Wirtschaft
Öl

Ölpreise: Wie sie entstehen und warum Brent-Rohöl so wichtig ist

Wer den Ölpreis bestimmt – und warum immer alle von diesem «Brent» reden

Noch gibt es genügend Öl auf der Welt – und trotzdem steigen die Preise immer wieder drastisch in die Höhe. Warum ist das so? Wie entstehen diese Preise eigentlich? Und weshalb sprechen alle immer nur vom «Brent-Rohöl»?
12.03.2026, 20:0812.03.2026, 20:20

Trotz der angestrebten Energiewende ist die Welt noch immer schmerzlich abhängig von Öl und Gas. Das zeigt sich in Krisenzeiten wie jetzt besonders: In der Aussicht auf einen längeren Krieg im Nahen Osten und einer damit verbundenen Verknappung steigen die Preise des «Schwarzen Goldes» jetzt zum Teil drastisch an.

Da länger erhöhte Ölpreise eine riesige Gefahr für die Weltwirtschaft darstellen und uns in nächster Zeit weiter beschäftigen werden, schauen wir uns den globalen Ölmarkt genauer an.

Wie steht es gerade um die Ölpreise?

Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die globalen Ölpreise vor allem durch eines gekennzeichnet: ihre Volatilität. Das heisst, sie sind geprägt von vergleichsweise starken und kurzfristigen Schwankungen. Zurzeit reagieren die Preise schnell auf die neusten Entwicklungen im Nahen Osten. So deutete Donald Trump am Montag ein «baldiges Ende» des Krieges an. Und am Mittwoch entschieden sich die Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA), ihre nationalen Ölreserven freizugeben.

In der Aussicht auf eine Entspannung sowie auf einen Beitrag zum weltweit vorhandenen Ölangebot liessen die Ölpreise etwas nach – nur um am Donnerstag wieder stark anzuziehen. Der Grund waren die Berichte über eine iranische Sprengung zweier Öltanker in der Strasse von Hormus.

Als kritische Marke für die wirtschaftlichen Folgen und für die globalen Märkte gilt ein Preis der wichtigsten Rohöl-Sorte Brent von 100 Dollar pro Barrel. Diese Marke wurde zuletzt in den Monaten nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 geknackt.

Nun war dies erneut der Fall: zum Beispiel am 9. März, als der Preis für Brent-Rohöl phasenweise auf bis über 116 Dollar pro Barrel kletterte, und auch am Donnerstag wurde die 100-Dollar-Marke wieder geknackt.

Auch wenn es immer mal wieder etwas Entspannung gibt: Befürchtet wird, dass die Öl- und Gaspreise noch länger unüblich hoch bleiben – mit drastischen Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

Warum spricht man immer vom «Brent-Rohöl»?

Brent-Rohöl ist heute der wichtigste Referenzpreis für den weltweiten Einkauf von Öl. Das heisst, alle weiteren Preise für Ölprodukte werden davon beeinflusst.

Ursprünglich bezeichnete Brent das Rohöl, das aus einem bestimmten Ölfeld mit demselben Namen aus der Nordsee stammte und seit 1971 von der Firma Shell UK gefördert wurde. Ende des 20. Jahrhunderts begann diese Quelle zu versiegen, doch der Name Brent war längst eine Art Marke: Da dieses Rohöl das erste war, das an den Finanzmärkten gehandelt wurde, galt es bald als Referenzpunkt für Händler und Spekulanten.

Brent oilfield. North Sea. Brent oilfield. North Sea. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZB5436_241318_0170
Ein Brent-Ölfeld in der Nordsee (2003). Bild: imago images

Da das Interesse für die Wirtschaft gross war, diese Benchmark zu erhalten, wurde die Definition, was alles unter «Brent-Rohöl» laufen darf, immer breiter gefasst. Zunächst beinhaltete dies weitere Ölfelder in der Nordsee. Doch 2015 begannen die USA, ihr Rohöl zu exportieren und vieles davon gelangte nach Europa. Gleichzeitig gab es immer weniger Rohöl aus den Brent-Ölfeldern – 2021 wurde das letzte Mal Öl aus den vier Brent-Plattformen gefördert.

Der Name «Brent»
Shell UK benannte seine Ölfelder jeweils nach Vögelarten. Das Ölfeld, aus dem Brent-Rohöl ursprünglich stammt, wurde nach der «Brent Goose» benannt, auf Deutsch: die Ringelgans.
infobox image
Bild: www.imago-images.de

Gemäss einer Öl- und Energieexpertin ist Brent deshalb mittlerweile nicht mehr nur Öl aus der Nordsee: Brent sei nicht mehr nur eine Ölsorte, sondern «ein Markenname für eine Reihe von Kontrakten, Terminkontrakten, Futures, Swaps und Optionen [alles Finanzprodukte]. Es ist wie Coca-Cola oder Pepsi oder so etwas in der Art», so die Expertin gegenüber CNN. Und: Demnach könne es heute gut sein, dass bei einem Kaufvertrag, basierend auf Brent-Rohöl, in der Realität zu grösseren Teilen das US-amerikanische Rohöl aus Texas, WTI Midland, dahinterstecke.

Zu den wichtigsten Rohölsorten gehören neben Brent übrigens das genannte West Texas Intermediate (WTI, aus den USA) sowie Dubai- oder Oman-Rohöl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Warum ist Öl nicht gleich Öl?

Rohöl, Symbolbild, Crude Oil
Symbolbild: Rohöle können verschiedene Farben, Konsistenzen und Zusammensetzungen aufweisen.Bild: Shutterstock

Was oft wenig bekannt ist: Die verschiedenen Rohölsorten können sich in ihrer Farbe, Konsistenz und Zusammensetzung stark unterscheiden. So ist zum Beispiel Öl aus dem Iran eher hell und gelblich, dasjenige von der arabischen Halbinsel grünlich, das Rohöl aus Venezuela hingegen pechschwarz.

Zwei der wichtigsten Qualitätsmerkmale sind die Dichte und der Schwefelgehalt. Die Dichte reicht von leicht bis schwer (gemessen anhand der sogenannten API-Schwerkraft), während der Schwefelgehalt als süss oder sauer charakterisiert wird.

Ein höherer API-Wert bedeutet leichteres Rohöl, aus dem eher Benzin und Kerosin gewonnen werden können, während ein niedrigerer API-Wert schwereres Rohöl bedeutet, das mehr Energie und komplexere Raffinerieanlagen erfordert. Leichte und süsse Rohöle sind in der Regel teurer als schwere, saure Rohöle.

Dichte und Schwefelgehalt von verschiedenen Rohölen

Dichte und Schwefelgehalt von ausgewählten Rohölen, Rohöl
Das Bild zeigt verschiedene Rohöle und deren Herkunft sowie deren Schwefelgehalt und API-Schwerkraft.Bild: energy information administration (EIA)

Wie kommen Ölpreise zustande?

Die einfache Antwort ist: durch Angebot und Nachfrage. Doch die Realität ist etwas komplizierter. Zunächst ist es wichtig, den Ölmarkt zu verstehen und was diesen ausmacht:

  • Öl ist eine begrenzte Ressource, die auf dem Weltmarkt gehandelt wird. Der Preis ist daher das Produkt von globalen Akteuren auf der ganzen Welt.
  • Das Angebot stammt weitgehend von einer relativ kleinen Gruppe an ölfördernden Ländern: der OPEC (zwölf Staaten) sowie deren Partnerländern (weitere elf Länder, gemeinsam bekannt als OPEC+).
  • Die OPEC-Staaten treffen sich in der Regel einmal im Monat, um über die geplanten Fördermengen zu diskutieren. Dabei steht der für sie maximale Ertrag im Vordergrund.
  • Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage von Rohöl sind, was man in der Wirtschaft als «inelastisch» bezeichnet.

Was bedeutet das? Inelastisch heisst, dass die Nachfrage respektive das Angebot nicht stark auf Preisänderungen reagiert – oder reagieren kann. Der Grund liegt in der Natur der Sache:

Die Nachfrage wird bestimmt durch unseren täglichen Verbrauch, der sich eher langfristig ändert. Zudem gibt es kurzfristig keine Substitutionsmöglichkeiten: Wird beispielsweise Benzin an der Tankstelle teurer, können wir das Auto nicht mit etwas anderem befüllen. Und zuletzt ist Öl weiterhin ein notwendiges Gut – es ist ein grundlegender Rohstoff für Transport, Stromerzeugung und Produktion, was bedeutet, dass es unabhängig von Preissteigerungen benötigt wird.

Die Produktion ist ebenfalls höchst inelastisch, da die Rohölproduktion nur begrenzt hoch- oder runtergefahren werden kann: Bohrinseln, Pipelines und Raffinerien können nicht über Nacht gebaut oder erweitert werden. Und die Erschliessung neuer Ölfelder dauert Jahre, sodass es schwierig ist, die Produktion sofort zu steigern, wenn die Preise steigen.

Bei allen weiteren Produkten aus Rohöl – wie Benzin, Kerosin, Heizöl – spielt der Rohölpreis zwar eine grosse Rolle (geschätzt wird etwa 50 Prozent), allerdings nicht nur. So werden Benzinpreise zusätzlich bestimmt durch Raffineriekosten, Vertrieb und Marketing, Steuern sowie durch den lokalen Wettbewerb durch die Tankstellen und die saisonale Nachfrage.

Öl an den Finanzmärkten
Der Ölhandel beinhaltet Spekulationen auf den Preis von Rohöl – in der Regel Benchmarks wie Brent oder WTI – unter Verwendung von Finanzinstrumenten wie sogenannten Differenzkontrakten (CFDs).
Bei dieser Art von Vertrag wird die Differenz zwischen dem Eröffnungs- und dem Schlusskurs von Rohöl ausbezahlt: Ist der Schlusskurs höher als der Eröffnungskurs, zahlt der Verkäufer den Gewinn an die Käuferin aus. Wenn der Schlusskurs niedriger als der Eröffnungskurs ist, muss die Käuferin die Differenz an den Verkäufer zurückzahlen. CFDs ermöglichen es Anlegern, auf Kursbewegungen zu spekulieren, ohne den zugrunde liegenden Vermögenswert je zu besitzen. Wichtig: CFDs bestimmen aber auch massgeblich die kurzfristigen Rohölpreise an den Finanzmärkten.
infobox image
Bild: keystone

Als Fazit kann daher gesagt werden: Langfristig bestimmen Angebot und Nachfrage von Öl den Preis. Aber kurzfristig sind es vielmehr Schlagzeilen rund um das Weltgeschehen sowie die damit verbundenen Erwartungen in die Zukunft, welche die Preise nach oben oder wieder nach unten treiben können.

Wie steht es im Moment um Angebot und Nachfrage?

Die gute Nachricht ist, dass weltweit noch immer genügend Öl vorhanden ist, um die Nachfrage zu decken: «Die Verbraucherländer verfügen über erhebliche Ölvorräte, um vorübergehende Versorgungsausfälle zu überbrücken», versichert die Internationale Energieagentur (IEA). Die 32 IEA-Mitgliedsländer haben sich am 11. März einstimmig darauf geeinigt, 400 Millionen Barrel Öl aus ihren Notreserven für den Markt freizugeben – die grösste Freigabe in der Geschichte der Agentur. Die weltweit beobachteten Ölvorräte erreichten gemäss IEA im Januar den höchsten Stand seit Februar 2021. Davon entfielen 50 Prozent auf die OECD-Länder, 15 Prozent auf chinesische Rohölvorräte, 25 Prozent auf Öl auf See und der Rest auf andere Nicht-OECD-Länder.

Dennoch sind die Preise seit Ausbruch des Kriegs markant gestiegen. Das zeigt exemplarisch, wie der Ölmarkt eben auch funktioniert: Er preist Erwartungen meistens mit ein. Das heisst, die Preise reagieren schneller, als sich eine allfällige Knappheit in der Realwirtschaft effektiv bemerkbar machen würde. Das hat mit den Erwartungen für die Zukunft zu tun und damit, dass viele Geschäfte jetzt bereits für die Zukunft getätigt werden.

Die IEA sagt in ihrem neusten Öl-Bericht jedoch auch klar und deutlich:

«Der Krieg im Nahen Osten verursacht die grösste Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes.»
IEA

Demnach sind die Rohöl- und Ölprodukteströme durch die Strasse von Hormus von etwa 20 Millionen Barrel pro Tag vor dem Krieg auf derzeit nur noch einen Bruchteil zurückgegangen. Gleichzeitig haben die Golfstaaten ihre Gesamtölproduktion um mindestens zehn Millionen Barrel pro Tag gedrosselt. Allerdings ist in dieser Zeit auch die Nachfrage gesunken: So hat gemäss IEA die Aussetzung von Flügen an grossen Flughäfen im Nahen Osten mit Auswirkungen auf Drehkreuze in anderen Regionen zu einem erheblichen Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Flugbenzin geführt.

Die IEA rechnet damit, dass die weltweite Ölversorgung im laufenden Jahr wieder steigen wird – wobei «der gesamte Anstieg auf Nicht-OPEC+-Produzenten zurückzuführen sein wird». Bereits jetzt wurden die Kürzungen im Nahen Osten teilweise durch höhere Fördermengen der Nicht-OPEC+-Produzenten Kasachstan und Russland ausgeglichen.

Was bedeutet das alles? Wie während dieses Iran-Kriegs schon so oft gesagt wurde, kommt es am Ende auf die Länge des Unterbruchs von Teilen der Ölförderung sowie des Transports an. Die IEA bilanziert: «Die endgültigen Auswirkungen des Konflikts auf die Öl- und Gasmärkte und die Gesamtwirtschaft hängen nicht nur von der Intensität der militärischen Angriffe und den Schäden an Energieanlagen ab, sondern entscheidend auch von der Dauer der Unterbrechungen des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 25
Iran-Krieg in Bildern

Der Krieg im Iran hat zur Folge, dass die Ölpreise weltweit steigen.

quelle: keystone / altaf qadri
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Neues Video zeigt den Öltanker-Angriff aus Iranischer Sicht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
26 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
26
Flughafen Zürich verzeichnet 11. (!) Rekordmonat in Serie
Auch im Februar 2026 stellt der Flughafen Zürich einen neuen Rekord auf. Zum elften Mal in Serie wurde ein neuer Monatsrekord erreicht.
Im Februar 2026 sind 2’195’690 Passagiere über den Flughafen Zürich geflogen. Das entspricht einem Plus von 7,9 Prozent gegenüber derselben Periode des Vorjahres.
Zur Story