Unvergessen
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Jahre später stellt Jimmy Johnstone die Szene fürs Fernsehen nach. Bild: Youtube/jimmy johnstone

Unvergessen

15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

15. Mai 1974: Diese Stunden wird Jimmy Johnstone sein Leben lang nicht mehr vergessen. Der beste Celtic-Spieler aller Zeiten feiert mit den Nati-Kumpels einen Sieg gegen Wales – und muss nach einer durchzechten Nacht aus Seenot gerettet werden. Drei Tage später folgt ein glorreicher Erfolg gegen England.



Jimmy Johnstone ist in Schottland eine riesige Legende. Als einer der «Lisbon Lions», dem ersten britischen Team, das einen Europacup gewinnen konnte, schrieb er britische Fussball-Geschichte. Die Fans von Celtic Glasgow kürten den Wirbelwind zum besten Spieler aller Zeiten.

In der Nationalmannschaft wäre für den Flügel mehr möglich gewesen. Nur 23 Spiele absolvierte er für Schottland. An der WM 1974 war der Rotschopf zwar im Kader, wurde aber nicht eingesetzt – und trat anschliessend aus der Nati zurück. Dass «Jinky» in Deutschland ohne Spielminute blieb, hatte seinen Grund. Denn kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft sorgte er für eine Eskapade, die selbst in der an promillehaltigen Anekdoten reichen britischen Fussball-Geschichte als bizarr bezeichnet werden darf.

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Ein wunderbares Video: Ein Song über Jimmy Johnstone zu Spielszenen des kleinen Flügels. YouTube/catbvideo

Ein Bier auf den Sieg! Oder zwei, dreizehn …

Alles beginnt mit einem Länderspiel gegen Wales. Johnstone und seine Kollegen gewinnen es mit 2:0 und Nationaltrainer Willie Ormond gewährt seinen Spielern etwas Ausgang. Der Durst ist gross und er wird auch gestillt – und zwar so lange, bis die Fussballer eindeutig über den Durst getrunken haben. Im Morgengrauen torkeln sie dem Meer entlang zu ihrem Hotel.

«Wee Jimmy»

In Berichten über Jimmy Johnstone nennen ihn Kollegen oft «Wee Jimmy». Damit meinen sie nichts anderes als «den kleinen Jimmy», denn Johnstone war mit seinen 1,57 Meter körperlich tatsächlich kein Riese. Sein Spitzname «Jinky» bedeutet in etwa: «Überraschend», «aussergewöhnlich» und bezieht sich auf seine Spielweise.

«Jimmy war ein sehr guter Sänger», erzählte Jahre später Mitspieler Sandy Jardine, der damals dabei ist. «Er hat laut gesungen und ist dazu – wieso auch immer – in dieses Boot gestiegen. Ich habe dem Boot einen Tritt versetzt und weg war es.»

Die Brandung treibt die Nussschale weg, Ruder sind keine im Boot. Doch von Aufregung keine Spur. «Jimmy sang einfach weiter, ihn kümmerte es kein bisschen, dass er vor sich hin trieb», so Jardine. Zwei andere Mitspieler, Eric Schaedler und Davie Hay, schnappen sich sofort ein anderes Boot, versuchen zu Johnstone zu rudern. Aber durch ein Leck dringt Wasser ein, sie müssen umkehren.

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Jimmy Johnstone und Sandy Jardine erinnern sich an den denkwürdigen Bootstrip. video: YouTube/Jinky Johnstone

«Ich fische!»

Schliesslich wird die Küstenwache alarmiert, die Johnstone rettet. «Jemand hat ihn gefragt, was er denn eigentlich in dem Boot mache», erinnert sich Sardine. Daraufhin habe sein Kumpel die legendäre Antwort gegeben: «Ich fische!»

Der Bootsausflug – «The Largs Boat Incident» – beherrscht natürlich in den kommenden Tagen die Schlagzeilen. Gegen England bleibt «Jinky» Johnstone dennoch so cool wie auf dem Ruderboot ohne Ruder: Er führt Schottland als überragender Akteur zu einem 2:0-Erfolg.

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Gemeinsam mit den Simple Minds nimmt Jimmy Johnstone den Gassenhauer «Dirty Old Town» zu Benefizzwecken auf. YouTube/rosharris

«Jimmy Johnstone war der Allerallerbeste!»

2006 stirbt Jimmy Johnstone an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS. Seine Beerdigung wird im Celtic Park abgehalten und ihm zu Ehren spielen seine Nachfolger in der nächsten Partie alle mit «Jinkys» Nummer 7 auf den Hosen. Eine Statue vor dem Stadion erinnert heute noch an den Flügelflitzer. In deren Sockel ist unter anderem ein Ruderboot abgebildet: Feinster britischer Humor.

Sein Weggefährte Sandy Jardine, 2014 verstorben, bedauerte nur eines: Dass jüngere Fans den grossen kleinen Jimmy Johnstone, der zwischen 1966 und 1974 neunmal in Folge schottischer Meister wurde, nie haben spielen sehen. «Ich habe meinen Söhnen oft gesagt: ‹Auch wenn ihr kein einziges Wort von mir jemals glaubt, das müsst ihr glauben: Jimmy Johnstone war der Allerallerbeste!›» Und wen selbst dies nicht überzeugt, dem sei gesagt: Jardine war nie bei Celtic, sondern spielte 16 Jahre lang für die Glasgow Rangers.

Sehenswerte Videos

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Ein Genuss, dem «Greatest Ever Celtic Player» zuzuschauen, wie er im Dribbling Gegenspieler vernascht, die zwei Köpfe grösser sind als er. YouTube/CloverFilmsUK

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Bei 0:50 Minuten erzielt der 1,57-Meter-Zwerg sogar ein Kopfballtor! YouTube/Barry Celtic

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1970 nimmt Celtic Glasgow eine Single auf, deren B-Seite diese Solo-Aufnahme von Jimmy Johnstone ist: «Passing Time». YouTube/Hail Hail Monthehoops

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Charlie and the Bhoys spielen vor einer begeisterten Menge ihren Song «Lord of the Wing». YouTube/charlieandthebhoys

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Celtic-Fans singen zu Ehren von Jimmy Johnstone «You'll Never Walk Alone» – und das meinen sie auch so. YouTube/riccardo angelini

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

7. März 2007: Natitrainer Köbi Kuhn telefoniert mit seinem Captain Johann Vogel und teilt ihm mit, dass er künftig auf ihn verzichten werde. Die Reaktion des Genfers geht in den Schweizer Fussball-Sprachschatz ein.

1626 Kilometer liegen Zürich und Sevilla auseinander. In der Schweiz greift Natitrainer Köbi Kuhn zum Telefon, um Johann Vogel anzurufen, der bei Betis spielt. Er teilt seinem Captain mit, dass er ihn nicht mehr für die Nationalmannschaft aufbieten werde.

Vogel wird laut in diesem Gespräch, weiss der «Blick», der diese Information mit grosser Wahrscheinlichkeit von Kuhn erhalten hat. Ein «Riesen-Fehler» sei es, ihn aus der Nati zu werfen, poltert Vogel. Und es folgt der legendäre Satz:

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