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Chinesische Forscher haben bei Embryos Gene manipuliert



Chinesische Wissenschaftler haben nicht-lebensfähige menschliche Embryos manipuliert, um eine Resistenz gegen das AIDS-Virus in ihr Erbgut einzubauen. Die Machbarkeitsstudie heizt die Diskussion um die umstrittene Gentechnik weiter an.

A man watching a video installation showing a human embryo at the new exhibition

Ein Besucher der Ausstellung «Wunder der Natur» in Oberhausen in Deutschland.
Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Es ist die zweite Publikation über Versuche, menschliche Embryos genetisch zu manipulieren, schrieb das Newsportal «Nature News» des Fachjournals «Nature» am Freitag. Ein anderes chinesisches Forscherteam hatte bereits im April 2015 eine ähnliche Studie veröffentlicht, bei der es mithilfe der Gentechnik-Methode Crispr-Cas9 versuchte, einen krank machenden Gendefekt zu beheben.

Bereits damals gab es Gerüchte, das weitere chinesische Wissenschaftler ähnliche Arbeiten zur Veröffentlichung eingereicht hatten. Dazu könnte auch die am 6. April im «Journal of Assisted Reproduction and Genetics» veröffentlichte Studie gehören.

Wenig erfolgreicher Versuch

Ziel der Wissenschaftler der Guangzhou Medical University in China war es, ein Gen namens CCR5 zu verändern. Manche Menschen tragen natürlicherweise eine Mutation in diesem Gen, die sie resistent gegen HIV macht. Die Mutation bewirkt, dass das Virus nicht mehr in die Immunzellen eindringen kann, die es sonst infiziert.

Der Versuch, diese HIV-Resistenz in die – nicht-lebensfähigen – Embryos einzubauen, war jedoch wenig erfolgreich: Nur 4 von 26 Embryos trugen anschliessend die gewünschte Mutation. Andere zeigten keine Veränderung des Gens CCR5 oder aber andere, unerwünschte Mutationen.

Die Studie zeige in erster Linie, dass es noch viele technische Hindernisse gebe, sagte Xiao-Jiang Li gegenüber «Nature News». Der Neurowissenschaftler forscht an der Emory University in Atlanta und war nicht an der chinesischen Studie beteiligt. Die technischen Probleme solle man erst in Tierversuchen beheben, bevor man das Erbgut menschlicher Embryos editiere, so er.

Kritik aus der Wissenschaft

Der Eingriff ins Erbgut menschlicher Embryos löst nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch unter vielen Wissenschaftlern heftige Kritik aus. Die Erfinderinnen des Gentechnik-Werkzeugs Crispr-Cas9, das in beiden chinesischen Studien zum Einsatz kam, sprachen sich wiederholt gegen die Verwendung dieser Methode zur Manipulation der menschlichen Keimbahn aus.

Gemeint sind damit Manipulationen an der Erbinformation, die an die nächste Generation vererbt werden können. Da bei Genmanipulation an Embryos auch deren Keimzellen betroffen sind, würde jede Veränderung erblich. Als weniger problematisch werden Manipulationen am Erbgut in anderen, ausgereiften Geweben betrachtet, zum Beispiel in Form einer Gentherapie für Erbkrankheiten, die das Auge betreffen.

Keine Designer-Babys

Auch die chinesischen Forscher schreiben in ihrer Publikation, dass der Versuch, gentechnisch veränderte Menschen durch Manipulation früher Embryos zu erzeugen, streng verboten werden sollte, bis sowohl ethische als auch wissenschaftliche Fragen geklärt seien.

Zuletzt machte der Eingriff ins Erbgut von Embryos im Februar Schlagzeilen, als die britische Behörde «Human Fertilisation and Embryology Authority» Forschenden des Francis Crick Institute die Erlaubnis erteilte, menschliche Embryos zu Forschungszwecken gentechnisch zu verändern.

Im Gegensatz zu den chinesischen Studien geht es bei dem bewilligten Projekt der Wissenschaftlerin Kathy Niakan vom Francis Crick Institute nicht um das Korrigieren von Gendefekten, sondern um Grundlagenforschung zur Frühentwicklung von Embryos. Sie hofft damit zu klären, wie es zu Fehlgeburten kommt. Die britische Gesetzgebung verbietet es strikt, manipulierte Embryos einer Frau einzupflanzen.

(sda)

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