Sport
Unvergessen

Unvergessen: Ein Scheich überredet einen Schiri, ein Tor zu streichen

Bild
Screenshot: YouTube/Fussball ist unser Leben
Unvergessen

Ein Scheich überredet einen WM-Schiedsrichter, ein Tor zu annullieren

21. Juni 1982: Ein Verbandspräsident stürmt aufs Spielfeld. Kuwait verliert zwar trotzdem. Aber die Fussballwelt hat wieder einmal Gesprächsstoff.
21.06.2026, 00:05

Das Resultat ist lediglich eine Fussnote der WM-Geschichte. Frankreich besiegt Kuwait 4:1. Und doch wird es auf ganz besondere Weise ein Spiel, das nicht vergessen geht. In der 80. Minute stürmt Scheich Fahd Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah auf das Spielfeld.

Eben noch hatten die Fernsehkameras sein rot-weiss-gemustertes Kopftuch auf der Ehrentribüne im Stadion von Valladolid eingefangen. Jetzt filmen sie den Präsidenten des kuwaitischen Fussballverbandes in einem Rudel aus sonnenbebrillten Polizisten, gestikulierenden Männern in Trainingsanzügen und lamentierenden Spielern.

Prämie von 175'000 Dollar

Der Scheich redet auf den sowjetischen Schiedsrichter Miroslav Stupar ein: Das eben durch Frankreichs Mittelfeldgenie Alain Giresse erzielte Tor zum 4:1 müsse annulliert werden, da die Spieler während des Angriffs durch einen Pfiff von den Zuschauerrängen irritiert worden seien.

«Scheiss FIFA, die ist schlimmer als die Mafia.»
Scheich Fahd Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah.

Tatsächlich lässt sich Stupar – der ehemalige Goalie gilt als einer der besten sowjetischen Schiedsrichter aller Zeiten – einschüchtern. Als der Scheich den Rasen nach rund 10 Minuten wieder verlässt, steht es wieder 3:1. Überliefert ist sein Zitat: «Scheiss FIFA, die ist schlimmer als die Mafia.»

Der Mann aus dem Morgenland muss 25'000 Dollar Busse bezahlen. Es wird ihn nicht arg geschmerzt haben. Er hatte seinen Kickern für das sensationelle 1:1 gegen die CSSR 175'000 Dollar Prämie bezahlt. Pro Mann. Für Schiedsrichter Miroslav Stupar hat die Sache hingegen Folgen: Er wird während dieser WM nicht mehr eingesetzt. Seine internationale Karriere ist zu Ende. Begründung: Er habe durch sein Verhalten die Szene provoziert.

Bild
Screenshot: srf

1990 hat Scheich Fahd Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah die französische Nationalmannschaft als Geste der Wiedergutmachung immerhin zu einem Freundschaftsspiel in seine Heimat eingeladen. Kuwait schied nach drei Spielen (1:1 CSSR, 1:4 Frankreich, 0:1 England) in der Vorrunde aus.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Klubs hatten 2022/23 die meisten Zuschauer
1 / 62
Diese Klubs hatten 2022/23 die meisten Zuschauer
1. FC Barcelona: 83'397 Zuschauer im Camp Nou (99'354 Plätze). Quelle: transfermarkt.de
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Hund weigert sich, bei einem Fussballspiel den Ball loszulassen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Aufstieg und Fall eines Titanen – Peter Zahner und die grösste Dummheit unseres Hockeys
Mit der grössten Dummheit der Geschichte hat sich unser Hockey auf internationaler Ebene um fast alle politische Bedeutung gebracht. ZSC-Manager Peter Zahner ist im Verbands-Verwaltungsrat nicht mehr tragbar.
Kurz ein Überblick: Das IIHF-Council ist die Regierung des Welt-Eishockeys. Die Schweiz hatte in diesem höchsten Gremium des internationalen Verbandes (IIHF) die meiste Zeit und seit 1986 permanent einen Sitz und von 1994 bis 2021 führte René Fasel als Präsident gar den Vorsitz.
Zur Story