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Tödliches Ammoniumnitrat: 6 Unfälle und Anschläge aus der Vergangenheit

Bilder vom Unglück in der libanesischen Hauptstadt Beirut gehen um die Welt. Der Grund für die tragische Detonation soll Ammoniumnitrat sein. Die hochexplosive Chemikalie sorgte schon mehrmals für tragische Unfälle und Anschläge.
06.08.2020, 09:53

Die Chemikalie Ammoniumnitrat soll im Hafen von Beirut jahrelang in grossen Mengen und ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden sein. Die Detonation vom Dienstag steht nach unterschiedlichen Berichten in Verbindung mit dieser Substanz. Eine Untersuchungskommission soll bis zur kommenden Woche einen ersten Bericht vorlegen. Ammoniumnitrat wird heute vor allem als Düngemittel verwendet. Beim Erhitzen können die durchsichtigen und farblosen Kristalle explodieren, weshalb der Umgang in Deutschland durch das Sprengstoffgesetz geregelt ist.

>>> Alle News zum Unglück in Beirut im Liveticker.

Bis zum Zweiten Weltkrieg basierten auch viele Sprengstoffe auf der Substanz. Sie führte schon mehrfach zu tödlichen Explosionen und wurde auch bei Anschlägen eingesetzt. Ein Überblick:

2012

Im Dezember wird auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs eine blaue Sporttasche entdeckt. Sie enthält eine Rohrbombe mit einem Gemisch aus Ammoniumnitrat und Nitromethan. Später zeigt sich, dass sie gezündet wurde, aber nicht detonierte. Durch glückliche Umstände kommt es nicht zum Terroranschlag. Der mutmasslich islamistische Bombenleger Marco G. wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bahnsteighalle des Bonner Hauptbahnhofes.
Bahnsteighalle des Bonner Hauptbahnhofes.

2004

Im Bahnhof von Ryongchon in Nordkorea nahe der chinesischen Grenze kollidieren ein Tankwagen und zwei mit Ammoniumnitrat beladene Zugwaggons. Ein Funkenschlag löst eine Explosion aus. Mindestens 169 Menschen sterben, darunter viele Kinder. 1300 Menschen werden verletzt, Tausende Häuser zerstört oder beschädigt.

Ort des Unglücks.
Ort des Unglücks.
screenshot: google maps

2001

Nach einer fatalen Kettenreaktion kommt es in einer Düngemittel-Fabrik bei Toulouse in Südfrankreich zu einer verheerenden Explosion: 31 Menschen sterben, 2500 werden verletzt, Tausende Gebäude zerstört oder beschädigt.

Das betroffene Industrie-Areal in Toulouse.
Das betroffene Industrie-Areal in Toulouse.
Bild: EPA ATOFINA

1995

Bei einem Anschlag am 19. April 1995, dem bis dahin folgenschwersten Attentat in den USA, explodiert vor einem Regierungsgebäude in Oklahoma-City ein Kleinlastwagen mit einer Mischung aus Dieselkraftstoff und Ammoniumnitrat. Die Detonation tötet 168 Menschen, darunter viele Kinder. Attentäter ist der Golfkriegsveteran Timothy McVeigh.

Die Überreste des Regierungsgebäude in Oklahoma.
Die Überreste des Regierungsgebäude in Oklahoma.

1947

Der französische Frachter «Grandcamp» mit 2300 Tonnen Ammoniumnitrat-Düngemittel an Bord explodiert im Hafen von Texas City in den USA. Das Feuer greift auf die Stadt über. Mindestens 510 Menschen kommen ums Leben, Tausende werden verletzt. Im selben Jahr explodiert im Hafen im französischen Brest der mit Ammoniumnitrat beladene Frachter «Ocean Liberty». 21 Menschen kommen ums Leben.

Ein Frachter drei Tage nach der Katastrophe.
Ein Frachter drei Tage nach der Katastrophe.

1921

Am 21. September 1921 explodiert auf dem BASF-Werksgelände in Oppau bei Ludwigshafen ein Düngemittel-Silo. 561 Menschen kommen ums Leben, fast 2000 werden verletzt. Das Chemiewerk ist ein einziges Trümmerfeld, auch von den damals etwa 1000 Wohnhäusern in Oppau sind 800 komplett zerstört oder unbewohnbar. Am Werk waren 4500 Tonnen Ammoniaksulfatsalpeter explodiert, das auch Ammoniumnitrat enthält. Der Vorfall gilt als eines der schwersten Industrieunglücke Europas. (cki/sda/dpa)

Bild nach dem Unglück mit dem Explosionstrichter im Vordergrund.
Bild nach dem Unglück mit dem Explosionstrichter im Vordergrund.
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Schwere Explosion am Hafen von Beirut

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Schwere Explosion am Hafen von Beirut
quelle: epa / @tayyaraoun1
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Wie eine Austauschstudentin die Explosion in Beirut erlebte

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