Aufstand gegen Autoscout24: Schweizer Garagisten empört über Preiserhöhung
Der Unmut in der Schweizer Autobranche hat eine neue Dimension erreicht. Wer in diesen Tagen mit grossen Schweizer Autogaragen spricht, hört vor allem ein Wort: «genug.» Per 1. Juni 2026 hat Autoscout24 seine Preise für die Inserate von Autohändlern erneut um rund 15 Prozent erhöht.
Für viele Händler bringt dieser Aufpreis das ohnehin schon überhitzte Budget endgültig zum Überlaufen. Gegenüber watson berichten einzelne Garagisten jedoch von einer Kostenexplosion: Für vergleichbare Dienstleistungen zahlen sie heute über 200 Prozent mehr als noch 2020. Angesichts schrumpfender Margen im Neuwagen- und Occasionsgeschäft wächst der Widerstand. Mehrere grosse Player haben nun die Reissleine gezogen und ihre Abos bei Autoscout24 komplett gekündigt.
Dieser Konzern steckt hinter Autoscout24
Hinter Autoscout24 steht die SMG Swiss Marketplace Group, ein digitaler Megakonzern, der 2021 von der TX Group, Ringier, der Mobiliar und dem Investor General Atlantic geschmiedet wurde. Ziel war es, eine Festung für Immobilien-, Kleinanzeigen- und Automärkte zu bauen.
Seit dem fulminanten Börsengang im Jahr 2025 steht das Papier jedoch unter massivem Druck: Vom Ausgabepreis bei 46 Franken pro Aktie ist der Kurs seither drastisch eingebrochen und notiert aktuell bei unter 30 Franken.
Autoscout24 begründet die Preisanpassung gegenüber watson mit Investitionen in Reichweite, Sicherheit, neue Technologien und Händlerdienste. Das Unternehmen verweist zudem auf gestiegene Nutzerzahlen (+5 Prozent) und Kontaktanfragen (+13 Prozent) im Jahr 2025. «Die Preisgestaltung von Autoscout24 steht in keinem Zusammenhang mit der Entwicklung des SMG Aktienkurses», hält das Unternehmen fest.
Die Wettbewerbskommission (WEKO) sieht dem Treiben derweil weitgehend machtlos zu. Zwar kontrolliert die SMG weite Teile des Marktes, doch das Kartellgesetz schützt Händler nicht vor hohen Preisen – das Bundesgericht hat der WEKO hierzu erst vor zwei Jahren enge Grenzen gesetzt.
Die Flucht zu den Herausforderern
Genau diese rechtliche Sackgasse zwingt die Garagisten nun zum Handeln. Statt der SMG weiter klaglos Millionen zu überweisen, wandern die Inserate ab. Der Profiteur dieser Fluchtwelle steht bereit: Die Plattform Carmarket.ch erlebt einen spürbaren Zulauf.
Autoscout24 bezeichnet die Abwanderung einzelner Händler als normalen Teil eines dynamischen Wettbewerbsumfelds. Man sehe sich aufgrund der hohen Reichweite, der starken Marke und der Qualität der Dienstleistungen weiterhin als attraktiven Partner für den Fahrzeughandel.
Gegenüber watson schreibt Autoscout24:
Carmarket.ch gilt in der Branche als die logische Alternative, da die Plattform stark vom Autogewerbe selbst und Schwergewichten wie der Emil-Frey-Gruppe getragen wird. Hier dürfen zudem nur zertifizierte Händler inserieren, was das Vertrauen der Kunden stärken soll. Ob der Herausforderer die enorme Reichweite von Autoscout24 kurzfristig wettmachen kann, bleibt abzuwarten.
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