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Schlappe für Monsanto im Glyphosat-Prozess: Dieser Mann erhält 81 Millionen Dollar



Das zum Bayer-Konzern gehörende US-Unternehmen Monsanto muss fast 81 Millionen Dollar an den an Krebs erkrankten Edwin Hardeman zahlen. Dies entschied ein US-Gericht am Mittwoch. Der Rentner hatte den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup über Jahre eingesetzt.

FILE - In this Feb. 25, 2019 file photo, Edwin Hardeman leaves a federal courthouse in San Francisco. A federal court jury has awarded $80 million in damages to Hardeman, 70, in a high-stakes trial over his claim that Roundup weed killer caused his cancer. The six-person jury in San Francisco returned the amount for Hardeman on Wednesday, March 27, 2019. (AP Photo/Jeff Chiu, File)

Edwin Hardeman leidet an Krebs. Bild: AP/AP

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer verlor damit in den USA einen weiteren wichtigen Prozess um angeblich krebserregende Produkte der Tochter Monsanto. Eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco urteilte am Mittwoch, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichtungsmittels Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat haftbar ist. Monsanto muss dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von knapp 81 Millionen Dollar zahlen.

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht. Dennoch ändere das Urteil nichts «am Gewicht von über vier Jahrzehnten umfangreicher wissenschaftlicher Arbeit und den Schlussfolgerungen von Regulierungsbehörden weltweit, welche die Sicherheit unserer glyphosatbasierten Herbizide und die Schlussfolgerung stützen, dass diese nicht krebserregend sind».

Der Konzern kündigte zudem an, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. In der vergangenen Woche war die Jury bereits im vorentscheidenden ersten Teil des Prozesses zu dem Schluss gekommen, dass Roundup als krebserregend einzustufen sei.

Musterprozess

Für Bayer ist der Fall Hardeman hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden «Bellwether Case» handelt. Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt.

Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmass von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können. Insgesamt sind bei dem zuständigen US-Richter Vince Chhabria mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Konsumenten gebündelt.

Die Klagewelle gegen Bayer war so richtig ins Rollen gekommen, nachdem eine Geschworenenjury dem Krebspatienten Dewayne Johnson in einem anderen Verfahren im August insgesamt 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung zugesprochen hatte. Die Richterin senkte zwar die Strafe gegen den im vergangenen Jahr von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto später auf gut 78 Millionen Dollar, im Grundsatz änderte sie am Urteil aber nichts.

FILE - In this Aug. 10, 2018 file photo, Dewayne Johnson reacts after hearing the verdict in his case against Monsanto at the Superior Court of California in San Francisco. A Northern California groundskeeper says he will accept a judge's reduced verdict of $78 million against Monsanto after a jury found the company's weed killer caused his cancer. DeWayne Johnson's attorney informed the San Francisco Superior Court on Wednesday, Oct. 31, 2018. (Josh Edelson/Pool Photo via AP, File)

Dewayne Johnson vor Gericht. Bild: AP/Pool AFP

An der Börse steht Bayer wegen der vielen Glyphosat-Klagen in den USA inzwischen massiv unter Druck. Anleger und Analysten fragen sich, ob die Leverkusener die Risiken des rund 63 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Kaufs unterschätzt haben.

Das jetzige Verfahren war erst der Anfang: Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11'200 Klägern zugestellt. Am Donnerstag soll bereits ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten.

Einsatz in der Schweiz erlaubt

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat «wahrscheinlich krebserregend bei Menschen» sei.

In der Schweiz darf Glyphosat eingesetzt werden. Doch der Verkauf des umstrittenen Herbizids ist rückläufig. 2017 wurden davon noch 186 Tonnen verkauft. Dies sind 45 Prozent weniger als 2008, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Anfang Februar mitteilte. (sda/dpa/afp)

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