Unvergessen
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Sampras puke unvergessen

Pete Sampras am Ende seiner Kräfte. Der Amerikaner muss sich im Tiebreak gegen Corretja übergeben.  Bild:www.tennisdvdwarehouse.com

Unvergessen

Unvergessen

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

5. September 1996: Im Viertelfinale der US Open erbricht sich Sampras vor Erschöpfung auf den Court, kann den Abnutzungskampf gegen Corretja aber gleichwohl für sich entscheiden. 



Als Schweizer Tennis-Fans bekamen wir seit der Jahrtausendwende Tennis-Leckerbissen am Laufmeter serviert. Legendäre Finalpartien, epische Fünfsätzer und Turniergewinne standen während Federers Überflieger-Jahren quasi an der Tagesordnung.

Unterdessen trägt auch Stanislas Wawrinka einen grossen Teil dazu bei, dass der Tennis-Sport in der Schweiz ungebrochen populär ist. Obschon das Reservoir an historischen Schweizer Tennis-Momenten proppenvoll ist, lohnt es sich aber manchmal gleichwohl einen Blick vor die Ära Federer-Wawrinka zu werfen. 

Eines der bemerkenswertesten US-Open-Matches fand nämlich lange vor Federers erstem Titelgewinn in Flushing Meadows statt. Die Rede ist vom Viertelfinale zwischen Alex Corretja und Pete Sampras aus dem Jahr 1996. 

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Sampras triumphiert 1995 zum dritten Mal an den US Open und tritt 1996 als Titelverteidiger an.  Bild:getty images

Vierstündiger Fight bis ins Tiebreak des fünften Satzes

Der 22-jährige Spanier verlangt dem topgesetzten US-Amerikaner in der Runde der letzten Acht alles ab. Nach einer 2:1-Satzführung muss der Underdog zwar in den fünften Durchgang, dort packt er aber nochmals sein bestes Tennis aus und bringt «Pistol-Pete» wortwörtlich ins Wanken. 

Auch nach vier Stunden Spielzeit will und will keine Entscheidung fallen. Die logische Konsequenz: Die Partie geht ins alles entscheidende Tiebreak. Und dieses ist an Dramatik kaum zu überbieten. 

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Sampras kämpft sich nach vier Stunden Spielzeit ins Tiebreak des Fünften. video: youtube/giof1

Sampras am Rand der Erschöpfung

Ein total ausgepumpter Pete Sampras stützt sich immer wieder aufs Racket und kann sich kaum mehr auf den Beinen halten. Beim Stand von 1:1 ist es dann soweit: Der damals 25-jährige Lockenkopf beugt sich vornüber und deponiert seinen Mageninhalt auf dem Tenniscourt.

Unglaublich! Hat er wirklich? Spätestens nach dem deutlich hörbaren Würgegeräusch sind sich auch die Kommentatoren einig: «Pete muss sich tatsächlich übergeben»!

Während das Publikum und Corretja ruhig und respektvoll reagieren, kennt der Schiedsrichter keine Gnade mit dem fix und fertigen Sampras. Sehr zum Unmut der anwesenden Zuschauer schreit er ein gefühlsloses «Time» ins Mikrophon und bittet Sampras weiterzumachen. 

Unter tosendem Applaus schreitet der Titelverteidiger mit aschfahlem Gesicht zum Service und gewinnt sogar den nächsten Punkt. Auf den Rängen gibt es kein Halten mehr – es wird gejubelt, als hätte Sampras gerade das Turnier gewonnen. Die gewaltige Unterstützung ist es dann auch, die den Ami auf den Beinen und im Rennen hält.

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Sampras entleert seinen Mageninhalt Gif: 

Denkwürdige Entscheidung

Beim Stand von 7:6 und Matchball für Corretja gelingt der Weltnummer 1 einen der wohl unglaublichsten Schläge der Tennisgeschichte. Obwohl Sampras seinen Schläger mittlerweile zwischen jedem Ballwechsel in einen Gehstock umfunktioniert, macht er sich nochmals ganz lang und kann per Volley die drohende Niederlage in Extremis gerade nochmals abwenden.

Die nächsten beiden Punkte sind nicht minder legendär. Mit dem zweiten Aufschlag, lediglich 144 km/h schnell, schlägt der Mann aus Washington D.C. völlig überraschend ein Ass und hat Matchball.

Ein komplett verdutzter Corretja kann nicht glauben, was soeben geschehen ist und beendet das Match auf die denkbar schlimmste Weise überhaupt: mit einem Doppelfehler. Treffend die Analyse des amerikanischen Kommentatorenduo: «There aren't enough words in the English language to catch you this moment». Den amerikanischen Reportern fehlen die Worte.  

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Pete Sampras ist am Ende, schaukelt das Ding aber nach Hause. video:giof1

Nach einem kurzen Handshake setzt sich der geschlagene Corretja auf die Spielerbank und versteckt sein Gesicht hinter einem Handtuch. Wenig später gibt er aber trotzdem noch ein Platzinterview: «Wäre ich im Publikum gewesen, hätte ich das Gefühl gehabt, eines der grössten Matches der Tennis-Geschichte gesehen zu haben». Nicht wissend wie er das soeben Erlebte einordnen soll, fügt er hinzu: «Sicher, das war das beste Spiel meiner Karriere – gleichzeitig aber auch das schlechteste»

Wundervolle Auferstehung und der Titelgewinn

Pete Sampras selber ist nach dem Spiel nicht in der Lage zum Interview zu erscheinen. Noch in der Kabine wird dem völlig dehydrierten Tenniscrack intravenös Flüssigkeit zugeführt. Mangelnde Flüssigkeitszufuhr, der grosse Druck und der unmenschliche Abnutzungskampf sollen dann auch Schuld für den Beinahe-Kollaps des erfolgreichsten amerikanischen Tennis-Spielers aller Zeiten gewesen sein.  

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Sampras wird von den Medicals nach dem Match umgehend in die Kabine geführt. gif:youtube/giof1

Sampras schottet sich nach dem Spiel komplett ab und gibt auch am nächsten Tag keine Interviews. Zwei Tage später kehrt der Amerikaner im Stile von Lazarus aber wieder auf den Tenniscourt zurück. Im Halbfinale schaltet der wiedererstarkte Tennisprofi in vier Sätzen Goran Ivanisevic aus und wiederum zwei Tage später bodigt er im Finale mit 6:1, 6:4 und 7:6 den als Nummer 2 gesetzten Michael Chang. Der vierte US-Open-Titel wird also schliesslich doch noch Tatsache für Pete Sampras.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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