Wirtschaft
Digital

Euro-Office: Europa plant Gegenentwurf zu Microsoft Office

Europäische Tech-Allianz startet Gegenentwurf zu Microsoft Office

27.03.2026, 14:4927.03.2026, 14:49

Europäische Tech-Unternehmen wollen eine relevante Alternative zu Microsoft Office schaffen. Unter der Federführung der Branchengrössen Ionos und Nextcloud wurde in Berlin eine neue europäische Initiative vorgestellt, die eine eigene freie Office-Suite namens «Euro-Office» entwickelt.

Achim Weiss, CEO von Ionos, sagte, angesichts der geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres brauche Europa dringend eine zuverlässige, vollständig Microsoft-kompatible und einfach zu bedienende, souveräne Office-Lösung. «Unsere Initiative bietet eine Suite mit einer vertrauten Oberfläche, die alle Funktionen zur Arbeit mit Texten, Präsentationen und Tabellen umfasst.»

OnlyOffice unter europäischer Kontrolle

Die technologische Grundlage für dieses Projekt bildet die quelloffene Software OnlyOffice. Das digitale Büropaket aus Riga, das aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einem Präsentationsprogramm ähnlich wie Microsoft Word, Excel und PowerPoint besteht, läuft in einem Browser.

Die Entwickler legten dabei starken Fokus darauf, dass die Dateien mit den Microsoft-Office-Formaten kompatibel sind. Im Gegensatz zu anderen Microsoft-Alternativen wie LibreOffice oder OpenOffice schleppt OnlyOffice nach Einschätzung von Experten keine technischen Altlasten mit sich herum, sondern verfügt über ein modernes technisches Fundament.

Problematische Russland-Connection

Als problematisch erwies sich allerdings eine Querverbindung zu Russland. Das hängt massgeblich mit der komplexen Unternehmensgeschichte von OnlyOffice zusammen. Das Entwicklerunternehmen, die Ascensio System SIA, sitzt zwar im EU-Staat Lettland, ist jedoch die Tochtergesellschaft eines russischen Unternehmens.

Dies hatte weitreichende Konsequenzen: Infolge der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland wurde europäischen Organisationen die Nutzung der kommerziellen Version von OnlyOffice untersagt.

Durch die Übernahme der Codebasis durch das europäische Konsortium soll dieses Risiko künftig komplett beseitigt werden. «Wir haben den Source-Code verifiziert und verbessert sowie die Sicherheit überprüft, sodass wir jetzt ein solides Produkt haben», sagte Nextcloud-CEO Frank Karlitschek.

Breite Branchenunterstützung und ehrgeiziger Zeitplan

Das Projekt wird von einer breiten Allianz aus ganz Europa getragen. Neben Ionos und Nextcloud beteiligen sich Anbieter wie EuroStack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und bTactic an der Entwicklung und dem Betrieb der souveränen Office-Software. «Europa hat die Technologie, die Unternehmen und die Talente, um seine digitale Infrastruktur selbst zu betreiben. Was fehlt, ist die konsequente Nutzung, die Innovation und Unabhängigkeit tatsächlich vorantreibt», sagte Karlitschek.

Der Nextcloud-Chef betonte, sowohl die USA als auch China setzten ihre staatlichen IT-Ausgaben gezielt ein, um die eigene Industrie zu stärken. «Europa hingegen verhält sich im eigenen Markt wie ein Zuschauer: Es fliessen jedes Jahr Hunderte Milliarden an Steuergeldern in Systeme, die wir nicht kontrollieren. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir anfangen, unsere eigenen Lösungen auch wirklich einzusetzen – Euro-Office zeigt, dass die Voraussetzungen dafür längst da sind», sagte Karlitschek.

Interessierte Organisationen können die Software bereits testen: Eine Tech-Preview von Euro-Office ist ab sofort verfügbar. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist für den Sommer geplant, die dann auch für die Allgemeinheit nutzbar sein soll. (sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Blick ins Allerheiligste: watson besucht das gigantische Hauptquartier von Microsoft in Seattle
1 / 68
Blick ins Allerheiligste: watson besucht das gigantische Hauptquartier von Microsoft in Seattle
Für watson besuchte ich zwei Tage den Microsoft-Campus bei Seattle: 42’220 Menschen arbeiten hier in 125 Gebäuden auf einer Fläche von rund 100 Fussballfeldern.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Microsoft verspricht ab 2030 CO2-negativ zu sein
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
87 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
GianniR
27.03.2026 15:29registriert April 2020
Grundsätzlich ist eine solche Initiative zu begrüssen. Allerdings bin ich gar kein Freund von Browser-Lösungen. Ich arbeite lieber offline und benötige dadurch keine ständige Online-Verbindung.
1024
Melden
Zum Kommentar
avatar
Squawk 7700
27.03.2026 15:34registriert Mai 2025
Für Word, Excel und Powerpoint gibt es schon lange Alternativen, aber nicht für Outlook mit den ganzen Kalenderfunktionen etc. und auch nicht für Active Directory etc. Das wären die wichtigen Funktionen, die in jeder Firma benötigt werden.
5813
Melden
Zum Kommentar
avatar
I bims, der neue Alte
27.03.2026 15:23registriert August 2025
Sehr gut! Bitte dann auch gleich noch einen Messenger, welcher nur über europäische Server läuft.
350
Melden
Zum Kommentar
87
Trump und sein «Freund» Xi beginnen Gespräche in Peking
Zum Auftakt des Besuchs von US-Präsident Donald Trump in China haben sich beide Seiten mit betont freundlichen Worten um ein stabileres Verhältnis der Grossmächte bemüht. Nach einem Empfang mit militärischen Ehren lobte Trump Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ausdrücklich. Der Gastgeber in Peking wiederum sagte, er sei überzeugt, dass die gemeinsamen Interessen zwischen den USA und China grösser seien als die Differenzen. Der jeweilige Erfolg beider Länder sei für das andere eine Chance, sagte Xi.
Zur Story