Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
[Symbolic Image / Staged Image] A Concordia Insurances health insurance card is used at the checkout of a pharmacy in Zurich, Switzerland, on October 28, 2019. (KEYSTONE/Christian Beutler)

[Symbolbild / Gestellte Szene] Eine Concordia Versicherungen Krankenversicherungskarte wird an der Kasse einer Apotheke benutzt, am 28. Oktober 2019 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Kassen wie Concordia zahlen ihren Versicherten zu hohe Prämieneinnahmen zurück. Bild: KEYSTONE

Strittiger Millionensegen: Krankenkassen zahlen überschüssige Prämien

Einige Versicherungen schütten regelmässig Geld an ihre Kunden aus. Nun will der Bund genauer hinsehen.

Andreas Möckli / ch media



Die Groupe Mutuel will ab nächstem Jahr ihren Kunden überschüssige Prämien zurückzahlen. Dies gab die Walliser Krankenkasse diese Woche bekannt. Drei Versicherungen schütten bereits Geld an ihre Kunden aus. Je nach Kanton können sich die Prämienzahler über eine beachtliche Summe freuen: Bei der Concordia sind es etwa im Kanton Appenzell Ausserrhoden 620 Franken, bei der Sympany in Luzern 400 Franken. In gewissen Kantonen wie Genf oder Schwyz gehen die Versicherten je nach Kasse aber auch leer aus.

Seit 2016 haben die Krankenversicherungen die Möglichkeit, zu hohe Prämieneinnahmen an ihre Versicherten zurückzuerstatten. Laut Gesetz müssen dazu die Einnahmen einer Kasse in einem Kanton deutlich höher sein als die Kosten, die in der Grundversicherung anfallen. Ein zweiter Weg führt über die Reserven. Hat eine Versicherung übermässige Reserven angehäuft, können diese abgebaut werden, indem den Prämienzahlern Geld zurückbezahlt wird.

Wie eine Umfrage bei den grossen Kassen des Landes zeigt, wird es neben Concordia, Sympany, Groupe Mutuel und Assura keine Nachzügler geben. Die ÖKK, Helsana und Visana sagen, sie prüften periodisch, ob überschüssige Prämien zurückbezahlt werden.

Viele Kassen halten ihre Überschüsse zurück

Sämtliche Krankenkassen stehen vor dem gleichen Problem: Eine punktgenaue Schätzung der Prämien sei gar nicht möglich, sagt Sympany-Chef Michael Willer. Die Versicherer müssten ja jeweils im Juni dem Bund die Prämien zur Bewilligung für das nächste Jahr vorlegen. «Zu diesem Zeitpunkt die genaue Entwicklung der Kosten abzuschätzen, ist anspruchsvoll», sagt Willer. Zudem sei noch gar nicht klar, wie sich die Versicherten im neuen Jahr zusammensetzen.

Hinzu komme der Risikoausgleich, der schwer abzuschätzen sei. Wenn eine Kasse ein Versichertenkollektiv mit vergleichsweise hohen Risiken aufweist, erhält sie Geld von jenen Versicherungen, die über ein besseres Risikoprofil verfügen. Da der Bund diesen Ausgleich in den letzten Jahren laufend verfeinert hat, sei die Berechnung der Prämien immer komplizierter geworden.

«Haben wir aus diesen Gründen zu viel Prämien eingenommen, geben wir das den Versicherten wieder zurück», sagt Willer. Aus seiner Sicht sei das auch für die Kunden fair und nachvollziehbar.

Das Lager, das ihren Versicherten keine Prämien zurückzahlt, behält die Überschüsse zurück. Wenn es dazu komme, würden diese in die Reserven der Kasse einfliessen, sagt etwa der Sprecher der Versicherung Swica. Wenn in einem späteren Jahr die Kosten stärker steigen, dienten die Reserven dazu, dies abzufedern. «Damit wird verhindert, dass überdurchschnittlich hohe Prämienanpassungen nötig werden.» Dadurch könne eine gewisse Stabilität gewährleistet werden.

«Wenn man bereits im Vornherein weiss, dass es zu einer Rückzahlung kommt, kann etwas nicht stimmen.»

Heinz Locher, Gesundheitsökonom

Nur in Ausnahmefällen Geld zurück

Die Luzerner Krankenkasse Concordia ist derzeit die einzige Versicherung, die neben den Prämien ihre überschüssigen Reserven an die Versicherten zurückbezahlt. Die Groupe Mutuel zieht nun nach – und will im nächsten Jahr 100 Millionen Franken an Reserven an ihre Kunden rückvergüten. Die Prognose der Ergebnisse in diesem Jahr sei gut, vor allem weil die Gesundheitsausgaben tiefer ausfielen als erwartet, sagt ein Sprecher. Zudem seien die Reserven der Groupe Mutuel nun ausreichend und entsprächen den gesetzlichen Reserven.

Gesundheitsökonom Heinz Locher kritisiert die vorzeitige Ankündigung der Groupe Mu­tuel. «Wenn man bereits im Vornherein weiss, dass es zu einer Rückzahlung kommt, kann etwas nicht stimmen.» Die Versicherungen könnten ihre Überschüsse in die nächste Prämienrunde einfliessen lassen.

Locher ist generell der Meinung, dass Überschüsse nur in Ausnahmefällen zurückbezahlt werden sollen. «Es kann ja mal passieren, dass es zu einer grösseren Abweichung zwischen Prämien und Kosten kommt.» Doch wenn dies zu einer planmässigen Massnahme verkomme, erwarte er vom Bund, dass er als Aufsichtsbehörde interveniere.

Das zuständige Bundesamt für Gesundheit will künftig genauer hinsehen. «Wird die Prämienrückerstattung systematisch angewandt und zu Marketingzwecken verwendet, müssen wir eine Präzisierung der Regelung auf Verordnungsebene prüfen», sagt Helga Portmann, Leiterin Versicherungsaufsicht bei der Behörde.

Ist das Ganze nur Marketing?

Nutzen die Krankenkassen die Rückzahlung übermässiger Prämien für Werbung in eigener Sache? Die SP hat dem Bundesrat in einem Vorstoss die Frage gestellt, ob die frühzeitige Ankündigung der Rückzahlung einer Strategie zur Kundenbindung gleiche. Namentlich erwähnt sind Concordia und Assura. Tatsächlich haben die beiden Versicherungen bereits im Frühling anlässlich der Bekanntgabe ihrer Jahresergebnisse mitgeteilt, wie viel Geld die Versicherten zurückerhalten.

Der Bundesrat zeigt sich in der Antwort auf den SP-Vorstoss erstaunt über das Vorpreschen der Kassen. Der Ausgleich zu hoher Prämien­einnahmen müsse von der ­Aufsichtsbehörde genehmigt werden. «Als die Aussagen der Versicherer in den Medien erschienen, war der Ausgleich jedoch noch nicht genehmigt.» Der Bundesrat prüfe daher, wie sich verhindern lasse, dass dieses Instrument kommerziell zweckentfremdet werde. Bereits bei der Bekanntgabe der Prämien für das nächste Jahr hat die Regierung jene Kassen gerügt, welche die Prämien vor der Genehmigung durch den Bund bekannt gegeben haben. (mka) (aargauerzeitung.ch)​

Alkoholprävention in Frankreich in den 50ern: Die Plakatkunst von Phillippe Foré

Emily und die Krankenkassen-Probleme

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

84
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

98
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

141
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

107
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

48
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

167
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

84
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

98
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

141
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

107
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

48
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

167
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Leichterbär 03.11.2019 19:57
    Highlight Highlight Prämienüberschüsse gleich mehr Gewinn für die 90 netten Krankenkassen.Ich muss ne Runde 🤮
  • Smeyers 03.11.2019 19:04
    Highlight Highlight Es liegt auf der Hand, die Krankenkassen haben Angst. Sie merken langsam, dass die Leute genug haben von den teuren Prämien und eine Einheitskasse an der Urne angenommen würde. Das einzige was das bisher verhindert hat, sind Lobbyisten in Bern. Selbst mit der SP und den Grünen sind die Lobbyisten gut verbandelt, sonst wäre das schon längsten auf dem Tisch.
  • Evan 03.11.2019 13:37
    Highlight Highlight Ich verstehe je länger desto weniger, warum wir an unserem System festhalten.
  • wolge 03.11.2019 12:38
    Highlight Highlight wie wäre es einfach mal die Prämien zu senken und nicht immer mit riesigen Reserven zu planen?

    Seit Jahren schon scheffeln die Kassen Geld wie Heu
    • wolge 04.11.2019 00:25
      Highlight Highlight Krankenkassen haben über 8 Milliarden ­Franken Reserven angehäuft – fast doppelt so viel, wie gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch weigern sich die meisten Versicherer, Prämienzahlern die überschüssigen ­Reserven zurückzuerstatten.

      Die Kassen horten Geld ihrer Ver­sicherten. Denn es gibt ­keine gesetzlich festgelegte Obergrenze für Reserven. Am 25.09.2018 lehnte die Krankenkassenlobby im Nationalrat eine Initiative des Kantons Genf ab, die eine Begrenzung der Re­serven bei Krankenkassen gefordert hatte.

      https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/trotz-milliardenreserven-hoehere-praemien/
    • wolge 04.11.2019 00:32
      Highlight Highlight Einige Krankenkassen geben pro Kunde mehr als doppelt so viel für  die Verwaltung aus wie andere. Das kostet jedes Jahr  Hunderte von Millionen an Prämiengeldern.

      Die Kassen geben allein in der Grundversicherung 55 Mio pro Jahr für Werbung aus. Weitere 43  Mo an Provisionen für Vermittler. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Bundesamts für Gesundheit.

      Würden die anderen neun Kassen aus den Top Ten so effizient arbeiten wie die CSS, liessen sich bei der Verwaltung 313 Mio sparen – pro Jahr.

      https://www.ktipp.ch/artikel/artikeldetail/krankenkassen-koennten-bei-den-verwaltungskosten-sparen/
      Benutzer Bild
  • Peter R. 03.11.2019 12:13
    Highlight Highlight Was da an Tricks in der Gesundheitsvorsorge geleistet wird, ist skandalös.
    Weiss gerade von einem Fall - ein Freund von mir wurde um 23.50h - also 10 Minuten vor Ende des Tages - in ein Spital eingeliefert, privat. Das Spital verrechnet für diesen Tag eine Tagespauschale sowie Kosten für Mahlzeiten!!
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 03.11.2019 12:31
      Highlight Highlight Und dann gibt es Fälle wo ein Spital gezwungen ist, Standardtherapie zu machen weil der Patient noch nicht 60 ist, obwohl nur noch ein Künstliches Gelenk helfen würde, was dann 2-3 garantiert einoperiert werden muss.
      Bis dahin windet sich der Patient vor Schmerz
    • Roman h 03.11.2019 14:57
      Highlight Highlight Mein Bruder wurde auch mal spät (nicht so spät wie bei ihnen) eingeliefert, auch privat.
      Auf die Frage nach etwas zu essen hies es nur das es nichts mehr gibt aber in der Nähe hat es einen Coop.
      Das verpasste Nachtessen wurde natürlich verrechnet.
  • Kaspar Floigen 03.11.2019 12:06
    Highlight Highlight Grundversicherung verstaatlichen! Da sind eh so viele Regulierungen vorhanden, dass der Markt zu keiner Effizienzsteigerung führt. Statt dessen wird getrickst an allen Enden.
    • Zerschmetterling 03.11.2019 12:56
      Highlight Highlight Das wäre das einzig richtige. Jedoch graut es mir vor dem schwerfälligen und unbeweglichen Amtsschimmel...
    • MAOAM 03.11.2019 19:23
      Highlight Highlight Man kann's auch aussprechen: Einheitskasse! Die Gesundheitskosten wären schon lange unter Kontrolle. Pharma und Gesundheitswesen hätten keine Chance zur Ausnützung. Einzig die Kontrolle der Einheitskasse müsste mal konkretisiert werden.
  • Randy Orton 03.11.2019 12:05
    Highlight Highlight Wenn eine Kasse in einem Jahr 100 Millionen aus den Reserven an die Versicherten zurückzahlen kann, will ich gar nicht wissen, wie unsinnig viel Geld bei den knapp 100 Kassen total rumliegt. Und wir bezahlen jedes Jahr mehr Prämien, damit jede Kasse ihren Verwaltungsapparat füttern kann und nich mehr Reserven anhäuft?
    • plusminus 03.11.2019 13:21
      Highlight Highlight Genau und Herr Berset unternimmt immer noch nicht mehr
  • teXI 03.11.2019 11:52
    Highlight Highlight Na bei Helsana gibts auch mindestens einen der davon profitiert... Darum kann er sich gut fast eine Mio pro Jahr aufs eigene Konto schieben lassen, von Geldern die die Bevölkerung zahlen MUSS. Da reicht das Geld nicht mehr um auch noch was den Prämienzahlern zurück zu geben. Das wird anders aufgeteilt...

Wir sollen länger arbeiten, meint die OECD

Die Schweiz soll das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre erhöhen. Das empfiehlt die OECD in ihrem Bericht zur Wirtschaftspolitik der Schweiz. Daneben fordert sie mehr Transparenz über die Auswirkungen von Investitionen auf das Klima.

Insgesamt schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich gut ab. Die Menschen in der Schweiz genössen weiterhin einen hohen Lebensstandard, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD in ihrem am Montag veröffentlichten …

Artikel lesen
Link zum Artikel