Jetzt Gebühren prüfen lohnt sich – die 3 wichtigsten Punkte
«Ich verstehe nur Bahnhof.»
«Also keine Ahnung – ich wüsste nicht mal, wo ich das nachschauen könnte.»
«Ich glaube so 0,7 Prozent, aber sicher bin ich nicht.»
Solche Sätze höre ich fast täglich in meiner Beratung.
Gebühren bei Finanzprodukten und Tools zu verstehen, fühlt sich für viele an wie die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Trotz aller Bemühungen der Anbieter um mehr Transparenz – und trotz zahlreicher Vergleiche und Artikel – fällt es vielen Menschen schwer, überhaupt herauszufinden, was sie für ihre Anlagen tatsächlich bezahlen.
Das liegt einerseits an den unterschiedlichen Gebührenmodellen und der Vielzahl an Kostenarten, andererseits an den oft komplexen und schwer verständlichen Beschreibungen.
Jetzt im Januar lohnt sich ein Gebührencheck ganz besonders. Denn gerade bei Finanzprodukten können sich über die Zeit hohe Kosten einschleichen, die deine Rendite über Jahre spürbar schmälern. Ein paar Minuten Aufwand jetzt können dir langfristig Tausende Franken sparen.
Damit du im Gebührendschungel nicht den Überblick verlierst, habe ich hier die drei wichtigsten Punkte zusammengefasst, die du prüfen solltest – und mit denen du deine Situation schnell und konkret verbessern kannst.
1. Säule 3a prüfen: Riesen Unterschiede bei Gebühren
Für die meisten von uns sind die Gelder in der Säule 3a über viele Jahre investiert. Genau deshalb zählt hier jedes Zehntelprozent an Gebühren. Was kurzfristig harmlos wirkt, kann langfristig einen guten Teil der Rendite auffressen.
Ein Blick auf aktuelle Vergleiche zeigt - die Kostenunterschiede sind enorm:
- Bankprodukte oft deutlich teurer als Vorsorge-Apps: Klassische Banklösungen können über zehn Jahre zwischen 3’000 und 5’000 Franken an Gebühren kosten – und damit ein Vielfaches dessen, was digitale Vorsorge-Apps verlangen.·
- Vorsorge-Apps mit grossen Kostenunterschieden: Die Moneyland-Analyse zeigt: Selbst unter den Apps variieren die Kosten stark. Der günstigste Anbieter im Vergleich, Liberty Green, kam über zehn Jahre auf rund 303 Franken, während der teuerste Anbieter fast 3’500 Franken kostete!
Je höher die Gebühren, desto tiefer die Netto-Rendite, die am Ende auf deinem Konto ankommt. Wichtig ist dabei aber auch die Einordnung: Beim Vergleich solltest du immer die Anlagestrategie berücksichtigen. In der Regel gilt: Je höher der Aktienanteil, desto höher die Kosten – gleichzeitig steigen aber auch die Renditechancen.
Im Moneyland-Vergleich schnitten für eine diversifizierte Anlage mit hohem Aktienanteil unter anderem folgende Anbieter günstig ab: True Wealth (424–635 CHF), Viac (484–1’331 CHF), Finpension (1’180–1’240 CHF) sowie das neuere 3a-Produkt von Neon (1’232 CHF).
Gerade weil einige von uns die Säule 3a bereits zu Jahresbeginn vollständig einzahlen oder ab Januar mit monatlichen Beiträgen starten, lohnt sich ein 3a-Check im Januar besonders. Nimm deine aktuelle Lösung kritisch unter die Lupe – etwa mit einem unabhängigen Vergleich – und scheue dich nicht vor einem Wechsel. Ein Anbieterwechsel ist in der Regel unkompliziert und innert weniger Tage erledigt.
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2. Aktive vs. passive Fonds: Wo Gebühren den Unterschied machen
Der Unterschied liegt vor allem in der Kostenstruktur:
- Aktive Fonds versuchen, den Markt zu schlagen. Dafür braucht es Research, Management und häufige Umschichtungen – und genau das bezahlen Anleger:innen in Form höherer Gebühren.
- Passive Fonds, meist in Form von ETFs (Exchange Traded Funds), bilden einen Index nach und benötigen deutlich weniger Management. Entsprechend sind die Gebühren in der Regel tiefer und langfristig oft klar im Vorteil.
Gerade bei einem langen Anlagehorizont, etwa für den Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge, lohnt es sich, die TER (Total Expense Ratio) genau zu vergleichen. Je länger dein Geld investiert ist, desto stärker wirkt sich ein tiefer Kostenblock positiv auf dein Endvermögen aus.
Aktive Fonds können sinnvoll sein, wenn sie hochgradig spezialisiert sind und eine klar bessere Rendite erwirtschaften als gewöhnliche Indizes.
Kostet ein Fonds mehr als 1 Prozent pro Jahr, ist es in vielen Fällen sinnvoll, genau hinzuschauen und nach günstigeren Index-Alternativen zu suchen – und einen Wechsel zumindest ernsthaft zu prüfen.
3. Broker- und ETF-Sparpläne: Gebührenmodelle genau vergleichen
Auch bei Broker- und ETF-Sparplangebühren lohnt sich ein genauer Blick – insbesondere dann, wenn du regelmässig investierst. Zwischen den Anbietern gibt es deutliche Unterschiede, nicht nur bei den Kosten, sondern auch bei der zugrunde liegenden Philosophie.
Hier exemplarisch als Illustration für die unterschiedlichen Modelle Beispiele verschiedene Anbieter:
Keine Depotgebühr und Trades in % des angelegten Betrages, Sparplan gratis
In diesem Modell bezahlst du für das Depot nichts und für die Trades je nach Anbieter einen gewissen Anteil des investierten Betrages.
Beispiele sind SAXO Bank Schweiz z.B. Aktien ab 3 CHF / 1 USD (wenn du für 2000 CHF Novartis Aktien kaufst, dann bezahlst du 3 CHF), ETFs ab 0,08% pro Trade (Modell Classic). Der ETF Sparplan Auto Invest ist gratis (keine Gebühren beim Kauf), der elektronische Steuerauszug ist in der Regel inklusive.
Weitere Beispiele sind Yuh (keine Depotgebühren, bei ETFs gibt es die Liste mit wiederkehrenden ETFs kostenlos, Themen ETFs haben Handelsgebühr von 0.5%), Neon Free (keine Depotgebühren, Schweizer Aktien und ETFs 0.5% Gebühren pro Trade, ausländische Aktien 1% Gebühren.
Depotgebühren und Flat Fees pro Trade
Es fällt eine fixe Depotgebühr an, diese kann in % des Wertes deines Depots sein, oder eine fixe Jahresgebühr. Zusätzliche bezahlst du einen fixen Betrag pro Trade. Beispiele sind Swissquote, Bank Zwei Plus etc.
Was vorteilhafter ist hängt sehr von deinen Bedürfnissen ab: Wer grössere Beträge pro Transaktion investiert, kann mit einem Fixpreismodell trotz Depotgebühren allenfalls günstiger fahren. Wer hingegen regelmässig kleinere Beträge investiert, ist mit einem prozentualen Modell oder den sehr kostengünstigen Sparplänen oft besser bedient. Um herauszufinden, was am besten zu dir passt gibt es bei Moneyland einen Brokervergleich.
ETF Sparpläne mit unterschiedlichen Modellen
Auch bei ETF-Sparplänen zeigen sich klare Unterschiede: Bei Fintech-Lösungen wie findependent, Viac Invest oder True Wealth fallen in der Regel Verwaltungsgebühren an, zusätzlich zu den Produktkosten der ETFs, die je nach Aktienanteil variieren. Dafür musst du dich aber um die Zusammenstellung und die Pflege (Re-Balancing) nicht selbst kümmern.
Stellst du deinen ETF-Sparplan selbst zusammen oder nutzt du ein vorgefertigtes Modell – etwa ein Pauschal- oder Fixgebühren-Angebot einer Bank – gelten andere Kostenlogiken. Am günstigsten ist sicherlich die Option ohne Depotgebühren, ETF Sparplan selber zusammenstellen. Dafür musst du aber auf die Pflege des Portfolios selber achten.
Auf weniger sichtbare Kostenpunkte achten
Um unangenehme Überraschungen zu vermeinden lohnt sich auch ein Check der Währungsumrechnungen (Kurse und Kosten), Kosten für den Steuerauszug und spezielle Gebühren, für diese Details muss man dann oft im Kleingedruckten nachschauen.
Jetzt vergleichen und sparen
Da sich die Modelle auch ändern können ist der Januar der perfekte Zeitpunkt für deinen Finanz-Gebührencheck:·
- Schau dir deine Säule-3a-Anlage genau an – hier liegen oft hohe Sparpotenziale verborgen.
- Vergleiche aktiv vs. passive Fonds und hinterfrage, ob du unnötig hohe Managementkosten zahlst.
- Vergleiche die Gebührenmodelle von Brokern und ETF-Sparplänen: Kleine Unterschiede bei Kosten können über die Jahre einen grossen Effekt auf deine Rendite haben.
Es ist nicht immer einfach und braucht etwas Geduld. Etwas Aufwand heute kann dir aber über Jahrzehnte hinweg mehr Netto-Vermögen bringen. Welche Gebührenüberraschung hast du selbst schon erlebt – und wo hast du am meisten sparen können?
