Wirtschaft
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The word 'Yes' in Greek is seen on a sticker as pro-Euro demonstrators attend a rally in front of the parliament building, in Athens, Greece, June 30, 2015. Greece's conservative opposition warned on Tuesday that Sunday's vote over international bailout terms would be a referendum over the country's future in Europe, and that wages and pensions would be threatened if people were to reject the package.  REUTERS/Christian Hartmann       TPX IMAGES OF THE DAY

Griechinnen in Athen demonstrieren für ein «Ja». Bild: CHRISTIAN HARTMANN/REUTERS

Nobelpreisträger stützen Tsipras' Nein-Kurs – ein Ja hiesse einfach «Weiter so»

Die Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz empfehlen den Griechen, beim Referendum ein Nein in die Urne zu legen.

Christoph Bopp / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Abstimmungen haben den Vorteil, dass sie klipp und klar sind. Ein Ja ist ein Ja und ein Nein ist ein Nein. Abstimmungen haben den Nachteil, dass sie ein komplexes Problem zu sehr vereinfachen, dass sie eine eindeutige Stellungnahme erzwingen, wo man gerne etwas differenziert hätte. Bestimmte Leute halten das Abstimmen für Demokratie pur, dabei ist das grundfalsch. Demokratie ist – in ihrer ursprünglichen Variante – vor allem Deliberation. Auf Deutsch kann man das als «Erwägen» übersetzen, es hätte aber auch ein stark analytisches Element und vor allem gehört zwingend Wissen um die Sache dazu.

epa04825135 Ballot papers for 5th July referendum is displayed at the State Printing Office in Athens, Greece, 30 June 2015. European leaders have made a last-minute offer to Greek Prime Minister Alexis Tsipras in a bid to solve his country's bailout crisis, which has reached fever pitch after Tsipras on 26 June unexpectedly called for a referendum on the terms of a bailout deal, putting an abrupt end to the aid negotiations and leading to a cap on Greek emergency bank loans and forcing Athens into capital controls. Greek voters will decide in a referendum whether their government should accept an economic reform package put forth by Greece's creditors.  EPA/SIMELA PANTZARTZI

Der Stimmzettel. Bild: EPA/ANA-MPA

Das anstehende Referendum in Griechenland ist aber nicht dazu geeignet, sich deliberativ um die Lösung des Problems zu kümmern, es wird nicht einmal eine klare Position liefern. Anders als 2011, als der damalige Premierminister Georgios Papandreou schlaumeierisch sein Volk abstimmen lassen wollte, ist dieses Referendum aber immerhin nicht scheinheilig.

Im Euro bleiben ...

Wenn Schäuble und Co. über die «frechen Griechen» lamentieren, welche mit diesem Referendum hinterhältig die Verhandlungen platzen liessen, dann waren sie nie im Bild, unter welchen Zeichen diese griechische Regierung in die Verhandlungen gestiegen war. Tsipras/Varoufakis wollten nicht darüber diskutieren, an welchen Rädchen und Schräubchen allenfalls noch etwas gedreht werden könnte, sondern sie hielten sich an ihr Wahlversprechen: «Schluss mit dieser unsinnigen Austeritätspolitik!», hatten sie ihren Bürgern versprochen. Aber natürlich hatten auch sie keine Alternative. Das Einzige, was sie auch noch wussten, war, dass die Mehrheit der Griechen eigentlich im Euro bleiben wollte. Drachmen-Abenteuer fanden die Griechen auch nicht lustig.

epa04823299 A picture dated 15 January 2015 shows Euro and Drachme bills and coins. Greece is imposing capital controls and ordering the closure of banks, Prime Minister Alexis Tsipras said 28 June 2015, as Athens scrambles to avert the collapse of the country's financial system. June 30 is the day Greece must make a debt repayment of 1.6 billion euros (1.7 billion dollars) to the IMF, raising the spectre of a default and exit from the eurozone if the payment is missed.  EPA/ROLAND SCHLAGER

Alte Drachmen auf Euro-Noten Bild: EPA/APA

Es hat nicht funktioniert ...

Was auf dem Abstimmungszettel steht, ist eigentlich egal. Worüber abgestimmt wird, ist die Austeritäts-Rosskur. Die ist – das dürfte mittlerweile intellektuelles Gemeingut sein – mehr als gescheitert. Das Sparen hat Griechenland den Rest gegeben. Die Antwort auf dem Stimmzettel kann deshalb nur «Nein» lauten. Das empfehlen die Nobelpreisträger Paul Krugman (in seinem Blog in der «New York Times») und Joseph Stiglitz (in einem Text im «Guardian») einhellig.

... also ziehen wir's durch

Der Troika-Politik applaudieren? «Ich wüsste, was ich stimmen würde», schreibt Stiglitz. Ein «Ja» wäre die unselige Hoffnung, nach unendlichem Leidensweg am Ende doch noch «Gnade» zu finden, ein Schuldenerlass ins Grab hinunter. Und Krugman bemüht gar einen schwierigen Vergleich. Die Troika hätte einen «umgekehrten Corleone» gemacht. Im Film sagt der Mafioso: «Mein Angebot ist ... nichts.» «Umgekehrt» heisst dann wohl: Ein Angebot, das Tsipras nicht annehmen konnte. Alles, was jetzt noch läuft, ist Wahlpropaganda, mit dem klaren Ziel: Liebe Griechen, räumt uns endlich diese Regierung weg! Und wenn die EU-Finanzminister ihre Wunschregierung kriegen, dann ginge das unselige Murksen einfach unendlich weiter. 

A supporter of the NO vote in the upcoming referendum holds a banner with colors of the Greek flag reading ''NO, OXI'' during a rally at Syntagma square in Athens on Monday, June 29, 2015. Anxious Greek pensioners swarmed closed bank branches and long lines snaked outside ATMs as Greeks endured the first day of serious controls on their daily economic lives ahead of a July 5 referendum that could determine whether the country has to ditch the euro currency and return to the drachma. (AP Photo/Daniel Ochoa de Olza)

Bild: Daniel Ochoa de Olza/AP/KEYSTONE

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    Alle Leser-Kommentare
  • G. Schmidt 01.07.2015 09:52
    Highlight Highlight Ein "Nein" an der Urne hätte einen Grexit zur Folge.
    Also Ausstieg aus der Währungsunion und Bildung einer eignen Währung, die wahrscheinlich massiv abgewertet wird bis diese die Wirtschaftskraft des Landes widerspiegelt. Aus meiner Sicht längerfristig die beste Option, doch das Land würde kurzfristig mit einer Hyperinflation und einer massiven Rezession kämpfen.
    Eine Währungsunion sollte nur eingeführt werden, wenn Länder die selbe Wirtschaftskraft haben. Bei der EU wurde der EURO hingegen zum Objekt der politischen Vereinigung hochsterilisiert, dass aber nicht sinnvoll ist.

    • saukaibli 01.07.2015 14:23
      Highlight Highlight Du hast es korrekt beschieben. Man merkt jetzt wieder die Kurzsichtigkeit (oder auch Dummheit) der Politiker, als sie unbedingt den Euro einführen mussten. Eine einheitliche Währung funktioniert nur mit Finanzausgleich zwischen wirtschaftlich unterschiedlich starken Regionen. Ohne Finanzausgleich wäre die Schweiz schon lange im Chaos versunken. Dazu kommt, dass alle Länder getrickst haben um die Kriterien für die Eurozone zu erreichen. Mit Finanzausgleich und -kontrolle der einzelnen EU-Länder wären die Probleme niemals so gravierend. Viele machten Fehler, die Griechen müssen es jetzt ausbaden
  • Der Tom 01.07.2015 09:02
    Highlight Highlight Schon klar aber Geld und nicht Wissen und schon gar nicht Nachhaltigkeit regiert die Welt.

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