Wirtschaft
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Menschen in der Rohrpost: Reisen wir bald in Röhren?

Bald reisen Menschen mit 1200 Sachen in der Rohrpost

Tesla-Chef und Technologie-Visionär Elon Musk treibt ein neues Projekt voran: Reisen in der Rohrpost. Der «Hyperloop» soll schneller und ökologischer als jedes herkömmliche Verkehrsmittel sein. In zwei Jahren soll die erste Strecke in Betrieb genommen werden. Wo? Natürlich im Silicon Valley in Kalifornien.

30.01.16, 07:12 31.01.16, 10:21

Fabian Hock



Man stelle sich einmal vor, man steigt ein in eine enge Metallröhre, schnallt sich an seinem Sitz fest, beschleunigt innert Sekunden auf eine aberwitzige Geschwindigkeit von mehreren hundert Stundenkilometern und schiesst an der Seite seiner Mitreisenden durch eine Umgebung mit so geringem Luftdruck, dass keiner ausserhalb der Kapsel atmen könnte.

Eine komische Vorstellung – und doch dürften die meisten von uns das schon erlebt haben. Sogar mehrfach. Jedes Mal, wenn wir ein Flugzeug besteigen.

Flugzeug in der Röhre

So gesehen, wirkt das neueste Projekt von Erfinder, Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk gar nicht mehr so weltfremd. Eine Kapsel mit Menschen drin rast irre schnell durch einen Raum mit wenig Luftwiderstand von einer Stadt zur nächsten. Der entscheidende Unterschied: Das Ganze passiert nicht in 10'000 Metern Höhe in einem Flugzeug, sondern ganz irdisch, in einer fast luftleeren Röhre am Boden.

Einführung in Hyperloop Technologies.
YouTube/Hyperloop Technologies, Inc

Mit beinahe Schallgeschwindigkeit, nämlich mit gut 1200 Kilometern pro Stunde, schiessen die Passagiere durch den «Hyperloop». So nennt Musk seine Idee der menschlichen Rohrpost. Diese ist freilich nicht neu: Seit Jahrzehnten träumen Science-Fiction-Fans von solchen Transportkapseln. Doch jetzt wird es ernst.

Die Fiktion ist keine mehr

Der Mann, der den Hyperloop baut, ist Deutscher. Im berühmten Silicon Valley, dem technologischen Herzen der Vereinigten Staaten zwischen San Francisco und Los Angeles, hat Dirk Ahlborn die Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT) gegründet.

Elon Musk hat HTT als eines von zwei Unternehmen mit dem Hyperloop-Bau beauftragt – auch das Ingenieurs-Unternehmen Aecom arbeitet daran.

This conceptual design rendering provided by SpaceX shows a Hyperloop passenger transport capsule, at a station ready to take on passengers, the core of a high-speed system that billionaire Elon Musk suggested two years ago, that would zoom passenger capsules through elevated tubes at the speed of sound. The 400-mile trip between Los Angeles and San Francisco would take a half-hour. Musk’s company, SpaceX, announced Monday, June 15, 2015 that it plans to build a one-mile test track next to its headquarters in Hawthorne, Calif. The company will hold a competition there next year with teams testing designs for Hyperloop passenger pods.(SpaceX via AP)

Bild: AP/SpaceX

Ein Transportmittel, das günstiger, schneller und sauberer ist als alles bisher Bekannte, das ist das Ziel. Musk selbst konzentriert sich derweil auf seine Elektroautos und Raketen.

Ahlborn wird wohl der Erste sein, der den Hyperloop tatsächlich umsetzt. Mit den Bauarbeiten in Quay Valley, einer grünen Modellstadt mit Freizeitparks, Hotels und komplett erneuerbarer Energieversorgung auf halber Strecke zwischen San Francisco und LA, will er noch in diesem Jahr beginnen. In zwei Jahren sollen die ersten Passagiere transportiert werden.

In dieser Woche war Ahlborn zu Besuch in Zürich. Am WorldWebForum, organisiert vom ehemaligen Profi-Triathleten Fabian Hediger und unterstützt von Firmen wie Swisscom, der Post und dem Versicherer Swiss Life, versammelte sich die Elite des Silicon Valley: Von den Vordenkern wie dem ehemaligen Apple-Chef John Sculley über die Umsetzer wie Ahlborn bis hin zu den Financiers.

Hier entstehen die ersten Hyperloop-Tubes.
YouTube/CNNMoney

Diese Trias ist wohl der Hauptgrund, warum Projekte wie der Hyperloop, selbstfahrende Autos und Mobilitäts-Dienste wie Uber keine Utopien mehr sind, sondern inzwischen Realität.

Als Sculley gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Steve Jobs den heutigen Weltkonzern Apple aufbaute, erfanden sie etwas völlig Neues: den Computer. Wettbewerb von etablierten Konzernen gab es nicht. Die Ingenieure im Silicon Valley waren praktisch konkurrenzlos.

Heute sieht das anders aus. Denn die IT-Spezialisten beschränken sich längst nicht mehr nur auf ihre Nische, sondern wildern in fremdem Terrain. Die Mobilität steht dabei ganz weit oben auf der Liste:

Apple und Google – die beiden wertvollsten Unternehmen der Welt – drängen in Gebiete, die einst Automobilhersteller für sich hatten. Es ist Ahlborn mit seinen Mitarbeitern, die zumindest in der frühen Phase mit Firmenanteilen statt mit Geld entlohnt werden, der den Hyperloop baut, und nicht etwa Bombardier, Alstom oder Airbus. Und das Zwei-Mann-Start-up Uber legt sich heute mit den Taxifahrern dieser Welt an.

Die Tour über den Campus von Hyperloop Technologies Inc.
YouTube/Hyperloop Technologies, Inc

Innerhalb weniger Jahre haben die Silicon-Valley-Start-ups unglaubliche Grössen erreicht. Zu verdanken haben sie dies der immer besser werdenden Technologie – und Leuten wie Kirsty Nathoo. Sie gehört zu den Financiers.

Als Partnerin bei Y Combinator finanziert sie Startups bereits in den ersten drei Monaten. «Wir investieren kleine Beträge in eine Vielzahl von Firmen», sagt sie am WorldWebForum, «manchmal bevor die Gründer überhaupt eine Firma sind».

Enormes Risiko

In 99 Prozent der Fälle müsse man sich zwar vom Geld verabschieden. «Aber diese eine Idee kann das neue Facebook sein.» Nathoo weiss, wovon sie spricht: Ihr Unternehmen war massgeblich daran beteiligt, dass selbst die grössten Hotelketten heute vor dem Start-up Airbnb zittern.

Was Nathoo in Zürich nicht verschweigt: Zu dieser Art von Wirtschaft gehört ein enormes Risiko. Die Möglichkeiten seien jedoch gleichsam enorm – «besonders bei der Mobilität». Auf die Veränderungen in diesem Bereich freue sie sich am meisten.

Visionär und risikobereit waren sie im Silicon Valley schon immer. Die Möglichkeiten dank neuer Technologie sind jedoch so gross wie nie zuvor. Und ein Weiteres komme hinzu, sagt Ex-Apple-Chef Sculley: «Es war noch nie so viel Geld im Valley wie jetzt.» (aargauerzeitung.ch)

Diese Menschen arbeiten am Proejkt Hyperloop.
YouTube/Hyperloop Technologies, Inc

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • anatomyjane 30.01.2016 20:58
    Highlight Hoffe die bauen diese Röhren gross genug. Sonst heisst es: Ahoi Claustrophobie!
    1 0 Melden
  • Charlie Brown 30.01.2016 13:27
    Highlight Ich hoffe, die Idee ist mehr als nur "das neue facebook". Warum? Wir reden in 5 Jahren noch einmal über den nachhaltigen Wert von Zuckerbergs Firma.
    6 6 Melden
  • franky_fix 30.01.2016 12:44
    Highlight Die Concorde hatte mehr als 2000km/h drauf!
    4 1 Melden
    • Charlie Brown 30.01.2016 13:23
      Highlight Schon... Aber trotzdem nur 1763 km/h im Schnitt zwischen Paris und New York als absoluter Rekord.
      3 1 Melden
  • WatsonLeser 30.01.2016 12:11
    Highlight Typisch amerikanisches Video einer 'revolutionären' Technologie, in dem einige Mitarbeiter so tun, als würden sie das Rad neu erfinden und als seien auf einmal alle Probleme dieser Welt gelöst...
    11 19 Melden
    • Ton 30.01.2016 21:37
      Highlight Genau, wir Amerikaner haben halt eine can-do-attitude. Hundertmal gehts vielleicht schief, aber ohne den Optimismus käme es nicht zu dem einen Erfolg der die Welt verändert. :-)
      4 1 Melden
  • Rodolfo 30.01.2016 11:42
    Highlight Fabian Hock, was Du vergessen hast: Durch welche Kraft wird diese Kapsel im fast luftleeren Raum denn angetrieben?
    Was passiert, wenn ein Passagier "unwohl" ist, wenn er einen Herzinfarkt hat? Oder ganz einfach nur pippelen muss?
    5 11 Melden
    • Amanaparts 30.01.2016 12:25
      Highlight Kennst du U-Bahn?
      10 2 Melden
    • Charlie Brown 30.01.2016 13:15
      Highlight @Rodolfo: Während Start und Landung eines Flugzeuges kannst du auch nicht pippeln gehen. In der Zeit, welche das in Anspruch nimmt, bist du mit dem Teil schon von Basel nach Chiasso geschossen.

      Und was passiert bei einem Herzunfarkt kurz nach Einfahrt in den Gotthardbasistunnel? Oder noch besser, wenn der Fahrer eines Autos einen erleidet? 100% Sicherheit gibt es nicht.
      13 2 Melden
    • anatomyjane 31.01.2016 09:36
      Highlight Weiss nicht ob du das gemeint hast mit der Frage, aber z.B. Herzinfarkt im Zug/Flugzeug: die Passagiere sind mobil und jemand kann zum Patienten hingehen und ihn erstversorgen. Wenn die Rohrpost so funktioniert wie auf der Zeichnung, dann kann man während der Fahrt seinen Sitz nicht verlassen.
      0 0 Melden
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  • --Sevi-- 30.01.2016 10:39
    Highlight Die sollten diese Hyperloops auch bei uns bauen, dann wäre die SBB endlich mal gezwungen ihre Preise zu senken. ^^
    16 5 Melden
    • Charlie Brown 30.01.2016 13:19
      Highlight @Sevi: Eine Reise mit dem loop wird wahrscheinlich preislich nicht attraktiver als mit der Bahn sein. Aber ich kenne die detaillierte Investitions- und Wirtschaftlichkeitsrechnung des Projektes nicht, ist also nur ein Bauchgefühl.
      1 4 Melden
    • --Sevi-- 30.01.2016 13:29
      Highlight Die Strecke La.bis San Francisco wird ca. 20$ meinte der Man im Video. 🎉 Tönt also besser als Bahnpreise ^^
      7 0 Melden
    • Charlie Brown 30.01.2016 13:48
      Highlight Ja. Die Beschaffenheit der Erdoberfläche in der Schweiz ist aber wahrscheinlich schwieriger. Es bräuchte Tunnel wegen der Berge. Und wegen dem Landschaftsschutz auch noch. Das verteuert das Projekt und die Fahrpreise ungemein. Wie gesagt, nur eine unfundierte Einschätzung.
      1 0 Melden
  • Cabonga 30.01.2016 10:29
    Highlight Das ist Zukunft und technisch sehr interessant aber zu welchem aktuellen Problem soll es eine Lösung sein? Eine Strasse oder Schiene lässt sich auch mit dem Esel nutzen, beim Hyperloop ist das beim Wegfallen der technischen Resourcen nicht möglich. In Zeiten der Klimaerwärmung führt nur "weniger" zu einer Reduktion.
    4 7 Melden
    • --Sevi-- 30.01.2016 11:19
      Highlight Das ganze ist nicht eine Lösung zu einem Problem, sonder eine Weiterentwicklung von bisherigem sozusagen. Ausserdem soll dieses System mit Solarenergie betrieben werden, weshalb es mindesten umweltfreundlicher als Autos oder Züge ist.
      8 4 Melden
    • whatthepuck 30.01.2016 15:42
      Highlight Inwiefern ist Solarenergie umweltfreundlicher als die Wasserkraft, mit der die SBB ihre Züge betreibt?

      Zudem habe ich Zweifel an der Beförderungskapazität des Hyperloops. Nur weil einzelne Menschen schnell damit reisen können, heisst das nicht, dass grosse Massen an Menschen damit befördert werden können. Wegen des hohen Tempos und den wirkenden Kräften braucht der HL vermutlich eine Mindestdistanz, dass er überhaupt sinnvoll ist. Aber über Mittelstrecken ist ein HG-Zug dann vermutlich leistungsfähiger. Aussagen zur Positionierung des HL wären wirklich spannend zu hören! Nur für die Elite?
      4 0 Melden
    • ramonke 30.01.2016 17:22
      Highlight wenn die sbb ihre züge mit wasserkraft antreibt ist das doch bloss eine täuschung. den meisten strom in der schweiz erzeugen pumpkraftwerke und diese werden in der nacht mit atomstrom gefüllt und produzieren am tag dann durch das entleeren wieder strom. aber ohne atomkraftwerke funktioniert dieses system nicht. auch wenn die schweiz aus dem atomstrom aussteigt ist sie dann trotzdem in der nacht noch von atomstrom aus frankreich abhängig.... solarstrom hat den vorteil das es da wirklich keine akws mehr braucht
      2 0 Melden
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  • Zeit_Genosse 30.01.2016 09:56
    Highlight Im Valley fliesst viel Geld. Schnell in Projekte und aber auch schnell wieder weg, wenn der Erfolg nicht rasch kommt. Geschwindigkeit ist im Valley wichtig und der Unterschied zur Schweiz, wo es viel Geld hätte, alles langsam läuft und wenig Risiken genommen werden und damit auch eine magere Chancennutzung bleibt, sowie wenig Fortschritt und globaler Wachstumsapproach als Ziel verstanden wird. Deshalb gibt es kein Swiss Valley, sondern verstreute Innovationsparks und lokale Standortförderer.
    27 1 Melden
  • Gottlieb Duttweiler 30.01.2016 09:40
    Highlight Ein Rohrkrepierer.
    10 24 Melden

Österreicher machen aus Plastikabfall wieder Öl – es gibt im Moment nur ein Problem

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