Reto Fehr
Folgen

Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Oder hätte irgendjemand gedacht, dass ein Spieler an einer WM im entscheidenden Spiel aufs eigene Tor schiessen würde, weil er glaubt, es sei das gegnerische, und sich dann auch noch kurz freut? Bis zur Eishockey-WM 2004 war dies undenkbar. Dann kam Nobuhiro Sugawara.

Japan und Dänemark sind in der Vorrundengruppe C mit Russland und Schweden klare Aussenseiter. Die beiden Teams wissen vor dem Direktduell: Wer hier verliert, dem droht die Relegation in der Abstiegsrunde. Entsprechend verläuft die Partie. Dänemarks Morten Green erinnert sich noch Jahre später: «Wir zitterten und waren nervös. Wir lieferten eines der schlechtesten Nationalmannschafts-Spiele der letzten Jahre ab.»

Die ganze Eishockey-Welt kennt wohl höchstens zwei japanische Eishockey-Spieler: Den Ex-Luganesi und -Davoser Steve Tsujiura und Eigentorschütze Nobuhiro Sugawara.
Die ganze Eishockey-Welt kennt wohl höchstens zwei japanische Eishockey-Spieler: Den Ex-Luganesi und -Davoser Steve Tsujiura und Eigentorschütze Nobuhiro Sugawara.

Die Partie verläuft ausgeglichen. Dänemark geht 1:0 in Führung, Japan dreht zum 2:1, das erste Drittel endet 2:2. Im Mittelabschnitt gehen die Asiaten erneut in Führung, doch Kim Staal gleicht bis zur zweiten Sirene im Powerplay zum 3:3 aus.

Das Tor ist offen – also rein mit dem Puck!

Im dritten Abschnitt ereignet sich das, worüber Green auch noch viele Jahre später kopfschüttelnd sagen wird: «Was für ein Eigentor! Ich habe noch nie so etwas gesehen!»

Was war geschehen? Dänemarks Bo Nordby Andersen kämpft sich in der 44. Minute rechts ans japanische Tor heran und legt den Puck an Keeper Yutaka Fukufuji vorbei in den Slot. Dort steht aber kein Däne, sondern nur Japans Verteidiger Nobuhiro Sugawara. Dieser gilt mit 30 Jahren als Routinier und solider Verteidiger. Zwei Weltmeisterschaften hat er schon bestritten. Doch was macht Sugawara? Er hämmert die Scheibe ins offene Tor. Und jubelt im ersten Moment über seinen Treffer!

Das unfassbare Eigentor von Sugawara.Video: YouTube/jan272727

Allerdings merkt er schnell: falsches Tor! Sugawara wirft den Stock in die Luft und geht zu Boden. Am liebsten würde er in selbigem versinken. Minutenlang sitzt er danach wie ein Häufchen Elend auf der Spielerbank. Erst kurz vor Schluss bestreitet er wieder Einsätze. Aber das 4:3 für Dänemark bleibt. Japan muss in die Abstiegsrunde.

«Ich werde es nie vergessen»

Dort kommt es knüppeldick für das Land der aufgehenden Sonne. Ein 2:2 gegen die Ukraine, eine 3:5-Niederlage gegen Kasachstan und noch ein 2:2 gegen Frankreich bedeuten den Abstieg.

Dänemarks Angreifer Green kann es auch Jahre später noch nicht glauben: «Ich werde es nie vergessen. Ich traute meinen Augen nicht. Er knallte den Puck ins eigene Tor.» Sachen gibt's, die gibt's zwar. Aber sie sind auch mit einigem Abstand noch völlig unverständlich.

Unvergessen
In der Serie Unvergessen blicken wir am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese Eishockey-Legenden sind im Triple-Gold-Club

1 / 31
Diese Eishockey-Legenden sind im Triple-Gold-Club
quelle: ap/ap / michael dwyer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wenn ein Date kommentiert würde wie ein Sport-Event

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
insert_brain_here
27.04.2020 09:26registriert Oktober 2019
Das wirklich tragische an der Geschichte ist doch: Da reisst sich ein Sportler sein halbes Leben lang den Arsch auf, tausende Stunden voller Einsatz im Training und Spiel, doch schlussendlich bleibt er wegen diesem einen Moment in Erinnerung.
682
Melden
Zum Kommentar
avatar
banda69
27.04.2020 10:21registriert Januar 2020
... auch Schweizer können ganz tolle Eigentore erzielen.
440
Melden
Zum Kommentar
avatar
Blizzard_Sloth
27.04.2017 11:30registriert Februar 2015
Ein echter Eishockey-Fan kennt auch Taro Tsujimoto von den Tokyo Katanas!
3021
Melden
Zum Kommentar
8
Air Jordans Chicago Bulls laufen die Gegner wortwörtlich davon
27. Mai 1991: In der NBA geht eine grosse Ära zu Ende und eine noch grössere beginnt. Als das Ausscheiden gegen die Chicago Bulls nur noch Sekunden entfernt ist, verlassen die Stars der Detroit Pistons einfach so das Feld.

7,9 Sekunden sind noch zu spielen in Detroit. Die Bulls aus Chicago führen bei den Pistons deutlich. Sie werden auch Spiel vier der Playoff-Serie gewinnen und den amtierenden NBA-Champion in die Ferien schicken. Pistons-Star Isiah Thomas und seine Kollegen können es offenbar kaum erwarten. Sie verlassen die Halle, um den Siegern nicht die Hand schütteln zu müssen. Nur noch fünf nominelle Ersatzspieler bleiben als Vertretung auf dem Parkett zurück.

Zur Story