Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Mannschaft des Grasshopper Club Zuerich, aufgenommen im Juli 1992. Oberste Reihe von links nach rechts: Assistent Sven Gruetter, Murat Yakin, Mario Cantaluppi, Heinz Hermann, Thomas Bickel, Ramon Vega, Sigour Gretarsson, Mats Gren, unbekannt, Adrian de Vicente; Mittlere Reihe von links nach rechts: zwei Betreuer, Massimo Lombardo, Harald Gaemperle, Johan Vogel, David Nakid, Giovane Elber, Ciriaco Sforza, Mauro Calvi, Trainer Andre

Das Kader der Grasshoppers 1992 (Aufnahme im Juli). Oberste Reihe von links nach rechts: Assistent Sven Gruetter, Murat Yakin, Mario Cantaluppi, Heinz Hermann, Thomas Bickel, Ramon Vega, Sigi Gretarsson, Mats Gren, Harald Gämperle, Adrian de Vicente; Mittlere Reihe von links nach rechts: zwei Betreuer, Massimo Lombardo, Patrick de Napoli , Johan Vogel, David Nakid, Giovane Elber, Ciriaco Sforza, Claudio Calvi, Trainer André «Bigi» Meier, Trainer Oldrich Swab; Sitzend von links nach rechts: Urs Meier, Marcel Koller, Joel Magnin, Goalie Pascal Zuberbühler, Goalie Martin Brunner, Goalie Stefan Huber, Peter Közle, Giorgios Nemtsoudis und Alain Suter.  Bild: KEYSTONE

Sensation in der NLA

Unvergessen

6.12.1992: Zu Saisonbeginn noch Meisterfavorit, muss GC mit allen Stars und Trainer Beenhakker in die Abstiegsrunde 

6. Dezember 1992: Die Grasshoppers können mit der Niederlage gegen die Young Boys ihren Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen und landen mit einem hochkarätigen Spielerkader in der Auf-/Abstiegsrunde.



Die Prognosen vor Saison sind höchst unterschiedlich für die Gegner, welche am 6. Dezember 1992 in der letzten Qualifikationsrunde im Berner Wankdorf aufeinandertreffen. Zu Beginn der Spielzeit gelten die Grasshoppers noch als der erklärte Meisterschaftsfavorit, wie der «Bund» schreibt. Den Young Boys hingegen wird ein mühsamer Kampf am Strich vorausgesagt. 

Jetzt geht es für die Grasshoppers jedoch nicht um den Meistertitel, sondern um die Teilnahme an der Finalrunde. Auf dem Feld steht die wohl beste GC-Mannschaft aller Zeiten: Pascal Zuberbühler, Mats Gren, Ramon Vega, Harald Gämperle, Urs Meier, Murat Yakin, Ciriaco Sforza, Thomas Bickel, Mario Cantaluppi, Giovane Elber und Adrian De Vicente sollen die Katastrophe verhindern.

Aufgrund einer Sperre kann Alain Sutter nicht mittun, auch Marcel Koller fehlt den Zürchern verletzungshalber. Auf der Ersatzbank nehmen unter anderem Spieler wie Joel Magnin und Peter Közle Platz.

Die Ausgangslage

Bild

Die Tabelle vor dem letzten Spieltag in der Qualifikationsrunde. Screenshot: weltfussball.de

Dass es überhaupt zum Showdown kommt, hat die Star-Truppe dem schlechten Start unter Coach Oldrich Svab zu verdanken. Der Vorstand unter Präsident Benno Bernardi ersetzt Svab während der Saison durch den hochdekorierten Leo Beenhakker. Der holländische Trainer landet nach Stationen bei Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam, der holländischen Nationalmannschaft, Real Saragossa und Real Madrid in Zürich. Als Leistungsausweis bringt er je drei holländische und spanische Meistertitel mit.

Bild

Leo Beenhaker: Zuerst im Bernabeu, jetzt im Hardturm tätig. Screenshot: realmadridbalkan.org

Wie Bernardi  später gegenüber der «NZZ» gesteht, erfolgte der Trainer-Wechsel wohl zu spät. «Unter Beenhakker holten wir viele Punkte», meint auch Mats Gren im «Tages-Anzeiger». Und er schiebt nach: «Wenn wir nicht den schlechten Start gehabt hätten, hätten wir es geschafft.»

Nichtsdestotrotz können es die Grasshoppers im Heimspiel gegen die Young Boys noch aus eigener Kraft in die Finalrunde schaffen, da Hauptkonkurrent Lugano einen Punkt zurückliegt. Das Szenario scheint aber eher für das Heimteam zu sprechen, wie YB-Trainer Martin Trümpler vor dem Spiel spekuliert: «Uns kommt die Ausgangslage entgegen, denn so können wir zu Hause so spielen, wie wir dies auf fremden Terrain jeweils mit Erfolg tun.»

«Bei den Grasshoppers haben sie die Situation wohl nicht richtig eingeschätzt.»

FCZ-Manager Raimondo Ponte. tages-anzeiger

So können die Berner nach einem schnell vorgetragenen Konter in der 29. Minute durch Christiansen in Führung gehen. Die zahlreich angereisten GC-Anhänger schöpfen im mit 16'000 Zuschauer ausverkauften Wankdorf nach dem Ausgleich durch Ramon Vegas Kopfballtreffer zwar nochmals Hoffnung, doch acht Minuten vor dem Ende leitet ein Missverständnis zwischen Urs Meier und Mats Gren die Niederlage ein. YBs Nowak profitiert von der «blöden Situation» (Zitat Gren) und markiert den 2:1-Endstand.  

Die Grasshoppers segeln in die Abstigsrunde. GC Spieler Adrian de Vicente fliegt ueber den YB Verteidiger Martin Weber. Die Grasshoppers verlieren am 6. Dezember 1992 im Hardturm-Stadion in Zuerich das Meisterschaftsspiel der Nationalliga A gegen die Young Boys und verpassen mit dieser Niederlage die Finalrunde.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Grasshoppers segeln in die Abstigsrunde. GC-Spieler Adrian de Vicente fliegt über den YB-Verteidiger Martin Weber.  Bild: KEYSTONE

«Man kann schon sagen, dass acht Minuten zur Qualifikation gefehlt haben.»

Mats Gren nach dem Spiel. 

Die Niederlage der Zürcher widerspiegelt das eigentliche Manko des Teams. Den Grasshoppers fehlen gegen die konterstarken und aufsässigen Berner die Leader, welche das Ruder in schwierigen Momenten herumreissen können. Andy Egli, bezeichnenderweise mehr mit Willen als mit Talent gesegnet, ist laut einem Kommentar die einzige löbliche Ausnahme in der missratenen Saison. Präsident Bernardi meint, dass er sich vor allem auch von Rekordnationalspieler Heinz Hermann mehr erhofft habe.

«Sie sind einfach fussballerisch nicht so gut, wie sie wahrhaben wollen.»

GC-Legende Fredy Bickel. blick

Wie so oft zeigt sich die Mannschaft zu unentschlossen und gelegentlich auch orientierungslos. Von einem klaren Konzept sei gegen YB ausserdem wenig zu sehen gewesen, schreibt die «NZZ». Bernardi stimmt in die Kritik ein und hinterfragt das System von Trainer Beenhakker im entscheidenden Spiel. Im Weiteren meint der GC-Präsident: «Sein Daueroptimismus hat wohl gelegentlich die Optik getrübt.»

Weil Lugano gegen Xamax zu einem 2:0-Erfolg kommt, überholen die Tessiner GC noch und der lange nicht für mögliche Gang in die Auf-/Abstiegsrunde wird für die Grasshoppers Tatsache. Es ist das erste und bis heute einzige Mal in der ruhmreichen Vereinsgeschichte des Schweizer Rekordmeisters.

Die Tabelle nach der Qualifikationsrunde

Bild

Screenshot: weltfussball.com 

Das Kader und der Verein blicken schweren Zeiten entgegen. Wie Präsident Bernardi verrät, geht der Misserfolg den Spielern direkt ans Portemonnaie. In den Verträgen ist nämlich eine Klausel eingebaut, die für den Fall in die Abstiegsrunde nur noch die Auszahlung des Fixums vorsieht. Also keine Spiel- und Punkteprämien mehr. Somit können die Spitzenspieler nur noch mit einem Drittel des bisherigen Lohns rechnen.

Schadenfreude bei gegnerischen Klubs ist jedoch nicht angebracht. Weil der Publikumsmagnet im Frühling nicht dabei ist, fehlen laut Berechnungen des «Blicks» Wintermeister YB und Co. über 300'000 Franken. Den grössten Abstrich muss dabei der Stadtrivale FC Zürich mit 200'000 Franken machen.

Die letzte Chance, die verkorste Saison zu retten, bietet sich den Grashoppers dann noch im Schweizer Cup. Im Cupfinal treffen die Stadtzürcher ausgerechnet auf den FC Lugano – und gehen glatt mit 1:4 unter. Der Ligaerhalt wurde danach zwar geschafft, Leo Beenhakker kann aber seine Entlassung trotzdem nicht verhindern.

abspielen

Der spätere GC-Stürmer Nestor Subiat als Held im Cupfinal. video: YouTube/catone82

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Murat Yakin trifft per Freistoss mitten ins Ajax-Herz

25. September 1996: Bei GC fehlt Kubilay Türkyilmaz verletzt, Ajax Amsterdam drückt und Pascal Zuberbühler kann gerade noch die Null halten. Alles spricht für einen Favoritensieg. Doch dann kommt dieser eine Moment. Dieser eine Moment, in dem Murat Yakin beim Freistoss alles richtig macht.

Es ist Mittwochabend, ein kühler Septembertag neigt sich dem Ende zu. Die Grasshoppers sind ausgezeichnet in die Champions League gestartet und belegen nach dem 3:0-Heimsieg gegen die Glasgow Rangers den ersten Rang der Gruppe A. An jenem Abend wartet jedoch ein ganz anderes Kaliber auf die Truppe von Christian Gross. In der nigelnagelneuen Amsterdam-Arena geht es im zweiten Gruppenspiel gegen Ajax Amsterdam.

Jenes Ajax Amsterdam, welches in den vergangenen beiden Jahren jeweils im …

Artikel lesen
Link zum Artikel