Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wir haben uns dumm und dämlich gespart: So hat die Schweiz 520 Milliarden Franken verloren

Jahr für Jahr legt die Schweiz mit ihren Ertrags-Überschüssen gut 50 Milliarden Franken auf die hohe Kante. Dort verrottet das Geld schneller als es angehäuft wird.

werner vontobel



Die Grafik illustriert ein Problem, das alle Länder mit chronischen Exportüberschüssen haben: Das angehäufte Auslandvermögen entwertet sich laufend. Im konkreten Fall der Schweiz ist das Auslandvermögen heute – bzw. per Ende März 2015 – mit 696 Milliarden um 35 Milliarden Franken tiefer als neun Jahre zuvor.

Bild

grafik: melanie gath/snb

Und dies wohlverstanden, obwohl wir in diesem Zeitraum Überschüsse in der Leistungsbilanz (Waren- Dienstleistungen, Kapital- und Arbeitseinkommen) von insgesamt 486 Milliarden Franken angehäuft haben (wovon 283 Mrd. Kapitalerträge). Ohne Wertverluste wäre unser Nettoauslandvermögen auf 1215 Milliarden angestiegen.

Die Differenz zwischen der roten und der blauen Linie zeigt den Anstieg dieser Wertverluste.

Im 1. Quartal 2015 fiel der Rückschlag besonders gesalzen aus. Obwohl die Schweiz auch in diesen drei Monaten einen Ertragsüberschuss von fast 14 Milliarden Franken auswies, nahm unser Netto-Auslandvermögen um gut 120 Milliarden Franken oder 16 Prozent ab. Der Grund dafür liegt in der Aufwertung des Frankens um rund 8 Prozent von Ende 2014 bis Ende März 2015.

Die SNB leidet mit

Die chronischen Exportüberschüsse sind auch für die Nationalbank ein Problem. Nach der Finanzkrise trauten sich die Finanzchefs der Schweizer Unternehmen nicht mehr, ihre Gewinne im Ausland zu investieren. Das Risiko war ihnen zu gross. Stattdessen tauschte man die Devisenreserven gegen sichere Franken und trieb damit dessen Kurs in die Höhe. 

Die SNB verhinderte das, indem sie die Devisenreserven aufkaufte. Von 2010 bis Mitte Januar 2015 sind damit ihre Devisenreserven von 213 auf 510 Milliarden Franken förmlich explodiert.

Dann gab die SNB auf und gab den Kurs des Frankens frei. Sicher, auch die bösen Spekulanten hatten ihre Hand im Spiel. Doch die Hauptrolle spielte die Schweizer Wirtschaft selbst, ihre Überschüsse waren für rund zwei Drittel des Anstiegs der Devisenreserven verantwortlich.

Inzwischen hält die Nationalbank rund drei Viertel des Netto-Auslandvermögens der Schweiz. Damit werden auch die Abwertungsverluste weitgehend sozialisiert. Im ersten Quartal 2015 erlitt die SNB Wertverluste von 29,3 Milliarden Franken. (wv)

Devisen wurden stark entwertet

Dazu muss man wissen, dass sich unser Nettoguthaben von rund 800 Milliarden Franken Ende 2014 einerseits aus etwa 2500 Milliarden Guthaben in Devisen bestand, die sich stark entwerteten. Dem standen Frankenschulden von 1700 Milliarden entgegen, deren Kurs unverändert geblieben ist. 

Mit anderen Worten: Neun Jahre harte Arbeit mit hohen Überschüssen im Waren- und Dienstleistungsverkehr haben uns nicht nur nichts, sondern sogar noch einen Verlust von rund 30 Milliarden pro Jahr eingebracht. Das entspricht einer Rendite von rund minus 4 Prozent auf unserem Auslandvermögen. 

Hätten wir das Geld stattdessen in bessere Schulen, in Umweltschutz oder in den ökologischen Umbau unserer Energieversorgung investiert, wären wir heute deutlich besser dran. 

Auch 15 Jahre zurück gilt fast das Gleiche

Einverstanden: Die Auswahl der Zeitreihe ab 2006 überzeichnet den Trend ein wenig. Aber selbst wenn wir den Beobachtungszeitraum auf 15 Jahre ausdehnen, übersteigt der Wertverlust auf unseren Auslandvermögen die Kapitalerträge bei weitem. Per Saldo errechnet sich eine Rendite aus den Auslandanlagen von etwa minus 3 Prozent. 

Oder anders gesagt: Mehr als die Hälfte unseres Exportüberschusses wird laufend durch die Verluste bei den Auslandanlagen weggefressen. Wir arbeiten für die Katz. 

Die weiteren Aussichten sind auch nicht gerade rosig. Seit März hat sich der Franken erneut um etwa 3 Prozent aufgewertet. Zudem sind viele unserer Guthaben durch die hohen Börsenkurse aufgebläht. Unser Auslandvermögen dürfte sich bald weiter entwerten. 

Und wenn wir schon bei Zahlen und Fakten sind:

34 überraschend lustige und nützliche Karten, von denen du in der Schule nie etwas gehört hast

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die SNB stützt den Schweizer Franken und zahlt die Corona-Kredite

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte in der vergangenen Woche erneut gegen eine weitere Frankenaufwertung am Devisenmarkt interveniert haben. Darauf deuten die sprunghaft angestiegenen Sichtguthaben bei der SNB hin. Allerdings haben wohl auch weitere Faktoren wie die Corona-Notkredite den Anstieg beeinflusst.

Die Einlagen der Banken und des Bundes stiegen innert Wochenfrist um rund 11.7 Milliarden auf 620.5 Milliarden Franken, wie einer Mitteilung der SNB vom Montag zu entnehmen ist. Es …

Artikel lesen
Link zum Artikel