Unvergessen
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Paul Wolfisberg, Coach der Schweizer Fussballnationalmannschaft, umarmt Gianpietro Zappa nach dem 2:1 Sieg in der WM-Qualifikation gegen England am 30. Mai 1981 in Basel. (KEYSTONE/Str)

Grosser Jubel in Basel: Paul Wolfisberg freut sich mit Verteidiger Gianpietro Zappa über den Sieg gegen England. Bild: Keystone

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Der Wolf entfacht mit dem 2:1-Sieg gegen England eine neue Nati-Euphorie

30. Mai 1981: Die Schweizer Fussball-Nati dümpelt fernab der grossen Turniere durch die Stadien, als Paul Wolfisberg sie übernimmt. Der bärtige Trainer sorgt aber bald dafür, dass sich das Land wieder für seine Nati interessiert.



Die WM in England 1966 ist für lange Zeit das letzte Turnier, für das sich die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft qualifizieren kann. Mit der nächsten Turnierteilnahme sollte es erst 1994 wieder klappen. Nahe dran ist die Nati aber bereits anfangs der 80er-Jahre, als unter Trainer Paul Wolfisberg eine neue Welle der Begeisterung durchs Land schwappt.

Wolfisberg, als Spieler und Trainer eine Legende des FC Luzern, übernimmt die Nati Ende März 1981 und führt sie gleich zu einem 1:0-Auswärtssieg über die Tschechoslowakei. Nach diesem Freundschaftsspiel holt die Nati einen Monat später in der WM-Qualifikation gegen Ungarn ein 2:2, um wiederum vier Wochen später in Basel das grosse England zu empfangen.

Paul Wolfisberg, Interims-Coach der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, raucht waehrend des Spiels der Schweiz gegen die Tschechoslowakei eine Zigarette, aufgenommen am 24. Maerz 1981 in Bratislava. Die Schweiz gewinnt das Spiel mit 0 zu 1. (KEYSTONE/Str)

1981 noch kein Problem: Paul Wolfisberg raucht während der Partie eine Zigarette. Bild: Keystone

Doppelschlag durch Scheiwiler und Sulser

40'000 Fans strömen ins Joggeli und sie sehen eine Schweizer Mannschaft, die von Anfang an beherzt ans Werk geht. Von einem «zerhackten, rüden Kampf» berichtet die mittlerweile verschwundene Fachzeitung «Sport», wobei vor allem die Engländer «mit einer von ihnen schon lange nicht mehr gesehenen Entschlossenheit und unerbittlicher Härte im Tackling» in die Partie gingen.

Die Tore zum 2:1-Sieg gegen England. Video: Youtube/ZwoelfMagazin

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Die Schweizer gehen – unschweizerisch effizient – nach einer halben Stunde in Führung. Nach dem Doppelschlag von Fredy Scheiwiler und Claudio Sulser innerhalb von 108 Sekunden steht es nach einer halben Stunde 2:0 für die Rot-Weissen. «Im Stile einer cleveren, kalten Profimannschaft», so der «Sport», hätten die Schweizer die Führung über die Zeit gerettet.

«Die Engländer waren keine Ferienfussballer!»

Das Blatt zählt die Gründe auf: «Starke Abwehr, Disziplin, Konterchancen nützen.» Noch selten habe eine Schweizer Abwehr gegen einen Gegner dieses Formats 90 Minuten lang so diszipliniert, entschlossen, hart, hartnäckig und vor allem so konzentriert gespielt.

Paul Wolfisberg, Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, mit einem T-Shirt mit der Aufschrift

Während Vladimir Petkovic feinen Zwirn trägt, posiert sein Vorgänger Paul Wolfisberg im «Wolf»-T-Shirt. Bild: Keystone

So kommt es zum ersten Sieg gegen das Mutterland des Fussballs seit 1947. «Und das muss man klar herausstellen: Die Engländer waren keine Ferienfussballer, sie nahmen das Spiel keineswegs auf die leichte Schulter», betonte der legendäre Sportjournalist Walter Lutz in seinem Bericht.

Bundesrat Kurt Furgler, dessen Bruder Martin der Sportchef des Schweizer Fernsehens war (und der Götti von Matthias Hüppi), stürmt von der Tribüne in die Garderobe, um dem Team und dem neuen Trainer zu gratulieren. «Ich musste einfach jedem einzelnen sagen, wie toll er gekämpft und gespielt hat. Welche Freude macht einem da das Zusehen», strahlte Furgler.

Die «Abbruch GmbH» wird geboren

Während der Bundesrat begeistert war, hielt es SFV-Generalsekretär Edgar Obertüfer nicht mehr aus vor Spannung. «Bleich irrte er durch die Gänge des Stadions, verschwand zwischendurch in der Toilette, um Wasser in die ausgetrocknete Kehle zu giessen», heisst es im «Sport»-Artikel. Nach dem Spiel war Obertüfer klar: «Dieser Sieg heilt manche Wunde, die unserem Fussball in den letzten Jahren geschlagen wurde.»

Erfolgstrainer Wolfisberg genehmigt sich nach der Heimfahrt in einer Luzerner Bar noch einen «Schlummi», ist um 3 Uhr im Bett und gibt am Tag danach Auskunft. Dabei betont er, dass die Nati als verschworene Einheit aufgetreten sei; das sei einer der Schlüssel zum Erfolg gewesen.

In den künftigen Spielen wird die «Abbruch GmbH» immer mehr zum Synonym für die Nati, für das «Wolfsrudel» von Trainer Wolfisberg. Der im Hauptberuf als Architekt tätige Naticoach konstruiert ein Bollwerk um Andy Egli, Gianpietro Zappa, Heinz Lüdi, Charly In-Albon, Roger Wehrli und Herbert Hermann – knüppelharte Defensivspieler.

Englische Fans sind waehrend des WM-Qualifikationspiels Schweiz-England am 30. Mai 1981 in Basel auf der Tribuene in Krawalle verwickelt. Die Schweiz gewinnt das Spiel 2:1. (KEYSTONE/Str)

Während des Spiels kommt es zu Ausschreitungen englischer Fans. «Wieder brachten Englands reisende Fans Schande über uns», schreibt die Zeitung «Sunday People». Bild: Keystone

Trotz Aufschwung keine Turnierteilnahmen

«Wolfisberg war für mich wie Wilhelm Tell», beschreibt Egli in der Biografie «Der Wolf». «Er verkörperte das Zuverlässige, Positive, aber auch das Mürrische und Verknorzte. Er strahlte eine grosse innere Kraft aus.» Wolfisberg wird nicht nur mit dem Schweizer Nationalheld verglichen. Einmal erhält er in Thailand eine kostenlose Taxifahrt, weil ihm der Fahrer partout nicht glauben will, dass er nicht Schauspieler Bud Spencer ist.

Trotz der neu gewonnenen Stärke der Nati verpasst die Schweiz die Qualifikation für die WM 1982 ebenso wie jene für die EM 1984 und die WM 1986. Nebst dem Sieg gegen England ist ein 1:0-Auswärtssieg gegen den frischgebackenen Weltmeister Italien im Herbst 1982 der grösste Erfolg in der Ära Wolfisberg.

Paul Wolfisberg, links, Interimstrainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft fuer zwei Spiele und, rechts, Uli Stielike, der zukuenftige Trainer der Schweiz, aufgenommen am 7. Juni 1989 im Wankdorf-Stadion in Bern beim WM-Qualifikationsspiel Schweiz gegen die Tschechoslowakei. Die Schweiz verliert das Spiel mit 0 zu 1 Toren. (KEYSTONE/Str)

Für ein Spiel kehrt Paul Wolfisberg 1989 auf die Trainerbank der Nati zurück, anschliessend übergibt er sein Amt Uli Stielike (hier rechts neben ihm). Bild: Keystone

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

13. Juni 2004: Gegen Kroatien holt die Schweiz zum EM-Auftakt in Portugal ein 0:0. In Erinnerung bleiben also keine Tore, dafür eine aussergewöhnliche Parade. Keeper Jörg Stiel stoppt den Ball auf dem Boden liegend mit dem Kopf.

Manchmal sind Erklärungen so simpel. Jörg Stiel wird beim 0:0 gegen Kroatien zum Matchwinner – aber erklären muss er sich nach dem Spiel vor allem zu einer Szene. Jene, in welcher der Schweizer Nati-Goalie einen Befreiungsschlag der Kroaten beinahe unterläuft, wo er dem Ball hinterher rennt, sich dann vor der Torlinie ins Gras legt und den Ball mit der Stirn stoppt. Die Bilder der kuriosen Rettungstat gehen um die Welt.

Die Aktion ist typisch für Stiel, der vieles ist, aber ganz sicher kein …

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