Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
England goalkeeper Gordon Banks makes a remarkable save from a header by Pele of Brazil during their first round match in the World Cup at Guadalajara, Mexico, June 1970.  Brazil went on to win 1-0. Mandatory Credit: Allsport Hulton/Archive

«Bank of England» wird Gordon Banks aufgrund seiner tollen Paraden genannt. Bild: Getty Images Sport Classic

Unvergessen

Gordon Banks klärt Pelés Kopfball mit der grössten Parade der Geschichte

7. Juni 1970: Der englische Nationaltorhüter Gordon Banks taucht in die tiefe Ecke, als Brasiliens Superstar Pelé auf sein Tor köpft. Mit der rechten Hand schaufelt er den Ball nicht nur heraus, er hebt ihn sogar über die Querlatte. Sein Save gilt als die grösste Parade der Fussballgeschichte.

In Guadalajara kommt es in der Vorrunde der WM 1970 in Mexiko zur Partie zwischen England, das den WM-Titel von 1966 nur zu gerne bestätigen will, und Brasilien, das den Pott zurück in die Heimat bringen möchte. Es ist das Duell des amtierenden Weltmeisters und des Teams, das den Fussball zuvor acht Jahre lang dominiert hatte.

** FILE ** Brazil's captain Carlos Alberto, left, and England's captain Booby Moore, prior to their World Cup match in the Jalisco Stadium in Mexico, June 7 1970 the last time the two countries met in the World Cup. The two countries will meet again in the World Cup quarterfinal match in Japan on Friday June 21, 2002. (AP Photo/File)

Die beiden Captains vor der Partie: Carlos Alberto (links) und Bobby Moore. Bild: AP

Für das Unterfangen «3. Titel» zieht sich sogar der bald 30-jährige Pelé wieder das Dress der brasilianischen Nationalmannschaft über. Dies, obwohl das Wunderkind der WM von 1958 geschworen hatte, nie mehr an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, nachdem er vier Jahre zuvor mit Brasilien gegen Portugal bereits in der Vorrunde ausgeschieden war. Die Portugiesen kannten damals nur eine Taktik: Den Beinen von Pelé ihre höchste Aufmerksamkeit widmen. Mit Erfolg: Pelé verletzte sich und Eusébio schoss Portugal zum 3:1-Sieg.



Die grösste Parade der Geschichte

Vier Jahre später hat sich Pelé wieder beruhigt. Beim 4:1-Sieg gegen die Tschechoslowakei im ersten Gruppenspiel schiesst er seinen ersten Treffer, auch gegen die «Three Lions» setzen die Brasilianer auf ihren routinierten Stürmerstar.

Die erwartete Abwehrschlacht der Engländer um Captain Bobby Moore gegen Brasiliens Offensivpower mit Pelé, Tostão, Rivelino und Jairzinho findet aber nicht statt. Die Mannen von der Insel spielen munter mit und offenbaren die eine oder andere Lücke in der Hintermannschaft der Seleção. Nur das Tor will nicht fallen.

«Später sagte Pelé, es sei die beste Parade gewesen, die er je gesehen habe.»

Gordon Banks

Brasilien ist allerdings deutlich näher am Führungstreffer. Als Pelé nach einer Flanke von Jairzinho in die Luft steigt, um einen Kopfball in Richtung Tor zu wuchten, schreien die ersten – darunter auch Pelé – «Gol». Doch England-Goalie Gordon Banks fliegt blitzschnell in die rechte untere Ecke und fischt den Ball von der Linie. Dabei lässt er die Kugel nicht etwa nach vorne abprallen – nein, er hebt den Ball mirakulös über die eigene Querlatte.

abspielen

Die Parade von Gordon Banks. Video: streamable

Ein Ding der Unmöglichkeit, so scheint es. Doch anders war dies gemäss Banks gar nicht möglich: «Ich musste dem Ball hinterher hechten, so wuchtig wie der aufs Tor geköpft wurde. Ich musste das Tempo übernehmen, dafür die Richtung ändern und überlegen, wie hoch der Ball aufspringen wird. Zuerst dachte ich, er lande im Tor», erinnert sich Banks Jahre später. «Und später sagte Pelé, es sei die beste Parade gewesen, die er je gesehen habe.»

Brasilien gewinnt das Spiel trotz Banks' Wunderparade 1:0 und marschiert danach mit bestechender Dominanz zum dritten WM-Titel. Auch England qualifiziert sich trotz der Niederlage für die Achtelfinals, gegen West-Deutschland ist dort aber Endstation.

31 Oct 2000:  Pele scores past Gordon Banks during an AXA photocall at Wembley in London. \ Mandatory Credit: Clive Mason /Allsport

Im Jahr 2000 stellen Gordon Banks und Pelé im alten Wembley-Stadion die Parade nach. Bild: Getty Images Europe

Fauxpas, FA Cup und abruptes Karriereende

Gordon Banks steht bereits 1966 beim Gewinn des WM-Titels zwischen den englischen Pfosten. Obwohl er nicht viel zu tun hat, strahlt der damals 28-Jährige eine grosse Sicherheit aus und verhilft dem Team – neben dem legendären Wembley-Goal – im Endspiel durch starke Paraden zum Pokal.

Die Stationen in Banks Karriere

FC Chesterfield (1955–1959)
Leicester City (1959–1967)
Stoke City (1967–1972)
St.Patrick's Athletic (1977)
Fort Lauderdale Strikers (1977/78)

Auch nach der WM 1970 sorgt Banks immer wieder für Aufsehen. Im Länderspiel 1972 gegen die Nordiren unterläuft ihm gegen den legendären George Best ein Fauxpas. Der Mittelfeldspieler von Manchester United stört den Keeper beim Auskick, spitzelt ihm die Kugel vom Fuss und köpft nach gewonnenem Laufduell gegen den überraschten Banks den Ball ins Tor – doch der Treffer wird wegen eines angeblichen Fouls aberkannt. Glück für Banks.

abspielen

Gordon Banks zieht gegen George Best den Kürzeren, doch das Tor zählt nicht. Video: YouTube/killultagh

Als Banks dank dem 2:1-Erfolg gegen Chelsea 1972 im Wembley auch noch den FA-Cup-Titel gewinnt, fügt er seiner Karriere einen nächsten Höhepunkt hinzu. Doch die Laufbahn des Goalies nimmt danach ein abruptes Ende.

abspielen

Banks hält den Penalty gegen West Ham. Seine zweitgrösste Parade im Halbfinal des FA Cups 1972. Video: streamable

Ausgerechnet zu der Zeit, als er als bester Torhüter der Welt gilt, verliert er auf der Rückfahrt von einem Besuch beim Physiotherapeuten die Kontrolle über sein Auto und landet im Strassengraben. Er verliert die Sehkraft im rechten Auge und muss nach einigen Versuchen, weiterhin Tore zu verhindern, zurücktreten.

Der Hunde-Halter

Banks wird von 1966 bis 1971 sechs Mal hintereinander als FIFA-Torhüter des Jahres ausgezeichnet. In 73 Partien für England hält er 35 Mal den Kasten dicht und muss nur 57 Tore zulassen. Eine Rekordmarke, der die Engländer noch heute nachtrauern. Nur sein Nachfolger Peter Shilton, der das englische Tor von 1970 bis 1990 hütet, geniesst danach ähnlich grosse Anerkennung wie Banks.

Am 12. Februar 2019 wird seine Jahrhundert-Parade nochmals überall gezeigt. Gordon Banks wurde 81 Jahre alt.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Pelés Ruhmreiche Karriere

Fussballtalente

So protzt Barcelonas 15-jähriger Xavi von morgen auf Instagram

Link zum Artikel

Sie waren vor 10 Jahren unsere grössten Hoffnungen – das wurde aus ihnen

Link zum Artikel

15 Wunderkinder des Weltfussballs und was aus ihnen geworden ist

Link zum Artikel

Woher der FC Basel seine Talente holt und wie er auch Spätgeborenen ihre Chance gibt

Link zum Artikel

Der erste Schritt zum Fussball-Profi: So wählen die Topklubs die jüngsten Talente aus

Link zum Artikel

Diese 30 Sturm-Talente musst du 2018 auf dem Radar haben – auch zwei Schweizer sind dabei

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Noch ganz ohne Scheich stürzt ManCity 1998 in die Drittklassigkeit ab

3. Mai 1998: Heute zählt Manchester City zu den Schwergewichten im Weltfussball, den vielen arabischen Öl-Millionen sei Dank. Doch es ist noch gar nicht so lange her, da waren die «Citizens» bloss ein mässig erfolgreicher Klub im Schatten des grossen Stadtrivalen Manchester United.

Deutsche Fussballer sind in den 1990er-Jahren gefragt. Viele Weltmeister von 1990 verdienen ihr Geld in der italienischen Serie A, der besten Liga der Welt. Auch der Knipser von Manchester City ist Deutscher. Doch sein Name ist ein Hinweis auf den Stellenwert des Klubs zur damaligen Zeit: Uwe Rösler. Im Grunde genommen ein Habenichts.

Der Stürmer mit der Erfahrung von 5 Länderspielen für die DDR wechselt 1994 nach mässigen Jahren in der Bundesliga zu den «Citizens». Dort mausert sich der …

Artikel lesen
Link zum Artikel