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Dicht an dicht: Roche will auf dem Südareal Platz schaffen.
Dicht an dicht: Roche will auf dem Südareal Platz schaffen.Bild: KEYSTONE

Denkmalschutz-Streit: Roche will Südareal neu bebauen, Regierung schaltet sich ein

Der Pharmakonzern Roche konnte 2019 seinen Nettogewinn vor allem dank Krebsmedikamenten um 32 Prozent steigern. Am Konzernsitz in Basel kommt jetzt aber der Denkmalschutz den Südarealplänen in den Weg.
31.01.2020, 15:43
Andreas Schwald / ch media

Es ist bereits die nächste grosse Areal-Vision von Roche, die nach Fertigstellung von Bau 2 und dem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Angriff genommen werden soll. In den Jahren nach 2025 will der Konzern das rheinseitige Südareal weitgehend abreissen und neu bebauen. Mit mehr Luft, einem Besucherzentrum und weiteren Hochhäusern. Weg soll unter anderem auch das alte Hochhaus aus dem Jahr 1960, das heute im Schatten von Bau 1 steht.

Dieses Vorhaben goutiert der Basler Denkmalrat nicht. Er beantragte noch im November, als die Pläne bekannt wurden, die Unterschutzstellung von drei Gebäuden als Baudenkmal. Konkret geht es beim Antrag also nicht nur um das Hochhaus, sondern auch um den Konzernleitungstrakt von 1935/36 sowie um ein Betriebsgebäude von 1936/37, das 1951 erweitert wurde.

«Noch ist die Schutzfähigkeit des Gebäudes nicht erwiesen.»
Jürg Erismann, Standortleiter Basel von Roche

Jetzt hat Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) dieser Prüfung stattgegeben, wie er gegenüber der bz bestätigt. Sollte diese erfolgreich verlaufen, kann die Regierung die Bauten unter Schutz stellen. Dass Roche dies nicht wünscht, machte Standortleiter Jürg Erismann bereits klar. Nicht nur ist der Unterhalt der alten Gebäude mittlerweile teuer, auch sind die darin enthaltenen Arbeitsplätze alles andere als zeitgemäss ausgestattet. Die Räume sind eng, oft auch dunkel und nach heutigen Standards teilweise schlecht zugänglich.

Unstrittig ist hingegen das als Bau 21 bezeichnete Konzernleitungsgebäude von Architekt Otto Salvisberg. Dieses will Roche auch aus firmenhistorischen Gründen stehen lassen.

Roche zeigt sich trotz Prüfung zuversichtlich

Zur bewilligten Prüfung heisst es in einer Stellungnahme des Bau- und Verkehrsdepartements: «Dass die Schutzwürdigkeit der betreffenden Gebäude so rasch wie möglich geklärt wird, liegt auch im Interesse von Roche.» Alle Beteiligten seien daran interessiert, eine möglichst einvernehmliche Lösung zu finden. Roche wartet nun erst einmal ab.

Wie Standortleiter Jürg Erismann am Rande der Jahresmedienkonferenz des Konzerns vom Donnerstag sagte, sei man aber zuversichtlich: «Die Prüfung ist das Eine, doch noch ist die Schutzwürdigkeit des Gebäudes nicht erwiesen.» Damit stellt sich das Unternehmen erneut auf den Standpunkt, dass es aus seiner Sicht nur eine Option gibt: den Abbruch.

Kleinbasler Politiker begrüssen Umbaupläne

Im politischen Kleinbasel stossen die Entwicklungspläne von Roche auf Anklang. Wie SP-Grossrat Sebastian Kölliker sagt, sei insbesondere auch die geplante Aufwertung der Solitude-Parkanlage begrüssenswert: «Die Entwicklungspläne von Roche zeugen von einem klaren Bekenntnis zum Standort Basel.» Grundsätzlich ist Kölliker einer Prüfung der Unterschutzstellung gegenüber positiv eingestellt: «Es ist richtig zu klären, ob es sich tatsächlich um prominente, schützenswerte Bauten handelt.»

André Auderset ist LDP-Grossrat und Präsident der IG Kleinbasel. Er lobt Roche ebenso für das Standortbekenntnis – und für die Investitionen. «Wir sind äusserst froh, dass Roche am Hauptsitz so viel in die Infrastruktur investiert, denn davon profitiert auch das Kleinbasler Gewerbe direkt.» Daher sei dieses entschieden gegen Massnahmen, die Arealentwicklungen behindern. «Aus persönlicher Sicht muss ich zudem anfügen, dass die Bauten an der Grenzacherstrasse ja weitgehend funktional sind; ein Verlust wäre der Abriss des Industrieturms durch Roche meines Erachtens nicht.» (bzbasel.ch)

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quelle: roche
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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Suchlicht
01.02.2020 00:43registriert August 2015
Es isr einfach unglaublich, man will einerseits staatlich Private zwingen, Gebäude zu sanieren und wenn dies ein Konzern mit seinen Gebäuden tun will (klar, nicht nur aus energetischen Gründen), kommt die nächste staatliche Instanz „Denkmalschutz“ und verfügt, dass der alte, oft hässliche, energetisch bestimmt ineffiziente Bau nicht ersetzt werden darf.
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Balikc
01.02.2020 08:04registriert Oktober 2015
Ich begrüsse grundsätzlich das Erhalten historisch wertvoller Bausubstanz. Die hässlichen Energieschleudern des letzten Jahrhunderts zähle ich jedoch nur sehr beschränkt dazu und in Anbetracht der nicht vorhandenen Bodenreserven im Stadtkanton sind solche Verhinderungsstrategien schlicht zynisch.
Basel darf nicht zum Ballenberg der Bausünden verkommen.
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