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ARCHIV - A coin of 1 Euro (left) and a coin of 1 Swiss Franc (right), pictured on July 21, 2011. - Ein Monat nach dem Entscheid der Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzugeben, ist der erste Schock fuer Politik und Wirtschaft zwar vorbei. Doch die Unsicherheit bleibt. Einige Unternehmen reagieren mit Abbau und Einsparungen. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Der Franken ist nahezu gleichstark wie der Euro.  Bild: KEYSTONE

Beinahe gleich viel Wert wie der Euro: Nationalbank hält Franken für deutlich überbewertet

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält den Franken für deutlich überbewertet. Sie bekräftigt daher ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu werden.



Die am 15. Januar erfolgte Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken bedeute nicht, dass sich die Nationalbank nicht mehr um die Entwicklung am Devisenmarkt kümmere, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Freitag laut Redetext an der Generalversammlung der SNB in Bern.

Die jüngste Entwicklung zeige, dass der Franken in der aktuellen Phase der Unsicherheit rund um die Schuldenproblematik Griechenlands zeitweilig wieder an Wert gewinnen könne.

«Wir verfolgen diese Entwicklung und die potenziellen Auswirkungen auf die Schweiz sehr aufmerksam», erklärte Jordan. «Bei Bedarf sind wir auch künftig am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen.» Insgesamt sei der Franken «deutlich überbewertet». Dies sollte sich über die Zeit korrigieren, prognostizierte Jordan.

Situation weiterhin angespannt

Die unmittelbare Kursreaktion nach der Aufhebung des Mindestkurses hatte Jordan als «massives Überschiessen» bezeichnet. Damals war der Euro unter die Parität zum Franken gefallen. Im Februar stieg der Euro wieder auf bis zu 1.07 Franken an.

Hoffnungen von Bundesräten, Wirtschaftsverbänden und insbesondere der Export- und Tourismusindustrie auf Wechselkurs von mindestens 1.10 Franken haben sich aber zerschlagen. Seit Anfang März hat sich der Euro wieder abgeschwächt. Zuletzt nahm er wieder Kurs in Richtung Gleichstand zum Franken, Anfang Woche notierte die Gemeinschaftswährung noch bei gut 1.02 Franken.

Etwas entspannt hat sich die Situation seit Mittwoch. Die SNB kündigte an, sie verkürze die Liste der Giroguthaben, die von den Negativzinsen ausgenommen sind. Neu müssen auch die Pensionskassen des Bundes Publica und der SNB selbst – oberhalb der Freibeträge – den Strafzins von 0.75 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der Nationalbank parkieren.

Nach der Ankündigung zog der Euro leicht auf fast 1.04 Fr. an. Analysten erklärten dies weniger mit der Massnahme selbst, deren Tragweite beschränkt sei. Eher spekulierten die Märkte darauf, dass die SNB bei anhaltender Frankenstärke weiter am Negativzins drehen könnte. Ein erster möglicher Schritt wäre die Reduktion der Freibeträge.

Was kulinarische Gaumenfreuden wie Schokolade und Kaese betrifft, sind uns die Schweizer weit ueberlegen und gewinnen das Schmankerl-Match klar vor den Oesterreichern. Im Bild:  Im Bild: Schweizer Schokoladengebirge (Toblerone) mit einer Schweizer Fahne, aufgenommen am 19. Februar 2008, in Wien. // Illustration showing a piece of Swiss chocolate (Toblerone) with a Swiss flag, captured on 19 February 2008. (KEYSTONE/EPA/APA/GEORG HOCHMUTH)

Für die Schweizer Exportwirtschaft ist der starke Franken eine grosse Belastung.  Bild: EPA APA

Negativzinsen verteidigt

Kritik von Investoren und insbesondere von Pensionskassen wies Jordan am Freitag erneut zurück: Der Negativzins erfülle den sehr wichtigen Zweck, den Aufwertungsdruck auf den Franken zu dämpfen und auf diese Weise die Schweizer Wirtschaft zu unterstützen. Der Schweizer Zins könne nicht höher liegen als im Rest der Welt, sonst würden grosse Zuflüssen in den Franken drohen.

Für die Frankenstärke könnten aber nicht ausschliesslich ausländische Investoren verantwortlich gemacht werden. Seit der Finanzkrise investiere der inländische Privatsektor sehr zurückhaltend im Ausland, zudem werde sogar ein Teil des bestehenden Auslandsvermögens in die Schweiz zurück gebracht.

Jordan anerkannte, dass das heutige Tiefzinsumfeld insbesondere für Pensionskassen sehr anspruchsvoll sei. Dies sollte aber eine vorübergehende Erscheinung sein. «Wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft weiter erholen wird und die Zinsen weltweit wieder ansteigen werden.» Erste Anzeichen dafür gebe es in den USA. (sda/cma)

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