DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Unzensiertes Erpresserschreiben aufgetaucht

«Sie sind erledigt, Sie dreckiges, abnormales Tier»: So krankhaft hasste das FBI Martin Luther King

13.11.2014, 22:1614.11.2014, 13:48

Die «New York Times» hat ein Erpresserschreiben der US-Bundespolizei FBI aus dem Jahr 1964 an den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King veröffentlicht. Beverly Gage, Professorin für amerikanische Geschichte an der Universität Yale, war bei Recherchen zufällig auf eine unzensierte Kopie gestossen.

bild: national archives, colleage park, maryland via new york times

Dass das FBI und ihr Amok-Direktor J. Edgar Hoover den schwarzen Bügerrechtler Martin Luther King abhörte und zu demontieren versuchte, ist seit langem bekannt. Wie gross sein Hass auf den charismatischen Friedensnobelpreisträger gewesen sein muss, wird nun in den Zeilen (siehe vollständige Übersetzung unten) dieses ungeheuerlichen Briefs deutlich.

Der Schreiber, der sich als Schwarzer ausgibt und sich absichtlich dilettantisch ausdrückt, beleidigt King als «Betrüger», «sexgetriebenes Tier» und rät ihm am Schluss zum Selbstmord. Andernfalls würden seine Affären und «Orgien» öffentlich gemacht. Beigelegt war offenbar eine Tonbandaufnahme, welche die Vorwürfe belegen sollten. Verfasst hat den Brief William Sullivan, ein Stellverterter Hoovers, wie ein Sonderausschuss des US-Senats bereits 1975 herausfand.

Das FBI war ursprünglich wegen einem engen Berater Kings, der in kommunistischen Kreisen verkehrte, auf ihn aufmerksam geworden. Diektor Hoover passte zudem nicht, dass der Bürgerrechtler ihm vorwarf, nichts gegen rassistische Beamte im Süden zu unternehmen. Die Abhöraktionen brachten allerdings keine kommunistische Unterwanderung der Bürgerrechtsbewegung zutage, sondern lediglich Kings zahlreiche Affären, die unter seinen Weggefährten aber bereits bekannt waren.

FBI-Direktor J. Edgar Hoover
FBI-Direktor J. Edgar Hoover
Bild: AP

Die Versuche des FBI, diese pikanten Details aus Kings Privatleben der Presse zuzuspielen und ihn so zu demontieren, fruchteten nicht. Im Gegenteil, er wurde immer populärer. Der Erpresserbrief war der letzte verzweifelte Versuch Hoovers, seinen Kritiker kaltzustellen. Für Professorin Beverly Gage entbehrt die Episode nicht einer gewissen Ironie: Kings Ruf ist intakt geblieben, Hoover hingegen gilt als einer der grössten Schurken der amerikanischen Geschichte.

Martin Luther King
Martin Luther King
Bild: AP

Deutsche Übersetzung des berüchtigten «Suicide Letter»:

KING,

Angesichts Ihres minderwertigen, abnormalen persönlichen Verhaltens ist Ihr Name nicht einer Anrede wie Herr oder Pfarrer oder Doktor würdig. Ihr Nachname erinnert an Könige wie Heinrich VIII. und an dessen unzähligen Ehebrüche und unmoralische Handlungen, niederer als jene von Tieren.

King, schauen Sie in Ihr Herz. Sie wissen, dass Sie ein Betrüger und eine grosse Belastung für uns Neger sind. Die Weissen in diesem Land haben genug eigene Betrüger, aber ich bin sicher, dass Ihnen keiner von denen das Wasser reichen kann. Sie sind kein Geistlicher und das wissen Sie auch. Ich wiederhole, Sie sind ein kolossaler Betrüger und ein bösartiger, gemeiner dazu. Wer sich so verhält, kann nicht an Gott glauben. Offensichtlich besitzen Sie keinerlei moralische Prinzipien.

King, wie für alle Betrüger ist Ihr Ende nah. Sie hätten unser grösster Anführer sein können. Selbst in Ihrem jungen Alter haben Sie sich nicht als Anführer, sondern als liederlicher, abnormal-moralischer Idiot herausgestellt. Wir müssen uns jetzt älteren Führungspersönlichkeiten wie [NAACP-Direktor Roy] Wilkins zuwenden, der Charakter besitzt, und Gott sei Dank haben wir solche wie ihn. Aber Sie sind erledigt. Ihre «Ehren»-Doktorwürden, Ihr Nobelpreis (welch makabre Farce) und anderen Auszeichnungen werden Sie nicht retten. King, ich wiederhole, Sie sind erledigt.

Niemand steht über den Fakten, nicht einmal ein Betrüger wie Sie. Lauschen Sie mit ihrem sexuell psychotischen Gehör der beigelegten [Tonbandaufnahme]. Sie werden hören, wie Sie für alle Ewigkeit enttarnt sind, in all Ihrem Schmutz, Dreck und bösen und idiotischen Gerede. Ich wiederhole – niemand steht über den Fakten. Sie werden Ihre schmutzigen, dreckigen, bösartigen Kumpanen, weibliche und männliche aufgezeichnet finden, die Ihren abscheulichen Abnormalitäten Ausdruck verleihen. Einige geben vor, Pfarrer zu sein. Nicht einnmal der Teufel könnte das überbieten. Welch Boshaftigkeit. Alles aufgezeichnet, Ihre Sex-Orgien. Hören Sie sich das an, Sie dreckiges, abnormales Tier. Alles aufgezeichnet, auch vorher schon – alle Ihre Ehebrüche, Ihre Sex-Orgien bis weit in die Vergangenheit. Das hier ist nur ein winziges Beispiel. Das wissen Sie. Jawohl, alles aufgezeichnet, von Ihren bösen Gespielinnen an der Ostküste zu [Name entfernt] und anderen an der Westküste und im Ausland. Sie sind erledigt.

Die amerikanische Öffentlichkeit, die kirchlichen Einrichtungen, die Sie unterstützt haben – reformiert, katholisch und Juden werden erkennen, was Sie wirklich sind – ein bösartiges, abnormales Tier. Ebenso andere, die Ihnen geholfen haben. Sie sind erledigt.

King, Sie haben nur noch einen Ausweg. Sie wissen, was ich meine. Sie haben noch 34 Tage Zeit [bis zur Entgegenname des Friedensnobelpreises]. Diese exakte Zahl hat einen spezifischen Hintergrund und ist von praktischer Bedeutung. Sie sind erledigt. Es gibt nur noch einen Ausweg. Nehmen Sie ihn, bevor Ihr dreckiges, abnormales, betrügerisches Selbst der Nation offenbart wird.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Vom Minirock zur Burka – Frauen in Afghanistan

Nachdem der Steinzeit-Islam in Form der Taliban erneut die Macht in Afghanistan übernommen hat, tauchen in den Medien wieder vermehrt Bilder aus vermeintlich glücklicheren Tagen auf: Frauen, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren unverschleiert und in Miniröcken über die Strassen Kabuls flanieren. Frauen, die in den Achtzigerjahren an der Universität studieren und mit offenen Haaren durch Parks schlendern.

Diese vergleichsweise liberale Phase endete mit dem Abzug der Roten Armee Anfang 1989. …

Artikel lesen
Link zum Artikel