Wirtschaft
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Eine Menschenmenge steht am 24. Okt. 1929 in der Wall Street in New York vor der Boerse. Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermoegen, die Panik griff weltweit auf die Boersenplaetze ueber - die Rede ist von den dramatischen Tagen im Herbst 1929, die neben immensen Kursrutschen an mehreren rabenschwarzen Boersentagen die schwerste Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts ausloeste. - People gather on the steps of the sub-treasury building across from the New York Stock Exchange on October 24, 1929, five days before the worst crash in Wall Street history. (KEYSTONE/AP Photo/Str)

«Black Friday»: Am 24. Oktober 1929 brach die Börse an der Wallstreet ein. Bild: AP NY

börsencrash?

Die «Grafik des Grauens» zeigt Parallelen zwischen 1929 und heute – müssen wir jetzt zittern?

Eine Börsengrafik sorgt derzeit für Aufregung. Sie zeigt, dass sich die Dow-Jones-Kurse vor dem grossen Crash 1929 und aktuell parallel entwickeln. Unser Autor Philipp Löpfe sagt, was davon zu halten ist.



Der amerikanische Ökonom Paul Samuelson hielt nicht allzu viel von den Prognosefähigkeiten der Börsenanalysten. «Sie haben neun der letzten fünf Rezessionen vorausgesehen», spottete er. Trotzdem tauchen immer wieder Grafiken und Statistiken auf, die uns weismachen wollen, dass eine Börsenhausse oder ein Crash unmittelbar bevorsteht. 

Scary Parallel, Dow Jones, McClellan Market Report, 1929/2014

Die «Grafik des Grauens»: erstaunliche Parallelen?

Besonders beliebt sind Kurven, die Parallelen zum Verlauf des Dow Jones in den wilden 1920er Jahren bis zum Crash im Jahr 1929 aufzeigen. Auch derzeit geistert wieder eine solche «Grafik des Grauens» durch die Finanzblätter. Was ist davon zu halten?

Zuerst zum Grundsätzlichen: In den Wirtschaftswissenschaften gibt es sehr viele Zahlen und Statistiken. Das verleitet zur Manipulation. Wer eine bestimmte These mit scheinbar objektiven Fakten untermauern will, findet in der Regel auch eine dazu passende Zahlenreihe oder Statistik. Dem Ruf der Ökonomie als Wissenschaft war dies nicht unbedingt zuträglich. 

«Die Börsenanalysten haben neun der letzten fünf Rezessionen vorausgesehen.»

US-Ökonom Paul Samuelson

«Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast», soll Winston Churchill einst gegrollt haben. Der ehemalige US-Präsident Harry Truman geriet ob dem Zahlenwirrwarr seiner Wirtschaftsberater so in Rage, dass er vorgeschlagen hat, allen Ökonomen einen Arm abzuschlagen. «Nur so können wir verhindern, dass sie stets alles und nichts sagen mit dem Argument: on the other hand (andererseits).» 

Die Unternehmen haben kräftig verdient

Trotzdem herrscht in der Ökonomie nicht bloss Willkür. «Grafiken des Grauens» tauchen immer dann auf, wenn die Luft an den Börsen dünn geworden ist. Das ist derzeit der Fall. 2013 haben die Aktienbörsen rund um den Globus kräftig zugelegt. Das lässt sich einfach erklären: Aktienkurse werden durch zwei Faktoren bestimmt, den Preis des Geldes und das Kurs-Gewinn-Verhältnis. 

Beide Faktoren haben den Aktienboom befeuert. Um die Wirtschaft nach der Krise über Wasser zu halten, haben die Notenbanken den Preis für das Geld, die Leitzinsen, praktisch auf Null reduziert.

Die börsenkotierten Unternehmen ihrerseits haben kräftig verdient. Es handelt sich in der Regel um international tätige Konzerne. Sie konnten ihre Macht ausspielen und Löhne und Steuern drücken und so von der Krise profitieren. Die Gewinne der börsenkotierten Unternehmen in den USA haben letztes Jahr durchschnittlich um rund sechs Prozent zugelegt.

Die Zukunft sieht wenig rosig aus

«Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.»

Winston Churchill

Aktienkurse sind jedoch stets zukunftsgerichtet, sie diskontieren erwartete Gewinne. Die Zukunft sieht, was Aktien betrifft, weniger rosig aus. Es zeichnet sich ab, dass die Notenbanken wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren werden, will heissen: die Zinsen anheben. Die Fed, die US-Notenbank, hat bereits mit dem Tapering begonnen, dem schrittweisen Ausstieg aus dem so genannten «Quantitativen Easing». Darunter versteht man das Phänomen, dass die Notenbanken im grossen Stil Anleihen aufkaufen, um so die Zinsen zu drücken. 

Das Tapering der Fed bringt grosse Unruhe in die Finanzmärkte. Geld, das zuvor auf der Suche nach einer höheren Rendite in die Schwellenländer geflossen ist, kehrt nun in die sicheren Heimathäfen zurück und bringt Länder wie die Türkei oder Brasilien ins Schleudern. Das wiederum kann im schlimmsten Fall eine verheerende Kettenreaktion auslösen, wie die Asienkrise 1998/99 gezeigt hat. Damals hat das schlagartige Abziehen des heissen Geldes zuerst Länder wie Thailand, Indonesien und Südkorea ins Elend gestürzt und später Brasilien und Russland

Auch die Unternehmensgewinne können nicht ewig weiter steigen. Den Multis geht es zwar blendend, den Menschen nicht. Nach wie vor stagnieren oder sinken die Einkommen der Erwerbstätigen. Das drückt auf die Nachfrage. In den USA ist das Wirtschaftswachstum moderat ausgefallen, die Europäer warten immer noch darauf. Von einem Aufschwung in Euroland wird viel geredet, aber wenig gespürt. Das führt dazu, dass die sozialen Spannungen steigen und die politischen Verhältnisse instabiler werden. Auch das ist Gift für die Aktienkurse.

Auch die Klügsten können sich irren

Heisst dies, dass die «Grafik des Grauens» als Vorboten eines Crashs ernst genommen werden müssen? Nur bedingt. Der Börsenboom 2013 ist auch ein Ausdruck davon, dass die Investoren daran glauben, dass die Krise langsam überwunden ist. Solange dieses Vertrauen anhält, ist ein Börsenunwetter nicht zu befürchten, und es ist möglich, dass auch die europäische Wirtschaft wieder Tritt fassen wird. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Johannes Kroeze 21.02.2014 14:43
    Highlight Highlight Da Amerika und Europa ihre eigene Schulden "kaufen" wird es alles noch viel schlimmer, mein Grossmutter sagte schon das man erst verdienen muss vor das man ausgeben kann
  • highlander 19.02.2014 20:21
    Highlight Highlight Das vermeintliche Churchill-Zitat ist auch reichlich ausgelutscht.
  • Donald 19.02.2014 19:30
    Highlight Highlight Leider wird schon seit langer Zeit mehr Wert auf diese fiktive Wirtschaft als auf die Realwirtschaft gelegt, welche zum Spielball der Börsen geworden ist. Aber auch Staaten machen von Finanzinstrumenten Gebrauch. So hat sich z.B. Deutschland ein Wirtschaftswachstum erkauft. Es sieht leider nicht aus als würden diese Vorgehensweisen einmal aufhören.

    Sicher ist nur, dass es immer wieder Crashs geben wird. Dank globaler Vernetzung und Abhängigkeit werden diese auch immer schneller und umfassender daherkommen. Aber damit lernen wir uns vielleicht irgendwann wieder auf reale Dinge zu besinnen.
  • Olaf 19.02.2014 18:15
    Highlight Highlight Hoppla, da ist bei unserem Autor wohl mal kurz der Adressbus in den Hirnwindungen falsch abgebogen. Aus versehen hat er Winston Churchill zum US-Präsidenten gemacht. Aber nein: Wir wollen nicht die Geschichte neu schreiben. Er war Premierminister von Grossbritannien. Danke an die aufmerksamen Leser Marcel Hauri und Marco Zysset für die Hinweise. Wir habens korrigiert.
  • @Scub4 19.02.2014 17:43
    Highlight Highlight Das oben genannte Churchill-Zitat hält sich zwar hartnäckig, ist aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von ihm:
    http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/veroeffentl/Monatshefte/essay.asp?xYear=2004&xMonth=11&eNr=11

    tl;dr: Im 2. Weltkrieg versuchten die deutschen Medien auf Anweisung von Goebbels, Churchill als Lügner darzustellen - in diesem Zuammenhang wird ihm dann erstmals das obige Zitat unterstellt.
  • CG aus G :-) 19.02.2014 17:22
    Highlight Highlight Die Börsenkurse reagieren sehr stark auf Gerüchte. Wird also ein negatives Gerücht verbreitet, schürt dies Angst.

    Die Angst führt schliesslich dazu Aktien zu verkaufen. Somit wäre es nicht verwunderlich, wenn eintrifft, was befürchtet wird.

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