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Die Sensation ist perfekt: Die Schweizer Eishockey-Nati steht im WM-Final.
Die Sensation ist perfekt: Die Schweizer Eishockey-Nati steht im WM-Final.Bild: KEYSTONE
Unvergessen

Die Hockey-Nati putzt die USA weg und holt die erste WM-Medaille seit 60 Jahren

18. Mai 2013: Was ist das für eine rauschhafte WM. Die Schweiz pflügt sich mit lauter Siegen durch die Vorrunde, sie gewinnt ihre Gruppe und wird erst im Final von Gastgeber Schweden gestoppt. Da hat sie Edelmetall aber bereits auf sicher.
18.05.2020, 00:0115.05.2020, 14:11

Das gab es noch nie: Ein Eishockey-Spiel ist im Jahr 2013 die Sportübertragung mit den meisten TV-Zuschauern. Fast 1,2 Millionen Schweizer drücken der Hockey-Nati im Final gegen Schweden die Daumen. Es nützt leider nichts. Das Spiel geht 1:5 verloren, obwohl Roman Josi die Nati in der fünften Minute in Führung bringt und obwohl es bis zur 47. Minute erst 1:2 steht.

Doch die Niederlage schmerzt nur kurz. Letztlich überwiegt die riesige Freude über das Erreichte: Erstmals nach 60 Jahren gewinnt die Schweiz an einer Eishockey-WM wieder eine Medaille. Silber glänzt beinahe wie Gold.

Heldenempfang am Flughafen: Trainer Simpson mit WM-Silber um den Hals.
Heldenempfang am Flughafen: Trainer Simpson mit WM-Silber um den Hals.Bild: KEYSTONE

7 Spiele, 7 Siege in der Vorrunde

Mit viel Vorschusslorbeeren reist die Auswahl von Trainer Sean Simpson nicht zur WM. Das Ziel lautet, wie fast immer, in die Viertelfinals vorzustossen. Doch dann beginnt das Turnier mit einer ersten, positiven Überraschung. Die Schweiz schlägt Gastgeber Schweden mit 3:2. Danach muss mit Kanada ein weiterer Mitfavorit dran glauben, wieder siegt die Schweiz mit 3:2 – wenn auch erst im Penaltyschiessen.

Dank Suris Tor im Penaltyschiessen gewinnt die Schweiz gegen Kanada.
Dank Suris Tor im Penaltyschiessen gewinnt die Schweiz gegen Kanada.Bild: EPA

In beiden Spielen schiesst Nino Niederreiter ein Tor, der NHL-Stürmer trifft auch in der dritten Partie. Die Schweiz schlägt Tschechien mit 5:2 und hat die Viertelfinal-Qualifikation schon fast im Sack. Die Nati lässt auch in den weiteren Partien nichts anbrennen: Sie bezwingt der Reihe nach Slowenien (7:1), Dänemark (4:1), Norwegen (3:1) und Weissrussland (4:1). Die Vorrunde schliesst die Schweiz mit 7 Siegen in 7 Spielen als Gruppensiegerin ab.

Das Schweizer WM-Team
Tor: Reto Berra, Martin Gerber.
Abwehr: Severin Blindenbacher, Eric Blum, Raphael Diaz, Philippe Furrer, Robin Grossmann, Patrick von Gunten, Roman Josi, Mathias Seger, Julien Vauclair.
Sturm: Andres Ambühl, Matthias Bieber, Simon Bodenmann, Luca Cunti, Ryan Gardner, Denis Hollenstein, Thibaut Monnet, Simon Moser, Nino Niederreiter, Martin Plüss, Reto Suri, Morris Trachsler, Julian Walker.
Trainer: Sean Simpson.
Assistenten: Colin Mueller, Patrick Fischer.

«Dieses Team will mehr»

In die Viertelfinals war die Schweiz in den Jahren zuvor an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen schon öfter vorgestossen. Aber stets war in der Runde der letzten Acht Schluss. Dieses Mal sollte alles anders werden. Die Mannschaft spürt, dass wirklich etwas drinliegt. Denn anders als bei früheren Exploits kann die Nati nun auch spielerisch überzeugen. Routinier Martin Plüss erinnert daran, dass man früher hinten reingestanden sei und dann gekontert habe, «aber in diesem Jahr waren es alles herausgespielte Siege.»

Die Schweiz geht also selbstbewusst in den Viertelfinal gegen die Tschechische Republik. Trainer Sean Simpson kündigt an: «Dieses Team ist noch nicht zufrieden mit dem, was es erreicht hat. Es will mehr.» Und es kriegt mehr. Die Schweiz spielt in den ersten beiden Dritteln sackstark, sie führt mit 2:0 und lässt im Schlussabschnitt nur einen Gegentreffer zu. Erstmals seit 1998 steht die Hockey-Nati im WM-Halbfinal.

Ein emotionaler Rückblick auf die WM.YouTube/Fabian Zurbuchen

Nun wartet ein happiger Brocken: Die Vereinigten Staaten. Gleich mit 8:3 fegen die US-Boys im Viertelfinal Russland vom Eis. Aber Simpson will lieber über das eigene Team sprechen als über den nächsten Gegner: «Jetzt werden wir gefährlich. Denn nun können wir ohne Druck aufs Eis gehen und um eine WM-Medaille spielen.»

Berra mit 29 Paraden zum Shutout

Im Halbfinal drückt die Schweiz von Beginn an aufs Gaspedal. Sie hat einige sehr gute Chancen, um früh in Führung zu gehen. Doch es klappt erst bei Spielmitte: Niederreiter erzielt nach Zuspiel von Plüss das 1:0.

Nun schlägt die grosse Stunde von Reto Berra. Mal für Mal stoppt der Goalie die amerikanischen Angriffe, er hält seinen Kasten rein. Und als Julian Walker in der 51. Minute einen Konter erfolgreich abschliesst, steht es 2:0. Nur noch sehr wenig fehlt zum historischen Einzug in den WM-Final – und damit zur ersten Medaille seit Bronze im Jahr 1953.

Die drei Schweizer Tore, euphorisch kommentiert von Jann Billeter.YouTube/Russian Hockey Videos

«Besser geht es nicht»

Die Schweiz übersteht auch die letzten Minuten, Reto Suri gelingt 19 Sekunden vor dem Ende gar noch das 3:0 ins leere Tor. «Das war das Spiel aller Spiele, besser geht es nicht», jubelt der «SonntagsBlick». Leider behält die Zeitung recht: Der WM-Final gegen Schweden geht dann 1:5 verloren. Erstmals seit 27 Jahren wird ein Gastgeber auch Weltmeister.

Sportminister Ueli Maurer (links) und René Fasel, der Präsident des internationalen Eishockey-Verbands, überreichen Nino Niederreiter und Morris Trachsler die Silbermedaillen.
Sportminister Ueli Maurer (links) und René Fasel, der Präsident des internationalen Eishockey-Verbands, überreichen Nino Niederreiter und Morris Trachsler die Silbermedaillen.Bild: KEYSTONE

Die Schweiz verpasst eine Chance, wie sie sich ihr vielleicht lange nicht mehr bietet. Aber auch mit der Silbermedaille schreibt die Hockey-Nati Sportgeschichte und sorgt für Begeisterungsstürme. Das Tüpfli aufs i ist die Auszeichnung von Roman Josi zum wertvollsten Spieler der ganzen WM: Noch nie zuvor wurde ein ein Schweizer zum Turnier-MVP gekürt.

Eine Chance, die sich vielleicht lange nicht mehr bietet? Es dauert bloss fünf Jahre, da greift die Schweiz erneut nach dem WM-Titel. Doch wieder steht ihr Schweden im Weg. Im Final der WM 2018 in Kopenhagen geht die Nati durch Nino Niederreiter und Timo Meier zwei Mal in Führung – doch am Ende holen sich die «Tre Kronor» WM-Gold dank einem 3:2-Sieg im Penaltyschiessen.

Unvergessen
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