Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa01391414 Russian fans cheer during the EURO 2008 Quarter Final match between the Netherlands and Russia at the St Jakob Park stadium, Basel, Switzerland 21 June 2008.  EPA/STEFFEN SCHMIDT  +please note UEFA restrictions particularly in regard to slide shows and 'No Mobile Services'+

Die Mehrheit im Stadion ist orange, doch am Ende jubelt der russische Fanblock. Bild: EPA

Unvergessen

Russland tanzt Holland aus – und stoppt so das Oranje-Fieber in der Schweiz

21. Juni 2008: Einen kurzen Sommer lang zählt Russland zu den aufregendsten Fussballteams des Planeten. Der EM-Viertelfinal gegen Holland ist der Höhepunkt – danach geht's wieder bergab.



Die grössten Fussball-Erfolge des Riesenreichs Russland liegen Jahrzehnte zurück. 1960 holte sich die Sowjetunion den Europameister-Titel, drei Mal verlor sie den Final. Zuletzt 1988, als Hollands Marco van Basten ein Wundertor erzielte.

abspielen

Die Highlights des EM-Finals 1988. Video: YouTube/UEFA

Seit jenem Tag geht es bergab mit der russischen Nationalmannschaft. Qualifizierte sie sich mal für eine WM oder EM, war in den nächsten 30 Jahren nach der Vorrunde stets Schluss. Die grosse Ausnahme bildet die Euro 2008 in der Schweiz und Österreich.

Nach einer 1:4-Klatsche gegen das aufstrebende Spanien fängt sich Russland. Es schlägt Griechenland 1:0 und zieht nach einem 2:0 gegen Schweden in die Viertelfinals ein. Nach drei Partien in Österreich findet dieser beim Co-Gastgeber in Basel statt.

Gegner der Russen ist Holland. Die «Elftal» sorgt mit ihren Auftritten für ein Oranje-Fieber in der Schweiz, die heimischen Fans lassen sich von den fröhlichen Fans der Holländer anstecken und so sind die Sympathien klar verteilt.

Dutch soccer fans cheer as they watch the live screening of the Euro 2008 European Soccer Championship Group C match between the Netherlands and France, at the fan zone in Bern, on Friday June 13, 2008. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Schweiz ist im Sommer 2008 fest in holländischer Hand: Public Viewing vor dem Bundeshaus. Bild: KEYSTONE

Tapsiger Tanzbär? Vonwegen, Russland begeistert

Eigentlich bin ich nur nach Basel gefahren, um mitzufeiern und das Spiel auf Grossleinwand zu sehen. Letztlich blättere ich dann doch 250 Franken für ein Ticket hin. Mehr Geld habe ich vorher und nachher nie für ein Fussballspiel ausgegeben. Aber wenigstens darf ich danach sagen: Es hat sich gelohnt. Denn gemeinsam mit den 38'729 anderen Zuschauern im Stadion sehe ich einen mitreissenden Match.

Das Telegramm

Holland – Russland 1:3 n.V.
Basel, St.Jakob-Park, 38'730 Zuschauer. SR: Michel (Slk).

Tore: 56. Pawljutschenko 0:1. 86. Van Nistelrooy 1:1. 112. Torbinski 1:2. 116. Arschawin 1:3.

Holland: Van der Sar; Boulahrouz (54. Heitinga), Ooijer, Mathijsen, Van Bronckhorst; De Jong, Engelaar (62. Affelay); Kuijt (46. Van Persie), Van der Vaart, Sneijder; Van Nistelrooy. Trainer: Van Basten.

Russland: Akinfejew; Anjukow, Ignaschewitsch, Kolodin, Schirkow; Semak, Syrjanow, Sajenko (81. Torbinski), Semschow (69. Biljaletdinow); Pawljutschenko (115. Sytschow), Arschawin. Trainer: Hiddink.

Russland legt mit Vollgas los. Holland dagegen wirkt nervös. So ist die russische Führung nur logisch: Roman Pawljutschenko trifft nach 56 Minuten zum 1:0.

abspielen

Pawljutschenko mit dem Führungstor. Video: streamable

Die Russen kombinieren flüssig und atemberaubend schnell. Die holländischen Zuschauer reiben sich verwundert die Augen: So hatte sich die orange «Hup-Hup-Fraktion» das nicht vorgestellt. Die Holländer können trotzdem eine Verlängerung erzwingen, weil es die Russen verpassen, den Sack zuzumachen. Ruud van Nistelrooy köpft nach einem Standard zum Ausgleich.

«Das Tempo war wahnsinnig, die Ballstafetten atemberaubend.»

«SonntagsBlick»

Dominanz in der Verlängerung

Dann ist es aber endgültig geschehen um den Europameister von 1988. In der Verlängerung spielt nur noch Russland. Erst trifft Pawljutschenko die Latte, dann verweigert der Schiri den Russen einen Foulpenalty.

In der 112. Minute liegt der Ball endlich zum zweiten Mal im holländischen Kasten. Nach einer Flanke Andrei Arschawins ist der eingewechselte Dmitri Torbinski zur Stelle. Die Zugabe erfolgt wenige Minuten später, als Arschawin den 37-jährigen Goalie Edwin van der Sar tunnelt und zum 3:1 trifft.

abspielen

Die beiden russischen Treffer in der Verlängerung. Video: streamable

«Selten wurde Fussball in einer schöneren Weise zelebriert.»

«Sonntag»

Die Bilder zum Spiel

Der kurze Sommer ist zu Ende

Der Geheimtipp hat sich mit dem Sieg über Holland zu einem Titelanwärter gemausert. Nach dem rauschenden Sieg im Viertelfinal geht es für die Russen zurück nach Österreich. Im strömenden Regen wartet erneut Spanien auf die Sbornaja, die dann aber wie schon zum EM-Auftakt unter die Räder kommt. Xavi erzielte nach 50 Minuten das 1:0, nach viel Tiki-Taka zieht der Favorit mit einem 3:0 in den Final ein, den es gegen Deutschland gewinnen wird.

abspielen

Die Highlights des Halbfinals. Video: YouTube/UEFA

Mit der Halbfinal-Niederlage endet auch das kurze Zwischenhoch der russischen Nationalmannschaft. Denn die grossen Hoffnungen kann sie in der Folge nicht erfüllen. Die WM 2010 wird verpasst, an der EM 2012, der WM 2014 und der EM 2016 ist jeweils nach der Vorrunde Schluss.

Lange wurde die Bequemlichkeit der Spieler als Grund für das regelmässige Versagen geortet. Sie verdienen in Russland so viel, dass ein Wechsel ins Ausland oft als nicht lukrativ eingestuft wird. Wieso fortgehen, wenn man doch zuhause ein König ist? Dass das Niveau dadurch nicht ansteigt, liegt auf der Hand.

An der WM 2018 im eigenen Land zeigen die Russen dann endlich wieder einmal, zu was sie eigentlich fähig wären. Mit begeisterndem Fussball zieht die «Sbornaja» in den Achtelfinal ein, wo sie im Elfmeterschiessen Spanien eliminiert. Im Viertelfinal ist dann gegen Kroatien Endstation. Dieses Mal hat der Gegner in der Penalty-Lotterie das bessere Ende für sich.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Alle Maskottchen von Fussball-Europameisterschaften

Unvergessene EM-Geschichten

15.06.1996: Oh Gazza! Paul Gascoigne schiesst die Schotten ab und feiert im Zahnarztstuhl

Link zum Artikel

23.06.1996: Portugals «Goldene Generation» scheitert an Karel Poborskys Lob für die Ewigkeit

Link zum Artikel

13.06.2004: Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

18.06.2004: Zlatan schiesst gegen Italien ein unmögliches Tor mit dem Absatz auf Schulterhöhe

Link zum Artikel

21.06.2008: Russland tanzt Holland aus und stoppt das Oranje-Fieber in der Schweiz

Link zum Artikel

11.06.2008: Die Schweizer EM-Träume gehen in der Wasserschlacht von Basel baden

Link zum Artikel

22.06.1980: Der 35-jährige Beizer Wilfried van Moer führt Belgien beinahe zum EM-Titel

Link zum Artikel

14.06.2012: Irland hat nicht den Hauch einer Chance, aber die Fans singen sich zum EM-Titel

Link zum Artikel

16.06.2008: Zwei Trainer müssen auf die Tribüne und wissen nicht weshalb – die Parodie ist köstlich

Link zum Artikel

19.06.2004: In einer düsteren Stunde stolpert Deutschland an der EM über Fussballzwerg Lettland

Link zum Artikel

12.06.1988: Irland betritt erstmals die grosse Fussballbühne und schockt gleich England

Link zum Artikel

Die besten EM-Spieler aller Zeiten – und wieso Cristiano Ronaldo in den Top 50 fehlt

Link zum Artikel

Allez, allez! So bunt zeigen sich die Fans der 24 EM-Teilnehmer in Frankreichs Stadien

Link zum Artikel

Die 48 Heim- und Auswärtstrikots aller Teams der EM 2016

Link zum Artikel

Zum EM-Start: Fussballer-Zitate, die Lach-Krämpfe verursachen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Baron von Eberstein 21.06.2019 11:16
    Highlight Highlight Und ich hab mir extra die Haare orange gefärbt😭
    Trotzdem- war der geilste Juni den ich in Bern je erlebt habe!
  • Merlin.s17 21.06.2019 09:22
    Highlight Highlight Gedopte Russen die die stehend KOen Holländer in der Verlängerung besiegen, sollte der Titel lauten.

Engländer und Penaltys ... Southgate ebnet Deutschland 1996 den Weg in den EM-Final

26. Juni 1996: England ist drauf und dran, endlich wieder einen grossen Titel zu holen. Doch Gareth Southgate verschiesst gegen Deutschland seinen Penalty. Der Fehlschuss begleitet ihn ein Leben lang.

Daumen drückend blickt Jonathan Pierce an diesem Mittwochabend im Wembley auf den Rasen. Mit den Worten «Gareth Southgate, the whole of England is with you», begleitet der Radioreporter den englischen Verteidiger zum Penaltypunkt.

Southgate ist der sechste Schütze im EM-Halbfinal gegen Deutschland. Er kann vorlegen, den Erzrivalen unter Druck setzen. Aber sein Schüsschen wird zur Beute von Keeper Andy Köpke. «Oh, it's saved!», ruft der Radioreporter ins Mikrofon und man kann förmlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel