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Urzeit-Oktopusse: Studie deutet auf 19 Meter lange Topräuber hin

Yohei Utsuki/Department of Earth and Planetary Sciences, Hokkaido University/Handout via REUTERS
Yohei Utsuki/Department of Earth and Planetary Sciences, Hokkaido University/Handout via REUTERS

Vor diesem Tier hättest du im Urmeer wirklich Angst gehabt

Sie waren riesig, intelligent und effizient: Gigantische Oktopus-Verwandte jagten schon vor bis zu 100 Millionen Jahren Beute, die bislang anderen Jägern zugeschrieben wurde.
25.04.2026, 19:4225.04.2026, 21:38
Jörg Geiger / t-online
Ein Artikel von
t-online

Vor bis zu 100 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, sollen gigantische, krakenartige Oktopus-Verwandte mit bis zu 19 Metern Länge die Ozeane durchstreift haben. Mit kräftigen Schnäbeln zermalmten sie Knochen und Schalen – möglicherweise auch grosse Meeresreptilien. Darauf deuten neue Analysen von Fossilien hin, deren Ergebnisse am Donnerstag im Fachjournal «Science» veröffentlicht wurden.

«Unsere Studie zeigt, dass es sich nicht einfach um grosse Versionen moderner Oktopusse gehandelt habe», sagte Studienleiter Yasuhiro Iba, Paläontologe an der japanischen Hokkaido-Universität, dem «Guardian». «Sie seien gigantische Räuber an der Spitze der marinen Nahrungskette der Kreidezeit gewesen. Das verändere die Vorstellung, dass diese Meere nur von grossen Wirbeltieren dominiert worden seien.»

Spurensuche im Verborgenen

Die Kreidezeit dauerte etwa von 145 bis 66 Millionen Jahren – eine Epoche mit deutlich wärmerem Klima und höheren Meeresspiegeln. Bislang galten Haie und Meeresreptilien wie Mosasaurier oder Plesiosaurier als die dominanten Jäger dieser Zeit. Das liegt auch daran, dass Oktopusse kaum Fossilien hinterlassen, da ihr Körper fast vollständig aus weichem Gewebe besteht. Das Forschungsteam aus Japan und Deutschland konzentrierten sich für die Studie deshalb auf den einzigen harten Teil: die Kiefer, auch Schnabel genannt.

Der «Washington Post» teilte der Forscher Iba mit, einige der frühesten Oktopusse seien «viel grösser gewesen, als wir es uns vorgestellt haben», während Weichkörperorganismen im Fossilbericht lange «weitgehend unsichtbar geblieben» seien.

Die Wissenschaftler untersuchten 15 bereits bekannte Fossilien, die zuvor Vampirtintenfischen zugeordnet worden waren, und ordneten sie neu der Gattung Nanaimoteuthis zu. Mithilfe digitaler Verfahren entdeckten sie zudem zwölf weitere Exemplare in Gesteinsschichten, die auf ein Alter von etwa 72 bis 100 Millionen Jahren datiert werden.

Anhand der Grösse dieser Kiefer rekonstruierten sie die Körperlänge. Eine Art, Nanaimoteuthis haggarti, könnte demnach sieben bis 19 Meter lang geworden sein – grösser als heutige Riesenkalmare, die zu den grössten bekannten wirbellosen Tieren zählen.

Jagd mit Präzision

Entscheidend sind die Spuren auf den Fossilien: Deutliche Abnutzung an den Schnäbeln weist darauf hin, dass die Tiere regelmässig harte Beute zerbissen.

Iba erklärte gegenüber dem «Guardian», die Tiere hätten «vermutlich ihre langen Arme genutzt, um Beute zu packen, und ihren kräftigen Unterkiefer, um harte Strukturen wie Schalen oder Knochen zu zerquetschen». Zu ihrem Beutespektrum könnten Knochenfische, Schalentiere – und möglicherweise auch grosse Meeresreptilien gehört haben.

Der Paläobiologe Thomas Clements von der University of Reading, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte dem «Guardian»: «Einen Schnabel dieser Grösse zu sehen, ist ehrlich gesagt ziemlich erstaunlich. Das war ein riesiges Tier. Ich hätte sicher nicht im Urmeer schwimmen wollen, wenn diese Tiere dort unterwegs gewesen wären.»

Neue Perspektive auf alte Meere

Auch für andere Fachleute verändert der Fund das Gesamtbild. Neil Landman vom American Museum of Natural History erklärte der «Washington Post», die Arbeit sei «sehr spannend» und stosse in der Fachwelt auf grosses Interesse.

Das Problem bei solchen Tieren sei ihr schlechter Fossilnachweis: «Man bekommt keinen wirklich guten Fossilbericht», sagte Landman. Der Ansatz, gezielt die Kiefer zu untersuchen, eröffne deshalb neue Einblicke.

Auffällig sei zudem, dass die Schnäbel einseitig stärker abgenutzt waren – ein Hinweis auf eine Art «Händigkeit». Das deute darauf hin, dass die Tiere bestimmte Arme bevorzugt eingesetzt hätten, ähnlich wie heutige Oktopusse. Iba sagte dem «Guardian», dies zeige, «dass diese Tiere nicht nur kräftige, sondern auch verhaltensmässig komplexe Räuber gewesen seien».

Warum diese Giganten verschwanden, ist unklar: Nach der Kreidezeit fehlen entsprechende Funde bislang, was laut Iba, der sich dazu gegenüber der «Washington Post» äusserte, auch an Lücken im Fossilbestand liegen könne; zugleich spreche vieles für einen tiefgreifenden ökologischen Wandel in den Ozeanen, der diese ungewöhnlichen Jäger aus dem Gleichgewicht der Meere verdrängt habe.

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Die beliebtesten Kommentare
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@Jeff
25.04.2026 20:37registriert Juli 2023
Früher war alles besser - stell dir nur die Calamari vor, die mit solchen Giganten zubereitet werden konnten🤣
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