Wirtschaft
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teuer pleite geld

Viele watson-Leser gehen nicht mehr ins Kino, weil es ihnen zu teuer geworden ist. bild: shutterstock

Zuschauerschwund

Kino-Misere: Jetzt sinken die Preise – auch wenn du es nicht glauben willst

«Noch nie gingen so wenig Leute ins Kino wie 2014» – diese watson-Meldung löste bei den Usern eine rege Diskussion aus. Das Kino zeige nur noch Synchronfassungen und werde immer teurer, sagen sie. Doch das stimmt nur zum Teil.



Nur etwas mehr als 13 Millionen in der ganzen Schweiz: So niedrig lag die Zahl der verkauften Kinotickets seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1995 noch nie. Der genaue Wert lag gerade mal bei 13'242'575 Eintritten. Trotz dieser ernüchternden Zahl blieben die Kinobetreiber offenbar optimistisch und eröffneten im Jahr 2014 weitere Kinos in der Schweiz.

Die watson-User überrascht die Meldung bezüglich der schlechten Besucherzahlen wenig. In der Kommentarspalte zu dem entsprechenden Artikel erklärten sie, warum sie selber nicht mehr gerne ins Kino gingen. User groovenet spricht einen Punkt an, der auch vielen anderen Lesern ein Dorn im Auge ist: «Der Trend, Filme nicht mehr in Originalsprache zu zeigen, sondern mit deutscher Synchronisierung, lässt immer mehr meiner potenziellen Kinobesuche ins Wasser fallen.»

Ist es nur sein persönlicher Eindruck, oder werden die Originalfassungen tatsächlich zum Randphänomen? René Gerber, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbands für Kino und Filmverleih ProCinema, gibt unserem User recht: «Es ist ganz klar so, dass die Originalversionen in der Schweiz rückläufig sind.» 

«Die jungen Leute mögen einfach keine Originalversionen.»

rené gerber, procinema

Der Grund dafür sei jedoch schlicht und einfach die Tatsache, dass sich immer mehr Besucher für die synchronisierten Fassungen entscheiden würden: «Die Originalversionen wurden schon immer nur in den grösseren Städten gezeigt, und dort sind die Verkäufe rückläufig.» 

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Im Jahr 2003 galten noch rund 55 Prozent aller verkauften Kinotickets den Originalversionen. Im Jahr 2014 ist es genau umgekehrt: Heute gelten 55 Prozent der verkauften Tickets den synchronisierten Fassungen. Bild: watson

Wie schaust du am liebsten Filme an?

Das Hauptproblem sieht Gerber bei den jungen Leute: «Die mögen einfach keine Originalversionen.» Ein persönliches Erlebnis aus der Zeit, als seine Söhne noch jünger waren, ist ihm bis heute im Gedächtnis geblieben: «Ich – als passionierter Kinogänger – habe meinen Söhnen natürlich eingetrichtert, immer die Originalversionen anzuschauen. Doch irgendwann hatten sie Besuch von einem Kollegen und ich habe genau gesehen, wie der das Kinoprogramm angeschaut hat und nur die Filme mit Synchronisation vorgelesen hat.»

watson-User Thomas Bollinger outet sich als Fan der synchronisierten Versionen – und erntet dafür von den anderen Lesern fast ausschliesslich negative Bewertungen: «Ich kann wirklich gut englisch, aber manche Filme verstehe ich wegen des Akzents nicht. Da ist es mir zehnmal lieber, die Synchronfassung zu sehen als Untertitel zu lesen. Generell lenken mich Untertitel ab. Wenn schon Originalfassung, dann ohne UT.»

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bild: watson

In Genf, Vevey und Lugano wurden im Jahr 2013 anteilsmässig mehr Tickets für Originalversionen verkauft als im Jahr 2003. Woran mag das liegen? «Das kann mit sehr erfolgreichen französischen oder italienischen Filmen zu tun haben, die 2013 gespielt wurden. Im Jahr 2012 lag der Anteil der Originalversionen in Genf sogar bei 62,5 Prozent, was damals sicher mit dem Film ‹Les Intouchables› zu tun hatte», so Gerber. 

«Les Intouchables» erzählt die Geschichte von einem Mann namens Philippe, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, und dessen langjährigem Pflegehelfer, der mit seiner unkonventionellen Art dem wohlhabenden, aber isoliert lebenden Philippe neuen Lebensmut gibt.

Zur Erklärung

Entspricht eine Filmsprache der jeweiligen Sprache in der Landesregion, werden die Eintritte zu den Originalversionen gezählt. Beispielsweise der Film «Honig im Kopf» wird in der Deutschschweiz in der deutschen Originalfassung gezeigt und kann so den Anteil der verkauften Tickets für Originalfassungen entsprechend steigern.

Kaum zu glauben, aber die Preise sinken

Gelitten hat der Verkauf von Tickets für Originalversionen in manchen Städten laut Gerber zusätzlich aus dem folgenden Grund: «Wann immer ein Multiplex eröffnet wurde, stiegen in der entsprechenden Stadt die Eintritte der übersetzten Versionen weiter, weil Multiplexe voll und ganz auf Synchronisation setzen», erklärt Gerber.

User Joseph Dredd wünscht sich auch wieder mehr Originalversionen – er spricht aber auch noch ein anderes Problem an: «Vor gut 20 Jahren war ich eingefleischter Cineast mit locker bis zu drei oder mehr Kinobesuchen wöchentlich. Das war zu einer Zeit, wo Filme in Schweizer Kinos noch in Originalsprache gezeigt wurden und die Eintrittspreise erschwinglich waren.»

Dieser Leser ist also der Meinung, dass das Kino heute schlicht zu teuer ist. User Rondi sieht das genauso: «Bei den Preisen gehe ich halt nur noch ganz selten», schreibt er. Doch sind die Preise für ein Kinoticket tatsächlich noch immer stetig am steigen? Sind sie nicht, wie Gerber weiss: «Im Moment sind die Preise sogar wieder rückläufig. Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Preis für ein Ticket mit 15.62 Franken am höchsten.» 

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Bild: watson

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Das Aufkommen von 3D-Filmen ist ein Faktor, der den durchschnittlichen Preis für ein Kinoticket hat ansteigen lassen. So kommt es, dass der Durchschnittswert seit 2007 immer weiter gestiegen ist. Viele Leute – darunter watson-User kusel – weichen deswegen lieber ins Ausland aus: «Wir gehen immer mal wieder in Waldshut ins Kino. 9.50 Euro kostet der Logenplatz. Und Kinder bezahlen gerade mal 6 Euro. Als Familie kostet uns der Kinobesuch die Hälfte. Schweizer Kinos sind einfach extrem teuer geworden.»

Dass es in Deutschland günstiger ist, mag ja sein, doch das könnte sich irgendwann ändern. Dort wurden die Preise in den letzten Jahren nämlich deutlich drastischer angehoben: «Seit 2010 ist der Durchschnittspreis für ein Kinoticket in den USA um 7,5 Prozent gestiegen, in Deutschland waren es sogar 11 Prozent. Zum Vergleich: In der Schweiz waren es 0,13 Prozent», erklärt Gerber. Ausserdem gibt der Verbandschef zu bedenken, dass es in praktisch allen Kinos Angebote und Möglichkeiten gebe, wie man an günstigere Tickets gelange – «man muss diese nur nutzen.»

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