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Ein Sicherheitsbeamter schickt die Journalisten vor Beginn der Opec-Konferenz in Wien aus dem Saal.
Ein Sicherheitsbeamter schickt die Journalisten vor Beginn der Opec-Konferenz in Wien aus dem Saal.
Bild: HEINZ-PETER BADER/REUTERS
Ölhahn bleibt offen

Nach Opec-Entscheid: Ölpreis stürzt ab

27.11.2014, 16:1127.11.2014, 18:15

Die Organisation Erdöl fördernder Länder (Opec) hat sich trotz des rasanten Ölpreis-Rückgangs gegen eine Reduzierung der Fördermenge entschieden. Damit setzte sich beim Treffen des Kartells in Wien eine Gruppe wohlhabender Golfstaaten um Saudi-Arabien durch. 

Der Ölpreis stürzte nach dem Entscheid über 4,5 Prozent gegenüber dem Vortag ab.

Es gebe «keine Veränderung», sagte der kuwaitische Ölminister Ali al-Omair am Donnerstag nach Gesprächen mit seinen Kollegen aus den anderen Mitgliedstaaten. Damit fördern die zwölf Länder offiziell weiterhin insgesamt 30 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag, bestätigte der saudi-arabische Ölminister Ali Al-Naimi nach der fünfstündigen Sitzung. 

Eine Beibehaltung des Status Quo hatte sich abgezeichnet, da über eine Reduzierung der Fördermenge kein Konsens unter den Mitgliedern der Opec herrschte. Die Organisation will ihr nächstes Treffen nach Angaben eines Delegierten erst im Juni abhalten. 

Weiterer Preisrutsch 

Entzündet hat die Debatte der jüngste Preissturz: Seit dem Sommer wurde Rohöl an den Weltmärkten um mehr als 30 Prozent billiger. Auch während der Gespräche in Wien und nach Bekanntwerden der Entscheidung fielen die Preise weiter. 

In London kostete ein Barrel (159 Liter) der europäische Referenzsorte Brent aus der Nordsee am Nachmittag nur noch 74,36 Dollar; die US-Sorte West Texas Intermediate wurde für 70,87 Dollar gehandelt. In beiden Fällen war dies der niedrigste Preis seit August 2010. 

Hintergrund sind ein wachsendes Angebot und zugleich eine schwächelnde Nachfrage. Eine der Quellen der Rohöl-Schwemme liegt in den USA, die den Rohstoff mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Technologie aus Schiefergestein herauslösen und damit neue Vorkommen erschliessen. 

Fracking in den USA
Fracking in den USA
Bild: ANDREW CULLEN/REUTERS

Auch Rubel fällt weiter 

Einer der Hauptleidtragenden des Ölpreis-Verfalls ist Russland, das rund 40 Prozent seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export bezieht. Dem Land gehen durch den Ölpreis-Verfall nach eigenen Angaben bis zu 100 Mrd. Dollar jährlich verloren. Im Budget für 2014 rechnet die Regierung in Moskau mit einem durchschnittlichen Preis von 104 Dollar je Barrel. 

Der Rubel reagierte mit Kursverlusten auf die Opec-Entscheidung. Doch auch für die USA könnte der sinkende Ölpreis über kurz oder lang zum Problem werden, denn die Schieferölproduktion ist kostspielig. 

Opec gespalten 

Bild: EPA/APA

Der Umgang mit dem Preisverfall hatte die Opec gespalten. Einige Mitglieder, darunter Venezuela, plädierten für eine Reduzierung der Fördermenge, um die Preise nach oben zu treiben. 

Der venezolanische Aussenminister Rafael Ramírez sagte vor Beginn der Gespräche in Wien, es seien rund 2 Millionen Barrel pro Tag zu viel im Markt. Auch der iranische Ölminister Bischan Namdar Sanganeh erklärte, es müsse etwas unternommen werden, um den Markt kurzfristig zu beeinflussen. 

Dagegen sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Masruei, der Markt werde sich selbst stabilisieren. Minister Al-Omair aus Kuwait erklärte, selbst eine Reduzierung der Opec-Fördermenge werde das Überangebot im Markt nicht aufwiegen. 

Der saudi-arabische Ölminister Ali Al-Naimi hatte schon im Vorfeld seine Ablehnung einer niedrigeren Fördermenge deutlich gemacht. Nach Ansicht von Analysten sieht Saudi-Arabien mit Zufriedenheit, wie die Fracking-Industrie unter dem niedrigen Ölpreis ächzt. Laut dem saudischen Analysten Abdelwahab Abu-Dahesch ist Saudi-Arabien stark genug, um den niedrigen Ölpreis «zwei bis drei Jahre» durchzustehen. (whr/sda/dpa)

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