Wirtschaft
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Deutsches Verfassungsgericht beanstandet EZB-Staatsanleihenkäufe



ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DIE EZB DEN LEITZINS AUF NULL PROZENT HAELT, AM DONNERSTAG, 27. APRIL 2017 - epa04344153 This over-sized barbed wire is part of an installation in front of the European Central Bank (ECB) in Frankfurt Main, Germany, 07 August 2014. The European Central Bank left interest rates on hold despite the threat posed to the eurozone by falling inflation and the escalating crisis surrounding Ukraine. The ECB kept its benchmark refinancing rate at a record low of 0.15 per cent and its deposit rate below zero as it sized up the impact to the 18-member currency bloc of the slew of measures it announced in June aimed at heading off the threat of deflation and spurring bank lending.  EPA/BORIS ROESSLER

Bild: EPA

Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) verstösst teilweise gegen das deutsche Grundgesetz, weil die deutsche Bundesregierung und der Bundestag die EZB-Beschlüsse nicht geprüft haben. Dieses Urteil verkündete das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am Dienstag.

Mit dem Urteil, das Gerichtspräsident Andreas Vosskuhle verkündete, hatten Verfassungsbeschwerden teilweise Erfolg. Der Bundesbank ist es demnach untersagt, nach einer Übergangsfrist von höchstens drei Monaten an der Umsetzung des EZB-Aufkaufprogramms mitzuwirken, sofern der EZB-Rat in einem neuen Beschluss nicht nachvollziehbar darlegt, dass das Programm verhältnismässig ist, heisst es in dem Urteil.

Aufkaufprogramm entgegentreten

«Bundesregierung und Deutscher Bundestag sind aufgrund ihrer Integrationsverantwortung verpflichtet, der bisherigen Handhabung der PSPP (das EZB-Aufkaufprogramm) entgegenzutreten», heisst es in dem Urteil. Ausserdem erklärte das Bundesverfassungsgericht ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember 2018 zum Kaufprogramm der EZB für willkürlich und damit für das Bundesverfassungsgericht nicht bindend.

Der EuGH hatte das EZB-Programm in allen Punkten gebilligt. Beschwerdeführer sind unter anderen der frühere CSU-Politiker Peter Gauweiler und AfD-Gründer Bernd Lucke. Das Urteil erging mit sieben zu eins Stimmen.

Milliardenschwere Käufe

Zwischen März 2015 und Ende 2018 hatte die Notenbank rund 2.6 Billionen Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere gesteckt - den allergrössten Teil über das Programm PSPP (Public Sector Purchase Programme), auf das sich das Urteil bezieht. Zum 1. November 2019 wurden die umstrittenen Käufe neu aufgelegt, zunächst in vergleichsweise geringem Umfang von 20 Milliarden Euro im Monat.

Über Anleihenkäufe kommt viel Geld in Umlauf, das heizt normalerweise die Inflation an. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate knapp unter 2.0 Prozent an. Denn stagnierende oder fallende Preise können Verbraucher und Unternehmen verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das kann die Konjunktur bremsen.

Mit ihrem Urteil stellen sich die Verfassungsrichter gegen den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Dieser hatte dem Kaufprogramm im Dezember 2018 gegen massive Bedenken aus Karlsruhe seinen Segen erteilt. Diese Vorabentscheidung aus Luxemburg sei «schlechterdings nicht mehr nachvollziehbar», hiess es in der Entscheidung der deutschen Verfassungsrichter. (aeg/sda/awp/reu/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Dragona 06.05.2020 17:35
    Highlight Highlight Das Deutsche Verfassungsgericht kann die Entscheidung des EuGH falsch finden, das ist etwa vergleichbar mit einem Baby das sich gegen das impfen wehren will. Die Autorität entscheidet was gut ist für das Kind nicht das unmündige Kind. Man versucht sogar, dass man dem Kind einen dauernden Vormund verpassen kann.
  • Ueli der Knecht 05.05.2020 22:55
    Highlight Highlight Angesichts

    der massiv aufgeblähten Bilanzsumme der Nationalbank, und

    dass davon mehr als die Hälfte riskante Positionen sind, und

    vorallem dass rund die Hälfte davon in ausländischen Aktien angelegt ist,
    wobei aber die mit den Aktien verbundenen Aktionärsrechts, insbesondere die Mitwirkung und Stimmrechte einfach vergammeln,

    und angesichts des Verhältnismässigkeitsprinzip, das auch in der Schweiz dem staatlichen Handeln Grenzen setzen würde,

    stellt sich die Frage, ob auch die SNB-Währungspolitik gemäss Art. 99 BV verfassungswidrig ist und Art. 5, Abs. 2 BV grob missachtet.
    • Dragona 06.05.2020 20:53
      Highlight Highlight Ja, ich erinnere mich gut als der Goldpreis um den Jahrtausendwechsel herum am Boden war, da verkaufte man den grösseren Teil des physischen Goldes mit dem Argument dass man das nicht mehr brauche. Aus meiner Sicht ist die Währungspolitik der SNB verfassungswidrig.
  • Der Rückbauer 05.05.2020 13:58
    Highlight Highlight Die Verfassungsrichter im Dienste von Politik und Wirtschaft. Ein bisschen sagen, ihr "Pözen", um das Volk zu beruhigen (man sagt dem Opium für das Volk). Im übrigen aber alles OK, ihr bei der EZB könnt weiter machen mit dem Fiatgeld.
    Der Target 2 Saldo zugunsten von Deutschland beträgt bald 1 Milliarde Eurolitos. Die Rechnungen, welche Deutschland für exportierte Güter (v.a. Werkzeugmaschinen und Autos) in die EU ausstellt, bezahlen "die Deutschen" selbst, d.h. das Volk, welches immer mehr verarmt. Der Target 2 Saldo wird nie ausgeglichen.
  • amore 05.05.2020 13:55
    Highlight Highlight Ach Deutschland! Die Deutschen meinen immer, sie seien die Oberfeldherren von Europa. Mit ein Grund, warum Europa in dieser Struktur auf Dauer nicht existieren kann.
  • walsi 05.05.2020 12:36
    Highlight Highlight Jetzt ist das Verfassungsgericht zu weit gegangen. Es wird wohl eine Reform geben wo die deutsche Regierung das Verfassungsgericht zurückbinden wird.
    • misohelveticos 05.05.2020 16:24
      Highlight Highlight Glaubst Du, Deutschland wäre Polen oder Ungarn, wo man mal eben die Justiz gleichschalten kann?
      Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass d. Bundesregierung u. d. Bundestag dem Ankaufprogramm entgegenzutreten haben und die dt. Bundesbank es nach Ablauf von 3 Monaten nicht mehr unterstützen darf. Jetzt werden vermutlich Verhandlungen zwischen D u. EU erfolgen, wie man die ganze Sache verfassungsgerecht gestalten kann, nicht mehr und nicht weniger.
      Immer wieder interessant, wenn Schweizer, die kein Verfassungsgericht haben, meinen, sich zur dt. Rechtsprechung äussern zu müssen.

    • Ueli der Knecht 05.05.2020 16:31
      Highlight Highlight Das Verfassungsgericht ist vielmehr der Ansicht, dass der EuGH zu weit gegangen sei, und es dem Gericht bei ihrem Entscheid am "erforderlichen Mindestmass an demokratischer Legitimation" fehlt.
    • Skeptischer Optimist 05.05.2020 18:41
      Highlight Highlight Das deutsche Verfassungsgericht macht sich lächerlich. Die Grossmeierei wird ihm nicht gut tun.
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