Wirtschaft
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Crowdfunding wird immer mehr zu einer Alternative zur traditionellen Bank. bild: shutterstock

Vorsicht Schweizer Banken: Jemand will euren Lunch essen!

Zuerst war es die Musikindustrie, dann die Medien: Jetzt ist die digitale Revolution im Begriff, die Finanzindustrie umzukrempeln.



Die UBS beteiligt sich an einem Blockchain-Labor in London, die CS gründet in Asien eine digitale Bank. Es tut sich was in der Schweizer Bankenszene, aber nicht nur bei den Grossen: Die Basellandschaftliche Kantonalbank ist führend auf dem Gebiet des Crowdfunding und die Glarner Kantonalbank darf sich gar rühmen, die führende digitale Bank des Landes zu sein. Was geht hier ab?

Glarner Kantonalbank, GLKB, in Glarus, aufgenommen am Montag, 9. Juni 2014. Die Glarner Kantonalbank geht an die Boerse. Die Glarner Kantonalbank (GLKB) hat die Konditionen für den in zwei Wochen geplanten Boersengang bekannt gegeben. Die Aktien werden für 17,00 bis 21,50 Fr. angeboten, wie es am Dienstag zu Beginn der Zeichnungsfrist hiess. Mit diesem Angebotspreis resultiert ein Marktwert der zu platzierenden Aktien von 62,1 Mio. bis 78,5 Mio. Franken. Der Nettoerloes soll zu zwei Dritteln an die Glarner Kantonalbank und zu einem Drittel an den Kanton Glarus fliessen, wie die GLKB in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Die Bank will damit ihre Eigenmittel staerken.(KEYSTONE/Arno Balzarini)

Kein Witz: Die Glarner Kantonalbank ist die führende Digitalbank der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Die Schweizer Banken geraten einmal mehr unter Druck. Diesmal müssen sie sich nicht gegen geklaute Daten-CDs oder das US-Justizministerium zur Wehr setzen. Die Gefahr heisst Fintech, die zunehmende Digitalisierung der Bankgeschäfte und ihre Verlagerung ins Internet. 

Die Finanzindustrie wird «disruptiert»

«Disruption» heisst das neue Zauberwort. Darunter versteht man die Tatsache, dass der technische Fortschritt die bestehende Wirtschaftsordnung immer heftiger in ihren Grundfesten erschüttert. Die einst blühende Musikindustrie gibt es nicht mehr, der Buchhandel liegt im Sterben, Zeitungen sind in der Obhut von Palliative Care und der Detailhandel leidet unter ersten Schüttelfrösten. 

Nun wird auch die Finanzindustrie zunehmend «disruptiert». «Die Tech-Giganten wollen euren Lunch essen», warnte David Rowan vom «Wired»-Magazin die Teilnehmer einer Fintech-Konferenz im Zürcher Hotel Dolder. Eingeladen hatte die Zeitung «Finanz und Wirtschaft».

«Nationale Regulierungen werden euch nicht schützen.»

David Rowan, Wired-Magazine

Rowan spielt darauf an, dass sich Unternehmen wie Facebook, Google und Apple immer öfters auch im Finanzbereich ausbreiten. Und warum auch nicht? Im riesigen Netzwerk von Facebook kann man nicht nur lustige Videos austauschen, sondern auch Bezahlungen abwickeln, Kredite erteilen und Kapital für ein Startup sammeln. Und mit dem iPhone kann man bald viel bequemer bezahlen als mit Bargeld oder mit Plastik

Urs Rohner, Chairman of Swiss Bank Credit Suisse looks on during a panel session on the first day of the 45th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wednesday, January 21, 2015. The overarching theme of the Meeting, which takes place from 21 to 24 January, is

«Wir haben geschlafen», bekennt Urs Rohner, VR-Präsident der CS.  Bild: KEYSTONE

Nicht nur die bestehenden IT-Giganten machen den Banken das Leben schwer. Immer mehr agile Startups drängen ebenfalls ins Geschäft und nibbeln an den Margen der Banken. Im Internet entstehen Chatrooms, wo Vermögensverwalter ihre Strategien gegen eine kleine Gebühr offenlegen, wo Portfolios zu einem Bruchteil der Ansätze der Privatbanken betreut und beim Peer-to-Peer-Lending Kredite zu günstigen Konditionen gesprochen werden. «Das Businessmodell verändert sich komplett», erklärte Urs Rohner, VR-Präsident der CS, und bekannte offen: «Die hiesige Finanzindustrie hat dies verschlafen.»

CS stellt jetzt Psychologen und Designer an

Finanzkrise und der Steuerstreit mit den USA haben die Schweizer Bankenszene gelähmt. In London beispielsweise ist Fintech viel weiter fortgeschritten als bei uns. Jetzt macht man sich daran, aufzuholen. Dabei ist man bereit, neue Wege zu gehen. «Wir stellen jetzt Psychologen und Designer ein», erklärt beispielsweise Marco Abele von der CS. 

Neue Businessmodelle sind kein Hobby von technikbegeisterten Bankern, sie sind dringend notwendig geworden. So beklagt etwa die NZZ eine «Balkanisierung des Bankgeschäfts» und legt den Finger auf den wunden Punkt: Die Eigenkapitalrendite der UBS ist letztes Jahr auf 7,2 Prozent, diejenige der CS auf 4,4 Prozent gesunken. Vor der Finanzkrise lag der Richtwert noch beim von Josef Ackermann immer wieder vollmundig propagierten 25 Prozent. 

«Die Universalbanken sind, um es höflich auszudrücken, eine Enttäuschung.»

Financial Times

Unter der mickrigen Eigenkapitalrendite leiden nicht nur die Schweizer Banken. Weltweit klagen Aktionäre über mangelnde Performance, während in der Fachpresse harsche Kritik geübt wird. Der «Economist» stellte jüngst das Modell der globalen Universalbank generell in Frage, und die «Financial Times» rüffelte: «Die Universalbanken sind, um es höflich auszudrücken, eine Enttäuschung.»

Ein Drittel der Amerikaner braucht keine Bank mehr

Wie aber wird die Bank der Zukunft aussehen? Das Smartphone wird eine entscheidende Rolle spielen. Heute schon glaubt ein Drittel der jungen Amerikaner, dass sie keine Bank mehr brauchen werden. Ob Zahlungsverkehr oder Hypothekarkredit – alles wird online und in Echtzeit abgewickelt werden. Brett King stellt in seine Buch «Breaking Banks» fest: «In Zukunft wird es keine Rolle mehr spielen, wer das beste Finanzinstitut ist, sondern welche Finanz-Apps am besten sind.»

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Krytowährungen wie der Bitcoin gehört die Zukunft.  bild: shutterstock

An dieser Zukunft werkeln auch hierzulande immer mehr kreative Jungunternehmer. Gegen 100 Startups gibt es inzwischen in der Schweizer Fintech-Szene. Und das ist erst der Anfang. Die eigentliche Disruption steht erst bevor. Sie wird von Kryptowährungen wie Bitcoins kommen. 

Die wahre Revolution kommt mit den Blockchains

Die IT-Enthusiasten gehen davon aus, dass die Blockchains – sich selbst aufdatierende Datenbasen – bald ein neues Finanzzeitalter einläuten werden. David Rowan warnt deshalb, sich Illusionen zu machen. «Nationale Regulierungen und Gesetze werden euch nicht schützen», erklärte er den versammelten Bankern. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • cbaumgartner 09.04.2015 18:48
    Highlight Highlight Nun ja, jeder 10. Amerikaner glaubt auch HTML sei eine Geschlechtskrankheit... Aber vielleicht bin ich was Geld angeht auch einfach zu konservativ.

    Btw. Bei der Bildunterschrift im letzten Bild habt ihr einen Typo :-)
    4 0 Melden
  • Wooz 09.04.2015 18:43
    Highlight Highlight Schöner Artikel mit so viel Wahrheit. Ich habe mich letztin nach einer Bank umgesehen, wichtiger als die Zinsen waren dabei das User Interface der E-Banking-Sites, vorhandene Apps, sowie Arten des Logins (z.B. bei der AKB loggt man sich mittels zugesandten SMS-Code ein, sprich ich brauche keine extra Karte oder "Code-Generator" - praktisch auch fürs Reisen!)

    In Südkorea sollen anscheinend Zahlungen in Echtzeit bereits Standard sein, sprich ein Kollege sieht den Betrag meiner Zahlung innert Sekunden bei sich auf dem Konto.
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«Wir haben es in der Hand, ein Massensterben zu verhindern»

Die Artenvielfalt ist in den letzten 50 Jahren dramatisch gesunken. Das zeigt der WWF in seiner neuesten Ausgabe des Living Planet Index auf. Zum Glück findet ein Umdenken bei den Menschen statt. Das sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. 

60 Prozent der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren verschwunden. Ist es also gerechtfertigt, von einem sechsten Massensterben zu sprechen? Ja, heute sterben 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus als in vergangenen Zeiten. Das ist einmalig – und wir Menschen sind die Ursache. Der Living Planet Index des WWF untersucht die Populationstrends und zeigt so Veränderungen sehr früh an.

Ist dieses Massensterben nicht mehr aufzuhalten? Die kurze Antwort lautet: doch. Taucht man tiefer in die Daten ein, …

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