El Niño im Anmarsch: Was das Phänomen mit Hitzesommern in der Schweiz zu tun hat
Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass sich im tropischen Pazifik ab der zweiten Hälfte des Jahres 2026 ein El-Niño-Ereignis entwickeln könnte. Die US-Klimabehörde National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit für eine entsprechende Entwicklung zwischen Mai und Juni 2026 auf rund 82 Prozent. Für den Zeitraum Dezember 2026 bis Februar 2027 steigt sie laut Einschätzung auf bis zu 96 Prozent.
Auch die World Meteorological Organization stützt diese Einschätzung in ihren jüngsten Berichten und sieht ebenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine El-Niño-Phase im Verlauf von 2026/27.
So funktioniert der El Niño
Die Vorhersagen basieren auf der Beobachtung steigender Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Ostpazifik. Diese gelten als zentraler Indikator für die Entstehung eines El Niño.
Ein El Niño entsteht, wenn sich die Passatwinde, die normalerweise von der Westküste Südamerikas nach Südostasien und Ozeanien ziehen, abschwächen oder umdrehen. Bei einer normalen Klimasituation sorgt der Wind dafür, dass das warme Oberflächenwasser von Südamerika weggeschoben wird. Bei einem El Niño ist dieser Effekt aufgehoben, was vor allem auf Südamerika, Südostasien und Ozeanien katastrophale klimatische Auswirkungen produziert.
Durch das wärmere Oberflächenwasser vor Südamerika stirbt Plankton ab und Fische ziehen davon, da sie keine Nahrung mehr finden, was wiederum für die lokale Bevölkerung ein Nahrungsausfall bedeutet. Ausserdem fehlen während des El Niño über Südostasien und Ozeanien Regenfälle, was lokal zu massiven Dürren führen kann, während an der südamerikanischen Westküste zu viel Regen fällt und Überschwemmungen und Hangrutsche auslösen kann.
Vom El Niño ist indirekt nahezu der gesamte Planet betroffen. So kommt es in Indien während dieser Phase zu stärkeren Monsunregen, während die Westküste Nordamerikas ebenfalls intensivere Niederschläge verzeichnet. In Ostafrika treten ebenfalls vermehrt Regenfälle auf, während im südlichen Afrika die Bedingungen trockener als üblich sind.
Wahrscheinlichkeit eines «Super El Niño»
Ein Teil der Modellläufe zeigt, dass sich unter den aktuellen Bedingungen auch ein starkes El-Niño-Ereignis entwickeln könnte: ein «Super El Niño». Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen ECMWF betont aber, dass die aktuellen Prognosen noch zu unsicher seien, um die genaue Stärke eines El Niño vorauszusagen, es sei aber sehr wahrscheinlich, dass ein El Niño auftritt.
Super El Niños waren auch die El Niños von 1997/98 oder 2015/16. Beide lösten weltweit extreme Wetteranomalien aus, darunter Dürren in Australien, Starkniederschläge in Südamerika und Hitzewellen in verschiedenen Regionen.
Mögliche Folgen für Europa und die Schweiz
El Niño wirkt sich nicht überall gleich aus, kann aber indirekt auch das europäische Wettergeschehen beeinflussen. In Mitteleuropa stehen dabei vor allem Temperaturtrends im Sommer im Fokus.
Ein starkes El-Niño-Ereignis erhöht die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittlich warme Monate, wobei die konkrete Ausprägung stark von weiteren Klimafaktoren abhängt. Dazu gehören etwa die Entwicklung im Atlantik oder die allgemeine globale Erwärmung, die das allgemeine Temperaturniveau bereits anhebt.
Für die Schweiz bedeutet das kein festes Szenario, aber ein erhöhtes Risiko für heisse Sommerperioden und länger anhaltende Wärmephasen. Nach dem letzten El Niño 2023/24 wurde das wärmste Jahr seit Messbeginn verzeichnet. Gemäss Studien auch aufgrund des Einflusses des El Niños.
