Trump tut im Iran genau das, wovor er früher bei Obama gewarnt hat
US-Präsident Donald Trump und seine Regierung haben verfügt, dass die USA in Zusammenarbeit mit Israel in den frühen Morgenstunden des 28. Februar den Iran angreifen. Damit haben sie im Nahen Osten einen neuen Krieg losgetreten, denn das Land hat umgehend mit Angriffen auf mehrere Nachbarstaaten begonnen, die bis jetzt andauern.
Brisant dabei ist: Trump und seine Regierung hatten bis vor Kurzem eine sehr klare Meinung zu militärischen US-Interventionen im Ausland – und besonders im Iran.
Donald Trump hat während seines Wahlkampfs immer wieder betont, er wolle – im Gegensatz zu seiner Konkurrentin Kamala Harris – ein Präsident des Friedens sein. Das haben damals auch seine Unterstützerinnen und Unterstützer immer wieder wiederholt. So schrieb etwa Stephen Miller, mittlerweile stellvertretender Stabschef im Weissen Haus damals:
To anyone still gullible enough to fall for scummy media hoaxes: Trump said warmongering neocons love sending your kids to die for wars they would never fight themselves. Liz Cheney is Kamala’s top advisor. Liz wants to invade the whole Middle East. Kamala = WWIII. Trump = Peace.
— Stephen Miller (@StephenM) November 1, 2024
Tulsi Gabbard, heute Direktorin der US-Geheimdienste, beteuerte damals ebenfalls:
A vote for Kamala Harris is a vote for Dick Cheney and a vote for war, war and more war. A vote for Donald Trump is a vote to end wars, not start them. We are at a historic crossroads. Our God-given rights are under attack. Now is the time for us to stand together, for love of… pic.twitter.com/HnzN7EOWey
— Tulsi Gabbard 🌺 (@TulsiGabbard) October 28, 2024
Diese Rhetorik kam vor allem auch bei Trumps «Make America Great Again»-Wählerbasis gut an.
President Trump in 2020:
— The American Conservative (@amconmag) March 1, 2026
"We've spent $8 trillion in the Middle East and we're not fixing our roads in this country? How stupid. How stupid is it? And we're not fixing our tunnels, our bridges, our hospitals, our schools? It's crazy." pic.twitter.com/FLftHhV4WI
Nach seiner Wiederwahl gab sich Trump weiterhin als Friedenspräsident. Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit fühlte er sich deshalb auch übergangen, als ihm der Friedens-Nobelpreis nicht verliehen wurde, obwohl er laut eigenen Aussagen «acht Kriege beendet» hatte. Daraufhin gründete er kürzlich ein eigenes «Board of Peace».
Jetzt aber scheinen der US-Präsident und seine Regierung mit ihren Handlungen eine 180°-Wendung hingelegt zu haben. Das ist umso erstaunlicher, wenn man alte Aussagen von Donald Trump anschaut. Bereits vor 15 Jahren äusserte er sich zum Iran – und bezichtigte den damaligen US-Präsidenten Obama genau dessen, was er jetzt selbst tut:
Auch auf der Social-Media-Plattform X (damals noch Twitter) setzte Trump über die Jahre mindestens sieben Posts zum Thema ab. Wir haben sie euch hier chronologisch geordnet und übersetzt.
In order to get elected, @BarackObama will start a war with Iran.
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) November 29, 2011
@BarackObama will attack Iran in order to get re-elected.
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) January 17, 2012
I always said @BarackObama will attack Iran, in some form, prior to the election.
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) August 16, 2012
Now that Obama’s poll numbers are in tailspin – watch for him to launch a strike in Libya or Iran. He is desperate.
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) October 9, 2012
Don't let Obama play the Iran card in order to start a war in order to get elected--be careful Republicans!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) October 22, 2012
I predict that President Obama will at some point attack Iran in order to save face!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) September 16, 2013
Remember what I previously said--Obama will someday attack Iran in order to show how tough he is.
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) September 25, 2013
Remember that I predicted a long time ago that President Obama will attack Iran because of his inability to negotiate properly-not skilled!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) November 11, 2013
Donald Trump behauptete damals, Barack Obama würde den Iran angreifen, um wiedergewählt zu werden, sein Gesicht zu wahren oder zu zeigen, wie hart er sei. Auch in Obamas tiefen Umfragewerten oder seiner Unfähigkeit, zu verhandeln, sah Trump damals Gründe für einen drohenden US-Angriff auf den Iran.
Fakt ist aber, dass Obama den Iran trotz den Prophezeiungen des aktuellen US-Präsidenten nie angegriffen hat – weder mit Bodeninvasionen noch mit Luftschlägen oder anderen militärischen Operationen.
Trump selbst befindet sich hingegen aktuell in genau der Lage, die er damals als Gründe für Obamas vermeintlichen Angriff auf den Iran angegeben hatte. Seine Umfragewerte sind laut CNN auf einem historischen Tiefpunkt. Und es stehen die Midterms, die Zwischenwahlen im November, bevor.
Dabei muss sich Trump zwar nicht selbst einer Wahl stellen – wird er nicht des Amtes enthoben, wird er noch bis 2029 US-Präsident bleiben –, wohl aber seine Unterstützerinnen und Unterstützer im Repräsentantenhaus und Senat. Aktuellen Schätzungen zufolge dürften die Republikaner dabei ihre Mehrheiten verlieren, was den Präsidenten in seiner Macht stark einschränken würde.
Trump und seine Regierung befanden sich bis kurz vor dem Angriff auf den Iran in Verhandlungen mit dem Land. Dies, nachdem die USA auf Trumps Entscheidung hin selbst aus einem existierenden Abkommen zu Nuklearwaffen mit dem Iran ausgetreten waren.
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