Wirtschaft
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Near empty cigarette shelves are seen at a CVS store in New York February 4, 2014. CVS Caremark Corp said on Wednesday that it would stop selling tobacco products at its 7,600 stores by October, becoming the first U.S. drugstore chain to take cigarettes off the shelf. Public health experts called the decision by the No. 2 U.S. drugstore chain a precedent-setting step that could pressure other stores to follow suit. Picture taken February 4, 2014.  REUTERS/Eric Thayer (UNITED STATES - Tags: BUSINESS HEALTH)

Leere Zigaretten-Regale im CVS. Bild: Reuters

Sinkende Nachfrage

Schwerer Schlag für US-Raucher: Die erste grosse Drogeriekette streicht Tabak aus dem Sortiment

In den USA will CVS ab Oktober auf den Verkauf von Zigaretten verzichten. Das zeigt, wie sehr sich die Tabakindustrie im Sinkflug befindet. Obwohl die Zahlen auch in der Schweiz rückläufig sind, ist man hier aber noch nicht so weit.



Die USA sind ein ungemütliches Pflaster für Raucher und Tabakfirmen. Klagen haben die Branche viel Geld gekostet und Rauchverbote die Kundschaft vergrault. Nun stoppt die erste grosse Drogeriekette den Verkauf jeglicher Glimmstengel.

Am Mittwoch verkündete Larry Merlo, Chef von CVS Caremark, einer der grössten Drogerieketten in den USA, seine radikale Entscheidung: In den mehr als 7600 Filialen seiner Kette werden ab 1. Oktober keine Zigaretten und andere Tabakprodukte mehr verkauft. Es ist der jüngste Schlag für Raucher und Tabakfirmen in den USA. Merlo begründet die Massnahme damit, dass die Gesundheit seiner Kunden wichtiger sei als der mit Zigaretten erzielte Umsatz. Doch der Entscheid dürfte auch aus weit pragmatischeren Gründen gefallen sein: Die Raucherzahlen sind seit Jahren rückläufig.

In der Schweiz noch kein Thema

So auch in der Schweiz: Laut BAG nimmt der Raucheranteil seit Mitte der 1990er-Jahr ab. Im Jahr 2009 wurden in der Schweiz etwa 12,3 Milliarden Zigaretten verkauft, das sind ungefähr 616 Millionen Zigarettenpäckchen, was 92 Päckchen pro Jahr und Einwohner über 14 Jahren in der Schweiz entspricht. 2012 rauchten 25,9 Prozent der Schweizer Bevölkerung über 15 Jahre.

Das spüren auch die Detailhändler. «Der Markt ist stark rückläufig – in den letzten beiden Jahren waren es jeweils minus zehn Prozent», sagt Denner-Mediensprecherin Paloma Martino. Der Konsum bleibe aber stabil. In der Schweiz wird also gleich viel geraucht, jedoch weniger verkauft und weniger Umsatz gemacht. «Die Konsumenten weichen auf günstigere Produkte wie selbstgedrehte Zigaretten oder Nicht-Marken-Produkte aus», ergänzt Martino.

Hinzu kommen Einnahmeeinbussen durch Duty Free, Schmuggel und Schwarzmarkt. Doch Zigaretten aus dem Sortiment zu streichen, sei kein Thema. So auch bei Coop: «Wir wollen unsere Kunden nicht bevormunden», sagt Mediensprecher Ramon Gander. Stattdessen verzichte Coop auf Tabakwaren-Aktionen und konzentriere sich auf konsequente Alterskontrollen.

Nur 10 von 50 Bundesstaaten haben noch kein Verbot

Die USA bleibt Vorreiter im Kampf gegen das Rauchen. Präsident Barack Obama war voll des Lobes für die Entscheidung der Drogeriekette. «CVS setzt ein machtvolles Beispiel», liess er in Washington erklären. Die Entscheidung habe eine «eine zutiefst positive Wirkung für die Gesundheit unseres Landes». 

Damit haben es Raucher in den USA in Zukunft noch schwerer. Es gibt allenthalben Rauchverbote in Restaurants, öffentlichen Gebäuden und Parks. Steuern haben die Zigaretten verteuert. Nur zehn der 50 Bundesstaaten haben bisher kein grundsätzliches Rauchverbot im öffentlichen Raum verhängt. 

Vorreiter ist die Stadt New York. Der frühere Stadtpräsident Michael Bloomberg unterzeichnete noch kurz vor seinem Abgang ein Gesetz, mit dem das Mindestalter von 18 auf 21 Jahre heraufgesetzt wurde. 

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Die Schachtel Zigaretten muss zudem mindestens 10.50 Dollar (9.50 Franken) kosten. Rauchende Touristen hatten schon zuvor grosse Augen gemacht, wenn sie die Preise in New York sahen. Selbst E-Zigaretten werden in Büros, Geschäften, Behörden und den mehr als 2000 Parks und Stränden der Stadt verboten. 

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Nur noch 18 Prozent der Erwachsenen rauchen

Für Harold Willer, Präsident der tabakfeindlichen American Lung Association ist das noch nicht genug. «Es muss mehr getan werden, um allen Rauchern beim Aufhören zu helfen», fordert er. Rund 20 Millionen Amerikaner seien seit 1964 an den Folgen des Rauchens gestorben. Jedes Jahr kämen rund 480'000 hinzu. 

Der lange Kampf gegen die Zigarette hat aber offenbar Wirkung gezeigt. Während 1965 rund 42 Prozent der Erwachsenen geraucht hätten, seien es 2012 nur noch 18 Prozent gewesen. 

Der Hersteller der Marlboro-Zigaretten vermeldete für das vergangene Jahr rückläufige Stückzahlen. Das dürfte auch erklären, warum CVS Caremark gerade jetzt den Tabakverkauf stoppt. Die Kette setzt darauf, neue Kunden unter den Nichtrauchern zu gewinnen – und Raucher mit einem eigenen Entwöhnungsprogramm zu bekehren.

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