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Tony Rominger bei einem Zeitfahren in den Alpen an der Tour de France 1996.
Tony Rominger bei einem Zeitfahren in den Alpen an der Tour de France 1996.Bild: AP
Stundenweltrekord

Ex-Weltrekordler Tony Rominger: «Voigt greift den Rekord an, weil er nie mehr so einfach zu holen ist»

Jens Voigt will am Donnerstag in Grenchen (ab 19 Uhr im watson-Liveticker) den Stundenweltrekord an sich reissen. Vor 20 Jahren gehörte diese Bestmarke dem Schweizer Tony Rominger. Er ist überzeugt: Voigt knackt den Weltrekord.
17.09.2014, 16:1717.09.2014, 18:30

«Das war eine Dummheit», sagt Tony Rominger und lacht, wenn er von seiner ersten Annäherung an den Stundenweltrekord erzählt. Er sei mit einem gewöhnlichen Strassenrennvelo auf die Bahn gegangen und habe schon in der ersten Kurve mit dem Pedal den Untergrund berührt – ein Sturz war die Folge.

Als diese Anfangsschwierigkeit aus dem Weg geräumt war, war der Weg frei für den begnadeten Zeitfahrer. Zweimal verbesserte Rominger im Oktober und November 1994 auf der Bahn von Bordeaux den Stundenweltrekord.

Die letzten fünf Minuten von Romingers zweitem Weltrekord.Video: Youtube/Christopher Smith
Tony Rominger ist nach wie vor mit dem Radsport verbunden. Das Bild zeigt ihn bei der Tour de Romandie im Mai.
Tony Rominger ist nach wie vor mit dem Radsport verbunden. Das Bild zeigt ihn bei der Tour de Romandie im Mai.Bild: KEYSTONE
Über Tony Rominger
Der heute 52-jährige Zuger war einer der besten Velorennfahrer der Welt. Er gewann von 1992 bis 1994 dreimal in Folge die Vuelta und 1995 den Giro d'Italia. Die Tour de France beendete er 1993 als Zweiter. Den Stundenweltrekord brach der starke Zeitfahrer 1994 zweimal.

Nach seiner Karriere war er durch die Ehe mit Schlagersängerin Francine Jordi in den Schlagzeilen. Mittlerweile ist das Paar wieder geschieden. Rominger ist nach wie vor mit dem Radsport verbunden, er betreut Profis (u. a. Cadel Evans) und arbeitet für einen grossen Anbieter von Veloferien. Selber steigt er nur noch bei schönem Wetter aufs Velo, der Ehrgeiz früherer Tage sei längst weg: «Es ist mir so egal, ob mich einer am Berg überholt oder nicht.»

«Man leidet nicht mehr oder weniger als bei einem Zeitfahren an der Tour»

«Es ist der einzig wirklich messbare Rekord», weist der 52-Jährige im Gespräch mit watson auf die Bedeutung des Stundenweltrekords hin. Deshalb sei Jens Voigts Versuch auch ein aussergewöhnliches Ereignis. Weil Einflüsse wie Wind, Hitze, Regen oder Strassenbelag wegfallen, werde die Leistung vergleichbar. «Die einzige Schwierigkeit für einen Strassenprofi ist es, eine Stunde lang auf der Ideallinie zu fahren. Aber man leidet nicht mehr oder weniger als bei einem 50 Kilometer langen Zeitfahren an der Tour de France

Der Stundenweltrekord sei mental abwechslungsreicher, schildert Rominger, da man Runde für Runde seine Zeit sehe und sich ausrechnen könne, wo man steht. «Natürlich ist der Versuch nicht mehr ganz so lustig, wenn man Rückstand auf die Marschtabelle hat», gibt der Zuger zu.

Jens Voigt will in Grenchen zum Weltrekord rasen.
Jens Voigt will in Grenchen zum Weltrekord rasen.Bild: TREK CYCLING
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Romingers Voraussage: Voigt fährt mindestens 51 Kilometer weit

Dass Jens Voigt in Grenchen einen neuen Weltrekord aufstellt, ist für Tony Rominger ausgemacht. «Wieso macht er das denn überhaupt?», fragt er, und gibt die Antwort gleich selber: «Weil er weiss, dass der Rekord nie mehr so einfach zu holen sein wird.» Der Weltverband UCI hat das Reglement angepasst, weshalb die Aussichten Voigts, die 49,7 Kilometer des Tschechen Ondrej Sosenka aus dem Jahr 2005 zu übertreffen, in der Tat gross sind.

«Es ist eine clevere Aktion von ihm», lobt Rominger seinen möglichen Nachfolger, der 43 Jahre alt ist und nach dem Rekordversuch wohl endgültig zurücktreten wird. «Mindestens 51 Kilometer wird er schaffen», mutmasst der dreifache Sieger der Spanien-Rundfahrt.

Bilder von Jens Voigts Trainings im Velodrom von Grenchen.Video: Youtube/Vincent Renault

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Stundenweltrekord wieder vermehrt ein Thema

Rominger kam bei seinem zweiten Weltrekord 55,291 Kilometer weit. Doch wenig später wurden die technisch ausgefeilten Velos jener Zeit verboten und nur noch Rekorde akzeptiert, die mit herkömmlichen Rennvelos aufgestellt wurden. Diese Regelung wurde im Frühling erneut geändert. Seither sind Zeitfahrvelos, Triathlonlenker und Scheibenräder erlaubt, Rekordversuche gab es jedoch noch nicht.

Doch Rominger glaubt, dass der Stundenweltrekord nun neue Popularität erhalten wird. Olympiasieger Fabian Cancellara, Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins oder Tony Martin, der überragende Zeitfahrer der letzten Jahre, haben alle mehr oder weniger offen über einen Rekordversuch gesprochen. «Das sind Fahrer, die in einer Stunde 55, 56 oder 57 Kilometer weit kommen», sagt Tony Rominger. Er ist deshalb davon überzeugt, dass Jens Voigts allfälliger Weltrekord nicht lange halten wird.

Der «Panzerwagen»: Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.
Der «Panzerwagen»: Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.Bild: EPA/EFE
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