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Kopfschmerzen und Migräne: Diese Fehler bei Tabletten sollte man meiden

Frau mit Kaffee, Kopfschmerzen (Symbolbild)
Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die häufigsten Kopfschmerzformen.Bild: Shutterstock

Diese fünf Fehler solltest du bei Kopfschmerztabletten meiden

Über 200 verschiedene Kopfschmerzarten sind bekannt. Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die häufigsten Kopfschmerzformen. Kopfschmerztabletten sind meist eine Erleichterung. Wie du sie richtig einnimmst.
05.04.2026, 21:0405.04.2026, 21:04
Ann-Kathrin Landzettel / t-online
Ein Artikel von
t-online

Über 200 verschiedene Kopfschmerzarten sind bekannt. Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die häufigsten Varianten. Tabletten können die Beschwerden lindern. Das setzt allerdings voraus, dass bestimmte Einnahmefehler vermieden werden. Welche das sind und was sonst noch bei Kopfschmerztabletten zu beachten ist, erklärt ein Neurologe.

Schmerzintensität bei Spannungskopfschmerzen und Migräne

Während Spannungskopfschmerzen oft durch Stress, Flüssigkeitsmangel, zu wenig Schlaf oder muskuläre Verspannungen ausgelöst werden, handelt es sich bei Migräne um ein eigenes Krankheitsbild, das Betroffene oft ein Leben lang begleitet.

Ausgelöst wird der Migräneanfall häufig durch bestimmte Reize, sogenannte Trigger. Das können beispielsweise Temperaturschwankungen, bestimmte Lebensmittel, Alkohol und Schlafmangel sein. Beide Kopfschmerzarten unterscheiden sich in der Intensität der Schmerzen – was unterschiedliche Medikationen erforderlich macht.

Spannungskopfschmerzen zeigen sich meist in Form einer «Schraubzwinge um den Kopf». Betroffene beschreiben sie als leicht bis mittelstark und dumpf-drückend. Meist schmerzt der gesamte Kopf. In der Regel lassen Spannungskopfschmerzen nach einigen Stunden wieder nach, können aber auch mehrere Tage andauern.

Migränepatienten hingegen beschreiben einen pochenden, pulsieren oder hämmernden Schmerz, verursacht «wie durch einen Presslufthammer». Sie stufen die Schmerzintensität als mittelstark bis stark ein. Der Migräne-Kopfschmerz tritt in der Regel einseitig an der Schläfe auf, beginnt häufig aber auch aus dem Nacken.

«Die Migräne ist durch intensive Schmerzattacken gekennzeichnet, die mehrere Stunden bis Tage anhalten können und oft dazu führen, dass Betroffene nicht mehr am Alltag teilnehmen können», sagt der Generalsekretär der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Dr. Charly Gaul. «Meist ziehen sie sich ins Bett zurück, dunkeln den Raum ab und brauchen Ruhe.»

Welche Schmerzmittel bei Spannungskopfschmerzen?

Plagen Spannungskopfschmerzen, sollte man es im ersten Schritt mit Bewegung an der frischen Luft, Dehnung verspannter Muskelpartien, Schlaf und ausreichend Trinken versuchen. Pocht der Kopf weiter, kann man ein Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen einnehmen. «Empfohlen werden können bei Spannungskopfschmerzen Ibuprofen, Paracetamol und die Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Koffein», sagt Gaul. «Darüber hinaus kann Pfefferminzöl – auf die Schläfen aufgetragen – zur Linderung von Spannungskopfschmerzen beitragen. Häufig hilft das so gut, dass man auf die Schmerztablette verzichten kann.»

Zur Person
Dr. med. Charly Gaul ist 1. Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG). Der zertifizierte Kopf- und Gesichtsschmerzexperte sowie Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie ist am Kopfschmerzzentrum Frankfurt am Main tätig.
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Welche Schmerzmittel helfen bei Migräne?

Von Migräne Betroffene können manchmal eine sich anbahnende Migräneattacke abwenden, indem sie sich ausruhen oder etwas schlafen. Laut dem Kopfschmerzexperten ist das Migränegehirn «überreizt» und bedarf einer Ruhephase. In manchen Fällen helfe auch ein starker Kaffee frühzeitig in der Migräneattacke. Bricht diese voll aus, kommen Betroffene allerdings nicht mehr ohne ein Schmerz- oder Migränemittel aus. Wenn es zusätzlich zu Übelkeit kommt, kann es notwendig werden, auch Medikamente gegen die Übelkeit einzunehmen.

«Von den Migränemitteln, Triptane genannt, sind mittlerweile drei frei verkäufliche in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich: Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan 50 mg. Diese kommen zum Einsatz, wenn die Schmerzmittel nicht zuverlässig helfen. Die Anwendung von Pfefferminzöl auf den Schläfen ist für Migränepatienten aufgrund der erhöhten Geruchsempfindlichkeit meist ungeeignet.»

Fünf Fehler bei der Tabletteneinnahme

Kopfschmerztabletten sollten mit Bedacht eingenommen werden. Um Kopfschmerzmittel-bedingten Beschwerden vorzubeugen, sollten Kopfschmerzgeplagte folgende fünf Fehler vermeiden:

  • Zu oft Schmerzmittel nehmen: Eine zu häufige Schmerzmitteleinnahme kann zu einer Kopfschmerzverstärkung und -häufig führen. Es handelt sich dann um einen sogenannten Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Schmerz- und Migränemittel sollten nicht öfter als an zehn Tagen im Monat und nicht länger als drei Tage hintereinander eingenommen werden.
  • Selbstmedikation ohne ärztliche Untersuchung: Wer häufiger unter Kopfschmerzen leidet, sollte immer einen Arzt aufsuchen. Zum einen, um die Schmerzursache zu klären. Zum anderen, um eine lindernde Therapie abzustimmen. Dosierung, Häufigkeit der Einnahme sowie die Einnahme möglicher weiterer Medikamente, etwa magenschonende Mittel oder Präparate gegen Übelkeit im Rahmen einer Migräne, sollten auf den individuellen Fall abgestimmt werden.
  • Zu hoch dosieren: Überschreitest du die tägliche Dosierempfehlung der Packungsbeilage beziehungsweise des Arztes, steigt das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, etwa Schleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt.
  • Schmerzmittel auf nüchternen Magen nehmen: Nimm du Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Acetylsalicylsäure und Paracetamol gegen Kopfschmerzen nicht auf nüchternen Magen ein, wenn du einen empfindlichen Magen hast. Das kann Magenbeschwerden verstärken. Triptane hingegen können in der Regel unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Besprich mit deinem Arzt, was du bei der Einnahme von Triptanen beachten musst.
  • Schmerzmittel mit zu wenig Wasser einnehmen: Nimm Schmerzmittel immer mit stillem Wasser ein. Wasser beeinflusst die Wirkstoffe nicht und unangenehmes Aufstossen bleibt dir erspart. Zimmerwarm ist es für den Magen am besten verträglich. Trink zur Tabletteneinnahme immer ein grosses Glas Wasser. So bleibt die Tablette nicht in der Speiseröhre hängen und kann sich zudem im Magen gut auflösen, was die Wirkstoffaufnahme beschleunigt.

Ausserdem rät der Kopfschmerzexperte, Medikamente gegen Kopfschmerzen nicht zu spät und nicht unterdosiert einzunehmen: «In der Migräneattacke werden Botenstoffe, zum Beispiel CGRP, ausgeschüttet, die den Anfall und die Schmerzen verstärken und verursachen. Triptane hemmen die Ausschüttung. Je früher man diese im Anfall einnimmt, desto besser ist die Wirksamkeit», erklärt Gaul.

«Selbst wenn man zunächst etwas abwarten, um die Situation besser einschätzen zu können: Wenn man merkt, dass dieser Anfall ohne Schmerzmittel oder Triptan nicht auszuhalten ist, dann sollten man die Einnahme nicht hinauszögern. Unterdosierte und zu spät eingenommene Medikamente wirken nicht.»

Verwendete Quellen:

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