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Die wohl skurrilste Quiz-Sendung des Schweizer Fernsehens: Risiko mit Gabriela Amgarten und dem Kandidaten.

Spickzettel auf der Toilette

Unvergessen

05.01.1998: «Das isch de Fuessballer Moldovan gsi» – Tommaso R. sorgt für den grössten «Bschiss» der Schweizer Fernseh-Geschichte 

05. Januar 1998: Kandidat Tommaso R. gibt während der Quiz-Sendung Risiko eine Antwort, welche eigentlich erst auf die übernächste Frage gepasst hätte. Zwei Komplizen hatten ihm einen Spickzettel mit den Fragen und Antworten der Show auf der Toilette deponiert. 



Da staunt TV-Sternchen und Quiz-Moderatorin Gabriela Amgarten nicht schlecht: Während der Sendung «Risiko» konfrontiert sie Kandidat Tommaso R. mit der Frage: «Wer wurde durch das Schweizer Fernsehen zum Kopf des Jahres 1997 gewählt?» R., welcher sich bis zu dieser Frage brillant geschlagen hat, überlegt kurz und gibt dann die äusserst skurrile Antwort: «Das isch de Fuessballer Moldovan gsi.»

Merkwürdig ist die Antwort nicht nur, weil das Schweizer Fernsehen wohl kaum einen Fussballer zum Kopf des Jahres gewählt hätte. Was Gabriela Amgarten noch viel mehr stocken lässt, ist die Tatsache, dass «Viorel Moldovan» zwar als Antwort vorgesehen wäre, jedoch erst bei der übernächsten Frage. Kopf des Jahres wäre Rolf Bloch gewesen, der sich für die Opfer des Holocausts eingesetzt hatte.

Zwei Fragen später ist es dann soweit. Moderatorin Amgarten ist auf der Suche nach einem «Torkönig». Der 25-jährige Wirtschaftsstudent zögert erneut, zieht seine Sache dann aber durch und antwortet wiederum mit: «Das isch de Moldovan!» Wirklich Verdacht schöpft Amgarten erst nach der Sendung. Zunächst denkt sie nämlich nur, dass es ein «dummer Zufall» sei. 

Das kann kein Zufall sein

Doch noch während R. mit seinen Studienkollegen auf die 95'000 Franken Preisgeld anstösst, wird beim Schweizer Fernsehen eine Untersuchung eingeleitet. Der Moldovan-Versprecher ist einfach zu merkwürdig um lediglich von einem «dummen Zufall» zu sprechen. Ab sofort steht das Wort «Bschiss» im Raum.

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In den Schweizer Medien ist schnell von einem «Bschiss» die Rede.
bild: blick

«Wahrscheinlich habe ich die Frage falsch verstanden. Das ist bei diesem Stress sehr gut möglich.»

Tommaso R. versucht sich zu erklären

So kommt es, dass Quiz-Kandidat R. vor dem versammelten «Risiko»-Team zum Vorfall Stellung nehmen muss. «Ich kann mir diese Antwort nicht rational erklären. Wahrscheinlich habe ich die Frage ganz falsch verstanden. Das ist bei diesem Stress sehr gut möglich», so die wenig plausible Erklärung des Studenten. Den Verdacht, dass er die Fragen bereits vor der Sendung gekannt habe, dementiert er vehement: «Nein, ganz bestimmt nicht. Das ist absolut unmöglich.» 

Spickzettel auf der Toilette

So unmöglich ist es aber in Tat und Wahrheit gar nicht. Denn vor der Live-Sendung wird nämlich jeweils ein Probedurchgang durchgeführt, bei welchem die exakt gleichen Fragen gestellt werden wie in der Live-Sendung. Es wäre also durchaus möglich, dass ein Teilnehmer des Probedurchgangs die Fragen und Antworten an R. hätte weitergeben können. 

Und genau so ist das Ganze auch abgelaufen: Zwei Studienkollegen R.'s nahmen am Nachmittag vor der Sendung an der Generalprobe teil und deponierten auf der Toilette einen Spickzettel mit den Fragen und den Antworten der Sendung. Diesen Trick hatten sie 1996 bereits schon einmal angewendet und dabei 10'000 Franken gewonnen. Nur hatte damals niemand den Fehler gemacht, eine Antwort zu früh herauszuposaunen. 

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Rückte bis auf Rang 13 der Schweizer Hitparade vor: Der Molodovan-Song.  video: youtube.com/mininator

Der «Risiko-Bschiss» hat für R. juristische Konsequenzen. Im Dezember 1999 bestätigt das Bundesgericht den Beschluss des Zürcher Bezirksgerichts und des Zürcher Obergerichts, dass es sich bei der Aktion des Studenten um einen «Betrugsversuch» gehandelt hat. R. erhält eine viereinhalbmonatige bedingte Gefängnisstrafe und muss die 10'000 Franken vom ersten Betrugsversuch zurückerstatten. 

Die 95'000 Franken aus der «Moldovan-Sendung» wurden gar nie ausbezahlt. Das Argument, die Veranstalter hätten es an einem Mindestmass an Aufmerksamkeit fehlen lassen und er habe lediglich eine Lücke im System ausgenutzt, zog beim Bundesgericht nicht. Ganz im Gegensatz zum Moldovan-Song von Musikproduzent Michael Kull: Dieser zog die Massen sofort in den Bann und landete in der Schweizer Hitparade auf dem beachtlichen 13. Platz.

Unvergessen

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