Wirtschaft
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Bank of England Governor Mark Carney speaks at a dinner at LLoyd's of London, September 29, 2015. Carney said on Tuesday that companies must be more open about their

Mark Carney bei seiner Rede in London.
Bild: POOL/REUTERS

Einer der mächtigsten Notenbanker warnt vor der Klimaerwärmung

Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, sieht in der Klimaerwärmung nicht nur eine Bedrohung für die Umwelt, sondern auch für die Stabilität des internationalen Finanzsystems.



Zentralbanken haben eine klare Mission: Sie müssen für eine stabile Währung und für ein stabiles Bankensystem sorgen. Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, hat jedoch in einer Aufsehen erregenden Rede vor den Gefahren der Klimaerwärmung gewarnt. Das Resultat ist ein weltweiter Aufschrei. Die «Financial Times» stellt derweil die Frage: «Ist Carney ein weitsichtiger Visionär oder ein in die Irre geführter Idiot?»

«Wir wissen inzwischen nur zu gut, dass das, was zunächst als ein unwahrscheinliches Risiko erscheint, sich zu einer grossen und unvorhersehbaren Bedrohung entwickeln kann.»

Mark Carney

Eines ist Carney mit Sicherheit nicht, ein naiver Schwärmer. Er hat eine steile Karriere bei Goldman Sachs hinter sich und hat die kanadische Nationalbank erfolgreich durch die Wirren der Finanzkrise geführt. Seit Sommer 2013 ist er Chef der Bank of England und gehört damit zu den mächtigsten Männern der Welt.  

Müssen Exxon, Shell & Co. bald hunderte von Milliarden Dollar abschreiben?

In einer Rede beim Versicherungs-Konzern Lloyds hat Carney kürzlich jedoch nicht über Leitzinsen und Deflation gesprochen, sondern über die Klimaerwärmung. Der Kohlenwasserstoff-Industrie (Kohle, Öl und Erdgas) drohten «gewaltige Verluste», warnte er und verwies auf die Gefahr, dass sie möglicherweise einen grossen Teil ihrer Reserven abschreiben müssen, weil der Planet Erde den damit verbundenen Ausstoss von CO2 nicht mehr verkraften kann.

Wenn Exxon, Shell, BP & Co. auf hunderte von Milliarden Dollar stille Reserven verzichten müssen, bleibt dies nicht ohne Folgen für die Finanzmärkte. Carney wies darauf hin, dass «wir inzwischen nur zu gut wissen, dass das, was zunächst als ein unwahrscheinliches Risiko erscheint, sich zu einer grossen und unvorhersehbaren Bedrohung entwickeln kann».

ADVANCE FOR SUNDAY JUNE 26 AND THEREAFTER FILE - This June 25, 2008 file photo shows an aerial view just north of Fort McMurray in Alberta, Canada, where the world's largest oil companies are building massive open pit mines to get at the oil sands.  The oil sands of this Canadian province are so big that they will be able to serve both of the world's largest economies as production expands in the coming years. (AP Photo/Canadian Press, Eamon Mac Mahon, File) ** NO ARCHIVE **

Können wir uns nicht mehr leisten: Ölsand-Abbau in Kanada.
Bild: AP Canadian Press

Anzeichen einer solchen Bedrohung gibt es heute schon. So hat Shell kürzlich bekannt gegeben, die Ölbohrungen in Alaska einzustellen und damit Milliarden von Dollar abzuschreiben. Die Umwelt- und die politischen Risiken sind schlicht zu gross, die Aussicht auf Erfolg zu klein geworden. Der Zuger Rohstoff-Konzern Glencore steht vor existenziellen Schwierigkeiten, weil die Preise für Kohle, Öl und Gas in den Keller gerasselt sind. In den USA stehen aus dem gleichen Grund viele Fracking-Firmen vor dem Bankrott.  

Die Industrie tobt

Die Industrie hat wütend auf Carney reagiert. So schimpfe etwa Philip Lambert von der gleichnamigen Energieberatungsfirma, in der «Financial Times»: «Wie zum Teufel kann der Gouverneur einer der verantwortungsvollsten Institutionen der Welt behaupten, dass das Ding, das heute noch 85 Prozent des globalen Energiemixes darstellt, wertlos geworden sein soll, obwohl es noch keine Alternative gibt?». Und weiter zeterte Lambert: «Diese Aussagen sind schlicht ungeheuerlich.»

epa03163528 (20/20) A hydraulic fracturing drill rig is silhouetted at dusk near Tunkhannock, Pennsylvania, USA, 09 March 2012. The controversial drilling practice, also known as fracking, requires injecting huge amounts of water, sand, and chemicals at high pressure thousands of feet beneath the earth's surface to extract reserves of natural gas.  EPA/JIM LO SCALZO PLEASE SEE ADVISORY epa03163507 FOR FULL FEATURE TEXT

Rendiert nicht mehr: Fracking.
Bild: EPA

Carney ist jedoch kein einsamer Rufer in der Wüste. Die beiden ehemaligen US-Finanzminister Robert Rubin und Hank Paulson gehören ebenfalls zu den Warnern vor den finanziellen Folgen der Klimaerwärmung. Beide waren übrigens ebenfalls einst CEOs von Goldman Sachs.

Umweltschutz ist der neue wirtschaftliche Realismus

Klimaerwärmung und Ökologie sind nicht nur eine moralische Verpflichtung, sie sind zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Das ist auch die Kernaussage des Buches «Richtig rechnen!» von Christian Hiss. «Wirklich kapitalistisch wird dann gewirtschaftet, wenn das Vermögen, das man zur Verfügung hat, nicht verbraucht, sondern erhalten und vermehrt wird», stellt Hiss fest.

Bild

Buchhaltung wird auch ökologisch wichtig.
bild: pd

Um die Zukunft des Planeten Erde zu sichern, brauchen wir daher ethisches Bewusstsein. Es gehe, so Hiss, «nicht um eine neue Erfindung ökologisch gesinnter Idealisten, sondern um ökonomischen Realismus modernster und zukünftiger Prägung.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 02.10.2015 08:00
    Highlight Highlight Es scheint langsam salonfähig zu werden, zu sagen, was Realität ist, aber man bisher nicht sagen durfte, ohne als Idiot, naiver Weltverbesserer oder als Öko-Fundamentalist hingestellt zu werden. Dies ist bitter nötig. Zwar werden die Aufschreie dier Negierer und Ewiggestrigen wischenzeitlich noch etwas lauter. Aber mit der Zeit wird es immer schwieriger, Leute wie Mark Carney oder Christian Hiss als Idioten hin zu stellen, weil a) sie immer zahlreicher werden und b) man immer besser erkennt, dass es sich bei den Warnern durchaus um kompetente Leute handelt, die wissen, von was sie reden.
  • atomschlaf 01.10.2015 17:56
    Highlight Highlight Aha, ein Ex-Goldman Sachs-Mann. Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist ein Riesengeschäft, das in Zukunft noch viel profitabler werden soll und Goldman Sachs will ein grosses Stück vom Profit für sich.
    It's all about the money.
    Zum Nachlesen (in Englisch):
    http://www.zerohedge.com/news/2015-09-26/did-goldman-sachs-sacrifice-australias-prime-minister-his-doubts-about-global-warmin?page=1
  • R&B 01.10.2015 13:06
    Highlight Highlight Geht doch!
    Einfach alle sozialen und ökologische Probleme in Geld quantifizieren (Bussen und Strafen), dann realisieren Banker und Versicherungen die Schäden und schicken Ihre bezahlten Politiker auch in die Richtung, die dem Allgemeinwohl dient.
    • Nichtswisser 01.10.2015 13:15
      Highlight Highlight Genau. Internalisierung von externen Kosten und Einnahmen aus Ressourcenverbrauch nicht mehr als Gewinn nämlich als Umbuchung behandeln.
      Jeder, der Ahnung von Wirtschaft hat (also ich nicht), muss einsehen können, dass das Sinn ergibt.
      Gut, dass mal jemand, der an den Hebeln sitzt sagt, was alle an den Hebeln denken.

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