So sieht die neue «Schabbat-Zone» aus
Er umzäunt rund 80 Prozent des Wohngebiets der in Zürich wohnhaften orthodox jüdischen Menschen: der neue Eruv. Initiator Cédric Bollag verrät, dass schon seit zwei Jahren an der Installation gebaut wurde. Pfosten wurden angebracht und Nylonschnüre gespannt, die sich im Gewirr der Zürcher Oberleitungen verlieren.
«95 Prozent des Eruv bestehen aus bestehenden Strukturen», sagt Bollag. Das bedeutet, dass der meist unsichtbare Zaun entlang von Mauern, Zäunen und Leitungen besteht, die sich sowieso durch die Stadt winden. Dort wo es Lücken gibt, haben Freiwillige schlichte Pfosten angebracht oder eben Nylonschnüre aufgespannt.
Da es Bauten auf öffentlichem Grund sind, war natürlich auch die Stadt involviert. Bollag spricht positiv von der Zusammenarbeit. Eine erste Machbarkeitsstudie haben Bollag und die weiteren Initianten bereits vor zehn Jahren in Auftrag gegeben, als Bollag und seine Frau zum ersten Mal Eltern geworden sind. Das ist kein Zufall: Mit Kleinkind wurde Bollag klar, wie stark man als orthodox jüdische Person eingeschränkt ist, wenn man sich um ein Kleinkind kümmern muss, das noch nicht selbst gehen kann.
Am Schabbat, also zwischen Freitag- und Samstagabend ist es gemäss der Tora nämlich nicht erlaubt, körperliche Arbeiten ausserhalb der eigenen vier Wände zu verrichten. Dazu gehört auch das Tragen von Kindern, Kinderwagen oder das Schieben von Rollstühlen. Auch Personen, die auf einen Rollator angewiesen sind, waren in dieser Zeit ans Haus gebunden. Der Eruv macht die Zone darin zur «Erweiterung des Zuhauses», und ermöglicht es den Gläubigen, auch mit Kleinkindern und gebrechlichen Menschen aus dem Haus zu gehen.
Die zusätzlich gebauten Strukturen, die den Eruv vervollständigt haben, werden gemäss Bollag jeden Donnerstag überprüft. Nur wenn sie intakt sind, greift der Eruv.
Gemäss Cédrig Bollag seien die Synagogen seither samstags viel besser besucht, im Eingangsbereich stünden Kinderwagen und Rollatoren. Der Eruv in Zürich ist der erste in der Schweiz. (hde)
