Wirtschaft
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A gold Lamborghini luxury sports car is displayed at a mall with a price tag of 4.9 million yuan (US$808,000) in Beijing, China, Monday, Feb. 17, 2014. (AP Photo/Ng Han Guan)

Goldener Lamborghini in Peking. Bild: AP

Finanzmärkte

Die Chinesen verlieren die Lust auf Gold

Die Nachfrage nach dem gelben Metall stagniert, der Goldpreis stürzt ab.



Die Gold-Fans müssen derzeit bös unten durch. Letztes Jahr ist der Goldpreis um 28 Prozent gesunken, der tiefste Fall seit 1981. Und auch im laufenden Jahr rechnet der Produzentenverband World Gold Council mit stagnierenden oder gar fallenden Preisen. Der Grund: Die Chinesen haben derzeit wenig Lust auf das gelbe Metall.

Dabei war der Goldhunger der Chinesen lange eine treibende Kraft hinter dem Höhenflug des Goldpreises. Allein letztes Jahre schnellte die Nachfrage aus China rund einen Drittel in die Höhe und machte China zum grössten Goldimporteur der Welt, grösser noch als Indien. Jetzt hat dieser Boom ein Ende. Das «Wall Street Journal» zitiert aus dem Prognosebericht des Branchenverbandes World Gold Council: «Chinesische Verbraucher haben Schmuck- und Bargeldkäufe vorgezogen, was das Nachfragewachstum im Jahr 2014 begrenzen dürfte.» 

Sinkt der Goldpreis auf 1200 Dollar pro Unze?

Prospectors pan for gold at a new gold mine found in a cocoa farm near the town of Bouafle in western Ivory Coast March 18, 2014. With high prices for the precious metal fuelling a gold rush in Ivory Coast and Ghana, diggers are scurrying to cash in. But the drain on the labour market and the harm done to cocoa plantations could endanger cocoa production in the two nations, which account for 60 percent of global supply. Picture taken March 18, 2014. To match Insight COCOA-GOLD/WESTAFRICA    REUTERS/Luc Gnago (IVORY COAST - Tags: AGRICULTURE BUSINESS COMMODITIES EMPLOYMENT TPX IMAGES OF THE DAY)

So oder ähnlich wird Gold abgebaut Bild: Reuters

Im vergangenen Jahr hat China insgesamt 1,187 Tonnen importiert. Derzeit jedoch stagniert der Bedarf. Deshalb spekulieren Goldhändler darauf, dass der Goldpreis von aktuell 1320 Dollar pro Unze auf 1200 Dollar fallen könnte. 

Sollte die chinesische Wirtschaft die derzeit schwierige Phase überwinden, dann rechnet der World Gold Council damit, dass die Chinesen bald wieder Appetit auf das gelbe Metall bekommen werden. Sie sind als Gold-Käufer bekannt und haben zudem wenig andere Anlage-Optionen. 

Der Mechanismus des Goldpreises ist in Verruf geraten

Nicht nur die nachlassende Nachfrage aus Fernost macht dem Goldpreis zu schaffen. Die «Financial Times» berichtet heute auch, dass die Art und Weise, wie der Goldpreis bestimmt wird, ins Zwielicht geraten ist. Der Richtpreis der im World Gold Council versammelten Goldprofis wird nämlich nicht an einer Börse bestimmt, sondern zweimal täglich in einem Büro in London. Jeweils um 10:30 und um 15:00 Uhr geben die Vertreter von fünf Banken an einem Konferenztelefon-Gespräch bekannt, ob sie Gold zum aktuellen Preis kaufen oder verkaufen würden. 

Dieses archaische System wurde 1919 von der Bank Rothschild ins Leben gerufen. Die Namen der fünf beteiligten Banken haben seither gewechselt, das System ist geblieben. Derzeit wird die Runde gebildet von: HSBC, Deutsche Bank, Scotiabank, Barcklays und Société Générale.

epa04087117 Gold jewelry are displayed in a glass case at a jewelry and gifts shopping center in Beijing, China, 19 February 2014. China overtook India as the world's largest consumer market for gold with a jump of 32 per cent last year, the World Gold Council said on 18 February. Chinese consumers bought 1,066 tons of gold products in 2013, while their Indian counterparts bought 975 tons, up 13 percent from 2012, the London-based council reported.  EPA/ROLEX DELA PENA

Goldschmuck in einem chinesischen Shoppingcenter Bild: Keystone

Die Deutsche Bank steigt aus 

Die Deutsche Bank möchte aussteigen und ihren Sitz an die Industrial and Commercial Bank of China verkaufen. Möglicherweise wird das System auch gänzlich abgeschafft. Nach den verschiedenen Skandalen mit manipulierten Standards, insbesondere der Libor-Skandal, ist auch dieses Verfahren in den Verdacht geraten, Insidergeschäften Vorschub zu leisten. Zwei Finanzprofessoren der University of Western Australia, Andrew Caminschi und Rachard Heaney haben das System untersucht und Zweifel daran geäussert. «Stellen Sie sich vor, fünf Aktienhändler würden sie mitten am Tag treffen, würden eine Art Privatauktion durchführen und diese hätte einen grossen Einfluss auf alle Aktienkurse, dann würde man diesen Prozess auch einmal genauer unter die Lupe nehmen», erklärt Professor Caminschi in der «Financial Times».

Auch beim World Gold Council denkt man daran, das 95 jährige System zu modernisieren. So soll etwa der Auktionsprozess elektronisch erfasst, die Daten in Echtzeit analysiert und extern überwacht werden.  

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