Wirtschaft
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Erdöl Wasser Grundlage Tropfen Krieg Peak Oil
Quelle: wwf.de

Erdöl: Schwarzes Gold oder Exkrement des Teufels?  bild: shutterstock

Die Energiepreise stehen Kopf

Das Machtspiel der OPEC: Gefährdet billiges Öl die Energiewende?

Warum sollen wir in Solar- und Windenergie investieren, wenn Öl und Gas immer günstiger werden?



Die Mitglieder der OPEC, dem Kartell der Erdöl produzierenden Länder, streiten sich über Förderquoten. Weil die Weltwirtschaft nicht in die Gänge kommt, sinkt die globale Nachfrage nach Öl. In den USA erleben Erdgas und Öl dank Fracking einen neuen Aufschwung: All dies hat dazu geführt, dass die Ölwelt Kopf steht. Noch vor kurzem war die Rede von Peak Oil und Preisen von 150 Dollar pro Fass. Heute kostet ein Fass Öl nur noch wenig mehr als 70 Dollar, und die Preise sind weiterhin im Sinkflug. 

Eine Trendumkehr ist derzeit wenig wahrscheinlich. Öl ist ein ganz besonderer Saft, und der Ölpreis hat einen grossen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Das hat zwei Gründe: Erstens ist der Ölpreis unelastisch. Das bedeutet, dass kleine Engpässe in der Versorgung oder ein kleiner Rückgang in der Nachfrage grosse Preisausschläge zur Folge haben. Die Welt hat daher schon mehrmals Zeiten gekannt, in denen das Öl extrem billig war: In den 1930er, in den 1950er Jahren und in den 1980er Jahren beispielsweise. 

Die Zeit des billigen Öls schien vorbei

In den letzten Jahren hingegen lag der Preis für ein Fass Öl stets bei rund 100 Dollar und mehr. Die Zeit des billigen Öls schien endgültig der Vergangenheit anzugehören. Dramatische Meldungen über das Versiegen der Erdölvorräte in Saudi-Arabien machten die Runde, «Peak Oil» wurde zum Begriff. Darunter versteht man den Zeitpunkt, an dem mehr Öl verbraucht als neu entdeckt wird. 

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Neue Ölschwemme. bild: shutterstock

Billiges Öl ist ein zwiespältiges Geschenk. Einerseits stärkt es die Kaufkraft der Konsumenten und hilft so, der nach wie vor schwachen Wirtschaft mehr Schub zu verleihen. Andererseits wird es dazu führen, dass sich die Ölindustrie in Sachen neue Investitionen zurückhält. Fracking und die Ölgewinnung aus Teersand lohnen sich bei sinkendem Ölpreis nicht mehr. 

Kehren die Benzinmonster zurück? 

Als um die Jahrhundertwende Benzin und Diesel spottbillig waren, kamen die SUVs in Mode, die Sprit verschlingenden Monsterautos wie der berühmt-berüchtigte Hummer. Der Erdölschock hat dazu geführt, dass die Autoindustrie den Energieverbrauch ihrer Motoren noch einmal reduziert hat. Gleichzeitig hat es zum Aufschwung von Hybrid- und neuerdings auch von Elektroautos geführt. Diese ökologisch sinnvolle Entwicklung könnte nun gebremst oder gar wieder rückläufig gemacht werden. 

Hummer H3R concept is introduced at GM Style event Saturday, Jan. 12, 2008 in Detroit. (AP Photo/Carlos Osorio)

Der Hummer an der Detroit Motor Show. Bild: AP

E.On will aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken aussteigen

Auch die Energiewende ist gefährdet. Bis ins Jahr 2050 will beispielsweise Deutschland 80 Prozent seiner Energie aus nachhaltigen Quellen beziehen, hauptsächlich aus Wind- und Sonnenenergie. E.On, der grösste deutsche Energiekonzern, hat soeben bekanntgegeben, dass er aus dem Geschäft der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken aussteigen will. Billigere fossile Brennstoffe könnten nun aber dazu verleiten, dass die Energiewende teilweise wieder auf Eis gelegt wird. 

«Es gibt zwar eine untere Grenze dieser Preisabschläge, aber von dieser Grenze sind wir noch weit entfernt.»  

Nick Butler, Financial Times

Glücklicherweise werden nicht nur Öl und Gas billiger. Der Ausbau der nachhaltigen Energie hatte zur Folge, dass die deutschen Strompreise im Grosshandel allein seit 2013 um mehr als einen Viertel gefallen sind. Der gleiche Trend lässt sich auch in den USA beobachten. «Die Kosten für Wind- und Sonnenergie sind in den letzten fünf Jahren so weit gefallen, dass sie in einigen Märkten billiger geworden sind als Kohle und Erdgas», meldet die «New York Times». 

Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. «Wenn die Preise ins Rutschen geraten, dann reagiert die Industrie so, dass sie Rahmenbedingungen schafft, die dafür sorgen, dass die Preise noch weiter fallen werden», stellt Nick Butler in der «Financial Times» fest. «Es gibt zwar eine untere Grenze dieser Preisabschläge, aber von dieser Grenze sind wir noch weit entfernt.»  

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