Wirtschaft
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epa08638422 A protester raises his fist as people gather next to the crime scene where a black man, identified by Black Lives Matter Los Angeles as Dijon Kizzee, was shot by two sheriff deputies in Westmont, South Los Angeles, California, USA, 31 August 2020.  EPA/ETIENNE LAURENT

Bild: keystone

Analyse

Die tiefen Risse in der amerikanischen Gesellschaft – und was sie für die Wahlen bedeuten



Die kommenden Wahlen in den USA verdienen zu Recht das Prädikat «historisch». Für Herausforderer Joe Biden stehen Anstand, Rechtsstaat und Demokratie auf dem Spiel. Präsident Donald Trump sieht sich als letzte Verteidigungslinie gegen Sozialismus und Anarchie. Doch abgesehen von den pathetischen Beschwörungen der Politiker: Was sind die tiefer liegenden Treiber dieser Wahl? Dieser Frage gehen wir mithilfe von drei kürzlich erschienen Polit-Büchern nach.

Rassismus – oder wie zerbrechlich sind die Weissen?

Das Buch ist zwar bereits zwei Jahre alt, doch es stürmt erneut die Bestsellerlisten. Die Rede ist von «White Fragility» (Weisse Zerbrechlichkeit), verfasst hat es Robin DiAngelo. Die Autorin ist weiss, hat sich als Soziologin auf die Beziehung der Rassen spezialisiert und vermittelt dieses Wissen in Seminaren, die das Verhältnis von Weissen und Farbigen entspannen sollen.

Schon in der Einführung macht DiAngelo klar, dass Rassismus kein Problem des Individuum ist. «Gemäss der Ideologie des Individualismus ist Rasse irrelevant», macht sie klar.

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Rassismus ist folgerichtig weder ein Problem des Einzelnen noch der Hautfarbe. Vielmehr stellt DiAngelo fest:

«Das Konzept der weissen Überlegenheit bezieht sich in diesem Kontext nicht auf einzelne weisse Menschen und ihre Absichten und Aktionen, es bezieht sich auf ein allumfassendes politisches, wirtschaftliches und soziales System der Herrschaft. Nochmals: Rassismus ist eine Struktur, kein Ereignis.»

Für die These eines systemischen Rassismus zählt DiAngelo zahlreiche und überzeugende Beispiele auf: Die zehn reichsten Amerikaner sind alle weiss. 93 Prozent der Manager, die das TV-Programm bestimmen, sind weiss. Die überwiegende Mehrheit der Parlamentarier sind weiss, ebenso 83 Prozent der Lehrer, bei den Universitätsprofessoren sind es 84 Prozent. Etc. etc.

Rassismus ist kein Privileg der Weissen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. DiAngelo fasst ihn wie folgt zusammen:

«Auch Farbige haben Vorurteile gegen Weisse und diskriminieren sie, aber sie verfügen nicht über die soziale und institutionelle Macht, die es ihnen erlauben würde, ihre Vorurteile und Diskriminierung in Rassismus zu verwandeln; der Einfluss ihrer Vorurteile auf die Weissen ist zeitlich begrenzt und nur in kleinem Umfang möglich.»

Weil Rassismus nicht individuell ist und oft unbewusst abläuft, sind für DiAngelo nicht die offenen Rassisten wie etwa die Anhänger der White-Supremacist-Bewegung das eigentliche Problem. Vielmehr sind es die verklemmten Rassisten, die oft bei den aufgeklärten Liberalen zu finden sind. Sie stellt fest:

epa08605658 Far-right groups, including militias and white supremacists face conter demonstrators during a rally in Stone Mountain, Georgia, USA, 15 August 2020. The rally was suppopsed to be held at the Stone Mountain Park in response to a demonstration there last month by armed far-left wing black militia who demonstrated at the park, famous for its Confederate memorial. However the Park officials closed it and warned people to stay away from the area should violence break out if militias from opposite groups confront each other.  EPA/JOHN AMIS

Sind nicht das Problem: Offene weisse Rassisten. Bild: keystone

«Ich glaube, dass die weissen Progressiven den Farbigen den grössten Schaden zufügen. Als weisse Progressive definiere ich dabei jede weisse Person, die überzeugt ist, dass sie keine Rassistin ist, oder zumindest weniger rassistisch ist, oder dass sie es zumindest begriffen hat.»

Damit sind wir beim Kern der «weissen Zerbrechlichkeit» angelangt. DiAngelo versteht darunter Folgendes:

«Weisse Zerbrechlichkeit ist ein Zustand, in dem selbst ein Minimum an rassenbedingtem Stress intolerabel wird und eine Reihe von defensiven Gegenreaktionen auslöst. Zu diesen Gegenreaktionen gehört Emotionen wie Wut, Angst und Schuldgefühle und Verhaltensweisen wie Argumentation, Schweigen und das Verlassen der Stress auslösenden Situation. Diese Gegenreaktion bringen die von Weissen bestimmte Balance wieder ins Lot.»

Weil der systemische weisse Rassimums mit Macht verknüpft ist, wird er praktisch unüberwindbar. So notiert DiAngelo:

«Ich werde oft gefragt, ob die junge Generation weniger rassistisch sei. Nein, sie ist es nicht. In verschiedener Hinsicht ist die Anpassung des Rassismus über die Zeit schlimmer als die konkreten Regeln der Jim-Crow-Gesetze (Gesetze, welche die USA in einen Apartheidstaat verwandelt hatten, Anm. d. Verf.). Sie hat das gleiche Ergebnis zur Folge – Farbige werden daran gehindert, vorwärts zu kommen.»

Robin DiAngelos Konzept der «weissen Zerbrechlichkeit» wird so zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Der einzelne weisse Mensch kann dem Rassismus gar nicht entrinnen. An diesem Punkt setzt denn auch die Kritik an DiAngelo an. So schreibt Carlos Lozanda in der «Washington Post»:

«Weisse Menschen sollten nicht als Individuen betrachtet werden, sondern als rassistisches Kollektiv, dazu erzogen, Schwarze fundamental zu hassen und dieses Vorurteil in Politik und Kultur zu institutionalisieren.»

John McWhorter, ein schwarzer Professor an der Columbia University, geht in der Zeitschrift «Atlantic» noch einen Schritt weiter. Er bezeichnet DiAngelo als selbst ernannte Hohepriesterin und stellt fest: «Das Problem besteht darin, dass ‹White Fragility› ein Gebetbuch ist für ein Phänomen, das nur als Kult bezeichnet werden kann.»

In this Oct. 19, 2017 photo, Troopers with the Florida Highway Patrol Quick Response Force line in front of the Phillips Center on the University of Florida campus in Gainesville, Fla.,  ahead of white nationalist Richard Spencer's speech,  White supremacist propaganda circulated on college campuses nearly doubled in 2019, according to a report by the Anti-Defamation League published Wednesday, Feb. 12, 2020.  (Will Vragovic/Tampa Bay Times via AP)

Polizisten bewachen die Universität Gainesville in Florida während einer Rede des Nationalisten Richard Spencer. Bild: AP

DiAngelos Befund, dass sich der weisse Rassismus dank seiner Verbindung mit Macht vom Rassismus der Farbigen unterscheidet, trifft unzweifelhaft zu. Daher reicht es nicht, wenn sich Weisse mit Sprüchen wie «Ich kenne Farbige», «Ich bin in den Sechzigerjahren auf die Strasse gegangen», oder «Die wahre Unterdrückung liegt in der Klassengesellschaft» aus der Verantwortung stehlen wollen.

Gleichzeitig trifft es zu, dass DiAngelo zu absolutistisch argumentiert. Um ihrer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu entrinnen, müssen wir uns tatsächlich der Klassen-Frage zuwenden.

Gibt es in den USA einen neuen Klassenkrieg?

Schon kurz nach Trumps Wahlsieg warfen linke Kritiker den Demokraten vor, sie hätten sich zu intensiv auf Gender-, Sexualitäts- und Minderheitsfragen gestürzt und dabei das Wesentliche aus den Augen verloren: die Klassenfrage.

Diese Kritik wird auch von Michael Lind geteilt, einem bekannten Publizisten. Er gehört jedoch nicht dem progressiven, sondern dem konservativen Lager an. Trotzdem könnte der Titel seines jüngsten Buches auch von einem marxistischen Assistenzprofessor stammen. Er lautet: «The New Class War» (Der neue Klassenkrieg).

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Auch die Tonlage unterscheidet sich zunächst kaum von einer sozialistischen Kampfschrift. So stellt Lind gleich zu Beginn klar:

«Der Unterschied zwischen den Reichsten und den Ärmsten in New York City ist vergleichbar mit Swaziland; Los Angeles und Chicago sind ein bisschen egalitärer als die Dominikanische Republik und El Salvador.»

Diese Ungleichheit und nicht die Rassenfrage ist in den Augen Linds verantwortlich für den Niedergang der amerikanischen Gesellschaft. Als Beweis dieser These fügt er an, das in allen entwickelten Nationen der Populismus auf dem Vormarsch sei. Ob Matteo Salvini in Italien, Marine Le Pen in Frankreich oder die AfD in Deutschland, «beinahe alle politischen Unruhen in Westeuropa oder Nordamerika können mit einem neuen Klassenkrieg erklärt werden», so Lind.

Der neue Klassenkrieg trennt die Menschen nicht nur ideologisch, sondern auch geografisch. Die neue «kreative Klasse» lebt in den Städten, die alte Arbeiterklasse auf dem Land. Lind schreibt:

«Die geografische Polarisierung, die sich in den westlichen Demokratien zeigt, reflektiert die soziale Teilung zwischen Klassen, die in unterschiedlichen Gebieten leben – die mit Hochschulabschluss ausgerüstete Oberklasse und überproportional viele Immigranten in prekären Verhältnissen in den Innenstädten der Metropolen; die vorwiegend weisse Arbeiterklasse im schwach besiedelten Kernland. Ihre unterschiedlichen Ansichten zu Umwelt-, Handels- und Einwanderungspolitik und anderen Themen wiederspiegeln sich widersprechende Interessen, Werte, Lebensstile und Bestrebungen.»

In einer nostalgisch gefärbten Sicht lässt Lind den «guten» Kapitalismus der Nachkriegszeit wieder aufleben. Er nennt ihn «demokratischen Pluralismus» und beschreibt ihn wie folgt:

«Der demokratische Pluralismus in Nordamerika und Europa, eine Alternative zum extremen Liberalismus des freien Marktes und Staatskooperatismus, hat die Vertreter der nationale Oberklasse gezwungen, die Macht zu teilen und mit den weniger mächtigen unteren Eliten, die die Interessen der Arbeiterschaft vertraten, zu verhandeln, in Wirtschaft, Politik und im kulturellen Leben.»

Demgegenüber stellt Lind den «bösen» Kapitalismus, den er technokratischen Neoliberalismus nennt. Er ist das Resultat der Verbindung einer gierigen Managerklasse und einer arroganten kulturellen Elite, die dank einer globalisierten Wirtschaft die traditionelle Arbeiterschaft entmachtet und an den Rand der Armutsgrenze getrieben haben. Das Resultat beschreibt Lind wie folgt:

«Im technokratischen Neoliberalismus verfolgt die Boss-Klasse die Arbeiterklasse selbst nach Feierabend und versucht, ihr das ungesunde Steak und den Softdrink vom Teller zu schnappen und die Lehren der Arbeiterkirche zu verunglimpfen.»

Sollte dieser «böse» Kapitalismus nicht überwunden werden, droht ein schlimmes Ende: eine Gesellschaft, die von einer gierigen und technokratischen Oligarchie beherrscht und von populistischen Scharlatanen bedroht wird. Lind droht zwar nicht direkt mit der Faschismus-Keule. Doch er stellt fest:

«Eine Gesellschaft mit einer zerfallenden Demokratie, die von oligarchischen Fraktionen beherrscht wird und in der ein entfremdeter Mob Wahlen immer wieder als Vorwand für ungezügelte Verwüstung nimmt, ist dystopisch genug.»

epaselect epa08568353 Black Lives Matter protesters against racism and police brutality strom the Justice Center and clash with local police and federal agents in downtown Portland, Oregon, USA, 27 July 2020. According to reports, thousands of Black Lives Matter protesters clashed with local police and federal agents during violent riots as protesters stormed the Justice Center and broke through its fence demanding withdrawal of federal agents deployed to the city by US President Trump administration from the city.  EPA/DAVID SWANSON

Gewaltsame Proteste in Portland (Bundesstaat Oregon). Bild: keystone

Der technokratische Neoliberalismus gaukle uns vor, dass die Klassenfrage überwunden sei. Wer tüchtig sei, und vor allem wer über eine gute Ausbildung verfüge, dem stünden alle Türen offen. Daher die permanente Indoktrination zum lebenslangen Lernen und der Zwang, immer weiter Diplome zu erlangen. Für Lind ist das Hokuspokus. Er stellt nüchtern fest:

«Für die amerikanische und die europäische Arbeiterklasse werden die Jobs der Zukunft mehrheitlich im Tieflohnbereich liegen, viele im Gesundheitswesen. Die meisten dieser Jobs sind nicht schlecht bezahlt, weil es den Arbeitern an einem Hochschulabschluss mangelt – dieser wird ohnehin nicht gebraucht –, oder an technischen Fähigkeiten. Es mangelt den Arbeitern schlicht an Verhandlungsmacht.»

Um diese Macht wiederzuerlangen, schlägt Lind – wie übrigens auch viele Gewerkschafter – vor, zu den Zuständen der «goldenen 30 Jahre» der Nachkriegszeit zurückzukehren. Das bedeutet, das Rad der Globalisierung wieder zurückzudrehen und die Wirtschaft auf nationale Interessen auszurichten.

Als Vorbild dienen ihm die ostasiatischen Demokratien Japan, Südkorea und Taiwan. Diese Länder würden beweisen, dass Neoliberalismus nicht das einzige Modell für eine moderne High-Tech-Demokratie sei, so Lind. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Europa würden diese Nationen weniger Immigranten ins Land lassen, und sie hätten Fabriken in weit geringerem Umfang in Billigländer ausgelagert. Daher würden diese Länder auch nicht von demagogischen Populisten heimgesucht. Lind stellt fest:

«Anders als im Westen hat es in diesen Ländern keinen von einer radikalen Elite aufgezwungenen Bruch gegeben, ihr Sozialsystem ist nach wie vor intakt. Deshalb haben sie (…) keinen populistischen Aufstand gegen den Neoliberalismus erlebt. Dieser Aufstand erschüttert heute die politischen System in Europa und Nordamerika.»

Die Analyse des konservativen Michael Lind hat, zumindest was die USA betrifft, einen gravierenden Mangel. Im Magazin «Foreign Affairs» hat Amy Chua, Professorin an der Yale Law School, zu Recht darauf hingewiesen: «In den Vereinigten Staaten hat alles, was mit Klasse zu tun hat – jeder politische Beschluss, jeder Anlass, jedes Desaster, das die Armen betrifft – unweigerlich eine Rassen-Dimension und das Potential, die Spannungen zwischen den Rassen zu verstärken.»

Die Rassen- gegen die Klassenfrage auszuspielen führt daher nicht weiter. Wir brauchen noch eine dritte Dimension.

Wie halten es die Amerikaner mit ihrer politischen Identität?

Ezra Klein ist ein aufstrebender Star im US-Politjournalismus. Er ist der Mitbegründer des Online-Newsportals Vox (eine Art amerikanische Version von watson). Sein kürzlich erschienenes Buch «Why We’re Polarized» wird bereits als Sachbuch des Jahres gefeiert. Unter dem Titel «Der tiefe Graben» wird es bald auch auf Deutsch erhältlich sein.

In seinem Buch fasst Klein viele Studien zusammen, darunter auch eine Studie der beiden Politologen Shanto Ivengar und Sean Westwood. Die beiden haben rund 1000 Menschen vor folgende Aufgabe gestellt:

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Die Testpersonen erhielten fiktive Bewerbungen von zwei Hochschulabgängern für ein Stipendium und mussten sich für den Gewinner entscheiden. Die Bewerbungen waren praktisch identisch. Nur in drei Punkten unterschieden sie sich: Leistungsnoten, Rassen- und Parteizugehörigkeit.

Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass die besseren Noten den Ausschlag geben würden. Doch das war nicht der Fall. Auch die Rassenzugehörigkeit gab nicht den Ausschlag. Es war die Parteizugehörigkeit. Demokraten erteilten das Stipendium Demokraten, Republikaner bevorzugten Republikaner.

Für Ezra Klein ist die Parteizugehörigkeit in den Vereinigten Staate zu einer Mega-Identität geworden, die alle anderen Identitäten überstrahlt. Ob Religion oder Fangemeinde eines Sportklubs, sie alle müssen in die zweite Reihe zurücktreten. Klein stellt fest:

«Heute sind die Parteien scharf getrennt, und diese Trennung überstrahlt Rasse, Religion, Geographie, Kultur und Psychologie. Es gibt sehr viele Identitäten, und diese verschmelzen miteinander und türmen sich aufeinander. Deshalb aktiviert ein Konflikt oder eine drohende Gefahr sie alle. Weil diese Mega-Identitäten so viele Bereiche unseres Lebens berühren, werden sie permanent aktiviert. Das heisst auch, dass sie sie permanent gegenseitig verstärken.»

Die Polarisierung der amerikanischen Politik ist ein relativ junges Phänomen. In der Nachkriegszeit beklagten sich die Politologen, dass es zwischen den beiden Parteien zu viele Gemeinsamkeiten gebe, und dass sie zu viele Kompromisse schliessen würden.

Noch bei der Präsidentenwahl im Jahr 2000 waren diese Klagen zu hören. Der «mitfühlende Konservative» George W. Bush und der gemässigte Demokrat Al Gore seien sich viel zu ähnlich, wurde bemängelt. Eine Klage allerdings, die sich als unberechtigt erweisen sollte.

Former President George W. Bush speaks during the funeral service for the late Rep. John Lewis, D-Ga., at Ebenezer Baptist Church in Atlanta, Thursday, July 30, 2020.  (Alyssa Pointer/Atlanta Journal-Constitution via AP, Pool)

Galt einst als «mitfühlender Konservativer»: George W. Bush. Bild: keystone

Schuld an dieser Ähnlichkeit war die damalige Zusammensetzung der Parteien. Die Demokraten bestanden de facto aus zwei Parteien. Im Süden waren sie konservativ und teilweise offen rassistisch. Die sogenannten Dixiecrats konnten immer wieder das Zünglein an der Waage spielen und die progressiven Demokraten des Nordens zwingen, moderate Kompromisse einzugehen.

Heute gibt es keine Dixiecrats mehr. Die Demokraten sind die Multikulti-Partei geworden, die sehr viele Minderheiten unter einen Hut bringen muss. Die Südstaaten sind derweil fest in den Händen der überwiegend weissen Republikaner. Die beiden Parteien stehen deshalb vor völlig verschiedenen Ausgangslagen. Klein fasst sie wie folgt zusammen:

«Die Demokraten können keine Wahlen gewinnen ohne eine begeisterte Koalition von sehr unterschiedlichen Menschen. Die Republikaner können keine Wahlen gewinnen ohne eine aufgeputschte weisse Basis.»

Die politische Mega-Identität umfasst nicht nur alle Lebensbereich, sie macht uns zu Gefangenen. «Wir sind so in unseren politischen Identitäten eingesperrt, dass de facto kein Kandidat, keine Information und kein Zustand uns zwingen kann, unsere Meinung zu ändern», stellt Klein fest.

Was er damit meint, lässt sich an einem Schweizer Beispiel erläutern:

Roger Köppel ist ein intelligenter Mann. (Glaubt mir, ich habe jahrelang mit ihm zusammengearbeitet.) Stellt euch nun vor, er käme aufgrund neuer Informationen und Analysen zur Einsicht, dass die EU eigentlich eine ganz vernünftige Sache sei und dass die Schweiz mit ihr kooperieren sollte. Was würde geschehen? Die SVP würde ihn fallenlassen und die «Weltwoche» würde pleite gehen. Zurück zu seinen alten linksliberalen Ex-Kollegen gehen kann er nicht, da hat er jeden Kredit verspielt.

Roger Koeppel an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag, 3. Januar 2019. SVP-Nationalrat Roger Koeppel will fuer den Staenderat kandidieren. Es ist ein persoenlicher Entscheid, so der Weltwoche-Chefredaktor. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Fest in seiner Meinungs-Identität gefangen: Roger Köppel. Bild: KEYSTONE

Mit anderen Worten: Köppel wäre wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich am Ende. Deshalb ist es hoffnungslos, Köppel dazu zu bewegen, seine Meinung über die EU zu ändern. Er ist in seiner Meinungs-Identität gefangen und wird nur noch Informationen zulassen, die sein Feindbild der EU bestätigen.

Nüchtern stellt Klein daher fest: «Je smarter eine Person ist, desto dümmer macht sie die Politik.»

Je ausgeprägter die politische Meinungs-Identität ist, desto stärker beeinflusst sie unser Verhalten. Eine wichtige Rolle spielen dabei Feindbilder. Klein schreibt:

«Nichts kittet eine Gruppe stärker zusammen als ein gemeinsamer Feind. Nimm Zorn und Angst vor einem Gegner weg, und der Enthusiasmus deiner Anhänger schmilzt dahin. (…) Diese Lektion haben die Politiker auf der ganzen Welt begriffen. Du brauchst nicht nur Unterstützung. Du brauchst Wut.»

Diese Gefühlslage macht es fast unmöglich, dass Politiker Kompromisse schmieden. Es geht einzig noch darum, den Gegner zu besiegen, ja zu vernichten. Es ist kein Zufall, dass bei Trump jedes zweite Wort «winning» ist.

From left, Donald Trump Jr., President Donald Trump and first lady Melania Trump stand on the South Lawn of the White House on the fourth day of the Republican National Convention, Thursday, Aug. 27, 2020, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump

Gewinnen ist alles: Die Trumps. Bild: keystone

In der amerikanischen Politik hat die politische Mega-Identität durch die demographische Entwicklung einen zusätzlichen gewaltigen Schub erhalten. Die Weissen fürchten um ihre Macht, und «die Wahl eines schwarzen Präsidenten, der eine junge, multikulturelle Koalition anführt, macht diesen Übergang überdeutlich und bedrohlich», so Klein.

Rassismus, Klasse oder Identität: Was also treibt die US-Politik? Die Frage ist falsch gestellt. Die drei Treiber überlappen sich. Das hat Martin Luther King schon vor Jahrzehnten erkannt. Im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg stellte er fest: «Das Problem des Rassismus, die wirtschaftliche Ausbeutung und das Problem des Krieges gehen Hand in Hand.» Kings Einsicht ist heute noch gültig.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Privilecheese 02.09.2020 10:19
    Highlight Highlight Dank dem beschriebenen systemischem Rassismus sind tatsächlich die weissen „Zerbrechlichen“ zu den Meinungsführern und Eliten geworden. In ihrem kapitalistischen Gutmenschentum halten Sie die Werte wie Gleichheit, Freiheit und Antidiskrimination (Geld hat keine Farbe) hoch. Dabei übersehen sie fundamentale Wahrheiten, wie z. B. das Schwarze viel homophober sind als Weisse. Dazu braucht man nur nach Afrika zu schauen. Und der Grund dafür ist, dass der Feminismus und Me too ausserhalb der weissen Rasse noch nicht die Geschlechterbeziehungen verwüstet hat und LGBT dort kein Nährboden findet.
  • Liselote Meier 02.09.2020 07:00
    Highlight Highlight Äh sorry was diese Soziologien verzapft, ist eine neue Form der Rassenlehre. Vollkommener Stuss, es gibt keine verschiedene Rassen.

    Rassismus ist ein politischer Überbau.
  • Schneider Alex 02.09.2020 06:41
    Highlight Highlight Wir könnten froh sein, wenn wir noch mehr Journalist*innen und Politiker*innen vom Format eines R. Köppels hätten, die gegen den Mainstream-Einheitsbrei antreten würden.
    • Chrisbe 02.09.2020 12:21
      Highlight Highlight Ähm... Nö, einfach Nö!

      1. Köppel und Format? Ah ja. Mein Hund hat auch Format..

      2. Köppel als Journalist zu bezeichnen ist mehr als geschmeichelt bzw. eine Beleidigung für den gesamten Berufsstand.

      3. Köppel tritt nicht für oder gegen etwas an, er ruft aus wie ein Wald voller Affen, nachdem er sich aus Herrliberg die Absolution geholt hat.

      Fazit: Sind sind froh, hat es nicht mehr von diesem "Format"!

  • Posersalami 02.09.2020 00:19
    Highlight Highlight Alles richtig, aber es teifft nicht das Problem. Ich möchte hierzu Warren Buffett zitieren:

    „ There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.“

    Der „Kampf“ Weiss gegen Schwarz / Gelb / what ever ist in diesem Kontext zu sehen. Nur in diesem.
  • Nano20 01.09.2020 23:37
    Highlight Highlight Europa folgt zu gleich...
  • Hoci 01.09.2020 23:14
    Highlight Highlight LieberLöpfe bitte nächstes Mal bei deinen Analysen nicht den Genderaspekt und Sexismus ausblenden. Musstest dir ja richtig Mühe geben.
    Sexismus ist noch schlimmer wie Rassismus und betrifft uns direkt mit.
  • Hoci 01.09.2020 23:11
    Highlight Highlight Die 10 reichsten sind weiss...
    Hübsch Genderneutral und blendet aus, dass der Sexismus zumindest bei uns noch schlimmer als der Rassismus ist.

    Es mpsste heissen die 10 reichsten sind weisse Männer usw.
  • Gulasch 01.09.2020 22:53
    Highlight Highlight Roger Köppel ist wahrscheinlich einer der intelligentesten Persönlichkeiten die ich kenne und er hat ein unglaublich breites Wissen, dafür achte ich ihn, aber am liebsten würde ich ihn auf den Mond schiessen!
    • rodolofo 02.09.2020 08:58
      Highlight Highlight Diese Form von Intelligenz ist mehr schlau und hinterlistig, da sie (zugegebenermassen mit einem starken Willen) Fakten willkürlich sammelt und ausspielt wie Trumpfkarten in einem Jass.
      Hier wird die Wahrheit dem Ziel der Machtergreifung und dem Machterhalt untergeordnet.
      Ausserdem fehlt etwas sehr wichtiges: Emotionalität und damit auch Einfühlungsvermögen und Mitgefühl!
      Darum lacht Köppel auch immer wieder an den seltsamsten Stellen seiner "genialen" Überlegungen und rückt sich reflexartig seine "Intellektuellen"-Brille zurecht.
      Supergescheit und gleichzeitig irgendwie strohdumm...
    • Stefan Z. 02.09.2020 09:09
      Highlight Highlight Auch ein Roger Köppel ist am Ende nur ein Mensch. Intelligenz "schützt" nunmal nicht vor Grundbedürfnissen wie Zugehörigkeit, Anerkennung oder Aufmerksamkeit. Und auch das leistungsfähigste Hirn hat eine Kapazitätsgrenze und greift irgendwann auf Automatismen wie Stereotypisierung zurück. Manchmal täte halt etwas weniger Überheblichkeit und Streben nach Perfektion ganz gut.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 01.09.2020 21:40
    Highlight Highlight Ich kann nur helfen, das Machtgefälle zwischen Weissen und Schwarzen zu mindern. Dazu habe ich jedoch null Anreiz, weil die Schwarzen nicht weniger Rassistisch seien.
    Es zeichnet eigentlich das Bild von, systemisch Bedingt, sich unversönlich gegenüberstehenden Stämmen. Dieses freut sicher all die Freunde von white supremacy.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 01.09.2020 21:30
    Highlight Highlight Was mich an DiAngelo so verdutzt: Ihr Buch Buch versucht das Verhältnis der Rassen in der USA zu beschreiben, nach der Lektüre hat man aber gar keinen Anreiz es zu ändern.
    Ich bin weiss, dementsprechend inereht rassistisch, fortschritte hat es de facto auch keine gegeben.
    Die Schwarzen sind auch rassistisch, aber nicht in einer Machtposition, deswegen leiden die Weisse nicht darunter.
    Durch das negieren meiner Individualität und der Reduktion auf ein definiertes Kollektiv, kann ich keinen persönlichen Beitrag leisten um weniger Rassistisch zu sein.
  • homo sapiens melior 01.09.2020 20:18
    Highlight Highlight Ich machte bei dieser Medien-Aktion mit, wo Gespräche zwischen Leuten mit gegensätzlichen Polit-Ansichten vermittelt wurden.
    Er wählte rechts, ich links. Wir sassen den ganzen Nami im Cafe und freuten uns, dass nicht unsere Meinungen, sondern nur die Blickwinkel verschieden sind. Beide wollten dasselbe, waren aber auf andere Aspekte fokussiert.
    Jetzt recherchiert jedesmal selbst und stimmt und wählt entsprechend individuell. Je mehr er sich selbst informiert anstatt blind Parolen zu folgen, desto mehr entfernt er sich von der SVP.
    Wir wurden Freunde und treffen uns alle paar Monate zum Cafe.
  • Toga 01.09.2020 20:13
    Highlight Highlight Ganz einfach! 😂
    Es spaltet sich, was spaltbar ist.
    Es ist ja so einfach, Idioten zu steuern - und in alle Richtungen, für sich zu nutzen.
  • Dr no 01.09.2020 20:09
    Highlight Highlight Ich muss kein buch schreiben und x studien und zu sehen, dass rassismus keine frage der hautfarbe ist. Rassismus ist dem menschen immanent - gab es schon immer und wird es immer geben. Und es ist ganz sicher kein privileg der weissen
  • joevanbeeck 01.09.2020 20:02
    Highlight Highlight «Sleepy Joe» und seine Demokraten merken ja nicht mal das es diesen "Riss" gibt, ausser es steht im Teleprompter.
    Es ist ja auch kein Zufall das den Bundesstaaten und Städten in denen Rambo-Cops besonders wüten Gouverneure, Stadtpräsidenten und Polizeichefs aus der Esel-Partei vorstehen, sogar Obama's „Hope and Change“ war ein Rohrkrepierer.
    • swisskiss 01.09.2020 21:44
      Highlight Highlight joevanbeeck: Jetzt wurde dieser Artikel veröffentlicht, der klar aufzeigt, dass eine Metaidentität das individuell- soziale Identitätsverständnis überlagert und dadurch bei Vielen nur noch nach Links Rechts Schema funktioniert und Du schreibst solch einen entlarvenden Kommentar, der das dominierende Feindblildenken bei solch Radikaliserten bestätigt. Gut gemacht! So bestätigt man Thesen. Aber Frage. Hast Du den Sinn des Artikels überhaupt verstanden?
  • Smeyers 01.09.2020 19:58
    Highlight Highlight Diese Aussage «Weisse Menschen sollten nicht als Individuen betrachtet werden, sondern als rassistisches Kollektiv, dazu erzogen, Schwarze fundamental zu hassen und dieses Vorurteil in Politik und Kultur zu institutionalisieren.»

    ist nur beleidigend und entzieht allen nicht weissen Menschen Ihrer eigenen Verantwortung, selbst für sich verantwortlich zu sein. Dabei geht auch vergessen, dass auch Asiaten und schwarze rassistisch sind, einfach mit anderer Prägung!
  • kroko1337 01.09.2020 19:57
    Highlight Highlight Finde oft die Artikel von Herrn Löpfe ziemlich reisserisch, aber diesen finde ich ausgezeichnet und treffend analysiert. Ich wohne momentan in den USA und finde, dieser Artikel trifft es auf den Punkt!

    Die Bücher muss ich auch lesen.

  • De-Saint-Ex 01.09.2020 19:40
    Highlight Highlight Der Mensch ist kein Einzelgänger... ein Herdentier aber auch nicht, wohl am ehesten ein Rudeltier, ähnlich dem Wolf... wer nicht zum Rudel gehört, hat‘s schwer. Die „Weissen“ brauchen keine anderen „Rassen“ oder „Könige“ um sich die Köpfe einzuschlagen... die „Schwarzen“ übrigens auch nicht. Ist nun mal in unseren Genen. Wir hatten schon lange keinen grösseren Krieg mehr...
  • Privilecheese 01.09.2020 19:01
    Highlight Highlight In anderen Worten: Esel und Elefanten sollen plötzlich nicht mehr im selben Gehege leben können. Und das nur weil die Medien dem einen eine dünne Haut und dem anderen eine gewisse Sturheit andichten.
  • Druna 01.09.2020 19:00
    Highlight Highlight Die oft zitierte Autorin in diesem Artikel behauptet einfach alle Schwäne wären weiss, obwohl die schwarzen bekannt sind. Das ist diese neue Ignoranz aus Geistes - und Sozialwissenschaften. Die wollen auch alle nur noch ihren Schund verkauft wissen. Ein bisschen wie die SP in der Schweiz.
    Im Islam gibt es z.B. einen starken Hang zum Rassismus, in China erst recht und wer schon mal in Indien war.... Alle diese Rassismen haben nicht direkt mit Weissen zu tun und trotzdem sind sie da. Mit Herrschaftsstrukturen sind sie aber schon verwoben.
    • De-Saint-Ex 01.09.2020 19:58
      Highlight Highlight Unsinn... alle anderen denn „die Weissen“?
      Ist nun mal Fakt, dass bis vor ein paar Jahrzehnten es die Weissen waren, die die Welt unbestritten beherrschten. „Wir“ haben einfach Angst, die Nummer 1 auf dem Rücken, sprich unsere Privilegien zu verlieren. Ist das natürlich? Ja, zeigt ausnahmslos die ganze Menschengeschichte... Zivilisationen, Imperien kommen und gehen.
    • Druna 01.09.2020 21:57
      Highlight Highlight @De.: Ich bin braun!
      Beherrschen tönt bei ihnen so allmächtig. Bis vor 200 Jahren haben die Europäer nicht geherrscht in ihrem Sinne, wenn ich das mal so sagen darf. Ich würde sagen, wir setzen die vorübergehende absolute Vormachtstellung ab Ende Osmanisches Reich und Fall des chinesischen Kaisers. Das sind magere 100 Jahre, geteilt mit den Amerikanern. Und jetzt kommt China und will dahin wo es 2000 Jahre war. Auf die Spitze. Alle Theorien die die sinokonfuzianische Welt nicht berücksichtigen sind grundsätzlich als zu perspektivisch entlarvt und daher mangelhaft.
    • De-Saint-Ex 01.09.2020 22:33
      Highlight Highlight 🤔 das osmanische Reich hatte seine grösste Ausdehnung im 16. JH Teile Ost-Europas, am Mittelmeer und Vorderasiens... egal, was ich meinte ist, dass ab 1800 die europäischen Mächte bis zu 70 % der gesamten Erdoberfläche besetzten. Zumindest das Gefühl der Superiorität der Weissen ist geblieben.
  • rodolofo 01.09.2020 18:56
    Highlight Highlight Die Argumentationen von d'Angelo am Anfang erinnern mich an einen leitenden Funktionär einer alternativen Handelsorganisation auf Negros/Philippinen.
    Als weisser, westlicher Besucher hätte ich seinem Vortrag und seiner allumfassenden Situationsanalyse eigentlich andächtig und ehrfürchtig lauschen sollen.
    Zwischenfragen und Widerspruch machten den Genossen Revolutionär zunehmend "stinkig".
    Nach meiner 4-tägigen "Integration", beim Abschied, sagte er doppelbödig zu mir: "At least you have becomed red..."
    Es war wirklich in jeder Beziehung heiss und die Tropensonne brannte unbarmherzig...
  • Heini Hemmi 01.09.2020 18:25
    Highlight Highlight Die Frage ist nicht, warum das Zwei-Parteien-Land USA derart polarisiert ist, sondern, warum es so lange gedauert hat, bis es derart polarisiert worden ist. Ein Zwei-Parteien-System ist das dümmstmögliche System für eine Demokratie.
    • landre 01.09.2020 19:19
      Highlight Highlight "Dumm" ist die US-Verfassung sicher nicht, eher "primitiver"...17**. Unsere ist zB "moderner"...18**?
    • Gulasch 02.09.2020 07:37
      Highlight Highlight @landre: falsch, unsere Bundesverfassung wurde 1999 revidiert, validiert und ist seit 2000 in Kraft. Es ist die dritte Revision und basiert auf derjenigen von 1848. Ist aber de Facto modern!
    • Gulasch 02.09.2020 07:39
      Highlight Highlight @Heini Hemmi: in den USA gibt es mehr als zwei Parteien, diese haben aber zuwenig Power um mitzubestimmen !
    Weitere Antworten anzeigen
  • echter Züricher 01.09.2020 18:14
    Highlight Highlight Have you done the work?
  • Skeptischer Optimist 01.09.2020 17:55
    Highlight Highlight Der “amerikanische Traum” ist auf Rassismus und Unrecht gebaut.

    Dies zu ignorieren ist die Urlüge der weissen amerikanischen Gesellschaft.

    Amerika muss sich vom Mythos der “founding fathers”- den Urrassisten und Unterdrückern - lösen, wenn es die Spaltung überwinden will.
  • salamikoenig 01.09.2020 17:53
    Highlight Highlight Bei weitem einer der komplexesten aber auch besten artikel die ich auf watson gelesen habe.
    Das grösste problem der Amerikanischen geschichte ist und bleibt die teilung in zwei parteien. Zwei parteien werden sich immer bis aufs blut bekämpfen(dass müssen sie um ihre wähler zufriedenzustellen) anstatt einen Kompromiss auszuhandeln.
    Die wirklich interessante frage ist, wie würde ein land wie die USA mit einem mehrpateiensystem funktionieren. Dabei meine ich mehrere parteien, die konkurenzfähig sind und nicht zwei grosse und viele unbedeutende. Dafür müsste jedoch das wahlsystem komp. rev. werd
    • Peterermohn 01.09.2020 19:48
      Highlight Highlight Da müssten die anständigen Republikaner und die gemässigten Demokraten je eine neue Partei gründen. Dies würde vielleicht wieder Kompromisse ermöglichen.
  • DäTyp 01.09.2020 17:51
    Highlight Highlight Ich weigere mich vehement, diese neue Definition von Rassismus zu akzeptieren.

    Rassist bleibt Rassist, egal wieviel Macht dieser Rassist hat.

    Robin DiAngelo verzapft totalen 🧀
  • RDC 01.09.2020 17:47
    Highlight Highlight Dwas wir in den USA heute sehen, schein mir der Prolog zu nächsten Bürgerkrieg zu sein.
  • Denk nach 01.09.2020 17:43
    Highlight Highlight Nur zu meinem Verständnis: "«Auch Farbige haben Vorurteile gegen Weisse und diskriminieren sie, aber sie verfügen nicht über die soziale und institutionelle Macht, die es ihnen erlauben würde, ihre Vorurteile und Diskriminierung in Rassismus zu verwandeln; der Einfluss ihrer Vorurteile auf die Weissen ist zeitlich begrenzt und nur in kleinem Umfang möglich.»

    Das bedeutet nach diesem Buch, dass nur weisse Rassismus betreiben können und als Fazit: Diskriminieren und Vorurteile sind nicht rassistisch, wenn man keine "Macht" hat?
    • Steibocktschingg 01.09.2020 19:10
      Highlight Highlight So ungefähr habe ich das auch verstanden. Und dann dazu: Die Ablehnung einer solchen Aussage aufgrund fehlender faktischer Grundlage wurde praktischerweise auch gleich noch so zurechtgebogen, dass es eine Verteidigung des Rassismus sei. So mein Eindruck.

      Apropos: Den Begriff "Rasse" zu verwenden impliziert, dass es unterschiedliche Arten Menschen (im biologischen Sinne) gäbe, was die Grundlage des Rassismus ist. Biologisch gesehen ist das aber schlicht Müll. Besser wäre ein Begriff wie Ethnie.
    • du_bist_du 01.09.2020 19:53
      Highlight Highlight Klar, so ähnliches haben z.B Autoren (Medien) auch im deutschsprachigen Raum schon dargelegt. Rassistisch können nur Weisse sein, da strukturell.
      Das andere wäre höchstens diskriminierend oder verständliche Abwehr.

      Ich halte mich bedeckt mit meiner persönlichen Meinung.


  • covidel 01.09.2020 17:31
    Highlight Highlight vox. Amerlkanische Version von Watson🤣🤣🤣ja nee,is klar🤦🏻‍♂️
    • Philipp Löpfe 01.09.2020 18:36
      Highlight Highlight Okay, es war ein bisschen «tongue in cheek» dabei, wie der Brite sagt.
    • Jürg Müller - Der Katzenmann 01.09.2020 23:51
      Highlight Highlight Sarkasmus sollte in jetzigen Zeiten gekennzeichnet werden, Philipp. Ist "relativ" neu hier - harhar. Am 22. Januar 2014 hat das noch funktioniert. 2018 auch noch. Aber heute? Pass auf. Die blitzen dich alle weg.
  • landre 01.09.2020 17:30
    Highlight Highlight "Nichts kittet eine Gruppe stärker zusammen als ein gemeinsamer Feind. (...)"

    Dieses Phänomen (Generierung und Bewirtschaftung von Feindbilder) hat sich leider mittlerweile eigentlich in allen Demokratien sehr kräftig etabliert. In den sozialen Medien emblematisch.

    Mit diesem Schema (divide et impera) hat Trump wahrscheinlich die Wahlen '16 gewonnen. Das wirklich schlimme ist dass nun auch die Dems diese Abscheulichkeit hartnäckig anwenden. Und genau das könnte, neben der möglichen Senilität(?) und der ambigen Vergangenheit von Biden, Trump auch dieses mal die Wahlen gewinnen lassen.
    • Denk nach 01.09.2020 17:44
      Highlight Highlight Der Tag hat Struktur, wenn der Feind bekannt ist 😉
    • Heidi Weston 01.09.2020 17:53
      Highlight Highlight Divide et impera (Teile für herrsche) hat eine andere Bedeutung.

      Hier geht es darum, ein zu beherrschendes Volk in Untergruppen mit widerstrebenden Interessen aufzuteilen und darauf zu bauen, dass sich die Unterschiedlichen Gruppen gegeneinander bekämpfen anstatt sich zu vereinen und gegen die Herrschende Klasse, den Feind zu kämpfen.

      Trump hat die Linken nicht gespalten. Er hat die liberalen und extremen rechten hinter sich vereinen können. Zu viele glaubten seinen Versprechen das verhasste Establishment zu bekämpfen, dabei ist Trump Teil des Establishments.
    • insert_brain_here 01.09.2020 17:57
      Highlight Highlight Es gehört eben mit zum Phänomen, dass wer auf Spaltung setzt damit auch den Gegner zwingt auf eine Seite zu setzen. Die schrillen Töne der Polarisierung übertönen jeden Aufruf zur Vernunft.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MartinZH 01.09.2020 17:29
    Highlight Highlight Es ist immer wieder interessant und spannend, die fundierten USA-Analysen des renommierten Journalisten Philipp Löpfe zu lesen. Danke! 🙄👍😏
    • Jürg Müller - Der Katzenmann 01.09.2020 23:58
      Highlight Highlight Und warum liest und kommentierst du das? Den Smilies nach zu urteilen, um deinen Frustpegel hochzuhalten. Liege ich falsch? Dann sorry.
  • flugsteig 01.09.2020 17:26
    Highlight Highlight “Die überwiegende Mehrheit der Parlamentarier sind weiss, ebenso 83 Prozent der Lehrer, bei den Universitätsprofessoren sind es 84 Prozent. Etc. etc.”
    Ich weiss nicht genau was weiss bedeutet, aber wenn da Latinos und Asiaten mitzählen entspricht das doch genau der Bevölkerung?
  • cool zurich boy 01.09.2020 17:19
    Highlight Highlight Sehr interessante Darstellung. Dazu drei Bemerkungen:

    1) Wenn "Argumentation" von dieser Soziologin auf die selbe Stufe wie Wut gestellt wird, dann wird es sehr problematisch.
    2) Der Journalist stellt Politik als etwas dar, das uns in ein Gefängnis pfercht. Das ist sehr einseitig. Auch die Absenz des Politischen (wie in den 90er Jahren) kann gefährlich werden. Die Unpolitischen sind geistig sehr oft träge und reaktionär.
    3) Die Argumentationen sind sehr US-zentriert. In F beispielsweise gibt es durchaus einen islamischen Rassismus, der strukturell keineswegs ohnmächtig ist.
  • MartinZH 01.09.2020 17:16
    Highlight Highlight Es geht in den USA (und damit auch bei den Präsidentschafts-Wahlen) nicht um "Rasse, Klasse oder Identität". Werte und Ideale sind schon längst nicht mehr relevant. Es geht lediglich um Geld und Macht.
    • Garp 01.09.2020 17:56
      Highlight Highlight Bei den Wählern geht es sehr wohl auch um Identität. Man kann auch Identität über Geld und Macht finden.
    • Picker 01.09.2020 18:55
      Highlight Highlight Was der Artikel mMn aussagen will: Es geht um die beiden Themenbereiche, die Sie Martin ansprechen, das eine treibt das andere an, beide sind miteinander verwoben.
      Um Geld und Macht zu erlangen, kommt es in unserer Gesellschaft ja oft sehr stark auf die 3 Faktoren an (Rasse, Klasse oder Identität), ob es uns passt oder nicht.
    • Jürg Müller - Der Katzenmann 02.09.2020 00:14
      Highlight Highlight Martin, um Geld glaube ich eher nicht, vielleicht in 2. Linie. Eher um die Macht und nochmals Macht, mMn.

      Garp: wenn du genug Geld hast (Eigenes oder Kredite der Deutschen Bank (konnte nicht widerstehen ;-D )) kannst du nur noch nach Macht streben, nach was denn sonst?

      Picker: Wenn ein Mensch (Schwarzer, Roter, Gelber, such dir was aus) genug Geld hat, was will er dann noch? Macht, Macht, Macht. Anderer Vorschlag?
  • du_bist_du 01.09.2020 17:15
    Highlight Highlight Ich finde diese Analyse extrem gut und treffend. Leider sehe ich all diese Tendenzen auch bei uns, wenn auch in leicht abgewandelter Form und noch nicht so stark.
    • MartinZH 01.09.2020 18:28
      Highlight Highlight Wo kann man solche "Tendenzen" (wenn auch nur in "abgewandelter Form") bei uns feststellen? Gibt es hierfür belastbare Beispiele oder irgendwelche Fakten?

      Ich denke nicht, dass sich die Situation sowie die herrschenden Verhältnisse in den USA mit Europa vergleichen lassen.

      Es handelt sich um völlig unterschiedliche Gesellschaften mit völlig verschiedenen Problemen.

      Was soll so eine vergleichende Analogie zwischen den USA und "uns" überhaupt bringen?

      Sorry, solche "Vergleiche" sind lediglich Blabla, wenn man nicht ganz spezifische Handlungsfelder benennt. Aber klar, es gibt nicht viele...😩
    • redeye70 01.09.2020 18:36
      Highlight Highlight Vor vielen Jahren meinte eine Bekannte, sie war aktiv in der Ortspartei der SP, das sie niemals im Laden von Herrn Sowieso einkaufen gehen würde. Er war in der SVP. Sie fand ihre Haltung völlig okay. Wir haben diese Entwicklung schon lange in unserem Land. Quer durch Gesellschaft und Parteien.
    • MartinZH 01.09.2020 18:57
      Highlight Highlight @redeye70: Und so eine einzelne Alltagsbeobachtung einer ehemaligen Bekannten soll nun dazu dienen, dass man von einem Einzelbeispiel auf gesamte Gesellschaften (mit Hunderten von Millionen von Menschen, mit ihrer Geschichte und kultureller Prägung) und politischen Strömungen sowie der Verortungen schliesst? 🤔

      Sorry, das ist mir dann doch etwas zu simpel...

      Ich will ja niemandem sein persönliches Weltbild von aussen beurteilen oder in irgend einer Art korrigieren wollen. Aber einen Partei-Wechsel von der SP zur SVP hat m.E. schon nicht sehr viel damit zu tun, wie es sich in den USA verhält.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sauäschnörrli 01.09.2020 17:10
    Highlight Highlight „Vox (eine Art amerikanische Version von watson)“

    Ich bin sprachlos.
    • Snorlax 01.09.2020 18:00
      Highlight Highlight Ist doch nicht sooo schlecht der Vergleich, oder? voc.com
  • Atavar 01.09.2020 17:09
    Highlight Highlight Danke für diese anschauliche Aufarbeitung!

    Besonders "Weil diese Mega-Identitäten so viele Bereiche unseres Lebens berühren, werden sie permanent aktiviert. Das heisst auch, dass sie sie permanent gegenseitig verstärken." scheint sich momentan zu akzentuieren.
  • Scaros_2 01.09.2020 17:06
    Highlight Highlight Risse? Das sind Gräben, da ist der marianengraben als tiefster Punkt neidisch.
    • Steibocktschingg 01.09.2020 19:12
      Highlight Highlight Valles Marineris schickt seine Grüsse...

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