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This May 2016 photo provided by researcher Jane Greaves shows the planet Venus, seen from the Japan Aerospace Exploration Agency's Akatsuki probe. (J. Greaves/Cardiff University/JAXA via AP)

Unser Nachbarplanet Venus: Eine heisse Hölle, auf der es aber möglicherweise mikrobiologisches Leben gibt. Bild: keystone

In der Venus-Atmosphäre gefundenes Molekül weist auf mikrobiologisches Leben hin



Die Erde ist vielleicht nicht der einzige Ort im All, an dem es Leben gibt. Auf der Venus könnte es Mikroben geben, die in den Wolkenschichten unseres inneren Nachbarplaneten überleben. Astrobiologen haben in der Venus-Atmosphäre ein Gas nachgewiesen, dessen Vorhandensein auf biologische Prozesse hinweist.

Das internationale Forschungsteam aus Wissenschaftlern Wissenschaftlern der Cardiff University, der University of Manchester und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) präsentierte seine Erkenntnisse in einer Medienkonferenz, die um 17 Uhr (MEZ) via Zoom stattfand. Die Forscher bestätigten, was zuvor bereits als Gerücht kursiert hatte: Sie haben in der mittleren Venus-Atmosphäre die Signatur von Monophosphan (Phosphin, PH3) entdeckt. Dieses Molekül gilt als Biomarker, da es zumindest auf der Erde nur künstlich in Labors oder von anaeroben Mikroben erzeugt werden kann.

Die Entdeckung des Moleküls gelang den Wissenschaftlern mithilfe des James Clerk Maxwell Telescope (JCMT) auf Hawaii und des Atacama Large Milimetre Array (ALMA). Letzteres wird unter anderem von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betrieben. Die Information war bereits am Sonntagnachmittag – vermutlich aufgrund eines Bruchs der Sperrfrist – publik geworden. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe von «Nature Astronomy» erschienen.

Das Vorhandensein von Monophosphan in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten ist allerdings kein wasserdichter, direkter Beweis der Existenz von Leben. Es ist vielmehr ein sehr deutlicher Beleg für chemische Reaktionen auf der Venus, die nach gegenwärtigem Wissensstand lediglich von anaeroben Mikroben verursacht sein können. Laut der geleakten Studie können abiotische Mechanismen – also solche, bei denen kein Leben involviert ist – nicht für die grossen Mengen von Monophosphan verantwortlich sein, die nun entdeckt wurden. Die Verbindung wurde in jenen Schichten der Venus-Atmospäre nachgewiesen, die manche Astrobiologen für potenziell lebensfreundlich halten.

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«Possible signs of life on Venus» Video: YouTube/Massachusetts Institute of Technology (MIT)

Die an der Studie beteiligten Astronomen ermuntern ihre Fachkollegen, Erklärungen für das Vorhandensein von Monophosphan zu finden, die ohne die Anwesenheit von Leben auskommen. Das Molekül, das aus einem Phosphor- und drei Wasserstoffatomen besteht, ist ausserhalb der Erde bisher nur in den Atmosphären von Gasriesen wie Jupiter und Saturn nachgewiesen worden. Unter den dort herrschenden Bedingungen waren die enormen Energiemengen vorhanden, die bei der Bildung dieser Verbindung erforderlich sind.

Auf der Erde bilden anaerobe Mikroben in sauerstoffarmen Zonen Monophosphan, indem sie Phosphatmineralien und Wasserstoff absorbieren und die Verbindung als Ausscheidungsprodukt in die Umgebung abgeben. Ansonsten entstehen kleine Mengen des Gases bei Blitzen oder in Vulkanen. In der Wolkenhülle der Venus befindet sich laut den Forschern 10'000 Mal so viel Monophosphan, als durch solche Quellen gebildet werden könnte.

Janusz Petkowski, einer der Studienautoren, zieht folgendes Fazit:

«Unsere Entdeckung bedeutet, dass es dort entweder Leben oder physikalische oder chemische Prozesse gibt, die wir auf Felsplaneten bisher nicht in dieser Art erwartet hätten. (…) Wir haben tatsächlich alle bekannten Wege überprüft, über die Monophosphan auf Felsplaneten entstehen könnte. Wenn wir es hier nicht mit Leben zu tun haben, dann klafft in unserem Verständnis von Felsplaneten allgemein eine gewaltige Wissenslücke.»

(dhr)

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    Alle Leser-Kommentare
  • VileCoyote 14.09.2020 22:27
    Highlight Highlight Das mit den Banken ist im Vergleich zu diwser Nachricht eine Nichtigkeit.
  • weissauchnicht 14.09.2020 21:59
    Highlight Highlight Abwegig ist das nicht. Es gibt offenbar auch Hinweise, dass es bis vor 700 Mio Jahren auf der Venus einmal flüssiges Wasser gegeben haben könnte, mit erdähnlichem Klima. Wenn dem so ist könnte es gar auch komplexeres Leben gegeben haben. Mit der vulkanisch bedingten Klimakatastrophe haben gewisse Organismen vielleicht trotzdem noch bis in die heutige Atmosphäre überlebt. Spannend!

    https://www.scinexx.de/news/kosmos/wie-lebensfreundlich-war-die-venus/
  • Jonas Weber 14.09.2020 21:44
    Highlight Highlight Ich erwarte morgen einen hübschen grossen Artikel darüber, sonst bin ich also enttäuscht von euch..
  • dmark 14.09.2020 19:34
    Highlight Highlight Also, wenn etwas bei rund 460°C noch leben kann - Respekt.
    • DerRaucher 14.09.2020 20:12
      Highlight Highlight Je nach dem in welcher Wolkenschicht das ganze gefunden wurde sind die Temperaturen da oben dann nicht mehr so hoch wie auf der Oberfläche
      Benutzer Bild
    • XKCD 14.09.2020 21:14
      Highlight Highlight Die Venus ist ja nicht überall so heiss - in der oberen Atmosphäre wirds immer kühler.
    • Uranos 14.09.2020 22:49
      Highlight Highlight Nur auf der Oberfläche ist es so heiss. Auf etwa 75 km Höhe besitzen Erde und Venus die gleiche Temperatur (~ -70°C)
    Weitere Antworten anzeigen
  • α Virginis 14.09.2020 19:14
    Highlight Highlight Leben richtet sich immer nach den gegebenen umweltzuständen. Selbst hier, auf der Erde gibt es Extremophile, bei denen wir nicht ganz verstehen, wie eine Existenz zum Beispiel bei völliger Dunkelheit,mit 130 Grad Celsius und praktisch ohne Sauerstoff möglich ist (Stichwort schwarze Raucher in der Tiefsee). Wieso sollte es nicht möglich sein, dass es da draussen viel mehr Leben gibt, als wir uns nur vorstellen können? Vielleicht haben wir da zu enge Vorstellung, um uns einfach mal z.B. Leben auf Silikatbasis, statt Kohlenstoff vorstellen zu können.
    Auf jeden Fall sehr spannend...
  • awesomelicious 14.09.2020 18:33
    Highlight Highlight Interessanter Bericht dazu von TerraX (abgesehen von der Kameraführung 😉)
    Play Icon
  • RalpH_himself 14.09.2020 18:09
    Highlight Highlight "I'm not saying it's Aliens, but... it's Aliens!"
    • Amateurschreiber 14.09.2020 19:13
      Highlight Highlight Du meinst:
      Benutzer Bild
  • Klaus1963 14.09.2020 16:56
    Highlight Highlight Messfehler?
  • Dirty Sanchez 14.09.2020 16:12
    Highlight Highlight Klingt spannend, aber auf einem sehr akademischen Level. Die Venus ist nicht gerade ein idealer Planet für Leben wie wir es kennen, und Phosphane sind instabil wenn nur Spuren von Sauerstoff vorhanden sind (deswegen "anaerobe Bakterien") und für Erdlebewesen äusserst giftig (damit wurden früher Wühlmäuse bekämpft).
    • -thomi- 14.09.2020 17:47
      Highlight Highlight Steht sogar im Abstract, dass man auf der Venus einfach keine Prozesse, ausser den Biochemischen bislang beobachten konnte. Daher gibts ja gottseidank peer-reviewed journals für die Wissenschaft.
    • djohhny 14.09.2020 19:15
      Highlight Highlight Es geht auch nicht darum ob es dort Lebensfreundlich ist oder nicht sondern darum, dass es organische Materie gibt. Das also sogar unter diesen lebensfeindlichen Bedingungen Leben möglich ist, lässt schon etwas darauf schliessen, dass es im Universum wahrscheinlich noch sehr viel Leben gibt.
    • Nummelin 14.09.2020 21:08
      Highlight Highlight Doch die Venus ist sehr ideal für Leben. Viel Idealer als der Mars. Die Venus hat eine starke Atmosphäre, eine lebensfreundliche Zohne in ca. 30 km Höhe, genau da wo die Wissenschaftler die Biomarker gefunden haben. Wenn es Leben geben sollte, dann am ehesten auf der Venus oder vielleicht noch unter der Eisdecke vom Mond Europa. Dort hin wird auch in Kürze eine Sonde geschickt und nun auch zur Venus.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schreimschrum 14.09.2020 16:11
    Highlight Highlight Endlich! Dies sollte top News Nummer 1 sein, nicht Corona.
    • -thomi- 14.09.2020 19:31
      Highlight Highlight Das Problem dabei: Wir haben was gefunden bei Corona! Medien: Sofort raushauen!
      Wir könnten hinweise darauf haben, dass ein Molekül, dass in dieser Atmosphäre nur durch biochemische Prozesse produziert werden kann, oder solche, die wir nicht kennen. Medien: Leben auf der Venus! Wissenschaftliche Journale: Wir prüfen das und lassen Euch wissen, ob wir das veröffentlichen. Don't call us, we call you.
      Ich glaube, Einstein konnte nur deshalb so berühmt werden, weil kein einziger Journalist nur ansatzweise verstanden hat, was er tat.
    • Klaus1963 14.09.2020 19:48
      Highlight Highlight Mit Verlaub: das ist Quatsch. Ausserdem ist die Bildung ohne Zutun von Aliens von Monophosphan durch die atmosphärische Zusammensetzung und dem auf der Venus herrschendem Bodendruck von über 90bar viel wahrscheinlicher.
    • MaskedGaijin 15.09.2020 00:59
      Highlight Highlight Corona kommt aus dem All!!!👽
    Weitere Antworten anzeigen
  • MarGo 14.09.2020 16:02
    Highlight Highlight Spannend...
    Passend dazu hab ich gestern eine super arte Doku über die Rosetta Mission gesehen, bei der die Schweizerin (!) Kathrin Altwegg Aminosäuren auf einem Kometen gefunden hat... ich glaub nicht, dass wir soo allein sind im ganzen Weltall... :)

    Play Icon
    • Klaus1963 14.09.2020 19:32
      Highlight Highlight Das wir allein im Universum sind glaube ich auch nicht. Dass es aber hochintelligente Aliens gibt halte ich für extrem unwahrscheinlich. Warum? Weil ich denke, dass jede höher entwickelte Spezies es fertig bringt sich selbst zu zerstören, bevor sie in die wirklichen Tiefen des Weltalls auszuwandern in der Lage ist. Vielleicht ist das sogar ein Naturgesetz...
    • MarGo 15.09.2020 09:35
      Highlight Highlight Ich denk mir immer, wenn es tatsächlich so hochintelligente Aliens gäbe, tun sie gut daran, einen grossen Bogen um uns zu machen ;)
      Dass sich alles Intelligente letztlich selbst zerstört, ist mit Blick auf die Erde sicher nachvollziehbar... Aber das All ist gross und die Wahrscheinlichkeit, dass es Leben gibt irgendwo dementsprechend auch... und wenn nur eins von einer Millarde den Entwicklungsprozess geschafft hat... wer weiss... ;)

      Ich bin mir auf jeden Fall ziemlich sicher, dass höher entwickelte Wesen keinerlei Interesse an uns hätten ;)
    • mon tuno 15.09.2020 11:56
      Highlight Highlight @MarGo
      Es gibt intelligentes Leben! Ansonsten hätten sie Kontakt aufgenommen
    Weitere Antworten anzeigen

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