Wirtschaft
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FILE - In this Wednesday, April 8, 2020, file photo, the sun sets behind an idle pump jack near Karnes City, Texas. Demand for oil continues to fall due to the new coronavirus outbreak. As demand for fuel plummeted worldwide and the oil industry faced a devastating drop in oil prices, the U.S. took the rare move of stepping into negotiations involving the member countries of OPEC and non-members such as Russia and Mexico. (AP Photo/Eric Gay, File)

Der Ölpreis reagiert zunächst kaum auf die deutliche Kürzung der weltweiten Ölproduktion. Bild: AP

Diese Folgen hat der historische Öl-Deal für die Wirtschaft und die Konsumenten

Die Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Partner haben sich am Wochenende auf eine historisch geltende Kürzung der Ölproduktion geeinigt. Acht Fragen und Antworten zum Deal.

Andreas Möckli, Gabriela jordan / ch media



Obwohl sich die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) und ihre Partner auf eine Kürzung der Ölproduktion geeinigt haben, reagiert der Ölpreis kaum. Weshalb?

Anfänglich stieg der Ölpreis der Sorte Brent am Montag um 8 Prozent, am Schluss des Tages blieb jedoch nur ein Anstieg von einem Prozent übrig. Am Dienstag sank der Preis wieder leicht. Analysten und Experten verweisen darauf, dass die beschlossene Kürzung der Ölproduktion nicht ausreichen wird, um die tiefere Nachfrage seit Ausbruch der Coronakrise auszugleichen. Die Mitgliedsstaaten der Opec sowie Russland und andere wichtige Ölförderer beschlossen, die Menge um 10 Produzent zu reduzieren, die vor dem Ausbruch der Coronakrise täglich gefördert wurde. Die Nachfrage ist laut Schätzungen jedoch um 30 Prozent gesunken.

Warum ist die Nachfrage so stark eingebrochen?

Derzeit stehen weltweit unzählige Fabriken still, die meisten Flugzeuge müssen am Boden und Schiffe in den Häfen bleiben. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Öl markant. Seit Anfang Jahr ist der Preis der Sorte Brent um über 51 Prozent gefallen.

Parked planes of the airline Swiss at the airport in Duebendorf, Switzerland on Monday, 23 March 2020. The bigger part of the Swiss airplanes are not in use due to the outbreak of the coronavirus. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Flieger der Swiss warten auf dem Militärflughafen in Dübendorf auf den nächsten Einsatz. Bild: KEYSTONE

Welche Ziele verfolgen die Förderländer mit der Produktionskürzung?

Der Ölpreis soll mit der Drosselung stabilisiert werden. Dadurch soll der Einnahmeverlust der Ölförderer begrenzt und Hunderttausende Jobs gesichert werden. Ein stabiler Ölpreis gilt ausserdem als wichtig für die Versorgungssicherheit, da die Ölversorgung mit riesigen Investitionen verbunden ist. Mit den Förderkürzungen könnten laut Russland, USA und Saudi-Arabien die «globalen Märkte stabilisiert und die Nachhaltigkeit der Weltwirtschaft insgesamt gewährleistet» werden. Wann sich die weltweite Nachfrage nach Öl wieder erholt, hängt von der gesamthaften Erholung der Weltwirtschaft nach der Corona-Pandemie ab.

Lange waren die wichtigsten Ölproduzenten zerstritten. Wieso kam es jetzt zu einer Einigung?

Anfang März, als die Coronakrise auch Europa erfasste, hatte Saudiarabien versucht, andere Mitglieder der Opec und Russland von einer Produktionssenkung zu überzeugen. Russland lehnte dies ab. Saudiarabien konterte, indem es die Förderung erhöhte und die Preise senkte. In der Folge sank der Ölpreis zeitweise um 30 Prozent. Auch dieses Wochenende drohten die Verhandlungen zu scheitern, da Mexiko weniger zur Fördersenkung beitragen wollte als gefordert. Nicht zuletzt dank dem Druck von US-Präsident Donald Trump kam dann der Deal doch zustande.

Wie sieht der Deal im Detail aus?

Das Ölkartell Opec tritt auf die Förderbremse wie nie zuvor. Im kommenden Mai und Juni werden die Mitglieder und ihre Partner täglich zusammen 9.7 Millionen Barrel (je 159 Liter) weniger fördern. Auch danach werden die Förderlimits an die eingebrochene Nachfrage angepasst: Von Juli bis Dezember soll die Produktion um täglich 7.7 Millionen Barrel gesenkt werden. Zwischen Januar 2021 und April 2022 soll die Kürzung noch 5.8 Millionen Barrel betragen. Als Ausgangsniveau wurde jeweils die Produktionsmenge im Oktober 2018 festgelegt, für Saudi-Arabien und Russland gilt ein eigenes Ausgangsniveau von 11 Millionen Barrel pro Tag. Beide Länder werden die Hauptlast der Kürzung tragen.

Wie stabil ist die Einigung?

Der Deal ist durch die Sonderbehandlung Mexikos eher fragil und könnte dazu führen, dass auch andere Länder Ausnahmen fordern. Um die Einigung nicht zu gefährden, zeigten sich die USA, Saudi-Arabien, die Arabischen Emirate und Kuwait bereit, ihre Förderung stärker zu kürzen als ursprünglich vorgesehen. Doch auch dies hat einen Schönheitsfehler: Anders als Saudi-Arabien und Russland besitzt US-Präsident Trump keinen direkten Einfluss auf die privaten amerikanischen Ölkonzerne. Sie müssen seinen Vorgaben nicht folgen. Die USA als inzwischen grösste Fördernation sind deshalb nicht Teil des offiziellen Deals. Die Geschichte der Opec lehrt ausserdem, dass die Quotentreue nicht besonders stark ausgeprägt ist. Hinzu kommt, dass die Opec nur noch für ein Drittel des weltweiten Angebots steht.

Was heisst das nun für die Konsumenten?

Die Opec hofft dennoch, dass sich der Ölpreis mit diesen Massnahmen wieder erholt. In diesem Fall könnte auch der Benzinpreis an den Tankstellen wieder steigen. In der Schweiz bewegen sich die Benzin- und Dieselpreise traditionellerweise jedoch auf verhältnismässig konstantem Niveau. Massive Preisschwankungen an den Schweizer Zapfsäulen gibt es selbst bei internationalen Krisen in den Erdölfördergebieten oder bei Produktionsbeschränkungen durch die Förderländer nur in geringem Ausmass, heisst es bei der Schweizer Erdölvereinigung Avenergy auf Anfrage. Das liege daran, dass der Benzinpreis in der Schweiz nur zu einem geringen Teil vom Rohölpreis bestimmt wird. Viel entscheidender seien Mineralölsteuer, Mineralölsteuerzuschlag und Importabgaben. «Die staatlichen Abgaben machen mehr als die Hälfte des Benzinpreises aus», sagt ein Sprecher. Hinzu kämen Vertriebs-, Beschaffungs- und Frachtkosten.

Auf Autobahnraststätten soll künftig Alkohol ausgeschenkt werden dürfen. An der Liberalisierung will der Nationalrat vorbehaltlos festhalten. (Themenbild)

Das Benzin könnte wieder etwas teurer werden. Bild: KEYSTONE

Wie sieh es beim Heizöl aus?

Beim Heizöl sind die Preise zwar etwas volatiler als bei den Treibstoffen. «Wie sehr die Einigung der Opec und ihrer Partner aber tatsächlich die Rohölpreise zu stützen vermögen, ist nicht abzusehen», sagt der Sprecher. Avenergy Suisse mache niemals Preisprognosen. Fakt sei aber, dass trotz der derzeitigen erhöhten Heizölbestellungen aufgrund des attraktiven Preises die Versorgungssicherheit jederzeit garantiert sei.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Srslyguys? 15.04.2020 06:39
    Highlight Highlight Cool. Nachdem sie (allen voran S. A.) vor keinen 2 Wochen soviel am Tag gefördert haben wie noch nie. Durch das drücken des gallons hat die opec gegen unseren Demokratie🇺🇸 und Freiheit📷 verteidigenden Westen bestimmt kaum Verhandlungsbasis am kart..-... Ich meine gemeinsamen und öffentlich abgesegneten, legalem treffen zwischen offiziell Delegierten der ölkonzerne-tisch, bekommen. Aber gut ists jetzt wieder weniger. Können wir diesen Staaten nicht sowas wie den Friedensnobelpreis geben, um ihnen zu zeigen wie dankbar wir wieder sind? Oh und bitte jetzt noch tanken. Wir bald wieder teuer.
  • AdvocatusDiaboli 14.04.2020 23:23
    Highlight Highlight "Anders als Saudi-Arabien und Russland besitzt US-Präsident Trump keinen direkten Einfluss auf die privaten amerikanischen Ölkonzerne. Sie müssen seinen Vorgaben nicht folgen. Die USA als inzwischen grösste Fördernation sind deshalb nicht Teil des offiziellen Deals."

    Ich glaube diesen Teil werden die meisten User hier mit geschlossenen Augen und "mimimi" Lauten überspringen wollen.
  • leu84 14.04.2020 21:14
    Highlight Highlight Unter anderem deshalb sollte man wegkommen von Öl und Erdgas. Je unabhängiger wir von diesem Rohstoff sind, desto besser ist es für uns. Klar, es ist noch ein langer Weg.
  • Marco Brolo 14.04.2020 16:43
    Highlight Highlight Was ich bei solchen Geschichten nie verstehe;
    Wieso bedeutet ein sinken des Ölpreises das "Hundertausende" Jobs bedroht sind? Dass die OPEC die Einnahmenverluste damit umgehen will leuchtet mir ein aber wieso für uns günstiges Öl "gefährlich" sein soll verstehe ich wirklich nicht. (Abgesehen von den Treibhausgasen natürlich).. Vielleicht kann mich jemand erleuchten, ich war schon immer eine Niete in Wirtschaftskunde.. Merci
    • Stinkstiefel 14.04.2020 17:15
      Highlight Highlight Erklärung: Von der geologischen Untersuchung über die eigentliche Ölförderung bis zur Tankstelle sind viele Unternehmen involviert. Sinkt der Ölpreis, werden deren Margen kleiner, bis sie unter einer gewissen Schwelle in die Verlustzone kommen. Halten die tiefen Preise an, kommt es zu einigen Konkursen.

      Für Öl importierende Staaten ist ein tiefer Preis gut, für exportierende nicht. Besonders betroffen: USA & Kanada. Deren Schieferölförderung ist sehr teuer. In Texas, North Dakota, oder dem kanadischen Alberta macht die Ölindustrie einen grossen Teil der Arbeitsplätze aus (der gut bezahlten!).
    • esmereldat 14.04.2020 17:24
      Highlight Highlight Wenn der Preis für ein Barrel unter eine gewisse Limite fällt, können zum Teil Ölfelder nicht mehr rentabel produzieren. Dann wird dort die Produktion unter Umständen eingestellt oder aufs Minimim gedrosselt. Dann brauchts weniger Personal, also wird dieses kurzerhand entlassen.
    • Walser 14.04.2020 22:33
      Highlight Highlight Den Jobverlust verursacht eigentlich nicht das Sinken des Ölpreises. Sondern der Grund der zum Sinken führt. Das ist meist eine schwächelnde Wirtschaft. So wie jetzt.
  • champedissle 14.04.2020 16:40
    Highlight Highlight Die Heizperiode ist so gut wie vorbei. Die meisten haben sich für die nächsten beiden Winter zu Tiefstpreisen eingedeckt. Ich empfehle der OPEC das Oel zu trinken.
  • THEOne 14.04.2020 16:38
    Highlight Highlight "... soll der Einnahmeverlust der Ölförderer begrenzt werden".
    danke für den lacher watson. grossartig
  • MacB 14.04.2020 15:09
    Highlight Highlight Wieso werden diese kartellrechtlich gesehen illegalen Absprachen seit Jahrzehnten global akzeptiert?
    • ursus3000 14.04.2020 15:27
      Highlight Highlight Vielleicht weil es Mengenbeschränkungen sind und nicht Preisabsprachen ? Aber Du kannst ja dagegen Klagen . Ohh hast Du ja gerade . Aber am falschen Ort
    • Cirrum 14.04.2020 15:55
      Highlight Highlight Aus dem Selben Grund, wie der Nahostkrieg noch akzeptiert wird, obwohl tausende Unschuldige jedes Jahr ermordet werden. Es geht um Milliarden im Ölgeschäft.
    • Ökonometriker 14.04.2020 21:53
      Highlight Highlight @MacB: was will man dagegen tun? Öl boykottieren?
      Die USA haben traditionellerweise das Militär geschickt, wenn es die OPEC übertrieben hat... aber ob das die bessere Option ist?
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