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epa07564997 (FILE) - Danilo Hondo head coach of Swiss Cycling National team during the first stage at the 73th Tour de Romandie UCI ProTour cycling race in Neuchatel, Switzerland, Wednesday, May 1, 2019 (reissued 12 May 2019). The former professional cyclist Hondo admitted in an interview with German public broadcaster ARD 12 May 2019 to have used blood doping during his active career.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Da war seine Welt noch in Ordnung: Hondo an der Tour de Romandie. Bild: EPA/KEYSTONE

Rad-Nationaltrainer Hondo gibt Doping zu und wird freigestellt

Der Schweizer Strassen-Nationaltrainer Danilo Hondo hat Blutdoping zugegeben. Als Folge hat Swiss Cycling den 45-jährigen Deutschen per sofort von all seinen Funktionen entbunden.



Danilo Hondo gab unter Druck zu, 2011 während seiner Zeit als aktiver Fahrer Kunde des Erfurter Arztes Marc Schmidt gewesen zu sein. Der Sportmediziner gilt als Drahtzieher eines Blutdoping-Netzwerks, das während der nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld aufgeflogen war.

«Operation Aderlass»

Insgesamt sollen mindestens 21 Athleten aus acht Nationen und fünf Sportarten Kunden des Sportmediziners gewesen sein und Blutdoping betrieben haben. Hondo ist nach den Österreichern Stefan Denifl und Georg Preidler der dritte aufgeflogene Radsportler in dieser Affäre.

Hondo wurde von Mark Schmidt in den Vernehmungen offenbar belastet, wie die Dopingredaktion der ARD um Enthüllungsjournalist Hajo Seppelt herausgefunden hat. Und so erzählte Hondo der Sportschau am Sonntag, dass er «diesen schwachen Moment» gehabt habe. Mark Schmidt habe «einfach unwahrscheinliche Überzeugungsarbeit geleistet. Dann habe ich schlussendlich leider Gottes den grossen Fehler meines Lebens getan und dieser Geschichte zugestimmt», so Hondo.

Einst zwei Jahre gesperrt

Während sich Hondo in der ARD erklärte, sprachen die Verantwortlichen von Swiss Cycling gleichzeitig an einer eilig einberufenden Medienkonferenz im Zürcher Hauptbahnhof. «Danilo hat uns heute Morgen um 8.55 Uhr informiert, dass er beschuldigt wird und er das Blutdoping gestanden hat», sagte Thomas Peter, der Sportdirektor des Schweizer Verbandes. «Wir mussten ihn per sofort freistellen.»

epa07564976 (FILE) German Danilo Hondo of Telekom team jubilates on winner' s podium after winning the 149 km third stage of the 84th Giro d' Italia cycling tour from Lucera to Potenza on Tuesday, 22 May 2001 (reissued 12 May 2019). Hondo admitted that he did blood doping in an interview with German public broadcaster ARD on 12 May 2019.  EPA/CARLO FERRARO *** Local Caption *** 99305117

Hondo gewann 2001 zwei Etappen des Giro d'Italia – sein grösster Erfolg. Bild: EPA/ANSA

Hondo und Doping – diese Verbindung ist nicht neu. 2005 war der ehemalige Sprintspezialist bereits einmal für zwei Jahre gesperrt worden. Er hatte willentliches Doping stets bestritten. Bei Hondo war damals ein sehr geringer Carphedon-Fund in seinem Urin festgestellt worden. Nach einem juristischen Marathon hatten sich damals sogar Doping-Kritiker für ihn eingesetzt.

Als Nationaltrainer erfolgreich

Auch deshalb engagierte Swiss Cycling – trotz einer Nulltoleranz-Politik gegenüber Doping – den Deutschen 2015 vorerst als U23-Nationaltrainer, nur ein halbes Jahr nach dessen Rücktritt als Profi. «Wir entschieden uns, Danilo eine zweite Chance zu geben, nachdem wir uns auch intern sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt haben. Wir waren und sind auch heute noch von seinen Qualitäten als Trainer überzeugt», so Peter.

Hondo arbeitete in der Tat erfolgreich, baute eine junge Mannschaft auf und brachte immer wieder Talente hervor. Nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wurde er zum Nationaltrainer befördert. Er setzte seine konsequente Arbeit auch bei den Erwachsenen fort. Nun dürfte Hondos Karriere im Radsport auch als Trainer vorbei sein.

Der Leistungssportchef von Swiss Cycling, Thomas Peter, rechts, und Geschaeftsfuehrer Markus Pfisterer sprechen einer Pressekonferenz von Swiss Cycling zum Doping-Gestaendnis des Nationaltrainers Danilo Hondo in Zuerich am Sonntag, 12 Mai 2019. Hondo ist nicht mehr Nationaltrainer der Schweizer Strassen-Radprofis. Nach einem Doping-Gestaendnis gegenueber der ARD ist der 45-jaehrige Deutsche von Swiss Cycling per sofort freigestellt worden, wie der Verband an einer Medienkonferenz in Zuerich mitteilte. Hondo war an der Pressekonferenz  nicht anwesend. (KEYSTONE/SIGGI BUCHER)

Pfisterer (links) und Peter erklären die Position des Schweizer Verbands. Bild: KEYSTONE

«Diese Nachricht müssen wir zuerst verdauen»

Peter und Geschäftsführer Markus Pfisterer waren an der Medienkonferenz sichtlich niedergeschlagen. Hondo habe in der Zusammenarbeit mit den jungen Athleten sehr viel Wert auf die Dopingprävention gelegt. Die heutige Meldung sei deshalb umso enttäuschender. «Diese Nachricht müssen wir zuerst verdauen», so Peter.

Swiss Cycling steht mit seinem Nationalteam in diesem Jahr besonders im Rampenlicht. Vor zwei Wochen durfte die Equipe an der Tour de Romandie teilnehmen, im Juni folgt der Start an der Tour de Suisse. Wer die Fahrer an diesen Rennen und im Herbst auch an der WM in Grossbritannien betreuen wird, steht noch nicht fest. (ram/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Influenzer 13.05.2019 06:40
    Highlight Highlight Das Problem ist doch dass er erwischt wurde, nicht dass er gedopt hat. So ist es leider im Radsport. Die Drohung der Dopingärzte, Dealer und Sportlichen Leiter funktioniert noch immer: Wenn du auffliegst, ist deine Karriere futsch. Das ist praktisch für die Hintermänner.
    Ob alle anderen im Verband eine weisse Weste haben, fragt man besser nicht.
  • Forrest Gump 12.05.2019 23:03
    Highlight Highlight Kann den Entscheid nicht ganz nachvollziehen. Er hat vor x Jahren, als Doping leider in seiner Blütezeit war, Blutdoping betrieben. Das gilt es nicht schönzureden. Jedoch kann er heute trotzdem einen guten Job machen und vielleicht gerade durch diese Vorgeschichte den Jungen glaubwürdig vom Doping abraten.
  • Delos 12.05.2019 21:18
    Highlight Highlight @Watson, schade bringt ihr mehrheitlich nur negative Meldungen über den Radsport in einem eigenen Artikel.
  • Töfflifahrer 12.05.2019 21:15
    Highlight Highlight Ja und jetzt, ist schon eine Weile her, er ist ehrlich. Ich denke man soll beurteilen was er seit damals geleistet hat. Die Freistellung ist doch nur Scheinheilig.
    • Papst Benedikt 12.05.2019 23:11
      Highlight Highlight Ehrlich nicht! Unter Druck hat er es zugegeben und den Fall von 2005 abgestritten, lächerlich.
  • salamandre 12.05.2019 20:46
    Highlight Highlight Hört doch einfach auf von dopingfreiem Spitzensport zu träumen, das wäre einfacher.
    Es geht ganz einfach um zu viel.
    Abgesehen davon macht Gelegenheit bekanntlich Diebe.

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