Jamiro Reber gehört zu den Hoffnungsträgern des Schweizer U20-Nationalteams. Im Oktober unterschrieb der 18-Jährige beim SHL-Klub HV71 Jönköping, wo einst Kevin Fiala tätig war, seinen ersten Profivertrag, der bis 2026 gültig ist.
Jamiro? Kein in der Schweiz gängiger Vorname, er soll einen indianischen Ursprung haben. Einen speziellen Hintergrund hat die Wahl nicht, er habe den Eltern einfach gefallen.
Reber lancierte seine Karriere bei Langnau, nach dem Ende der obligatorischen Schule wollte er jedoch ins Ausland wechseln, da er dort mehr Potenzial für eine optimale Weiterentwicklung sah. In Frage kamen für ihn eine nordamerikanische Juniorenmannschaft oder ein Wechsel nach Schweden. Er entschied sich zusammen mit Familie und Agent für letzteres, weil die dortige Ausbildung einen exzellenten Ruf geniesst.
Bei HV71 absolvierte Reber ein drei Tage dauerndes Tryout. Es gefiel ihm dort sehr gut und da er Eindruck hinterliess, erhielt er einen Juniorenvertrag. In der ersten Saison spielte er grösstenteils in der U20-Mannschaft, für die er in 48 Partien elf Tore und 30 Assists erzielte. Von Montag bis Mittwoch fand am Morgen jeweils ein Skillstraining statt. In diesem standen allein den Stürmern fünf bis sechs Trainer zur Verfügung. Zuvor wurde von 6.45 bis 7.45 Uhr an der Athletik gearbeitet. Dazu kamen noch Teamtrainings.
In diesem Sommer durfte Reber die Vorbereitung mit der ersten Mannschaft von HV71 absolvieren – und er nutzte diese Chance. Mittlerweile steht er bei 25 Partien in der höchsten schwedischen Liga, wobei er alles andere als eine Nebenrolle spielt. Mit je sieben Toren und Assists ist er teamintern die Nummer 3 der Skorerliste. Im Schnitt steht er 15:34 Minuten pro Partie auf dem Eis.
«Mein Ziel für diese Saison war, ein paar Spiele in der SHL bestreiten zu dürfen, aber dass ich gleich so viel Vertrauen erhalte, hätte ich nicht gedacht», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Das Eishockey wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Vater Jörg bestritt für Bern, La Chaux-de-Fonds, Rapperswil-Jona, Kloten, Biel und die SCL Tigers 610 Partien in der höchsten Schweizer Liga (ohne Ligaqualifikation). «Es ist schön, jemanden an der Seite zu haben, der all das schon erlebt hat», sagt Jamiro Reber, der bis im Alter von etwa zwölf Jahren parallel Fussball und Unihockey gespielt hat.
Reber beschreibt sich als lustigen, fokussierten, hart arbeitenden und bodenständigen Menschen. Letzteres unterstreicht seine Aussage über die vielen Skorerpunkte: «Das ist cool, aber sicher nicht das Wichtigste für einen jungen Spieler wie mich.» Nichtsdestotrotz hat er den Puck, mit dem er sein erstes Tor in der SHL erzielt hat, immer dabei: Er befindet sich im Necessaire, das er in die Garderobe mitnimmt.
Wo hat er sich am meisten weiterentwickelt? «Im Zweiwegspiel. Vor allem in der Defensive konnte ich nochmals einen Schritt vorwärtsmachen.» Das kommt nicht von ungefähr, wird doch in Schweden grossen Wert auf eine gute Struktur im Spiel und Disziplin gelegt. Das grösste Potenzial sieht er beim Schuss, an dem er intensiv arbeitet.
Obwohl Reber beim Wechsel nach Schweden knapp 17 Jahre alt war, wohnte er von Anfang an allein, die ersten zwei Wochen war die Mutter dort. Die Sprache versteht er mittlerweile ziemlich gut, vor allem wenn es um Eishockey geht. «Aber zu sprechen ist schwierig», so Reber.
Dass er Ende Juni im NHL-Draft nicht berücksichtigt wurde, war zwar eine Enttäuschung für ihn. «Ich fokussierte mich jedoch rasch wieder darauf, besser zu werden.» Er ist ohnehin jemand, dem es einfach fällt abzuschalten, wenn es nicht wie gewünscht läuft.
Nun erhält er in Ottawa eine ideale Plattform, sich für die NHL aufzudrängen, denn an einer U20-WM sind viele Scouts vor Ort. Der Name Jamiro könnte also schon bald geläufiger sein in der Schweiz.
After the last exhibition game against Latvia, Head Coach Marcel Jenni reduced the squad and decided on the Swiss team for the World Juniors 2025 in Ottawa. 🇨🇭🤩#SIHF #zämefürdSchwiiz #ensemblepourlaSuisse #insiemeperlaSvizzera #insembelperlaSvizra pic.twitter.com/YVm8H9eHvG
— Swiss Ice Hockey (@SwissIceHockey) December 24, 2024
Nicht weniger als 16 der für die WM-Vorbereitung aufgebotenen Spieler kamen in dieser Saison in der National League zum Einsatz. «Es hilft enorm, dass wir Spieler haben, die im Profigefäss unterwegs sind», sagt Marcel Jenni, der im zweiten Jahr in Folge der Headcoach der U20-Nati ist, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Wir sind diesmal etwas breiter aufgestellt, verfügen über viele Möglichkeiten bei der Aufstellung.»
Das Minimalziel sind – wie jedes Jahr – die Viertelfinals. Die Schweizer treffen in der Gruppe B der Reihe nach auf Tschechien (Donnerstag, 23 Uhr), die Slowakei (Freitag, 19 Uhr), Schweden (Sonntag, 18 Uhr) und Kasachstan (Silvester, 18 Uhr). Um die K.-o.-Runde zu erreichen, müssen sie in der Vorrunde mindestens den 4. Platz belegen.
«Unser Ziel ist, jeden Gegner herauszufordern und uns die Chance zu geben, zu gewinnen», sagt Jenni. Das Team spielt abgesehen von altersbedingten Details praktisch das gleiche System wie die A-Nati. Auch die Identität ist die gleiche. «Teamgeist ist unser wichtigster Wert. Wir müssen uns gegenseitig helfen und uns zerreissen. Das ist nicht nur eine Floskel, sondern sind Charaktereigenschaften, auf die wir bei der Selektion achten. Wir benötigen Spieler, die ihr Ego aussen vor lassen, sonst wird es für uns schwierig, erfolgreich zu sein.» (ram/sda)
Our captains team for the World Juniors 2025 in Ottawa! 🇨🇭
— Swiss Ice Hockey (@SwissIceHockey) December 25, 2024
C: Alain Graf
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