Café in Kiew am Tag nach Eröffnung getroffen – und die Kiewer stehen Schlange
Yevhen Prusak hat für das Café Hogo viel riskiert. Er verkaufte Eigentum, um sich den Traum vom eigenen Lokal zu erfüllen. Am Samstagmorgen war es schliesslich so weit, und erste Gäste liessen sich Kaffee über die Fenstertheke reichen. Doch lange sollten Yevhen Prusak und seine Mitgründerin Olena Saenko den Moment nicht geniessen können. Denn in der Nacht auf Sonntag führt Russland einen der grössten Angriffe des Jahres auf Kiew durch.
Das Café Hogo liegt im Stadtteil Podil, der bei der Stadtbevölkerung beliebt ist und wegen seiner vielen Restaurants, Bars und Parks rege besucht wird. Viele Geschäfte wurden in der Nacht auf Sonntag beschädigt, entweder von den rund 600 russischen Drohnen oder den etwa 90 Raketen, die in Kiew einschlugen.
Yevhen Prusak und Olena Saenko wischen zerborstene Scheiben zusammen, flicken beschädigtes Mobiliar – und werfen die Barista-Maschine an. Vorsichtig werden die Pappbecher mit Cappuccino und Flat Whites an den Glasscherben vorbei an die Kundschaft durchgereicht. Und diese erscheint zahlreich: Vor dem Hogo bildet sich am Morgen nach dem Angriff eine lange Schlange von Kundinnen und Kunden. Sie brauchen nach der langen Nacht, die viele zum Schutz in U-Bahn-Tunnels vebracht haben, starken Kaffee. Und wohl auch das Gefühl, dass sich in Kiew niemand unterkriegen lässt.
(hde)
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