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Wir haben uns dumm und dämlich gespart: So hat die Schweiz 520 Milliarden Franken verloren

Jahr für Jahr legt die Schweiz mit ihren Ertrags-Überschüssen gut 50 Milliarden Franken auf die hohe Kante. Dort verrottet das Geld schneller als es angehäuft wird.
14.07.2015, 12:5815.07.2015, 11:09
werner vontobel

Die Grafik illustriert ein Problem, das alle Länder mit chronischen Exportüberschüssen haben: Das angehäufte Auslandvermögen entwertet sich laufend. Im konkreten Fall der Schweiz ist das Auslandvermögen heute – bzw. per Ende März 2015 – mit 696 Milliarden um 35 Milliarden Franken tiefer als neun Jahre zuvor.

grafik: melanie gath/snb

Und dies wohlverstanden, obwohl wir in diesem Zeitraum Überschüsse in der Leistungsbilanz (Waren- Dienstleistungen, Kapital- und Arbeitseinkommen) von insgesamt 486 Milliarden Franken angehäuft haben (wovon 283 Mrd. Kapitalerträge). Ohne Wertverluste wäre unser Nettoauslandvermögen auf 1215 Milliarden angestiegen.

Die Differenz zwischen der roten und der blauen Linie zeigt den Anstieg dieser Wertverluste.

Im 1. Quartal 2015 fiel der Rückschlag besonders gesalzen aus. Obwohl die Schweiz auch in diesen drei Monaten einen Ertragsüberschuss von fast 14 Milliarden Franken auswies, nahm unser Netto-Auslandvermögen um gut 120 Milliarden Franken oder 16 Prozent ab. Der Grund dafür liegt in der Aufwertung des Frankens um rund 8 Prozent von Ende 2014 bis Ende März 2015.

Die SNB leidet mit

Die chronischen Exportüberschüsse sind auch für die Nationalbank ein Problem. Nach

der Finanzkrise trauten sich die Finanzchefs der Schweizer Unternehmen nicht mehr, ihre Gewinne im

Ausland zu investieren. Das Risiko war ihnen zu gross. Stattdessen tauschte man die

Devisenreserven gegen sichere Franken und trieb damit dessen Kurs in die Höhe. 

Die

SNB verhinderte das, indem sie die Devisenreserven aufkaufte.

Von 2010 bis Mitte Januar 2015 sind damit ihre Devisenreserven von 213 auf 510

Milliarden Franken förmlich explodiert.

Dann gab die SNB auf und gab den Kurs des

Frankens frei. Sicher, auch die bösen Spekulanten hatten ihre Hand im Spiel. Doch die

Hauptrolle spielte die Schweizer Wirtschaft selbst, ihre Überschüsse waren für rund

zwei Drittel des Anstiegs der Devisenreserven verantwortlich.

Inzwischen hält die

Nationalbank rund drei Viertel des Netto-Auslandvermögens der Schweiz. Damit

werden auch die Abwertungsverluste weitgehend sozialisiert. Im ersten Quartal 2015

erlitt die SNB Wertverluste von 29,3 Milliarden Franken. (wv)
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Devisen wurden stark entwertet

Dazu muss man wissen, dass sich unser Nettoguthaben von rund 800 Milliarden Franken Ende 2014 einerseits aus etwa 2500 Milliarden Guthaben in Devisen bestand, die sich stark entwerteten. Dem standen Frankenschulden von 1700 Milliarden entgegen, deren Kurs unverändert geblieben ist. 

Mit anderen Worten: Neun Jahre harte Arbeit mit hohen Überschüssen im Waren- und Dienstleistungsverkehr haben uns nicht nur nichts, sondern sogar noch einen Verlust von rund 30 Milliarden pro Jahr eingebracht. Das entspricht einer Rendite von rund minus 4 Prozent auf unserem Auslandvermögen. 

Hätten wir das Geld stattdessen in bessere Schulen, in Umweltschutz oder in den ökologischen Umbau unserer Energieversorgung investiert, wären wir heute deutlich besser dran. 

Auch 15 Jahre zurück gilt fast das Gleiche

Einverstanden: Die Auswahl der Zeitreihe ab 2006 überzeichnet den Trend ein wenig. Aber selbst wenn wir den Beobachtungszeitraum auf 15 Jahre ausdehnen, übersteigt der Wertverlust auf unseren Auslandvermögen die Kapitalerträge bei weitem. Per Saldo errechnet sich eine Rendite aus den Auslandanlagen von etwa minus 3 Prozent. 

Oder anders gesagt: Mehr als die Hälfte unseres Exportüberschusses wird laufend durch die Verluste bei den Auslandanlagen weggefressen. Wir arbeiten für die Katz. 

Die weiteren Aussichten sind auch nicht gerade rosig. Seit März hat sich der Franken erneut um etwa 3 Prozent aufgewertet. Zudem sind viele unserer Guthaben durch die hohen Börsenkurse aufgebläht. Unser Auslandvermögen dürfte sich bald weiter entwerten. 

Und wenn wir schon bei Zahlen und Fakten sind:

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