Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bitcoin steht vor einem weiteren Scheideweg. Im November wissen wir mehr.

Um Bitcoin tobt ein Machtkampf – und trotzdem steigt der Preis! Wir erklären weshalb

11.10.17, 14:17 03.04.18, 16:44


Um die Mutter aller Kryptowährungen ist ein Streit entfacht. Ein Streit, der im Moment vor allem sein positives Gesicht zeigt: ein Börsenkurs, der steil nach oben zeigt. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein.

Weshalb wird denn gestritten?

Bitcoin hat Schwächen und muss sich weiterentwickeln: Zum Beispiel bei den Transaktionskosten oder auch bei der Transaktionsgeschwindigkeit. Andere, ebenfalls auf der Blockchain-Technologie basierende Projekte sind Bitcoin nicht nur in dieser Hinsicht bereits überlegen.

Um den Anschluss nicht zu verpassen, braucht es Updates. Und genau darum geht es bei diesem Streit. Die verschiedenen Parteien sind sich nicht mehr einig, wie dieses aussehen soll. 

ZUM BEZUG VON BITCOINS AM BANKOMATEN STELLEN WIR IHNEN HEUTE, DIENSTAG, 22. AUGUST 2017, FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---  [Symbolic Image, Staged Picture] A person buys bitcoins from a bitcoin machine of the Falcon Private Bank, pictured in Zurich, Switzerland, on August 16, 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler)

[Symbolbild, Gestellte Aufnahme] Eine Person bezieht Bitcoins von einem Bitcoin-Geldautomaten der Falcon Private Bank, aufgenommen am 16. August 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Man sieht sie, aber nur selten: Bitcoin-Automaten. Noch sind ihre Transaktionszeiten für den Alltagsgebrauch zu gross. Bild: KEYSTONE

Okay, es geht um ein Update ...

Genau: Ursprünglich wurde für Bitcoin ein Update-Paket beschlossen. Das sogenannte SegWit2x. Segwit2x besteht aus zwei Elementen, einem Update auf SegWit und einer Erhöhung der Blockgrösse in der Blockchain von einem Megabyte auf zwei Megabyte.

Das Update auf SegWit erfolgte im August – und verlief ebenfalls nicht ohne Streit. Als Folge dieses Zwists entstand die zusätzliche Kryptowährung Bitcoin Cash.

Im November, so will es die ursprüngliche Abmachung (das sogenannte New-York-Protokoll), soll nun die Blockgrössenerweiterung stattfinden. Doch dagegen regt sich Widerstand. Frühere Supporter dieser Idee haben sich plötzlich zurückgezogen. Es herrscht ein Machtkampf.

Was sind die möglichen Konsequenzen dieses Streits?

Eine Anpassung der Blockgrösse ist nur durch eine sogenannte «Hard Fork» möglich – eine radikale Abnabelung von der alten Blockchain. Im Idealfall stirbt die alte Version ab und die neue kann ungestört prosperieren. Die Gegner der Blockchainvergrösserung wollen die alte Blockchain aber am Leben erhalten. Die Folge ist, dass zwei verschiedene Blockchains und damit auch zwei Kryptowährungen weiterexistieren würden.

Ist doch kein Problem! Koexistenz!

So einfach ist es nicht. Die wichtigste Frage, die geklärt werden muss, ist, welche der beiden Währungen sich weiterhin Bitcoin nennen darf und wer einen neuen Namen (Bitcoin Gold zum Beispiel oder Bitcoin 2X) annehmen muss? Beide Parteien nehmen im Moment das Label Bitcoin für sich in Anspruch. 

Ein weiteres Problem ist, dass das Bitcoin-Netzwerk aus verschiedenen Pfeilern besteht: Miner, Entwickler, User und Business-Leute. Nur ein Zusammenspiel dieser Gruppen ermöglicht das Funktionieren des Netzwerks.

Es sind aber genau Exponenten dieser Gruppen, die unterschiedliche Vorstellungen der Blockgrösse haben. So haben bereits diverse Entwickler angedroht, ihre Arbeit an Bitcoin niederzulegen, sollte sich die Angelegenheit nicht in ihrem Sinne entwickeln.

FILE - In this Thursday, March 20, 2014, file photo, Christopher David uses a Robocoin kiosk to sell bitcoins outside of the 500 Startups' Bitcoinference in Mountain View, Calif. Bitcoin, the digital currency, is the payment of choice for HBO’s cyberattackers. Bitcoin allows people to buy goods and services and exchange money without involving banks, credit card issuers or other third parties. It remains relatively little used, but holds big appeal for tech enthusiasts, speculators and criminals. (AP Photo/Jeff Chiu, File)

Die Chancen stehen gut, dass wir nach Bitcoin Cash bald eine weitere Bitcoin-Abspaltung sehen werden. Bild: AP/AP

Uiuiui. Tönt ja schlimm. Und trotzdem steigt der Preis?

Das liegt an der Architektur der Blockchains. Eine potentiell neue Kryptowährung basiert auf derselben Blockchain wie Bitcoin. Deshalb werden bei einer Abnabelung aus Bitcoinbesitzern automatisch auch Halter der neuen Währung (sofern man im Besitz der eigenen Schlüssel ist und die Coins nicht auf einer Tauschbörse gelagert werden). Die Annahme ist nun, dass bei einer Koexistenz ohne gegenseitige Kompatibilität diese Coins verkauft werden könnten, ohne den Verlust der Original-Bitcoins zu riskieren. Jetzige Bitcoin-Besitzer kämen quasi zu «Gratis»-Coins.

Unter anderem auch wegen dieser Annahme ist die Nachfrage nach Bitcoin und damit auch der Preis in den letzten Tagen wieder drastisch gestiegen.

Aber dann müsste sich der Preis von Bitcoin doch gleich nach der Abnabelung  (um den Wert der neuen Währung) verringern!

Ja, das wäre die logische Konsequenz. Doch logisch ist im Kryptomarkt nicht mehr viel. Die Annahme der jetzigen Investoren ist, dass die Einnahmen mit dem Verkauf des neuen Coins höher liegen, als der Verlust durch den Bitcoin-Kurssturz.

Wie der unlogische Kryptomarkt so spielt, kann es sogar sein, dass der erwartete Kurssturz ausbleibt, das Gegenteil eintrifft und der Kurz explodiert. Das ist Teil der Spekulation, das ist Teil des Spiels, das ist Teil der Faszination. In dem Sinn: Viel Glück in den kommenden Tagen. Es kann noch heiter werden.

So funktioniert Kleidernähen im digitalen Zeitalter

Video: watson

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

17
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tatwort 12.10.2017 01:38
    Highlight Wem soll ich vertrauen: Einer Gruppe von Leuten, denen primär (pekuniäre) Macht am Herzen liegt, die also mit allen Mitteln versuchen, sich die Zukunft von Bitcoin für den eigenen Profit unter den Nagel zu reissen,
    oder
    einer Gruppe von Entwicklern, zugegebenermassen zum Teil semi-autistisch, aber im Bewusstsein, dass es hier um viel Geld geht. Auch um das anderer Leute. Und dass deshalb Sicherheit das oberste Gebot ist?
    Ich für meinen Teil habe mich schon vor langem entschieden: NOX2. Segwit ja, Segwit2X/NYA Nein.
    6 0 Melden
  • salamandino 11.10.2017 19:33
    Highlight Mein Input dazu:
    28 0 Melden
    • remim 11.10.2017 21:36
      Highlight 😎😎😎
      12 0 Melden
  • Tikvaw 11.10.2017 15:47
    Highlight Bei Bitcoin Cash ist zumindest am Anfang der Kurs tatsächlich explodiert. Wer seine "gratis" BitcoinCash danach auf dem Höchststand verkaufen konnte, erhielt pro Coin ~$850. Zurzeit sind es immerhin noch ~$300.

    Genauso wird es (eventuell) mit dem neuen Fork laufen.
    Wenn man also jetzt Bitcoins kauft besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass man den neuen Altcoin ebenfalls wieder mit Profit verkaufen kann. Wann bei diesem dann der Zeitpunkt zum Verkauf gekommen ist, ist natürlich DIE Frage ;-)



    3 0 Melden
    • djangobits 11.10.2017 19:36
      Highlight Genau diese 'Free Money' Gier wird dazu führen, dass es immer wieder Splits gibt, bis der Ruf von BTC endgültig ruiniert ist. Boykottiert die Splitcoins einfach.
      14 0 Melden
    • Tikvaw 12.10.2017 10:09
      Highlight Ach bitte... "Bitcoin" als "Retter der Menschheit" vor den "bösen Banken und Shareholders" ist doch schon seit Jahren gestorben (hatte nie die Chance).

      Das ist ja gerade das witzige daran. Die Bitcoin Community hat sich mit ihrem eigenen kapitalistischen Denken selbst zerfleischt.
      Oder noch besser: sie hat die inhärente menschliche Gier tabulos ans Licht gebracht.

      Und Schuld an diesen "Splits" ist nicht der einzelne Spekulant oder Käufer sondern die Mining-Konglomerate etc, die (wer hätte es gedacht) in den Händen von reichen Kapitalisten liegen.
      4 0 Melden
  • freezeee 11.10.2017 15:10
    Highlight @Partik Toggweiler Heisst das ich bekomme ein Bitcoin Gold gratis wenn ich ein Bitcoin halte, aber nur in einem Cold Wallet z.B JAXX wallet?
    8 0 Melden
    • xHascox 11.10.2017 18:48
      Highlight Bei der tauschbörse poloniex erhielt man als btc besitzer auch bitcoincash
      3 0 Melden
    • Patrick Toggweiler 11.10.2017 23:03
      Highlight @freezeee: Im Moment sieht es danach aus. Wie die Fork dann tatsächlich abläuft und ob überhaupt genug Hash-Power vorhanden ist für eine weitere Währung, wird sich zeigen. Sicher ist im Moment nur die Unsicherheit.
      4 0 Melden
  • djangobits 11.10.2017 14:41
    Highlight Das NYA (New York Agreement) war eine Zusammenkunft einiger weniger reicher Akteure und einer Mehrheit von Bitcoin Mining-Pool Betreibern. Sie wollen insbesondere dem aktuellen Bitcoin Core Entwicklerteam den Einfluss entziehen. Wenn SegWit2x (der Vorschlag des NYA) damit durchkommt, wird Bitcoin noch stärker zentralisiert und der Kontrolle der Miner unterworfen. Auch wenn die Core Entwickler nicht Grad offen für neues sind, sind sie doch die besseren Hüter über das Protokoll. SegWit2x ablehnen!
    13 0 Melden
    • bobi 11.10.2017 18:34
      Highlight Wer entscheidet letztlich wie es weitergeht?
      1 0 Melden

Vom Schuldenberg zum Millionär – Die unglaubliche Geschichte eines Zürcher Bitcoin-Zockers

Drei schlaflose Jahre, Schulden bei der Oma und ein Ultimatum der Freundin: Yves bezahlte einen hohen Preis für seine Sucht. Durch das Hochrisikospiel mit dem digitalen Geld häufte er massig Schulden an. Doch heute fährt er mit dem Lotus vor.

Am 24. Juni 2016 war er am Ende. Mit Tränen in den Augen sass Yves Welti, Lebemann, Versicherungsangestellter und Bitcoin-Hasardeur, auf dem Sofa seiner Grossmutter und erzählte ihr alles. Sie war die einzige Person, der er sich anvertraute. Und vielleicht auch die Einzige, die ihn verstand.

Innert zweieinhalb Jahren hatte er 180'000 Franken verloren, einen Schuldenberg von über 90'000 Franken angehäuft und als Nebeneffekt auch sein Leben ins Verderben geritten. Trotz fortlaufender Lohnzahlung …

Artikel lesen