Unvergessen
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epa01449321 US swimmer Michael Phelps (second from L) touches home for  gold, just ahead of Milorad Cavic from Serbia (third from L) with silver, Andrew Lauterstein from Australia (R) for bronze and US swimmer Ian Crocker, (L) fourth in the men's 100m butterfly final, winning Phelps his seventh gold medal win, equalling Mark Spitz's 1972 Munich games record, at the swimming at the National Aquatic Center at the Beijing 2008 Olympic Games, Beijing, China, 16 August 2008. Phelps won in 50.58 with an olympic record.  EPA/PATRICK B. KRAEMER

Wer war schneller: Michael Phelps (l.) oder Milorad Cavic (r.). Es sieht eher nach Cavic aus. Bild: EPA

Unvergessen

Das umstrittenste Gold von Phelps – oder ist es «der grösste Betrug des Jahrhunderts»?

16. August 2008: Michael Phelps hat bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Grosses vor. Er will Mark Spitz' Rekord von sieben Goldmedaillen knacken. Es gelingt. Allerdings auf sehr dramatische Art und Weise.



Dass Michael Phelps in Peking der Mann ist, den es zu schlagen gilt, ist allen klar. Der Amerikaner dominierte schon in Athen 2004 mit sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen. Nun ist der 23-Jährige noch besser. Er gilt als Favorit in allen acht Wettbewerben, in welchen er sich gemeldet hat. Schafft er den Sweep, würde er den eigentlich für die Ewigkeit gedachten Rekord von Landsmann Mark Spitz knacken. Dieser dekorierte sich in München 1972 mit sieben olympischen Goldmedaillen.

Die Mission «Rekord» läuft unaufhaltsam. Phelps schnappt sich die ersten sechs Siege meist überragend. Jetzt steht der siebte Wettkampf an: 100m Delfin. Sein Hauptkonkurrent: Milorad Cavic aus Serbien.

epa01449409 US swimmer Michael Phelps (R) with gold next to Milorad Cavic from Serbia (L) with silver, as they listen to the American national anthem on teh podium for the 100m butterfly final, Phelps's  seventh gold medal win, equalling Mark Spitz's 1972 Munich games record, at the swimming at the National Aquatic Center at the Beijing 2008 Olympic Games, Beijing, China, 16 August 2008. Phelps won in 50.58 with an olympic record.  EPA/JULIAN ABRAM WAINWRIGHT

Milorad Cavic: Er will zu Phelps' Partycrasher werden. Bild: EPA

Der Europäer scheint seinem Ruf als Partycrasher alle Ehre zu machen. Noch 20 Meter vor dem Ziel führt der Europäer und Phelps scheint geschlagen. Doch dann holt der Amerikaner auf. Cavic streckt sich kurz vor dem Ziel in Richtung der Anschlagplatte und wuchtet seine Arme nach vorne, Phelps daneben macht noch einen halben Extra-Delfinzug und schlägt wellenumtost an.

Serbischer Verband legt Protest ein

Es scheint, als wäre Cavic mit den Fingerkuppen vor Phelps an der Platte, doch auf der Anzeigetafel leuchtet auf: 1. Phelps 50,58, 2. Cavic 50,59. Die siebte Goldmedaille – und damit die Einstellung von Spitz' Rekord – ist Tatsache. Phelps jubelt für ihn untypisch wild.

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Das Rennen über 100 m Delfin in Peking. Video: streamable

Der serbische Verband aber, will sich nicht mit der Niederlage abfinden. Er bittet die FINA, den Internationalen Schwimmverband, um Prüfung. Die Serben berufen sich auf einen Fehler in der Zeitmessanlage. Doch Verband und Athlet müssen sich nach Analyse der Bilder geschlagen geben.

So wird die Zeit gestoppt

Die Zeit wird beim Schwimmen im Ziel mit dem Anschlag gestoppt. Der Schwimmer muss dabei mit beiden Händen auf eine Platte aus Chromstahl, die mit PVC-Lamellen bestückt ist, drücken. Der Kraftaufwand, der geleistet werden muss, um die Zeit zu stoppen, beträgt zwischen 2,5 und 3 Kilogramm.

Um exakt 4,7 Millimeter sei der Amerikaner eher im Ziel gewesen, teilt FINA-Generaldirektor Cornel Marculescu mit und verkündet, dass es an der Funktionstüchtigkeit der Anlage keine Zweifel gebe. Zudem hätten zwei unabhängig voneinander arbeitende Systeme dasselbe Resultat aufgewiesen. Das sogenannte Backup-System habe ebenfalls 50,58 Sekunden für Phelps und 50,59 für Cavic angezeigt.

epa01449404 Combo image showing Michael Phelps of the US (L) and Milorad Cavic of Serbia (R) in the moment before (top) the final touch (bottom) as Phelps throws his arms forward to out-touch Cavic by .01 to win the gold medal in the men's 100m butterfly final, winning Phelps his seventh gold medal win, equalling Mark Spitz's 1972 Munich games record, at the swimming at the National Aquatic Center at the Beijing 2008 Olympic Games, Beijing, China, 16 August 2008.  EPA/PATRICK B. KRAEMER

Links Phelps, rechts Cavic: Wer war zuerst? Bild: EPA

«Phelps hätte das Rennen unter allen Umständen gewonnen»

Auch Milorad Cavic findet sich später mit dem Gewinn der Silbermedaille ab. Auf seinem Blog erklärt der Serbe, dass er sehr zufrieden sei mit dem zweiten Rang. «Es ist nichts Falsches daran, gegen den grössten Schwimmer, den es je gegeben hat, zu verlieren.»

Alle wollen sich aber nicht mit der Niederlage abfinden. Im Internet kursieren schnell wilde Theorien. Kurz nach «Phelps' Niederlage» sei etwas passiert. Der offizielle Zeitmesser soll die Entscheidung manipuliert haben. Schliesslich sponsert Omega Phelps seit 2004. Weitere Geldgeber sollen Druck gemacht haben, dass der Amerikaner unbedingt den Rekord von Mark Spitz brechen und ihnen damit Millionen bescheren soll. Eine Aussage eines FINA-Offiziellen erhitzt zudem die Gemüter: «Phelps would have won the race no matter what.» (Phelps hätte das Rennen unter allen Umständen gewonnen.)

Gold medalist United States' Michael Phelps, center, reacts during the presentation ceremony for the men's 100-meter butterfly final during the swimming competitions in the National Aquatics Center at the Beijing 2008 Olympics in Beijing, Saturday, Aug. 16, 2008. At left is Serbia's Milorad Cavic, who took silver and and at right is bronze medalist Andrew Lauterstein from Australia.  (AP Photo/Mark Baker)

Am Ende sind die Medaillen klar verteilt: Gold für Phelps, Silber für Cavic und Bronze für Lauterstein. Bild: AP

Genaue Entscheidung wird nie bekannt

Die FINA veröffentlicht bald weitere Bilder des Anschlags von Phelps und Cavic. Es bleibt natürlich dabei: Die Sache ist sehr eng. So wird es wohl nie definitiv klar sein, wer das Rennen gewonnen hat. Die Unterwasserkameras schiessen pro Sekunde nur 25 bis 30 Bilder. Die Entscheidung um Sieg oder Niederlage fiel aber in weniger als einer Hundertstelsekunde.

Phelps Gold Medaillen 23 Olympia

Phelps Medaillen-Bilanz im Vergleich mit den nächstbesten Medaillen-Hamster bei Olympia. bild: watson

Phelps holt nach der siebten, zum Abschluss der Spiele auch noch seine achte Goldmedaille in Peking. Vier weitere Siege in London und nochmals fünf Triumphe in Rio 2016 machen ihn mit 23 Goldmedaillen zum olympischen Superstar mit einem Rekord, der jetzt wohl endgültig für alle Ewigkeiten bleibt. Nach Rio 2016 tritt Phelps zurück.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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