Wirtschaft
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Swiss Federal councillor and finance minister Ueli Maurer briefs the media about the latest economic measures during the Covid-19 Coronavirus pandemic, on Wednesday, March 25, 2020 in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Verkündet die Massnahmen: Finanzminister Ueli Maurer. Bild: KEYSTONE

Null Prozent und sofort: So will der Bund den KMU helfen

Bis zu 500’000 Franken können KMU schon morgen bei Banken und der Postfinance beantragen, ohne dafür Zins bezahlen zu müssen. Für ein paar Monate sollte dies reichen. Aber was, wenn das Virus den Sommer übersteht?



KMU sind der Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Deshalb hat der Bundesrat rasche und unbürokratische Massnahmen beschlossen, um ihnen zu helfen, den durch das Coronavirus verursachten unfreiwilligen Winterschlaf zu überstehen.

Die Betriebe können schon morgen bei ihrer Hausbank oder bei der Postfinance ein zinsfreies Darlehen von bis zu 500’000 Franken beantragen. Die Geldinstitute gehen dabei kein Risiko ein, der Bund bürgt vollumfänglich. Völlig willkürlich werden die Darlehen jedoch nicht vergeben. Das Darlehen darf 10 Prozent des Jahresumsatzes nicht übersteigen, und die Unternehmen müssen nachweisen, dass sie aufgrund der Pandemie wesentliche Umsatzeinbussen erleiden.

ZUR GESETZESVORLAGE FUER EIN NEUES TAXIGESETZ, WELCHES VOM ZUERCHER REGIERUNGSRAT VERABSCHIEDET WURDE, STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG 25. FEBRUAR 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Taxi's am Taxi Standplatz vor dem Zuercher Hauptbahnhof, aufgenommen am 18. Juni 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Taxis vor dem HB Zürich. Sie dürfen arbeiten, aber sie verdienen nichts. Bild: KEYSTONE

Bei Überbrückungskrediten von mehr als einer halben Million Franken tragen die Banken 15 Prozent des Risikos. Im Gegenzug dürfen sie dafür einen Zins von 0,5 Prozent verlangen. Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Franken fallen nicht unter dieses Programm.

Die Bundeshilfe kommt keinen Moment zu früh. Das Coronavirus hat die Schweizer Volkswirtschaft bereits kräftig durchgeschüttelt. Mehr als 27’000 Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet. Davon sind 400’000 Mitarbeiter betroffen. Diese Zahlen werden in den kommenden Tagen noch weiter ansteigen.

Prekär ist teilweise auch die Situation der rund 110’000 Selbstständigen. Sie sind am schlechtesten abgesichert. Beispiel Taxifahrer: Weil sie weiter arbeiten dürfen, haben sie keinen Anspruch auf Entschädigung des Bundes, obwohl ihr Umsatz gegen null tendiert.

Im Allgemeinen zielen die Massnahmen des Bundesrates jedoch darauf hin, in der Schweiz eine Art allgemeine Lohngarantie für die nächsten Monate einzuführen. Das macht sehr viel Sinn. So kann gewährleistet werden, dass aus dem etwas verspäteten Winterschlaf der Wirtschaft keine Depression wird, die grosse Teile des Mittelstandes in den Abgrund reisst.

Selbst wenn die optimistischen Annahmen eintreten und der Coronavirus-Spuk im Sommer vorbei sein wird, werden von den 42 Milliarden Franken des Bundes nicht viel übrig bleiben. «Die direkten Sozialleistungen ohne Liquiditätshilfen könnten den Bund in einem solchen Fall grob geschätzt 5 bis 7 Milliarden Franken pro Monat kosten», schreibt Hansueli Schöchli in der NZZ.

Zum Glück kann sich die Schweiz das leisten. Seit 2003 ist die Staatsverschuldung von 124 Milliarden Franken auf 96 Milliarden Franken gesunken. Das entspricht 27 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).

Schweiz kann noch 140 Milliarden Franken Schulden machen

Im internationalen Vergleich ist das ein absoluter Spitzenwert. Der Spielraum für weitere Verschuldung ist daher gross. Gemäss Berechnungen der UBS-Ökonomen kann die Schweiz rund 140 Milliarden Franken Schulden aufnehmen, ohne ihre AAA-Wertung als erstklassiger Schuldner zu verlieren – und das bei rekordtiefen Zinsen, ja vielleicht sogar Negativzinsen.

Sollte der Im-Sommer-ist-alles-vorbei-Fall eintreten, wird dieser Spielraum jedoch nicht nötig sein. Eine Rezession lässt sich zwar nicht mehr verhindern, sie ist jedoch zu verkraften: Gemäss den Ökonomen der CS wird das Schweizer BIP im laufenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen. Das Staatssekretariat für Wirtschaftsfragen (Seco) kommt auf ein Minus von 1,3 Prozent, das BAK Basel auf 2,5 Prozent. Allgemein wird angenommen, dass die Wirtschaft danach sehr schnell wieder auf Touren kommt.

Im internationalen Vergleich ist das Hilfspaket des Bundes keineswegs überrissen. Es entspricht etwa 6 Prozent des BIP. Das Zwei-Billionen-Dollar-Paket, das der US-Senat soeben bewilligt hat, entspricht hingegen rund 10 BIP-Prozent.

Wegen eines mickrigen Sozialsystems und eines desolaten Gesundheitssystems können sich die Amerikaner nicht auf die sogenannten automatischen Stabilisatoren (Arbeitslosenversicherung, etc.) verlassen. Deshalb müssen sie zum sogenannten Helikoptergeld greifen. Will heissen: Fast jeder amerikanische Erwachsene wird bald von der Regierung einen Scheck in der Höhe von 1200 Dollar erhalten. Für Kinder sind es 500 Dollar.

ZUM PROZESS GEGEN DEN THURGAUER SVP-POLITIKER HERMANN LEI IM FALL HILDEBRAND VOR DEM ZUERCHER OBERGERICHT, AM FREITAG, 23. JUNI 2017, ERHALTEN SIE FOLGENDENDE ARCHIVBILDER ---- Swiss National Bank chairman Philipp Hildebrand speaks during a media conference in Bern, Switzerland, January 9, 2012. The President of the Swiss National Bank, Philipp Hildebrand, is stepping down with immediate effect, the bank announced online 09 January 2012. Hildebrand had faced allegations of conducting potentially illegal foreign exchange transactions. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Stellt die Unabhängigkeit der Notenbank in Frage: Philipp Hildebrand. Bild: KEYSTONE

Was aber, wenn wir das Virus nach wie vor unterschätzen? Einer, der dies befürchtet, ist der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand. Er schreibt in der «Financial Times»:

«Wir stehen einem globalen Desaster gegenüber. Um die Verbreitung des tödlichen Virus einzudämmen und das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren, müssen die Regierungen eine Politik der sozialen Distanzierung einführen. Diese Massnahmen bringen die globale Wirtschaft zu einem jähen Halt. Eine wirtschaftliche Schrumpfung ist unumgänglich. Sie wird brutal werden.»

Wie im Krieg wird deshalb der normale Lauf der Dinge über Bord geworfen werden müssen. Hildebrand geht davon aus, dass bald alle Staaten dazu übergehen müssen, Helikoptergeld zu verteilen. «Eines ist klar: Das Ausmass der öffentlichen Gelder, die wir privaten Haushalten und Unternehmen zukommen lassen müssen, ist noch nie da gewesen», so Hildebrand.

Hildebrand scheut auch nicht davor zurück, ein in Stein gemeisseltes Tabu umzustossen: die Unabhängigkeit der Notenbanken. Er schreibt:

«Das Fazit lautet: Die Geldpolitik der Notenbanken muss einmal mehr neu erfunden werden, und zwar dramatisch. Angesichts einer noch nie da gewesenen Krise mit einer noch nie da gewesenen Verschuldung ist es an der Zeit, die Geldpolitik der Notenbanken mit den fiskalischen Massnahmen des Staates zu koordinieren.»

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Die Verordnung des Bundesrats vom 25.03.

Coronavirus: So emotional appelliert Italien an seine Bürger

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blueberry muffin 26.03.2020 07:46
    Highlight Highlight Die Banken machen dank Buchgeld trotzdem massiv gewinne an den garantierten Krediten.

    Aber hey, dafür bezahlen sie die Politiker ja.
  • Lowend 25.03.2020 20:06
    Highlight Highlight Die gleichen Banken, deren Geschäftsmodel es war, ihre Kunden vor dem Steuerzahlen zu bewahren, machen dem Finanzminister in der Krise den Vorschlag, ganz schnell und unbürokratisch den gleichen Kunden unser Steuergeld gratis zu verteilen und alle jubeln.

    Ich hoffe nur, man freut sich da nicht zu früh. 🤔
    • Lowend 25.03.2020 22:13
      Highlight Highlight Die WOZ bringt in ihrer morgigen Ausgabe einen guten Artikel, warum das Coronavirus ein nützlicher Sündenbock für die erneuten staatlichen Rettungspakete ist und legt den Finger dabei auf den wunden Punkt; Die Staaten müssen endlich damit anfangen, Bedingungen für ihre Kredite zu stellen.

      Wie heisst es bei der Sozialhilfe so schön: Fördern und fordern und was für Hilfe suchende Einzelpersonen ganz normal ist, sollte auch bei staatlicher Hilfe für darbende Firmen gelten!
    • Lowend 25.03.2020 22:14
  • HartinderHard 25.03.2020 18:35
    Highlight Highlight Mit dieser Massnahme wird der Staat bei vielen KMU zum grössten Investor, eigentlich hat man so den Sozialismus eingeführt. Und das durch einen SVP-Bundesrat...
  • benn 25.03.2020 18:23
    Highlight Highlight Wow ich ziehe den hut, wie hat die politik das an den banken vorbei gebracht, kommt da noch was?
  • GoldjungeKrater 25.03.2020 17:29
    Highlight Highlight „ Für ein paar Monate sollte dies reichen. Aber was, wenn das Virus den Sommer übersteht?“

    Was wenn uns Heute der Himmel auf den Kopf fällt...??

    Ich bin einfach froh über die Sparpolitik des Bundes während der letzten Jahre! Spare in der Zeit, so hast du in der Not! Den Wert dieser Finanzpolitik müsste jetzt jedem Linken verständlich geworden sein. Auch die Notwendigkeit der Armee, der Pharmaindustrie oder der Banken!

    Ah ja wir sind ja von Freunden umzingelt richtig? Thema Schutzmasken? Tamara, Cedric? Anyone?
  • Pipikaka Man 25.03.2020 16:07
    Highlight Highlight Unser Bundesrat macht aus meiner Sicht eine sehr gute Arbeit in dieser Pandemie. Wenn ich dann umsehe in Italien, Spanien, Frankreich und anderswo die schon vorher in schweren Finanzkrisen stecken, kann man sich glücklich schätzen so einen Bundesrat zu haben und das die Schweiz so ein gutes System hat.
  • Harri Hirsch 25.03.2020 16:04
    Highlight Highlight Selbständige: Auch alle Grundversorger im Gesundheitswesen sind betroffen genauso wie die Taxifahrer. Auch bei ihnen ist keine Verbot da aber die Arbeit bricht, z.B. bei den Physiotherapeuten, weg aufgrund der Vorgaben (z.B. gelten alle ab 65 als Risikopatienten und sollen nicht mehr behandelt werden) gleichzeitig wird aber auch erwartet, dass man ein Grundangebot aufrecht erhält. Viele Physiotherapeuten sind selbständig und haben nun auch keinen Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigung (das Selbe gilt auf für manche Ärzte, Zahnärzte, Ergotherapeuten...)
    • Radesch 25.03.2020 16:27
      Highlight Highlight @Harri Hirsch

      Dann nimmt man eben einen 0% Kredit zur Überbrückung der Ausfälle und zahlt diesen dann über die Jahre zurück. Das sollte eigentlich möglich sein. Zumal ein Taxifahrer jetzt keine 500'000 braucht, sondern eher vielleicht 100'000.
    • wustasoos 25.03.2020 17:22
      Highlight Highlight @Radesch: «… höchstens 10% des Umsatzerlöses von 2019» -> Verordnung im Wortlaut gem. Kasten Watson. D.h., ein Taxifahrer bekommt, wenn er wirklich gut gearbeitet hat, vielleicht CHF 10 000 … also «Gümp» macht man damit keine.
  • Tito88 25.03.2020 15:55
    Highlight Highlight Wie funktioniert das Helikoptergeld? Meine Freundin und ich sind in der glücklichen Lage, dass wir in dieser unsicheren Zeit stabile Einkommen haben und daher ein solches Helikoptergeld nicht benötigen würden. In diesem Fall wäre es ja höchst unfair, wenn wir dieses Geld erhalten und andere den gleichen Betrag erhalten jedoch komplette Lohnausfälle haben? Wird dies irgendwie geregelt?
    • walsi 25.03.2020 16:31
      Highlight Highlight @Tito88: Die Idee des Helikopter Geldes ist es, dass du es möglichst rasch ausgibst und somit die Wirtschaft ankurbelst. Wenn konsumiert wird bringt das Arbeitsplätze. Wenn gespart wird, werden Arbeitsplätze vernichtet.
    • homo sapiens melior 25.03.2020 16:48
      Highlight Highlight Ich denke nicht, dass Helikoptergeld in der CH notwendig wird.
      Ich vermute, die wissenschaftlichen Experten mit folgendem Szenario liegen richtig: Das Ganze beruhigt sich etwas nach der ersten Welle. Isolationen können gelockert werden. Man kann unter Einschränkungen wieder mehr raus. Bis die nächste Welle kommt. Dann wieder mehr rein.
      Es wird aber mit jeder Welle einfacher, weil a) immer mehr immun sein werden und b) die Gesundheitssysteme sich drauf einstellen können und der Überraschungseffekt weg ist.
      Welle um Welle bis entweder in 2-3 J. 70% immun sind oder bis eine Impfung da ist.
  • Mafi 25.03.2020 15:35
    Highlight Highlight 0% ist vor allem eines - ein starkes Zeichen. Danke, die Damen und Herren Bundesräte, und ein bisschen auch den Banken, dass sie sich nicht quer stellten.

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Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

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